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Text: Inga

Fotos: Stephan




Im Hintergrund: der Henninger Turm



Vor dem Start

 

Nach einer feiertaglichen Weckaktion um 6.30 Uhr (das sind so die Momente, in denen man sich fragt, warum man ausgerechnet Radsportfan geworden ist...), machen wir uns verschlafen und wortkarg von unserer Basisstation Anika aus auf den Weg Richtung Hainer Weg, den wir gegen 8.15 Uhr erreichen.

 

Dort treffen wir unsere Mitfans, eine Gruppe mit wechselnder Besetzung, die sich immer wieder zu Radrennen trifft und mit der wir schon am gestrigen Abend zusammen gegessen und ganz in Fantraditition wunderbar möchtegerngefachsimpelt haben.

 

Wir beschließen, uns erstmal in die Sonne zu setzen (vom schönen Wetter überrumpelt) und Fans zu begucken... noch gar nicht so spektakulär, hätte mehr Magentafarbenes erwartet... ab und an ein Kleiner oder Großer in Telekomtrikot, vereinzelte Kappen... Stephan findet, dass Telekom nachgelassen hätte in Sachen Goodies verteilen.

 

Teamfanmobil wird entdeckt und Anika holt sich den TT-Katalog.. Erste Lästereien über die Fotos darin und allgemeines (mütterliches) Entzücken der Damen über 20 in unserer Runde beim Anblick Gerhard Tampuschs auf dem Guppenbild pfffrrrrrrrhhhh..... Zucker pur der arme Knabe... anschließend Spekulationen, ob man im Fahrerfeld überhaupt ernstgenommen wird, wenn man noch wie 14 aussieht. Außerdem Verwunderung darüber, dass Trampuschs Ziele mit "Frühjahrsklassiker" angegeben werden.... stelle ihn mir Paris-Roubaix vor... öhm.... hehehehe! (Schon klar, gibt ja auch Rennen wie Lüttich-Bastogne-Lüttich oder den Wallonischen Pfeil - bevor hier jemand anfängt Kümmel zu spalten.. aber die Vorstellung war so schön... )

 

Abchecken der neue Startliste, prüfen ob auch auf der Liste "Ludo Peeters" steht, wie im Newsletter des Henningers (die scheinen zu viel Angermann geguckt zu haben).. steht aber nicht -hat wohl leider jemand bemerkt und in Wilfried umgeändert... schade *g* .

 

Leider ist kein Dekker und kein Boogerd auf der Startliste zu finden. Rabobank ist trotzdem gut besetzt und die jüngeren Mädels in unserer Runde quieken schon standesgemäß in Erwartung Grischa Niermanns.

 

Mapei dagegen geht mit der heldenhaften Besetzung von 5 Fahrern an den Start, ohne Bartoli aber mit Laszlo Bodrogi, der Verwirrung stiftet, weil sein ungarisches Meistertrikot dem italienischen von Bartoli so ähnlich sieht. Ob er einfach als "Bartoli" die Autogrammwünsche erfüllt und damit Michele-Fans glücklich macht?

 

Uns gelingt es fast auf unserem Sonnenplätzchen die Fahrervorstellung zu verpassen. Dabei will ich doch mal wieder ein wenig Training in Sachen Gesichter durchziehen ("Oh.. so sieht der also aus...").

 

An dieser Stelle trennen sich die Wege unserer größeren Gruppe. Einige wollen ihre roten Fotografenleibchen ausnutzen und im dafür vorgesehenen Bereich Fotos machen, Anne geht auf Hasenjagd, Anita begibt sich auf die Suche nach Mercatone-Wein (*g*) und der Rest mischt sich unter die anderen Fans.

 

Wir machen uns auf den Weg Richtung Tribüne, müssen aber feststellen, dass es direkt davor schon zu voll ist.. aber ein wenig die Zielgerade abwärts ist eine Leinwand aufgebaut... also auf dahin.

 

Dort angekommen (drängel, schubs, aber bei weitem noch nicht so schlimm, wie es noch kommen sollte) müssen wir dann feststellen, dass auf der Leinwand keineswegs die Einschreibung zu sehen ist, sondern die herumwandernden Fans gezeigt werden oder aber Uns Ulle, der sein Buch vorstellt (was das ohne Ton bringen soll, bleibt uns leider verschlossen) dafür haben wir aber ja den Ton der Sprecher im Zielbereich. Die schicken sich an (mit zweifelhaftem Erfolg) den Fans die Namen zu den Gesichtern der Renners zu geben. Da uns 50 m unterhalb der Einschreibung aber zu den Namen keine Gesichter mehr geboten werden, beschließen wir, Leinwand und Sprecher zu ignorieren (eine weise Entscheidung... hätten wir das bloß den ganzen Tag durchgezogen...), wandern noch ein wenig die Zielgerade bergab, kommen gegenüber den Team-Nürnberger Autos zum Stehen und verlegen uns auf unsere Lieblingsbeschäftigung: gucken und lästern und (in Anikas Fall) sehen, ob ein paar Fotos dabei rausspringen. Ich selbst fotografiere nicht weil ich es a) nicht gut kann, b) ungern selbst fotografiert werde und mir deshalb nicht vorstellen kann, dass irgendwer gerne fotografiert wird (ich unterschätze da sicher den Geltungstrieb einiger junger Möchtegernhelden, schon klar *g*).

