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01/04 2005

Team ComNet-Senges 03/05: Am Anfang stand das Wort...




von Sven

 

Teampräsentationen laufen in der Regel nach einem gleichförmigen Schema ab: Die einzelnen Fahrer werden nach und nach der Öffentlichkeit vorgestellt, geben dabei fleißig Auskunft über ihre zumeist viel zu hoch gesteckten Saisonziele und sind letztlich froh, dem ganzen Brimborium einigermaßen sprachfehlerfrei entkommen zu sein. Das Stolberger Team ComNet-Senges wurde in diesem Jahr vier Wochen später als im vergangenen Jahr, genauer am 25. Februar, präsentiert – ein dreiwöchiges Trainingslager auf Mallorca wurde anno jetzt dazwischen geschoben. Ob sich die Exkursion ausgezahlt hat, konnte an jenem 25. Februar in der Stolberger Stadthalle freilich noch nicht verifiziert werden. Dennoch waren den Fahrern am Abend der Präsentation mangelnde Ambitionen für die Saison 2005 nicht vorzuwerfen. Welche Wertigkeit die Worte im Verbund mit dem Trainingslager hatten – darüber sollten bereits die kommenden Wochen erste Aufschlüsse geben.



Zweites Rennen – zweiter Platz



© peloton-pictures.com
Erstes "Stockerl" durch Wolfram Wiese

Bereits beim zweiten Saisonrennen im belgischen Oud-Heverle setzte Wolfram Wiese eine erste Duftmarke, indem er nach 109 Kilometer den zweiten Rang belegte. Gleichwohl war die Wertigkeit dieses Rennens im Vergleich zu dem, was da noch kommen sollte, eher als geringfügig einzustufen. Dennoch war dieses Resultat durchaus viel versprechend im Hinblick auf die weiteren Einsätze.

Auf die erste Freude folgte rasch der erste Frust: Keineswegs in sportlicher Hinsicht – vielmehr war es die arktische Kälte mit Schnee und Eis im Schlepptau, welche Mitteleuropa in jenen Wochen fest im Griff hatte. Der komplette Rennkalender wurde dadurch in Mitleidenschaft gezogen und eine Absage folgte auf die nächste. Betroffen davon auch die Planungen der Stolberger, mussten sie doch in der ersten Märzwoche auf das Rennen „GP FINA - Fayt-le-Franc“ sowie den Flämischen Pfeil verzichten.



Vereister Saisonauftakt

Dann aber, trotz eisiger Temperaturen im nördlichen Frankreich, konnten am 6. März endlich wieder die Räder ausgepackt werden, auch wenn die äußeren Gefrierpunktsumstände nicht wirklich für eine angenehme „Rennatmosphäre“ sorgten. Beim Prix de Lillers, einem Rennen der Kategorie 1.2, schafften Robert Retschke und Markus Eichler zufrieden stellende Platzierungen unter den ersten 20. Für den Anschluss an die Spitzengruppe um den späteren Sieger Johan Coenen, welcher immerhin auch beim Omloop Het Volk in der Spitze mitmischen konnte, reichte es zwar nicht ganz, doch lediglich eine Minute Rückstand ist beileibe keine Welt. Am Wochenende darauf ging es weiter mit dem Omloop van het Waasland (1.2), bei dem sich erneut Robert Retschke als stärkster ComNet-Fahrer profilierte und in der zweiten Gruppe als 22. das Ziel erreichte. Mögen diese Resultate auf den ersten Blick vielleicht unspektakulär erscheinen, sollte dabei jedoch berücksichtigt werden, dass die Professional-Konkurrenz aus Belgien stets hoch motiviert bei ihren Heimrennen auftritt - sind diese doch nach Flandern-Rundfahrt und Het Volk Saisonhöhepunkte für Teams wie MrBookmaker, Landbouwkrediet und Chocolade Jacques. Beim Nokere Koerse (1.1) mischten auch einige der ProTour-Teams mit, so dass nicht verwunderlich war, dass es für keinen ComNet-Fahrer zu einem vorderen Rang reichte. Derweil richteten sich die Augen bereits gen Heimat, denn mit Köln-Schuld-Frechen und Rund um Köln standen die ersten wichtigen Standortbestimmungen auf deutschem Boden an.



Köln-Schuld-Frechen



© foto-grafik-satz.de
Robert Retschke siegt in Frechen

Bei frühsommerlichen Temperaturen um die 20 Grad wurde für Köln-Schuld-Frechen ein Duell der beiden besten deutschen Continental-Teams erwartet: Zum einen natürlich die ComNet-Mannschaft, zum anderen das Team Lamonta aus Rheda-Wiedenbrück, im Vorjahr das beste GS-III-Team der Welt und somit ein hoher Maßstab für die Männer aus Stolberg. Als Wiesenhof-Tandem waren die beiden Rheinländer David Kopp und Christian Knees dabei, die es sich nicht nehmen lassen wollten, in der Umgebung ihrer Heimatorte Meckenheim und Rheinbach anzutreten.

