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Agritubel - das Tour-Team 2009

von Bertro



Fast schon obligatorisch erhielt das Team Agritubel auch für die diesjährige Ausgabe der Tour de France eine Wild Card. Diese ist jedoch nicht nur auf die Tatsache zurückzuführen, dass Agritubel ein französisches Team ist, sondern die klare Führung in der Teamwertung der UCI Europe Tour rechtfertigt die Einladung in jedem Fall.

Die Vorbereitung auf die Tour erhielt jedoch einen kleinen Dämpfer, denn die ASO verweigerte dem Team eine Wildcard zur Dauphiné Liberé.

Wie sich die 9 Fahrer bei der Tour de France verkaufen und wie ihre Aussichten einzuschätzen sind, soll im Folgenden dargestellt werden.

Zunächst ein Überblick über die bisherige Saison:

 



Die bisherige Saison

Der erst 22-jährige Franzose Maxime Bouet stellt sein Talent in seiner 2. Profisaison eindrucksvoll unter Beweis und gehört zu den erfolgreichsten Fahrern seines Teams. So gewann er Anfang April eine Etappe und die Gesamtwertung der Volta ao Alentejo sowie am 31. Mai das Eintagesrennen ‘‘Boucles de l’Aulne“.

Ähnliche Erfolge vorzuweisen hat der erst im letzten Jahr zur Tour ins Team gestoßene David Lelay. Er konnte die 2. Etappe des Circuit de la Sarthe sowie die Gesamtwertung der Rundfahrt für sich entscheiden. Nicht zu vergessen auch sein 2. Gesamtplatz bei den 4 Tagen von Dünkirchen Anfang Mai.

Die Plätze 4 (Lelay) und 7 (Bouet) in der UCI Europe Tour untermauern die bisherige starke Saisonleistung.

Jeweils einen Saisonsieg feiern konnten Nicolas Vogondy (1. Etappe der Rhône-Alpes-Isére Tour) sowie Romain Feillu auf der 2. Etappe der Tour de Picardie.

Von hoch gehandelten Fahrern wie Christophe Moreau, Geoffroy Lequatre oder Sylvain Calzati war bisher noch nicht viel zu sehen. Diese Fahrer werden nun bei der Tour ihre Chance bekommen, ihren eigenen Ansprüchen sowie denen des Teams gerecht zu werden.

Und die dürften nicht zu gering sein, ist die Mannschaft doch führend in der Teamwertung der UCI Europe Tour. Die Mannschaft möchte zeigen, dass sie auch im wichtigsten Radrennen der Welt eine gute Rolle spielen können.

 



Das Tour-Aufgebot

• Maxime Bouet 22 Jahre

• Sylvain Calzati 30 Jahre

• Brice Feillu 23 Jahre

• Romain Feillu 25 Jahre

• Eduardo Gonzalo 25 Jahre

• David Lelay 29 Jahre

• Geoffroy Lequatre 28 Jahre

• Christophe Moreau 38 Jahre

• Nicolas Vogondy 31 Jahre

 

Agritubel schickt ein sehr ausgeglichenes Aufgebot zur Tour, mit einer guten Mischung aus jungen Talenten und erfahrenen und vielfachen Tourteilnehmern.

Doch nun kommt die Frage auf: Was ist von den einzelnen Fahrern bei der Tour zu erwarten?

 



Der Kapitän

Als Kapitän in die Tour de France 2009 wird Christophe Moreau das Team anführen, der vor seiner bereits 14. Tour-Teilnahme steht. 2000 konnte er die Tour als 4. beenden, 2003 und 2006 wurde er 8. Diese Zahlen belegen, dass Christophe Moreau ein starker Kletterer und Rundfahrer ist. An seinen früheren Zeitfahrfähigkeiten hat er jedoch auf seine alten Tage gegenüber seiner Stärke im Hochgebirge eingebüßt. Der diesjährige 11. Platz bei Paris-Nizza und der 5. beim GP Triberg Schwarzwald machen aus ihm jedoch nicht unbedingt einen Kandidaten zu einer Platzierung unter den Top 10 des Gesamtklassements. Das Mannschaftszeitfahren wird ihm bei diesen Ambitionen auch nicht unbedingt helfen.

