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Tine's Deutschland-Tour

Text: Tine

 

Die Deutschlandtour zieht sich durchs Land und Radsportdeutschland steht Kopf. Natürlich. Schließlich ist es DAS Sportereignis in der Heimatregion.

 

Also, Urlaub genommen und ins Auto gesetzt! Den letzten Rest bewältigt man, standesgemäß, per Fahrrad. So ganz kann man freilich nicht mithalten. Wer Radsport vorzugsweise am Fernseher verfolgt tut sich aktiv als Gelegenheitsradler doch etwas schwer.

 

Aber das Ziel ist klar: 4. Etappe von Bad Neustadt nach Mannheim. Verbunden mit dem Besuch von Freunden ein gemütlicher Tagesausflug nach Marktheidenfeld. Der Standpunkt steht bereits bei bekannt werden des Streckenverlaufs fest. Kloster Triefenstein, eine 17%ige Steigung. Hier dürfte das Feld nicht einfach nur so vorbeisausen.

 

Man begibt sich an die Strecke, nimmt den Beginn der Steigung noch locker.

 

Doch die Kräfte schwinden schnell. In der ersten Kurve ist Schluss. Außerdem sieht man hier ganz gut. Aber irgendwie steckt im Kopf, dass es noch weiter hoch geht und es dort noch Ecken gibt, von wo aus man die Fahrer noch besser sehen kann. Außerdem haben die hier doch noch viel zu viel Schwung! Weiter oben ist das Feld doch sicher viel weiter auseinandergezogen!

 

Ein Fan auf dem Rennrad fährt vorbei – im kompletten Cofidisdress! Da packt einen als Cofidisfan der Ergeiz. Ab aufs Rad und weiter den Berg hoch, bis zur nächsten Kurve. Da steht inzwischen auch der Herr im Cofidisdress.

 

Den Rest geht man zu Fuß, der andere Cofidisfan fährt weiter.

 

Fast am höchsten Punkt, der zu Fuß und schiebender Weise erklommen wurde, ist Schluss. Das Rad landet im Straßengraben, der Fan erwartet die Ankunft des Pelotons. Am liebsten mit Ausreißer und, noch lieber, tröpfchenweise in mehreren Grüppchen. Aber man ist Realist. Es wird sich höchstens in die Länge ziehen!

 

Die Vorhut ist im Anmarsch. Es ist viertel nach zwölf. Noch eine dreiviertel Stunde bis die Rennfahrer kommen. Laut Marschtabelle und einem Schnitt von 42 km/h sollt das um 13.01 Uhr der Fall sein. Doch Radprofis halten sich selten an vorgegebene Zeiten in Marschtabellen. Schließlich sind da Menschen unterwegs und keine Maschinen.

 

Die Werbekarawane kommt! Werbekarawane? Ein Hauch von Tour de France im Miniformat! Nützliche und weniger nützliche Dinge werden aus den Autos verteilt. Die Leute haben ihren Spaß. Spektakel pur. Und ohne das ist Radsport heute kaum mehr denkbar.

 

Man sammelt fleißig mit. Groß ist die Ausbeute nicht. Eine Ratsche von HEW, eine Probepackung Schwarzwälder Schinken, eine riesen Patsche-Winke-Hand von der Deutschen Post und, das wichtigste, ein Programmheft. Immerhin! Andere waren im Sammeln erfolgreicher. Auch egal!

 

Erste Diskussionen beginnen, erste Spekulationen. Wie sieht das Renngeschehen wohl aus? Man kommt ins Gespräch.

 

Eine, wohl schon nicht mehr ganz nüchterne, Blondine tönt lautstark, dass alle Leute von der Straße runter müssten, wenn die Fahrer kommen! Schon klar!

 

Aber vielleicht sollte die Gute sich mal Bilder von Bergetappen beim Giro oder bei der Tour de France ansehen!

 

Man kümmert sich nicht mehr drum! Das Feld ist im Anrollen, der Fotoapparat aufnahmebereit. Wer kommt als erster? Wie? Kein Ausreißer? Noch nicht mal langgezogen ist das Feld! Geschlossen rolltes vorüber. Die Hoffnung, Niki Aebersold, wenigstens aber den Mann im Bergtrikot, Roger Beuchat, zu erkennen – vergeblich! Ein schneller Versuch, ein Foto zu machen mitten ins Fahrerfeld hinein. Der Zufall will, dass man gerade Alex Zülle fotografiert. Na, das ist doch was! Aber sonst?

 

Man schwingt sich aufs Rad und fährt davon. Bergab geht’s leichter! Die Hoffnung ruht auf dem nächsten Tag.