Köln-Schuld-Frechen mit seinen sechs Bergwertungen in der Eifel stellte sich als selektives Rennen heraus, doch die ComNets waren stets auf der Höhe: Karsten Vogel setzte sich in die erste ernstzunehmende Spitzengruppe an der Steigung hinauf nach Mahlberg. Als das Rennen in seine entscheidende Phase trat, waren wie erhofft die ComNet-Kapitäne Corey Sweet und Robert Retschke aufmerksam. Auch Wolfram Wiese mischte im Kreis der Sieganwärter mit, zu dem noch die beiden Wiesenhof-Asse Kopp und Knees, sowie das Lamonta-Trio Holger Sievers, Björn Papstein und Philipp Mamos zählten.



Am letzten Anstieg des Tages sorgte Corey Sweet persönlich dafür, dass Ausreißer und Vorjahressieger David Kopp einen Fluchtversuch nicht vollenden konnte.

Auf der Fahrt zurück Richtung Zielort Frechen waren es drei Fahrer, die sich aus der Spitzengruppe lösten: Kopp, Retschke und Sievers. In einem Dreiersprint hätten die beiden letztgenannten wohl kaum Land gesehen, so dass Robert Retschke wusste, dass er noch vor der Einfahrt nach Frechen etwas riskieren musste. Dies tat er bravourös, indem er mit einer scharfen Attacke seine Fluchtgefährten stehen ließ und solo dem Ziel entgegen fuhr. Der erste Saisonsieg für ComNet-Senges war perfekt, zugleich noch bei einem derart wichtigen Rennen. Die Freude war entsprechend groß, denn zu allem positiven Überfluss wurde noch die Teamwertung gewonnen (Corey Sweet 4., Wolfram Wiese 8.).




© foto-grafik-satz.de
Das Podium von Frechen: Holger Sievers, Robert Retschke, David Kopp (v.l.)



Tour de Normandie

Währenddessen machte sich eine andere ComNet-Abordnung auf in Richtung Normandie, um dort an der 2.2-Rundfahrt im Norden Frankreichs teilzunehmen. An gleicher Stelle holte im Vorjahr Luke Roberts einen Etappensieg für die ComNet-Mannschaft. Diesmal sollte das Team leer ausgehen, wenngleich niemand im Vorfeld so vermessen war und eine Wiederholung des Vorjahreserfolges einforderte. So fuhr das Team um den schwedischen Meister Petter Renäng eine anständige Rundfahrt. Eben jener Renäng gemeinsam mit Elnathan Heizmann waren Tag für Tag in der ersten Gruppe vertreten und erreichten letztlich nur deshalb keinen Top 10-Platz im Abschlussklassement, da im Prolog die entscheidenden Sekündchen fehlten. Auf sich aufmerksam machte auch ein weiterer Neuzugang: Stefan Heiny belegte auf der ersten Etappe im Massensprint den dritten Rang. Für vier Mann (Renäng, Markus Eichler, Frank Dressler und René Schild) der Normandie-Truppe ging es am Ostermontag direkt weiter zu Rund um Köln.



Rund um Köln



© foto-grafik-satz.de
links außen Robert Retschke gemeinsam mit Jens Heppner und René Haselbacher bei Rund um Köln

Mit dem traditionsreichen Rennen durchs Bergische Land stand der erste Saisonhöhepunkt für die Mannschaft ComNet-Senges auf dem Programm. Die Konkurrenz um T-Mobile und Gerolsteiner war groß und so blieb abzuwarten, ob die durchweg positiven Tendenzen der letzten Wochen auch für dieses Rennen Gültigkeit behielten.

In der Anfangsphase präsentierten sich Markus Eichler und Wolfram Wiese mit kleineren Attacken – den Sponsor wird es gefreut haben. Auch Corey Sweet, „Bergkönig“ im vergangenen Jahr bei Rund um Köln, zeigte sich wachsam, befand er sich doch in der ersten „seriöseren“ Spitzengruppe um Danilo Hondo und Jens Voigt. Letztlich aber war es eine Zusammenstellung von 20 Fahrern, die dem Feld entscheidend entwischte – mit dabei auch Robert Retschke, Erfolgsgarant der Stolberger in der noch jungen Saison.

Als das zunächst daraus entschwindende Trio David Kopp, Tiaan Kannemeyer und Cédric Vasseur 15 Kilometer vor dem Ziel wider Erwarten doch noch eingeholt wurde, war das Rennen auf des Messers Schneide und auch Retschke versuchte sein Glück, wurde aber nicht von der Kette gelassen. Hingegen nahm die Frontgruppe David Kopp scheinbar nicht mehr allzu ernst, als dieser ein letztes Mal versuchte, doch noch wegzukommen. Ein Trugschluss, denn der Meckenheimer erwies sich als zu stark für das in der Spitze befindliche Cofidis-Trio um Stuart O'Grady, auf dessen Schultern die Verfolgungsarbeit lag, und gewann den rheinischen Klassiker. Robert Retschke schaffte im Ziel einen hervorragenden neunten Rang und unterstrich damit den für sich und sein Team bärenstarken Saisonauftakt ins Jahr 2005. Weiter so!

 



ComNet des Monats: Robert Retschke




© cycling4fans
Deutete bereits in Belgien gute Form an, steigerte sich von Rennen zu Rennen und fuhr bei Köln-Schuld-Frechen den glanzvollen ersten Saisonsieg für das Team ein.


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