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Giro d'Italia 2007: Rückblick

Bericht: Christine; Fotos: Cyclingimages





Teamleitung Liquigas



Paolo Bettini

Vor Beginn des 90. Giro d’Italia kannte die Radsportwelt nur ein Thema: Doping. Gerade erst hatten Ivan Basso und Michele Scarponi ihre Verwicklungen in die Fuentes-Affaire gestanden. Nun stand das wichtigste italienische Radrennen vor der Tür. Man durfte gespannt sein, wie die italiensche Öffentlichkeit die aktuellen Radhelden empfangen würde. Bei der Teampräsentation war für derlei Kontakt erst einmal keinerlei Möglichkeit. Die Mannschaften wurden auf einem ausrangierten Flugzeugträger vor Santo Stefano, einem Inselchen im zu Sardinien zählenden Maddalena-Archipel, den Medienvertreten unter Ausschluss der Öffentlichkeit präsentiert. Zufall? Vielleicht. Schließlich hatte die Organisation weit über ein Jahr vorher begonnen.





Präsentation auf einem Flugzeugträger

Dennoch wurden die Radsporthelden, wo immer sie auftauchten, mit wahren Begeisterungsstürmen empfangen. Doping? War da was? Der italiensche Fan unterscheidet sich vom deutschen vor allem dadurch, dass er Doping eher pragmatisch denn moralisch betrachtet. Der Radsport ist doch nicht die heile Welt. Er ist aber, trotz aller Probleme, verrückt, schön und begeisternd. Und der Giro ist Party, also feiert man sich selbst und den Radsport.



Und zum Feiern gaben die italienschen Helden genügend Anlass. Lassen wir nun einmal unsere deutsche moralische Perspektive zumindest kurzzeitig vergessen und feiern mit den Italienern. Was bleibt nach 21 Etappen, 3.486,20 km und 20.000 Höhenmetern in Erinnerung?



Männer für die Gesamtwertung



Feiern gemeinsam: Danilo Di Luca und Liquigas



Top3: Mazzoleni, Di Luca, Schleck

Danilo Di Luca – Der Sieger

Besser geht es kaum. Im Alter von 31 Jahren schaffte er die Erfüllung seines Kindheitstraumes: Den Sieg beim Giro d’Italia. Auch nach dem guten 4. Platz beim Giro d’Italia 2005 hatten ihm nur wenige Experten den Sieg bei einem so großen und wichtigen Rennen zugetraut. Doch er selbst hat immer daran geglaubt und es nun all seinen Kritikern gezeigt. Aber auch Di Luca dürfte im Innern seines Herzens überrascht gewesen sein, wie deutlich er seine Konkurrenten auf Distanz halten konnte.



Andy Schleck – 2. Platz und bester Jungprofi

Vielleicht wurde bei diesem Giro der Star von morgen geboren: Er hat mit gerade einmal 21 Jahren noch die Zukunft vor sich und könnte ein Champion werden, wie es nur wenige gibt. Trotz seines jungen Alters fuhr er abgeklärt wie ein erfahrener Profi, immer an der richtigen Position im richtigen Moment. Ein Phänomen!



Eddy Mazzoleni – 3. Platz

Im Alter von 33 Jahren, nachdem er in der Vergangenheit für zahlreiche Kapitäne aufopfernd als Helfer gefahren war, wurde er mehr aus Zufall selbst zum Kapitän und beendete den Giro auf dem Podium.



Gilberto Simoni – Il Signore Monte Zoncolan

Im Alter von fast 36 Jahren schaffte er es nach insgesamt sieben Giro-Podiumsplätzen dieses Jahr nicht aufs Podium. Aber er bewies, warum er noch immer als DER Bergspezialist unter den italienischen Fahrern gilt. Er gewann erneut die Bergankunft am Monte Zoncolan, einem der symbolträchtigsten Anstiege in der Geschichte des Giro d’Italia.



Damiano Cunego – 5. Platz

Als einer der Hauptfavoriten vor dem Rennen gehandelt, konnte 'Il piccolo Principe' erneut die in ihn gesetzten Erwartungen nicht ganz erfüllen. Beim Zeitfahren in Verona verspielte er einen möglichen Podiumsplatz. Aber er ist jung, seine große Zeit wird erst noch kommen.



Paolo Savoldelli – vom Kapitän zum Edelhelfer

Pechvogel des diesjährigen Giros. Ohne den Sturz in Pinerolo hätte sein Giro ganz anders verlaufen können. Aber es gebührt ihm große Anerkennung wie er sich als eigentlicher Kapitän in den Dienst von Mazzoleni gestellt hat. Immerhin gewann er noch das Zeitfahren in Verona.



Helfer & Rouleure



Leonardo Piepoli

Leonardo Piepoli - Grünes Trikot

Im Vorfeld des Rennens lehnte er die Rolle des Co-Kapitäns ab. Dennoch war er der stärkste Fahrer auf den Bergetappen und somit verdienter Gewinner des grünen Trikots (Bergtrikot). Außerdem Sieger der Etappe nach Nostra Signora della Guardia und wichtigster Helfer für seinen Kapitän Simoni. Wo er wohl gelandet wäre, wenn er hätte auf eigene Rechnung fahren dürfen?



Riccardo Riccò - Sieger Tre Cime

Die Kobra zeigte, was in ihr steckt. Nach seinem Fehler in der Fluchtgruppe auf der Etappe nach Fiorano, eroberte er die Tre Cime di Lavoredo als Erster und beendete den Giro ohne spezieller Vorbereitung immerhin auf Rang 6.



