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die Deutschland-Tour 2001

Text: svl

 

Freitag, Mannheim:

 

Es ist mal wieder so weit, Wochenende heißt seid Mitte März Radrennen Zeit. Ist aber auch zu schön (für den Fan, nicht für den Geldbeutel...) das man in NRW Rennenmäßig so günstig wohnt. Diesmal geht es auf zur Deutschland Tour. Jinx, Anita und ich sind inzwischen ein eingespieltes Team und so fahren wir Freitag morgens von mir aus gen Mannheim um dort die Zielankunft zu erleben.

 

Wie immer haben wir sämtliche Staus und Pannen eingeplant und sind so schon gegen 12 Uhr am Ziel, Ankunft gegen 16.30 Uhr, also mal wieder ins nächste Cafe und erst mal etwas aufwärmen. Kaum sind wir wieder im Zielbereich fängt es auch schon an zu regnen. Klasse, kann ja ein feucht-fröhliches Wochenende geben. Von einer Parkbank aus, können wir die ARD Leinwand und das offene Studio-Podium mit Emig sehen, allerdings fragen wir uns inzwischen wann die endlich mal auf Sendung gehen, da immer nur der Trailer zu sehen ist. Peinlicherweise sagte ich noch, das die nicht live auf Sendung seien können, solange der Typ mit dem hässlichen Sweatshirt neben Emig rumlungert. Später auf Video habe ich dann entdeckt, das es Marcel Wüst war. Sorry, Marcel- War nicht so gemeint ;-)

 

Wir laufen einmal die Straße hoch und runter, allerdings sind dort schon massenweise Menschen, die meisten mit den HEW-Knattern, Telekom Mützen und Magenta-Händen, das wir ganz schnell wieder reiß ausnehmen. (wer den Bericht von Jinx über unseren Besuch der Bayern Rdf. gelesen hat, weiß Bescheid ;-) Wenigstens treffen wir unterwegs noch Anika und ihren Bruder, so das die Gruppe komplett ist.

 

Wir beschließen uns hinter die Ziellinie zu stellen und das Ende auf der Leinwand zu verfolgen. Als Freire vor Steels und Zabel gewonnen hat, konnten wir unsere Freude nicht unterdrücken, was uns böse Blicke der Telekom Anhänger neben uns einbrachte. Auch das Frau Zabel und Sohn neben uns stand, störte uns weniger. Nach dem Rennen hat sich ziemlich schnell alles aufgelöst, da alle Teams in einem Hotel 3 min entfernt wohnten und die Fahrer direkt dorthin fuhren. Also haben wir unser Hotel gesucht und wer Mannheim mit seinen Quadraten und Einbahnstraße kennt, kann sich denken das wir nicht in 3 min da waren.

 

Samstag: Mannheim-Heppenheim

 

Start der Halbetappe 8.20 Uhr, 3 Frauen mit einem Bad= sehr sehr früh aus dem Bett , ein Blick aus dem Fenster und man fragt sich nur "Warum macht man dies nur freiwillig?" Egal, hinaus geht es. Die Fahrer sind auch fast alle müde und warm eingepackt. Nur ein gewisser Fahrer redet mal wieder ununterbrochen und erscheint fast noch zu spät zum Start, da er noch mit anderen Fahrern im Village einen Kaffee trinken und diskutieren musste. Dafür gab es die Sensation bei der Aufstellung. Wer Fabian de Waele kennt, weiß das er immer, dezent formuliert, den gleichen Gesichtsausdruck zeigt. Und was sehen wir nun dort, im Regen? Fabian de Waele kann lachen und reden! Vor lauter Erstaunen habe ich ganz vergessen auf den Auslöser der Kamera zu drücken und habe nun keinen Beweis...

 

Die Fahrer sind los und wir hinterher nach Heppenheim. Die Fahrer kamen relativ schnell nach uns an und waren genauso schnell wieder in den Teamautos gen Weinheim. Wie haben beschlossen in Heppenheim zu bleiben und dort die Ankunft der Fahrer beim Zeitfahren zu erleben.

 

Was uns sehr überrascht hat, war das trotz des schlechten Wetters so viele Menschen den Weg in den Zielbereich gefunden haben und auch bis zum Ende blieben. Die Mittagspause wurde für Verköstigungen genutzt, wobei uns wieder einmal auffiel, das wir die alle in Großstädte leben, falsche Preisvorstellungen haben. In einem kleinen Restaurant, mit super netter Bedienung, konnten wir für 10 DM soviel essen wie wir wollten, bzw. konnten. Da es draußen immer stärker anfing zu regnen, haben wir die Zeit so sehr sinnvoll genutzt.

