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Garmin-Slipstream - das Tour-Team 2009

von Bertro



Das Team Garmin-Slipstream konnte seine Planungen für die Tour de France bereits sehr früh beginnen, denn als neues ProTour-Team besitzt es eine automatische Startberechtigung. Dass die Tour einer der Saisonhöhepunkte ist, zeigt zum einen die Nominierung der besten Fahrer für die Tour, zum anderen auch der Formaufbau, rollten doch viele Fahrer beim Giro nur mit und waren dort nicht zu sehen.

Nichtsdestotrotz konnte Garmin 2009 bereits einige Erfolge verbuchen.

 



Die bisherige Saison

Wenn man die bisherige Saison analysiert, springen 4 Namen sofort ins Auge:

Tyler Farrar, Bradley Wiggins, Christian Vandevelde und Daniel Martin.

 

Tyler Farrar etablierte sich diese Saison in der Garde der Top-Sprinter. Für sich sprechen ein Etappensieg sowie der Gesamtsieg bei der Delta Tour Zeeland sowie ein Etappensieg im Frühjahr auf der 3. Etappe von Tirreno-Adriatico. Auch beim Giro konnte er mit einem 2. Platz auf der 5. Etappe und einem 3. Platz auf der 2. Etappe auf sich aufmerksam machen.

Bradley Wiggins konnte Anfang April mit einem Sieg im Zeitfahren der Tour de Panne auf sich aufmerksam machen.

Bei Christian Vandevelde steht ein Etappensieg bei Paris-Nizza (4. Etappe) zu Buche.

Der neue irische Meister, Dan Martin fährt eine hervorragende Saison (3. der Mittelmeer-Rundfahrt, gute Leistungen in den Bergen auch bei der Tour de Romandie), wurde aber kurzfristig aus dem Kader der Tour gestrichen.

Dieser nun im Überblick:

 



Das Aufgebot

• Julian Dean, 34 Jahre

• Tyler Farrar, 25 Jahre

• Ryder Hesjedal, 28 Jahre

• David Millar, 32 Jahre

• Martijn Maaskant, 25 Jahre

• Danny Pate, 30 Jahre

• Christian Vandevelde, 33 Jahre

• Bradley Wiggins, 29 Jahre

• David Zabriskie, 30 Jahre

 

Garmin setzt somit auf ein erfahrenes Team, mit dem sowohl in den Sprints als auch in den Bergen zu rechnen ist. Für das Mannschaftszeitfahren rechnet sich das Team sehr viel aus, hier sind sie neben Astana und Colombia von der Papierform die heißesten Sieganwärter.

Den schwachen Giro sollen sie durch eine starke Tour vergessen machen. Wie die Aussichten dabei stehen, soll im Folgenden analysiert werden.

 



Die einzelnen Fahrer

Als Sprinter der Mannschaft geht Tyler Farrar ins Rennen. Sein Sieg zuletzt bei der Delta Tour Zeeland. deutet darauf hin, dass er sich auch bei der Tour mit der anwesenden Sprint-Elite messen will und kann. Ob er jedoch konstant in die Top 5 fahren kann, ist angesichts der enormen Dichte an Weltklassesprintern in Frage zu stellen. Auf einzelnen Etappen sollte er seine enorme Endschnelligkeit allerdings ausspielen können. Sein 4. Platz im Prolog der Tour de Romandie zeigt, dass Farrar auch gute Zeitfahren kann, was einerseits wichtig für das Mannschaftszeitfahren ist, ihm andererseits auch die Möglichkeit gibt, mit einem guten ersten Zeitfahren sich in der 1. Woche auch in der Gesamtwertung recht weit vorn wiederzufinden. Als bergfester Sprinter ist er in der Vergangenheit jedoch noch nicht aufgefallen.

Das größte Problem für ihn wird die Positionierung im Sprintfinale sein, doch hier stehen ihm ausreichend Teamkollegen zur Verfügung, die ihn unterstützen werden.