Marzio Bruseghin - Sieger in Oropa

Der Zeitfahrspezialist entwickelte sich zur zweiten Karft bei Lampre neben Cunego. Er gewann das Bergzeitfahren nach Oropa, musste dann aber in den hohen Bergen etwas büßen. Dennoch beendete er den Giro auf einem hervorragenden 8. Platz. Das hätten ihm im Vorfeld wohl nur wenige zugetraut!





Andrea Noè und Stefano Garzelli

Stefano Garzelli – zwei Etappensiege

Er weiß, dass die Zeiten vorbei sind, als er um die Top 3 der Gesamtwertung mitfahren konnte. Daher suchte er sein Glück in der Flucht nach vorne. Mit zwei beeindruckend herausgefahrenen Etappensiegen zählte er zu den Protagonisten des Giros.



Andrea Noè – zwei Tage in Rosa

Im hohen Radsportalter von 38 Jahren trug er für zwei Tage das Rosa Trikot. Damit ist ihm ein Platz in der Geschichte des Giros sicher: Er ist nunmehr der älteste Fahrer, der jemals das rosa Trikot trug. Nach diesem Erfolg stellte er sich wieder in den Dienst seines Kapitäns Danilo Di Luca um ihm zu helfen, 'La corsa rosa’ zu gewinnen.



Marco Pinotti – vier Tage in Rosa

Der Ingenieur aus Bergamo durfte als Lohn für seine Flucht vier Tage das rosa Trikot tragen, welches er aufopfernd und mit Hingabe verteidigte.



Mikhail Ignatiev – 469 km in Fluchtgruppen

Der 22-jährige Russe fand sich immer wieder in Fluchtgruppen ein, insgesamt 469 km verbrachte er als Ausreißer vor dem Feld und hat somit die entsprechende Wertung gewonnen.



Sprinter

Alessandro Petacchi – 5 Etappensiege und Maglia Ciclamino

Eigentlich wollte er bereits vor den großen Bergen aussteigen, überlegte es sich aber im Gegensatz zu den meisten seiner Sprinterkollegen doch noch anders. Lohn für die Quälerei: 5 Etappensiege, der Gewinn des Maglia Ciclamino und die Wiedergeburt des Ale-Jet.




Sprinter Nr. 1: Alessandro Petacchi



Danilo Napolitano - Etappensieg im Casa Petacchi

Seine Giro-Nominierung stand lange auf der Kippe. Er rechtfertigte das Vertrauen der Teamleitung mit seinem ersten Etappensieg beim Giro d'Italia. Er setzte sich auf der Etappe nach Lido di Camaiore eindrucksvoll vor seinem italienischen Landsmann durch und freute sich: "Ein Sieg vor Petacchi der ist drei Mal soviel wert!" Ein Sprinter mit Perspektive.



Robbie McEwen - erfolgreiche Kurzarbeit

Bestätigte seine Sprinterfähigkeiten mit einem Etappensieg in Bosa. Wie jedes Jahr bekam ihm die Bergluft nicht: vor den großen Bergen war wie üblich Schluss.



Robert Förster - Verabschiedung mit Etappensieg

Er ist in der Sprinterelite angekommen. Trotz seines frühen Ausscheidens konnte er mit seinem Etappensieg und weiteren guten Platzierungen seine Ambitionen bestätigen.



Thor Hushovd - Unsichtbar

Er wollte einer der Hauptprotagonisten im Sprint sein. Doch man musste sich fragen, ob er überhaupt anwesend war. In den Sprints war er kaum zu sehen, obwohl die Mannschaft auf ihn zugeschnitten war.



Mannschaften



Saunier Duval



Liquigas

Saunier Duval - Prodir - Trofeo Fast Team

In den Bergen Italiens konnte dieser Mannschaft niemand das Wasser reichen: vier Etappensiege von vier verschiedenen Fahrern (Mayo, Piepoli, Riccò, Simoni) sprechen eine deutliche Sprache. Daher verdienter Sieger der Trofeo Fast Team. Die mangelnden Zeitfahrqualitäten hatten allerdings Mannschaftskapitän Simoni bereits nach dem Teamzeitfahren deutlich ins Hintertreffen gebracht.



Liquigas - Teamgeist

Mit einem hervorragenden Zeitfahren wurde bereits beim Mannschaftszeitfahren auf La Maddalena die Grundlage für den Girosieg von Di Luca gelegt. Drei Fahrer trugen während des Giros das rosa Trikot (Gasparotto, Noè, Di Luca). In den Bergen stellten sich alle uneigennützig in den Dienst ihres Kapitäns. Spätestens die Feierlichkeiten in Mailand bestätigten den guten Teamgeist: Nicht nur der Sieger, sondern alle Fahrer kamen zur Siegerehrung und liessen ihren Kapitän nach der bekannten Fußballmelodie hochleben: "C'è solo un capitano..." (Es gibt nur einen Kapitän...).



Zuschauer

Die Zuschauer brachen alle Rekorde. In den Alpen, ja sogar oberhalb von Genua fuhr die rosa Karawane durch wahre Menschenalleen, die die Profis und die Organisation unterstützten und feierten wie in vergangenen Zeiten. Der Höhepunkt der Begeisterung schließlich am mythischen Monte Zoncolan, dem Bernabeu des Radsports: 100.000 begeisterte Fans säumten die Straßen und sorgten für eine unglaubliche Fußballstadionatmosphäre. Aber nicht nur an der Strecke, auch vor den Fernsehbildschirmen war die Begeisterung riesig: über 5 Millionen Zuschauer in der Spitze, die ihren Frieden mit dem Radsport geschlossen hatten. Der Giro lebt, der Radsport lebt – zumindest in Italien!

 




Viva il Giro, viva il ciclismo!


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