 

 

 

Doch der fängt nicht gerade vielversprechend an – Regen! Die erste Halbetappe verfolgt man am Fernseher! So ein Mistwetter! Doch das hält niemanden davon ab, sich auf den Weg zum Zeitfahren am Nachmittag zu machen. Kurzentschlossen wird auf der Fahrt die Entscheidung gefällt, wo es hingehen soll. Nach Weinheim an den Start, nach Heppenheim ans Ziel oder irgendwo dazwischen?

 

Entscheidung gefallen, das Ziel heißt Weinheim Ortsausgang an der B3. Doch die ist um diese Zeit bereits gesperrt – seit drei Minuten! Wer zu spät kommt ... Schönes Eigentor! Also führt der Weg doch ganz nach Weinheim. Einmal wenden. Irgendwo muss es doch einem Schleichweg geben! Doch der Weg führt nur zurück zur gesperrten Abfahrt.

 

Der freundliche Polizist stellt verständnislos fest, dass man spät dran sei.

 

Ach nee! Er rät, in die Innenstadt zu fahren. Also gut! Die Innenstadt von Weinheim wird angepeilt. Aber da ist Stau! Wen wundert’s! Stop and go um kurz vor halb zwei und einer halben Stunde vor Beginn des Zeitfahrens. Man wird ungeduldig und möchte am liebsten wieder nach Hause fahren. Aller Radsportbegeisterung zum Trotz!

 

Letzte Hoffnung? Der Verkehrspolizist an der halb gesperrten Straßenkreuzung.

 

Wo kann man hier parken, wann man zu Radrennen will? Zweite Ampel links hoch? Na, das ist doch eine Aussage! Erste Ampel, aber wo ist die zweite? Man entfernt sich dem Geschehen wieder und beschließt, inzwischen mehr als genervt, einfach bei nächster Gelegenheit links abzubiegen und die Straße hochzufahren. Da hängt tatsächlich ein Schild – Deutschlandtour/Startbereich.

 

Startbereich? Was ist das denn jetzt?

 

Plötzlich geht’s nicht mehr weiter. Was ist das? Halteverbot? Auch egal!

 

Aussteigen! Hier parken noch mehr, die das eigentlich gar nicht dürfen!

 

Man sieht sich um und fragt sich, wo man denn jetzt gelandet ist. Links steht ein Teamwagen von Mapei, daneben bereitet sich Paolo Bettini vor. Oh Gott!

 

Das ist das Fahrerlager!

 

Walter Godefroot dirigiert die Telekomfahrzeuge wild gestikulierend. Und Mario Kummer steigt gerade aus einem dieser Autos von Telekom aus.

 

Nebenan bereiten sich gerade einige Fahrer eines belgischen Teams auf der Rolle vor.

 

Letzte Konsequenz – schnell weg hier! Da gehörtst Du nicht hin! Das Auto eigentlich auch nicht! Aber das bleibt stehen! Auch egal jetzt!

 

Da ist die Startrampe! Es ist kurz vor zwei. Man sucht sich einen Platz der gut einsehbar ist. Der Ausgang einer abschüssigen, scharfen Linkskurve ist da ideal, da hier die Fahrer zuerst abbremsen und dann wieder antreten müssen. Bester Platz zum Anfeuern und zum Fotografieren.

 

Angefeuert wird jeder, fotografiert nur die, die man besonders sympathisch, interessant ... findet.

 

Ein Fahrer erhält eine besondere Anfeuerung – Niki Aebersold: "Hopp, Niki!"

 

Das Zeitfahren wird nach dieser Odyssee doch noch zum Erlebnis! Dem Regen trotzt die Regenjacke, die aber nach zwei Stunden dann doch irgendwann ihren Dienst versagt und Nässe durchlässt.Kalt ist es sowieso. Was soll’s! Aber bei aller Begeisterung, man sehnt das Ende herbei. Die letzten Fahrer werde nicht mehr ganz so euphorisch bejubelt und angefeuert. Lediglich bei Roger Beuchat und Erik Zabel rafft man sich nochmal auf. Ansonsten feuert man in Gedanken an. Zu mehr reichts nicht mehr!

 

Aber etwas ist hängen geblieben:

 

Das Erlebnis Deutschlandtour und das Vorhaben, im nächsten Jahr wieder zu kommen! Ehrensache!

 

Und so macht man sich, nass und durchgefroren aber zufrieden auf den Weg nach Hause. Und im Blick das nächste Ziel – Tour de France. Und die Erkenntnis – RADSPORT MACHT SÜCHTIG! 


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