 

FAZIT: Eine Podiumsplatzierung und reihenweise Platzierungen in den Top 10 bei Sprints sind das, was man von Tyler Farrar erwarten kann.

 

 

Allen voran zu nennen ist einer der besten Anfahrer der Welt, der Neuseeländer Julian Dean.

Als Anfahrer von Thor Hushovd zu Crédit Agricole-Zeiten hat er bereits eine Menge Tourerfahrung gesammelt. Er soll seine Erfahrung und sein Können Farrar in der Sprintvorbereitung zur Verfügung stellen. Im Teamzeitfahren wird er jedoch reichlich Mühe machen, aber Probleme mit der Karenzzeit sollte es bei normalem Verlauf dennoch nicht geben. Aus Fluchtgruppen heraus könnte er auch eigene Ambitionen hegen, doch in erster Linie ist es seine Aufgabe, sich der Mannschaftsordnung unterzuordnen.

 

FAZIT: Wichtigster Anfahrer für Tyler Farrar, dies ist wohl sein einziger Nominierungsgrund.

 

 

Widmen wir uns nun dem Kapitän des Teams in Sachen Gesamtwertung, Christian Vandevelde. Von Lance Armstrong einst als großes Talent gehandelt, konnte er im letzten Jahr endlich den Durchbruch bei einer 3-wöchigen Rundfahrt feiern; als 5. der Gesamtwertung übertraf er alle Erwartungen. Seine guten Zeitfahrqualitäten sollten ihm auch dieses Jahr entgegenkommen. Ob er allerdings am Berg mit den allerbesten mithalten können wird, ist fraglich. Zum einen hat er bei plötzlichen Tempoverschärfungen auch letztes Jahr Probleme gezeigt, zum anderen wurde seine Tourvorbereitung durch einen schweren Sturz auf der 3. Etappe des Giro d’Italia gehörig durcheinander geworfen.

 

FAZIT: Zwischen einem Top 10-Platz und dem Verschwinden in der Versenkung der Gesamtwertung ist fast alles möglich. Bei letzterem könnte er wenigstens in einer Fluchtgruppe sein Glück versuchen.

 

 

Für ihn in die Bresche springen und überhaupt zu einer großen Überraschung bei der Tour werden könnte der Co-Kapitän David Millar. In seinen jungen Jahren als Profi noch als reiner Prologspezialist und Zeitfahrer bekannt (Etappensieg beim Prolog der Tour 2000 vor Lance Armstrong), hat der Schotte sich die letzten Jahre über zu einem soliden Bergfahrer entwickelt. Der große Leistungssprung gelang ihm jedoch erst just zum Vorbereitungsrennen, der Dauphiné als 9. der Gesamtwertung. Die fehlende Explosivität macht er durch eine unglaubliche Konstanz und durch sein Kämpferherz wett.

Ein mögliches Szenario könnte ihm sogar das gelbe Trikot bescheren, denn im ersten Zeitfahren zählt er zu den Mitfavoriten auf den Etappensieg, im Mannschaftszeitfahren sein Team Garmin und als guter Bergfahrer könnte er hinauf nach Andorra eventuell glänzen.

Sein Formaufbau scheint nahezu ideal zu sein, den Giro ist er nur mitgerollt, bei der Dauphiné schon unerwartet stark, kann er diesen Eindruck bei der Tour bestätigen?

 

FAZIT: Falls Vandevelde ausfällt, ist er der Mann für die Gesamtwertung. Sehr gute Einzelplatzierungen bei den Zeitfahren sind ihm zuzutrauen. Sollte er die Bergform der Dauphiné halten, kann er in die Top 15 fahren.

 

 

Ein wichtiger Berghelfer und noch dazu passabler Zeitfahrer ist der Kanadier Ryder Hesjedal.