 

Vorstellbar ist, dass er auf das Bergtrikot ein Auge werfen wird, auch ist mit ihm in Gruppen auf den Hochgebirgsetappen zu rechnen. Ein Etappensieg ist ihm durchaus zuzutrauen, ist er doch auch als starker Abfahrer bekannt. Ein Platz um Rang 20 in Paris ist ihm auch in seinem fortgeschrittenen Alter noch zuzutrauen.

Seine Aufgabe wird neben seinen Ambitionen in den Bergen auch darin liegen, als Captain de la Route die jungen und unerfahreneren Fahrer zu unterstützen.

 

FAZIT: Christophe Moreau ist ein Kandidat für das Bergtrikot und wird sich häufig in Spitzengruppen wiederfinden.

 



Die restlichen Fahrer

Einer dieser ‘‘jungen Wilden“ ist der Sprinter Romain Feillu. Mit zahlreichen Top-10 Ergebnissen und einer starken Vorstellung bei der Luxemburg-Rundfahrt (3. beim Prolog, 4. und 6. auf Etappen) zeigte er bereits, dass seine Entwicklung stetig vorangeht. Sein Formaufbau zeigt Richtung Tour de France, sodass ihm Spitzenplatzierungen bei Sprintankünften auf flachen Etappen zuzutrauen sind. Seine hohe Endschnelligkeit wird er auch ausspielen müssen, will er mit den ganz großen der Sprinter (Cavendish, Freire, Hushovd) mithalten. Ob er allerdings seinen Erfolg aus dem letzten Jahr, als er sich auf der 3. Etappe das gelbe Trikot sicherte und dies einen Tag lang tragen konnte, ist jedoch zu bezweifeln. Auch bleibt für ihn zu hoffen, dass er auf den Bergetappen zumindest im Gruppetto mithalten kann, denn im letzten Jahr beendete er die 19. Etappe außerhalb des Zeitlimits.

 

FAZIT: Er wird Agritubel als Sprinter würdig vertreten, regelmäßige Platzierungen zwischen Rang 5 und 10 sind realistisch, Ausreißer nach oben nicht ausgeschlossen.

 

 

In Geoffroy Lequatre wird Romain Feillu auch ein zuverlässiger Anfahrer zur Seite stehen. Zuletzt bei der Französischen Meisterschaft zeigte er mit Rang 6, dass mit ihm auch auf welligem Terrain zu rechnen ist. Sollte Feillu also einmal abgehängt werden, so könnte Lequatre auch auf eigene Rechnung im Sprint etwas versuchen. Zu hoffen bleibt überdies, dass er vom Verletzungs-und Sturzpech der letzten Jahre verschont bleibt.

 

FAZIT: Lequatre hat zweifellos Talent, vielleicht geht ja bei dieser Tour sein Stern auf, indem er aus einer Fluchtgruppe einen Etappensieg im Sprint erzielt. Wichtigster Mann für Feillu in der Massensprintvorbereitung.

 

 

Zu erwarten ist, dass die Mannschaft auch in diesem Jahr in vielen Fluchtgruppen der 1. Woche zu finden sein wird. Hierfür ist Sylvain Calzati ein aussichtsreicher Kandidat. Die Tatsache, dass er sich im hügeligen Gelände wohlfühlt und auch etwas längere Berge meistern kann, prädestiniert ihn für derartige Fluchtversuche. Mit etwas Glück und Geschick, könnte es ihm gelingen, das Bergtrikot in der 1. Woche einige Tage zu tragen, was ein toller Erfolg für ihn und das Team wäre.

 

FAZIT: Ein loyaler Helfer, der aber durchaus in der 1. Woche eigene Akzente setzen könnte.