 

Die Nürnberger gegenüber bieten nur wenig Lästerstoff, außerdem starre ich Leute nicht gerne längerfristig an und Startvorbereitungen gehören für mich eh zur Privatsphäre. Da aber ein Grossteil der Fahrer an uns vorbei zur Einschreibung hinauf und danach wieder herunter zu den Teamwagen muss, nur um dann zum Start wieder hinaufzufahren, bieten sich uns doch ein paar interessante Situationen. Vor allem angesichts der Telekomfans die brav hinter der Absperrung bleiben und den jungen Mädels und kleinen Jungs, die sich auf die Strecke gemogelt haben.

 

Anika gebietet uns schon mal vorsorglich auf strengste jegliche Lästereien an "König" Johan zu unterlassen... okay... machen wir uns eben über Vainsteins komisches Zöpfchen lustig und begrüßen dann zwei uns sehr gut bekannte Teeniegrazien, die aufgeregt zwischen den ganzen Fahrern herumhüpfen und den ein oder anderen der attraktiveren Sorte fast vom Rad reißen, um ihn entweder zu fotografieren, um ein Autogramm zu bitten oder ihm nur einfach mitzuteilen, dass er ja wohl ein Schnuckel wäre.

 

Denke kurz drüber nach, komme aber zu der Erkenntnis, dass den Herren Radprofis schlimmeres passieren könnte, als das *g*.

 

Anschließend überkommt mich ein dringendes Lästerbedürfnis in Sachen Jean Delatour im allgemeinen und Laurent Brochard im besonderen. Nasty me!

 

Vom Grunzen und Kreischen

 

Dann werden wir noch Zeuge einer Begegnung der seltsamen Art. Zwei italienische Teams in Form von Liquigas Pata, die von der Einschreibung herunterkommen und Fassa Bortolo, die zur Einschreibung hinaufwollen brechen in ein allgemeines Gegrunze aus, als sich ihre Wege kreuzen.

 

Mehr Worte (oder überhaupt Worte) fallen nicht!

 

Ist das ein in den Radsportknigge eingetragenes Begrüßungsritual unter Profis? Oder nur unter den italienischen? Sowas wie ein Code, der mit einem *Grunz* ausdrückt , dass man sich zwar freue, einander zu sehen aber die jeweils anderen im Rennen definitiv aus den Pedalen fahren würde? Wir diskutieren darüber, kommen aber zu keiner Einigung.. das muss uns noch mal wer erklären.

 

Zwischendurch übe ich mich (wie meistens vergeblich) im: erkenne ich die Fahrer auf Anhieb? Nach einigen erfolgreichen Identifizierungen (u.a. Tadej Valjavec, den ich dank Anne inzwischen erkenne *g*) - fährt ein Nürnberger gemächlich an uns vorbei, den Anika sofort als Jens Zemke identifiziert. Ich hätte ihn mal wieder nicht erkannt, den erkenne ich aus irgendwelchen Gründen nie... (Ist schon ein Spielchen von Stephan, mir Zemke-Fotos zu schicken, nur um von mir zu hören: "Wer ist das? Etwa wieder Zemke?")

 

Die Sprecher oben am Ziel scheinen sich derweil auch weiter zu blamieren, weil sie (oder zumindest einer von ihnen) diverse bekanntere Fahrer nicht auf Anhieb erkennen und die Namen der andern nicht richtig aussprechen - so aber zumindest zum Amüsemang der Herren Radler beitragen.

 

Grischa Niermann kommt erstaunlich unbeachtet an uns vorbei, aber bei seiner Vorstellung oben wird es dann doch laut.

 

Kreeeeeeeiiiiiiiiiisssssccccchhhhhhh!

 

Seltsam wie viel Lärm Mädels zwischen 12 und 19 machen können...

 

Rings um uns dann plötzlich allenthalben Aufregung - die ersten Magentahelden zeigen sich, nachdem sie schon mehrmals über Lautsprecher zur Einschreibung beordert wurden. Zwei ältere Männer mit Telekom-Käppies fuchteln aufgeregt in Richtung eines Magenta-Trikots: "Da, das ist Zabel, das ist Zabel!!!" stolze Blicke nach links und rechts , die wohl besagen sollen: "He, habt ihr gesehen? Wir haben ihn erkannt!" In mir blubbert der Radsportsnob hoch, als sie dann beim nächsten Telekomer Kessler hektisch in der Startliste nachgucken müssen, wer dat denn nu wäre... HMPF! Aber angesichts meiner Pleiten in Sachen Jens Zemke sollte ich wohl lieber ganz still sein. Aber immerhin trage ich kein Nürnberger-Käppie.