 

Als die ersten Fahrer ihre Runde fast geschafft haben, stellten wir uns an die Strecke und Anita wurde für ihre Anfeuerung von Andrea Ferrigato sehr aufmerksam mit einem winken belohnt. Der Tag war gerettet. Als Marc Lotz vorbei fuhr haben Inga und ich ihn irgendwie verwirrt, man sah seine Gedanken förmlich: "Eine, Zwei, Dr... Wo ist die Dritte???" Anita war inzwischen unterwegs zu den Autos, aber das konnten wir ihm ja nicht mehr erklären. Schließlich haben uns die Begleitfahrzeuge noch ein wenig verwirrt, in dem das falsche Team hinter dem Fahrer herfuhr, oder der falsche Fahrername angeklebt war. Aber dank Starterliste, haben wir dann doch noch alles im Blick gehabt.

 

Sonntag, Offenburg- Freudenstadt

 

Die Königsetappe ruft und das bedeutete für uns mal wieder um 6 Uhr aus dem Bett. Oh, Studentenleben was vermisse ich dich...

 

In Offenburg selber war noch alles im Aufbau, da wir wieder einmal viel mehr Fahrzeit eingeplant hatten, wenigstens regnet es diesmal nicht. Ha, von wegen was uns am Freitag in Mannheim erzählt wurde, Schneevorhersage für Sonntag. Von wegen! Diesmal haben wir auch den Start der Jedermänner miterlebt, alles sehr professionell und nicht so chaotisch wie ich es bei den HEW´s erlebt habe. Noch ein paar Sekunden bis zum Start und ich mache mich über die Leute vor uns lustig, die sich die Finger in die Ohren stecken. Wer hat denn so Angst vorm Startschuss? Dann kam eine riesige Detonation und die Alarmanlage von ein paar Häusern und Autos ging an. Wir sahen uns nur ratlos an, aber dann fuhren die Fahrer los. Als der Rauch sich wieder gelegt hatte, konnten wir auch die Lösung erkennen, es wird in Offenburg keine Startpistole sondern eine Startkanone benutzt. Kurz haben wir überlegt, ob wir die Profifahrer vorwarnen sollen, aber es dann, fies wie wir sind, doch gelassen. Mal sehen wer in der ersten Reihe steht ;-)

 

Die Teamfahrzeuge kamen nun auch, als erstes Lotto, und als Telekom kam, sind wir wieder einmal geflüchtet. Gott sei Dank, waren auch Mapei pünktlich mit allen Fahrzeugen am Start. Paolo Bettini hatte sich nach dem Zeitfahrern einen der Combis genommen und war damit zusammen mit einigen anderen nach Mannheim gefahren. Wohlgemerkt: Bettini saß am Steuer! Aber es schien ja gut gegangen zu sein. Der Start lief dann recht unproblematisch ab, die erste Reihe ist merklich zusammen gezuckt und Andreas Klier bekam stellvertretend für Deutschland ein paar fragende Blicke zugeworfen, er konnte aber auch nur mit den Achseln zucken und "ich kann doch nichts dafür" antworten...

 

Gut, dann hinaus in den Schwarzwald. Ich hatte ja schon vorher Bedenken das mein Auto es heil schafft, aber dann die Berge hoch und runter um rechtzeitig an die Verpflegung zu kommen, war wirklich eine Herausforderung für ihn. Kleiner Fiesta, 3 Erwachsene und Gepäck, da wollte er dann nicht so recht mitmachen, aber schließlich schafften wir es dann doch, nachdem ich erst mal den drängelnden Team Nürnberger Verpfleger vorbeigelassen habe, der dann vom Telekom Auto aufgehalten wurde. Ha Rache ist süß!

 

Kaum waren wir an der Verpflegungsstelle angekommen, fing es dann auch tatsächlich wieder an zu regnen, dann bald an zu schneien und zu hageln. Zum Glück saßen wir ja im Auto und waren nicht auf den Rädern. Manchmal lohnt es sich dann doch "nur" Fan zu sein.

 

Jinx hatte sich Freitag schnell noch ein Radio gekauft, in der Hoffnung auf Radio Tour Empfang, aber leider waren wir zu nah an der französischen Grenze. Also abwarten und schauen was sich tut. Bald darauf kam schon der erste Aussteiger, H. van Dyck, fröhlich angeradelt und stieg ins Teamauto.

 

Die Werbekarawane kam vorbeigebrettert, für die 6 Leute hier oben halten die wohl nicht an... Dann kamen auch schon die beiden Ausreißer und kurz darauf die 16köpfige Verfolgergruppe, angeführt von Udo Bölts. Man sah den Fahrern jetzt schon an, welche Strapazen sie hinter sich hatten und wir rechneten mit vielen Aussteigern, vor allem da es gerade mal wieder hagelte. Da ist der Teambus doch die Versuchung pur. Der erste kam dann auch schon bald an, allerdings wollte der Saeco Betreuer, der sich unter unserem Regenschirm verkrochen hatte, ihn dazu bewegen weiter zufahren Geht ja nicht so einfach, das er aussteigt während er arbeiten muß ;-) Aber nach kurzer Diskussion und zwei, drei Tritten kehrte er doch um und stieg in den Bus. Soviel also zur versuchten Motivation der Fahrer.