 

 

Stark aufgestellt ist das Team Agritubel für Etappen mit hügeligem Profil. Auch Ausreißversuche im Hochgebirge könnten Maxime Bouet und David Lelay unternehmen.

Beide fuhren bisher eine starke Saison und haben sich damit endgültig in das Touraufgebot gefahren. Der erst 22-Jährige Maxime Bouet wird sein Tour-Debüt erleben. Sollte Moreau wider erwarten im Gesamtklassement eine Rolle spielen, so werden sie ihn tatkräftig unterstützen können. Was die Performance im Hochgebirge angeht, könnte zumindest Bouet überraschen.

 

FAZIT: Mit einer starken Saison haben Lelay und Bouet ihre Nominierung für die Tour allemal gerechtfertigt. Wie ihre Rollen dort aussehen, ist jedoch noch offen.

 

 

Die große Unbekannte des Teams ist Brice Feillu. Der junge Bruder von Romain ist jedoch kein Sprinter, sondern sein 14. Platz im Gesamtklassement der Vuelta a Asturias und der dortige Gewinn des Bergtrikots lassen die Vermutung zu, dass er auch bei der Tour vor allem in den Bergen auf sich aufmerksam machen wird. Ob er allerdings in den Kampf um das Bergtrikot tatsächlich eingreifen kann oder möchte, bleibt abzuwarten. Für ihn wäre es sicher auch schon ein Erfolg, die Tour zu Ende zu fahren.

 

FAZIT: Wie sich Brice Feillu bei seiner ersten Tour-Teilnahme schlagen wird, ist nicht abzusehen. In den Bergen sollte er sich allerdings wohlfühlen.

 

 

Bereits bewiesen, dass er sich in den Bergen wohlfühlt hat Eduardo Gonzalo, nicht zuletzt durch seinen 7. Platz bei der Route du Sud. Im Gesamtklassement der Tour wird er aber auch aufgrund mangelnder Zeitfahrqualitäten keine Rolle spielen. Im letzten Jahr war er 39. in der Endabrechnung. Die Präsenz in Spitzengruppen ist von ihm jedoch durchaus zu erwarten. Dass er auch in die Wertung um das Bergtrikot eingreifen kann, ist eher unwahrscheinlich.

 

FAZIT: Neben Moreau der nominell beste Bergfahrer im Team; von daher ist mit ihm vor allem in den Pyrenäen und Alpen zu rechnen.

 

 

Einen Platz im Tourteam ergattert hat auch der 2-malige französische Meister Nicolas Vogondy. An die Form von 2002 im Trikot des französischen Meisters 19. der Tour wurde, kann er aber schon lange nicht mehr anknüpfen. Die Resultate dieses Jahr deuten auch nicht auf eine Verbesserung im Hochgebirge hin. Vogondy ist daher wohl auch eher ein Kandidat für das Besetzen von Spitzengruppen der 1.Woche. Mit der Erfahrung, die er mitbringt, könnte bei optimalen Verlauf vielleicht sogar ein Etappensieg herausspringen, aber wohl eher im späteren Verlauf der Tour in den Vogesen.

 

FAZIT: Ein Fahrer, der Erfahrung mitbringt und prädestiniert für Fluchtgruppen ist.

 



Teamfazit

Agritubel bringt eine schlagkräftige Truppe an den Start. Der Routinier Christophe Moreau sowie der Sprinter Romain Feillu sind das Aushängeschild des Teams. Ein Etappensieg und das Tragen des Bergtrikots sind das maximal zu Erwartende. Potenzial für Überraschungen hat das Team dennoch. Im Gegensatz zu manch anderen Mannschaften schickt Agritubel sein bestmögliches Team zur Tour, einzig Nicolas Jalabert hätte das Team noch einmal wesentlich verstärken können.

In der 1. Woche werden wir oft die blauen Agritubel-Trikots zu Gesicht bekommen, es bleibt zu hoffen, dass danach das Team nicht in die Versenkung des großen Pelotons verschwindet.

 


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