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der Mont Ventoux in der Tour





Blick zum Gipfel
© califax

Der Mont Ventoux schreckt. Wer ihn nicht kennt, kann sich kaum vorstellen, wie hart er ist. Wer ihn befahren hat, sehnt sich nicht mehr danach, diese Erfahrung zu wiederholen. Daher war er auch erst 13 Mal im Tourprogramm. Der weiße Berg, ohne Baum und Strauch, liegt weithin sichtbar in der Provence. Der Mistral hat freies Spiel und kann Windgeschwindigkeiten bis zu 200 km/h erreichen, die Sonne knallt auf die Steinwüste, die Hitze kann stehen und in eisige Kälte am Gipfel übergehen. Der seltsame Berg zehrt an den Kräften und den Nerven und gebietet Ehrfurcht.

 





Gedenkstein für Tom Simpson
© califax

Wer ihn als Sieger bezwingen konnte, hebt sich hervor, doch nachhaltiger im Bewusstsein der Tourgeschichte haben sich Tragödien eingeschrieben: Der Zusammenbruch von Jean Malléjac 1955, der in ein Delirium tremens verfiel und nur mit großer Mühe gerettet werden konnte sowie 1967 der Tod von Tom Simpson. Beide Fahrer waren mit Medikamenten, Amphetaminen und mit Alkohol (Simpson)dedopt. Doch sie waren nicht die einzigen und nicht die Alleinverantwortlichen, sie mussten nur für den Wahnsinn bezahlen. Doktor Dumas, der Tourarzt, sprach bei Malléjac von versuchtem Mord.

 



Genauere Angaben zum Mont Ventoux finden sich auf C4F hier: die großen Anstiege



die Sieger am Mont Ventoux

Jahr Sieger Etappe Bergankunft 
    
1951 Lucien Lazarides (Fra) 17  
1951 Jean Robic (Fra) 14  
1955 Louison Bobet (Fra) 11  
1958 Charly Gaul (Lux) 18 TT X 
1965 Raymond Poulidor (Fra) 14 
1967 Julio Jimenez Munoz (Esp) 13  
1970 Eddy Merckx (Brel) 14 
1972 Bernard Thévenet (Fra) 11 
1974 Gonzalo Aja (Esp) 12  
1987 Jean-Francois Bernard (Fra) 18 
1994 Eros Poli (Ita) 15  
2000 Marco Pantani (Ita) 12 
2002 Richard Virenque (Fra) 14 


1970 Eddy Merckx' Sieg

Tom Simpson und Eddy Merckx waren Teamkameraden bei Peugeot und Eddy verteidigte das Andenken seines guten Freundes immer vehement. Nicht Doping, nicht Regelverstoß waren Ursache der Tragödie sondern der Ventoux selbst zeigte sich von seiner brutalen Seite. Sein eigenes Erlebnis unterstützte diese Version.

 

10. Juli 1970, Eddy Merckx trägt das Gelbe Trikot. Am Vorabend der Ventoux-Etappe war sein Manager Vincenzo Giacotto gestorben. Als Zeichen der Trauer trug Merckx ein schwarzes Band über der Brust. "Um ihm die Ehre zu erweisen, ließ sich der Kannibale auf eines seiner gewohnten Abenteuer ein. Begleitet von Martin Vanden Bossche, seinem ehemaligen Teamgefährten (jetzt Monteni) lässt er Raymond Poulidor, Lucien Van Impe, Gösta Pettersson, Lucien Aimar, Italo Zilioli und Joop Zoetemelk 14 Kilometer vor dem Gipfel zurück. Der Portugiese JoaquimAgostinho ist der letzte, der ihm Widerstand leistet, ab Chalet-Reynard ist der Brüsseler dann allein.

Mit aller Macht möchte er sich in die Siegerliste des Ventoux, die seine Palmarès bereichern würde, einschreiben, aber er leidet an so etwas wie einer Luftröhrenentzündung, eine Angina war im Anzug und sein Ischiasnerv quälte ihn. Unterwegs setzte er seinen Sattel herunter um seine Beschwerden zu lindern aber sein Tritt wurde immer schwerer und abgehackter. Vor der Stele (Simpson-Gedenkstein) wird es noch schlimmer. Sein Gesicht ist von den Leiden verzerrt. Seine Schenkel stehen kurz davor zu platzen.

Als Merckx die Ziellinie unter der gleisenden Sonne überquert, fährt er im selben Schwung weiter, über den Lenker gebeugt, Mund offen, bevor er mit der Schulter an die Brust seines sportlichen Leiters, Guillaume Driessens, der etwas weiter weg auf ihn wartet, fällt. Der Mont Ventoux hat ihn geschafft. Er steht kurz vor einer Ohnmacht, kann sich aber noch halten, und antwortet den Journalisten, die ihn umringen und erdrücken. Dann  begibt er sich, das Protokoll will es so, zögernden Schrittes und mit zitternden Beinen zum Eurovisionspodium. Merckx hängt sich an den Arm eines Ordners: "Entschuldigung, ich kann nicht mehr. Es brennt wie Feuer in meiner Brust." Eine reine Formulierung der Höflichkeit. Der Belgier entschuldigt sich für das Ungemach. Unter Sauerstoffmasken brachte eine Ambulanz ihn und seinen Dauphin Martin Vanden Bossche in das Hotel zurück.

Später gestand er, Angst gehabt zu haben. Angst davor wie Simpson zu enden? Angst davor von seiner eigenen Legende erledigt zu werden, die von ihm verlangte sich in die lange Geschichte des "Mont Chauve" einzutragen.

Oder Angst davor das schrecklich Ventoux-Syndrom zu erleben, das einen die Grenzen seiner menschlichen Natur aufzeigt oder, wie es Petrarka ausgedrückt hat, diesen verfluchten Teil des eigenen Seins."  

 

Quelle: Cols Mythiques du Tour de France, l'Equipe, 2005 


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