Davide Rebellin bei der Vorstellung

Um Zabel hat sich derweil eine hübsche Traube Menschen gebildet. Anika, erfahren wie sie ist, nutzt diese Situation aus, um weiter nach hinten zu eilen und in Ruhe einige der hinter Zabel und Fans aufgehaltenen Fahrer zu fotografieren.

 

Ich beobachte in der Zwischenzeit eine jener Szenen, wegen der ich am liebsten bei Starts von Radrennen bin... die Begeisterung kleiner Jungs für ihre großen Helden. Diesmal in Gestalt eines 5 oder 6jährigen Jungen, der - ganz dicht bei Papa stehend- mit ehrfürchtig glänzenden Augen zu Alexander Vinokourov aufsieht, der ihm gerade ein Autogramm aufs T-Shirt malt. Ob der Knirps weiß, dass nicht jeder in Magenta Jan Ullrich ist?

 

Oben geht die Vorstellung der Teams gerade noch rechtzeitig zu ende um den Start pünktlich zu schaffen. Der Sprecher wird sich wohl den ein oder anderen Schweißtropfen abwischen...

 

Das Rennen beginnt, meins auch

 

Links und rechts neben der abgesperrten Strecke ist jeweils nur ein schmaler Bürgersteig für die Zuschauer vorhanden. Nun, nach dem Start, wollen die einen nach unten, die anderen (unter anderem wir) wieder nach oben. Manchmal wird man als Radsportfan zum Tier, zum Beispiel jetzt!

 

Obwohl ich ansonsten zur sehr geduldigen Sorte Mensch gehöre, bin ich nun der festen Überzeugung, dass alle, die hinauf wollen, im selben Tempo aufwärts kraxeln sollten. Und nicht wie diese Frau, die meint sich mit spitzen Ellenbogen wild einen Weg nach vorne drängeln zu müssen.

 

Nachdem sie mich mit einem Rempler fast in die Absperrung befördert, beordere ich alle zur Verfügung stehenden niederen Instinkte zu mir, baue mich zu meiner vollen Größe von immerhin 174 cm auf und remple zurück. Wie heißt es? Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse kommen überall hin! In diesem Moment komme ich immerhin hinter das Ziel und zwar VOR dieser besagten Dame, die sich zwar verärgert irgendwas in den Bart brummelt aber brav hinter mir bleibt! War das jetzt mein höchstpersönlicher Zielsprint? Ich denke mal lieber nicht weiter drüber nach!

 

Oben angekommen, treffen wir den Rest unserer Leute wieder, nur um zu beschließen, dass wir uns erneut aufteilen und der eine Teil including me sich wieder auf den Weg HINUNTER machen will, um das nächste Eiscafé anzustreben... super.. wozu hat eigentlich jeder (außer mir) ein Handy dabei? Hätten wir auch telefonisch verabreden können... Hätte ich mir doch direkt den ungewohnten Adrenalin-Testosteron-Stoß von eben erspart...

 

Zum Glück hat sich der Stau ein wenig aufgelöst und wir bummeln die Zielgerade wieder herunter, während der Sprecher verzweifelt versucht, Ordnung in das Gewühl aus U 23 Fahrern, und den Jungs der kleineren Klassen zu bringen....

 

Im Eiscafé scheint ein leckerer Erdbeer-Milchshake nur auf mich gewartet zu haben... außerdem können wir ein wenig das Junioren-Rennen verfolgen... das nicht sonderlich organisiert zu sein scheint.

 

...Linienbus..... erster Wagen des Wettbewerbs........ die ersten Fahrer.... normaler Verkehr und Hobbyradler.... dann plötzlich wieder ein paar Jungs mit Nummern auf dem Hintern.... hmmmm, seltsam.... normaler Autoverkehr.... ein Polizeimotorrad, einen einzelnen Fahrer vor sich herschiebend.... Autoverkehr...... ein paar Grüppchen Fahrer mit Nummern auf dem Hintern..... dann der Besenwagen..... hmmmm....

 

Stephan, sich gemütlich ausstreckend und seinen Milchshake schlürfend, zeigt auf die vermeintlich

letzten Jungs und gibt eine seiner Weisheiten von sich: "In Holland nennen sie die da die 'Gekloppten'".

 

Denkste, denn nach weiteren Otto-Normal-Autos kommen noch einige weitere Grüppchen Juniorenfahrer an uns vorbei, die eigentlich gar nicht so aussehen, als hätten sie schon aufgegeben, um nur noch locker ins Ziel zu fahren.... seltsam.... nun... des Rätsels Lösung verschieben wir auf später, denn wir wollen uns zurück zur Zielrunde begeben, um ein wenig von den Zwischendurch-Rennen mitzubekommen.

 

( Im übrigen verbittet sich Stephan, das "gemütlich ausstreckend"... er sei der Einzige von uns gewesen, der aufgestanden sei, um die Jungs genauer zu beobachten....).

>>> weiter zu Teil 2

 


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