 

Bei C. Wegmann hat der Betreuer es dann gar nicht mehr versucht. Denn nachdem Wegmann abgestiegen war, fiel ihm erst mal alles aus den Händen, da er sie nicht mehr bewegen konnte. Juni in Deutschland... Nachdem der Besenwagen vorbei war sind wir dann schnell ins Ziel gefahren, bergab mag mein Auto ;-)

 

In Freudenstadt war wieder eine Leinwand aufgebaut und wir kamen gerade rechtzeitig an um zu erleben, dass Vinokurow und Aldag ausgerissen waren. Natürlich haben wir uns direkt gefragt, wie dies passieren konnte, ob was mit Escartin und Zülle von Coast passiert war usw. Aber egal, Inga und mich hat es gefreut und auch wenn wir kurzzeitig überlegt haben, ob Rolf Aldag es bis zum Ziel durchhält, so fertig wie er aussah..., mich als Aldag Fan hat es natürlich kaum noch interessiert warum die anderen gerade Vinokurow haben ziehen lassen. Hauptsache sie schaffen es bis ins Ziel.

 

Leider bekamen wir nie die Zeitabstände mit und deshalb war es für uns ein reines Nervenspiel bis alles klar war. Nach der Siegerehrung, die ich dann natürlich noch genießen müsste, sind wir so schnell wie´s irgendwie ging ins Auto gesprungen und zum nächsten Hotel gefahren. Nicht nur die Fahrer hatten einen Sch... Tag, auch wir waren bis auf die Knochen durchfroren und durch nässt.

 

Montag Freudenstadt-Stuttgart:

 

So, noch einmal früh raus und das war's dann schon mit der Deutschland Tour. Aufgrund unserer Stauerfahrung vom letzten Wochenende haben wir uns dazu entschlossen nur den Start mitzumachen und dann direkt gen Heimat zu fahren. Dass es auf der gesamten Strecke nun gar kein Stau gab, war ja leider vorher nicht zu wissen...

 

Nach der Etappe gestern sind nur 18 Fahrer nicht mehr zum Start angetreten, was uns ein wenig überrascht hat. Sind doch härter im nehmen, als gedacht.

 

Die meisten Fahrer waren trotz blauen Himmels dann auch eingepackt wie im tiefsten Winter. Aus Schaden wird man klug. Nach ein paar Gesprächen (wir mussten ja noch heraus bekommen, welcher Fahrer demnächst welches Rennen fährt ;-) sind wir zur Einschreibung und Oscar Freire brachte mir dann noch einen riesigen blauen Fleck ein. Seit Tagen habe ich es jedes Mal verpasst ein Foto von ihm zumachen, entweder zu spät gesehen oder der Film war zu ende.

 

Nun stand er dort und Anita schlug mir auf den Arm, dass er da sei. Ach ja, was man nicht alles auf sich nimmt um ein Foto zu machen. Aber jetzt habe ich ihn ja. Also hat es sich doch noch gelohnt. Die Fahrer fuhren ab gen Stuttgart und wir machten uns schweren Herzens ebenfalls auf. Aber das nächste Rennen kommt ja zum Glück schon bald...

 

Fazit:

Deutschland Tour ist ganz OK, allerdings typisch deutsch organisiert. Für die Fahrer bestimmt toll, für die Fans etwas ärgerlich. Gerade wenn im Zielbereich alles abgesperrt ist um Platz für die Fernsehwagen zu haben und die Fans nur 200 m hinter dem Ziel Platz haben.
Wir haben mal wieder die armen Betreuer bemitleidet, die an der Verpflegung stundenlang im Regen stehen, um dann ins Ziel zu hetzen und dort direkt weiter arbeiten. Wenn die Fahrer schon längst trocken im Hotel sitzen, laufen die immer noch in ihren nassen Klamotten rum um die nachfolgenden Arbeiten zu erledigen. Traum Job
Fahre nie mit einem Auto zu dem du kein Vertrauen hast in die Berge (meins kommt übrigens Dienstag in die Werkstatt, hat wohl Folgeschäden erlitten)
Bereite dich bei einem Rennen in Deutschland mit Kopfschmerztabletten vor. Dieses ganze Geknatter von den verteilten Rasseln ist auf Dauer unerträglich. Wie schrieb Sunderland in seinem Tagebuch:" die Leute an den Straßen waren gigantisch, aber wir haben uns oft nicht unterhalten können, so laut war es" Tja, da kommt mir direkt wieder die Frage, was ein gewisser Fahrer da gemacht hat, aber lassen wir das...
Und zur guter letzt: Wenn ihr eine Rundfahrt mitmacht, schreibt euch vorher auf, an welchen Tagen ihr wo seid. Ich habe zum Schluß, sämtliche Städte durcheinander geworfen und bin von den anderen beiden damit aufgezogen worden, weil ich mal wieder nicht wusste ob wir nun in Offenburg, Ansbach, Freudenstadt oder Gottweiß wo sind... Was lob ich mir da Eintagesrennen.

 

 


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