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Italien

von Tourmalet

 

Die Rolle des italienischen Sportdirektors bei einer Rad-WM kann im Prinzip nur mit der des brasilianischen Trainers bei der Fußball-WM verglichen werden: jeder im Land hat mehr Fachkenntnis als der Direktor und der WM-Titel ist das Minimalziel. Dementsprechend muss man Paolo Bettini um seine Aufgabe nicht unbedingt beneiden. Sein Debut als technischer Direktor nach dem Unfalltod Franco Ballerinis im Februar hat er generalstabsmäßig geplant, so ist er mit einigen Sportlern bereits im Juli nach Australien geflogen, um sich den WM-Kurs vor Ort anzuschauen. Aus seinen Schlussfolgerungen heraus ist folgendes Aufgebot entstanden:

 

Als Kapitän und größte Medaillenhoffnung geht Filippo Pozzato an den Start. Der Klassikerspezialist hatte bisher eine eher gemischte Saison 2010 mit einigen guten Platzierungen im Frühjahr, wobei abgesehen von einem Etappensieg beim Giro die Glanzlichter fehlten. Die zweite Saisonhälfte hat er ganz auf die WM ausgerichtet, zuletzt fiel er durch gute Platzierungen bei der Vuelta und ein selbstauferlegtes Keuschheitsgebot auf. Sollte sich diese Selbstopferung nicht auszahlen, könnte der italienische Meister Giovanni Visconti die Farben der Tricolore hochhalten. Er hat in diesem Jahr eine ganze Reihe von Erfolgen und erstklassigen Platzierungen vorzuweisen, wobei ihm und seiner Mannschaft ein Start beim Giro oder den großen Eintagesrennen mit Ausnahme von Mailand – San Remo verwährt blieb. Daher kann er Pozzato die Kapitänsrolle auch nicht streitig machen und dürfte als dessen wichtiger Helfer und Back-Up fungieren. An den größten Erfolgen italienischer Profis in dieser Saison war Vincenzo Nibali als Helfer und Drittplazierter bei Bassos Girosieg sowie als Vuelta-Triumphator maßgeblich beteiligt. Für ihn ist es jedoch trotz dieser Resultate eine Selbstverständlichkeit sich bei der WM als mannschaftsdienlicher Helfer einzuordnen, da seine eigenen Siegchancen auf diesem Kurs gegen Null tendieren. Nibalis Aufgabe soll es sein, das Rennen so schwer zu machen, dass endschnelle Konkurrenten wie die Hushovds oder Freires dieser Welt am Ende keine Rolle mehr spielen. Die Mannschaft auf der Straße koordinieren und Bettinis Anweisungen umsetzen soll Luca Paolini. Der WM-Dritte von 2004 hat bei den italienischen August – und Septemberrennen zuletzt gute Form bewiesen. Sein Name fiel im Frühjahr mal wieder im Zusammenhang mit Dopinguntersuchungen in Italien, was jedoch für seinen Freund Bettini kein hinreichender Grund war, ihn nicht zu nominieren. Ganz im Sinne Ballerinis komplettiert Bettini seine Mannschaft mit loyalen Arbeitspferden, die keinerlei eigene Ambitionen hegen. Dazu zählen die sehr erfahrenen Haudegen Matteo Tosatto und Marzio Bruseghin, die Nachwuchskräfte Francesco Gavazzi (noch ein bisschen jung) und Daniel Oss (ziemlich jung) sowie der kurzfristig nachnominierte Enrico Gasparotto.

 

Auffällig an Bettinis Kader ist der Verzicht auf einen klassischen Sprinter, wobei in einem echten Massensprint einzig Petacchi glaubhafte Medaillenchancen gehabt hätte. Daher muss es im italienischen Interesse sein, das Rennen ziemlich schwer zu machen, weil Pozzato, Visconti oder Paolini obwohl allesamt endschnell, gegen echte Sprinter wohl wenig auszurichten vermögen. Immerhin muss man, anders als in den letzten Jahren, dank der Leistungen eines Philippe Gilbert nicht die Bürde des Topfavoriten tragen. Den Fehler diese italienische Mannschaft zu unterschätzen, sollte trotzdem kein Gegner begehen, sonst erklingt wieder die Hymne „Fratelli d’Italia“.


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