Eigene Ambitionen wird er zunächst auf ein Minimum zurückschrauben und sich ganz seinen Kapitänen unterordnen und in die Berge reinfahren. Zu einem späteren Rennzeitpunkt könnte man ihn auch in Fluchtgruppen wiederfinden. Die großen Resultate fehlen dieses Jahr noch, eine Podiumsplatzierung auf einer Etappe wäre sicher schon als Erfolg zu werten.

 

FAZIT: Hesjedal wird der wichtigste Helfer für Vandevelde und Millar sein.

 

 

Sehr schwer einzuschätzen ist die Rolle von David Zabriskie. Als einer der besten Zeitfahrer der Welt wird er die Mannschaft beim Mannschaftszeitfahren nach vorn bringen.

Doch nach einem unterirdischen Giro sind seine bereits angedeuteten Fähigkeiten am Berg (allerdings zu CSC-Zeiten ;) ) anzuzweifeln. Sollte Farrar sich gut fühlen, ist er auch ein wichtiger Mann um Gruppen zurückzuholen oder um im Finale 4-5KM vor dem Ziel Tempo zu bolzen.

 

 

Das Thema Bergform könnte man auch beim Briten Bradley Wiggins aufrollen. Zu Beginn des Giro für seine Verhältnisse in einer Überform am Berg, büßte er im Verlauf des Giro seine bis dato (nach Alpe de Siusi) gute Platzierung in der Gesamtwertung (20.) ein.

Seine Statur prädestiniert ihn auch eher als Zeitfahrer und Rolleur. Ein Auge wird er auf das 1. Zeitfahren gelegt haben, dort zählt er zweifelsohne zu den Mitfavoriten.

 

FAZIT: Zabriskie und Wiggins sind wichtiger Bestandteil im Mannschaftszeitfahren, wie sich ihre Form am Berg entwickelt bleibt abzuwarten, große Bäume ausreißen werden sie dort jedoch aller Vorrausicht nach nicht.

 

 

Der wohl aussichtsreichste Kandidat aus Fluchtgruppen beim Team Garmin ist sicher Danny Pate. Als ehemaliger US-amerikanischer Zeitfahrmeister auch dort mit Qualitäten ausgestattet, kommt er gut die Berge hoch. Lediglich im absoluten Hochgebirge wird er viel Zeit verlieren, weswegen er sich auf einzelne Fluchtgruppen konzentrieren sollte.

Ansonsten wird auf ihn wohl die Rolle des Wasserträgers zukommen.

 

FAZIT: Für eine Überraschung aus einer Fluchtgruppe heraus ist Pate gut.

 

 

Kurzfristig für Dan Martin nachnominiert wurde der Niederländer Martijn Maaskant. Über die Gründe zu spekulieren hilft nicht, schauen wir lieber, was vom Klassikerspezialisten (Paris-Roubaix, Flandern-Rundfahrt) zu erwarten ist. Die nötige Tempohärte besitzt er, um bei einem richtigen Zug von Tyler Farrar als vorletzter Mann (nach ihm nur noch Dean) zu fungieren. Auch das Mitgehen in Spitzengruppen der 1. Woche käme nicht unerwartet, würde dadurch doch seine Mannschaft die Verantwortung für das Hinterherfahren an andere Sprinterteams abgeben.

 

FAZIT: In der 1. Woche wahrscheinlich öfter zu sehen, danach könnte es passieren, dass er ins Niemandsland abtaucht.

 



Teamfazit

Von einer starken Mannschaftsvorstellung über 3 Wochen (Farrar, Vandevelde, Millar) über den Sieg lediglich im Teamzeitfahren bis hin zu einem totalen Fiasko á la Giro ist alles drin. Der Formaufbau einiger Fahrer deutet jedoch darauf hin, dass Garmin die Tour ernst nimmt und sich auch in der Gesamtwertung zumindest einen Top 15-Platz ausrechnet.


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