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L'Alpe d'Huez in der Tour de France



Giuseppe Guerini siegte 1999
© califax

Dieser Berg dürfte heute der bekannteste Anstieg sein und ein Sieg ist für alle Kletterer ein Traum, die Unsterblichkeit winkt. 21 Kehren führen mit einer durchschnittlichen Steigung von 7,9 % über 13,8 km hoch in die Retorten-Touristenstadt Alpe d'Huez. Jede Kehre ist einem Sieger gewidmet, bzw. ab 2004 musste man wieder unten beginnen und zwei Namen pro Kurve ausgeweisen.

 





Coppi gewinnt die Tour 1952

1952 stand der Berg zum ersten Mal auf dem Programm. Es war zudem die erste Bergankunft in der Tourgeschichte die kein geringerer als Fausto Coppi gewann. Allerdings war die Presse und Tourdirektor Jacques Goddet danach nicht sehr angetan. Coppi war zu überlegen, die Gegner angeblich zu hasenherzig, sodass das erhoffte Spektakel ausgeblieben war.

 

Es dauerte 24 Jahre, bis 1976 diese Bergankunft wieder ins Programm kam. Eine Variante sah das Jahr 2004 mit einem Bergzeitfahren über 15,5 km, das Lance Armstrong souverän für sich entscheiden konnte. 

 

Eine ausführliche Bechreibung des Anstiegs siehe unter C4F:

die großen Anstiege

 



Etappensieger Alpe d'Huez

Jahr 
Sieger 
Etappe 
 
 
 
1952 
Fausto Coppi (ITA) 
10 
1976 
Joop Zoetemelk (NED)  
1977  
Hennie Kuiper (NED)  
17 
1978  
Hennie Kuiper (NED)  
16 
1979 
Joaquim Agostinho (POR)  
17 
1980 
Joop Zoetemelk (NED)  
18 
1981  
Peter Winnen (NED)  
17 
1982  
Beat Breu (SUI)  
16 
1983 
Peter Winnen (NED)  
17 
1984  
Luis Herrera (COL)  
17 
1986  
Bernard Hinault (FRA)  
18 
1987 
Federico Echave (ESP)  
20 
1988  
Steven Rooks (NED)  
12 
1989  
Gert-Jan Theunisse (NED)  
17 
1990  
Gianni Bugno (ITA)  
11 
1991  
Gianni Bugno (ITA)  
17 
1992  
Andrew Hampsten (USA)  
14 
1994  
Roberto Conti (ITA)  
16 
1995  
Marco Pantani (ITA)  
10 
1997  
Marco Pantani (ITA)  
13 
1999  
Giuseppe Guerini (ITA)  
10 
2001  
Lance Armstrong (USA)  
10 
2003  
Iban Mayo (ESP)  
2004 
Lance Armstrong (USA) (Bergzeitfahren)  
16 
2006 
Frank Schleck (LUX) 
15 
2008 
Carlos Sastre (ESP) 
17 


Peter Winnens Sieg 1981

Peter Winnen (Niederländer) siegte 1981 am 14. Juli, dem Nationalfeiertag der Franzosen, auf der 17., der schwersten Etappe dieser Tour von Morzine nach l'Alpe d'Huez über 230,5 km. In seinem Buch 'Post aus Alpe d'Huez' schildert er seinen Höllenritt.

 

"Es ging von Haarnadelkurve zu Haarnadelkurve. Die Kehren waren nummeriert. Es zählte sich so leicht: Herr im Himmel, wie leicht es auf einmal ging. Etwa sieben Kilometer vor dem Gipfel konnte ich mich nicht mehr zurückhalten. Ich langweilte mich: Ich musste angreifen, mein Heil in der Flucht suchen. Wir waren nur noch zu fünft. (...) Auch der letzte Ausreißer musste nun daran glauben. Wirklich, ich fühlte mich stark wie ein Stier. (...) Hinter dem Steuer seines Teamfahrzeugs sitzend, schob sich Godefroot neben mich.

"Vierundzwanzig Sekunden, die Kräfte gut einteilen!", rief er. "Gut einteilen?", ging es mir durch den Kopf, daran ist überhaupt nicht zu denken. Volle Kraft voraus! Übrigens, wie sollte das in so einer Situation gehen - die Kräfte einteilen?

 

Ich dachte an all die Nachmittage, die ich selbst vor dem Fernseher gesessen hatte, bei exakt demselben Anstieg. Damals hatte ich mir immer vorgestellt, dass die auf den Pedalen tanzenden Wesen sich in einem Zustand religiöser Ekstase befinden würden. Leider musste ich nun feststellen, dass dies bei mir nicht der Fall war. Ich spürte zwar eine enorme Kraft und großen Tatendrang, ja sogar Rachegelüste - aber Ekstase? Eigentlich fühlte ich mich total normal. (...)

 

Ab und an rannte jemand aus dem Publikum neben mir her, um eine Flasche Wasser über meinem Kopf auszuschütten. Das war okay. Immer wieder sah ich aber auch Zuschauer am Straßenrand, die mit Bierdosen vor der Brust hinter ihren Klapptischen saßen. Andere grillten Koteletts. Der Geruch war unerträglich. Überhaupt fand ich die Leute allesamt unerträglich. So etwas sollte streng bestraft werden. Auf dem Grill festbinden, das wäre noch eine milde Strafe. Denn mein eigener Zustand hatte sich mittlerweile stark dem eines Koteletts auf einem Holzofenfeuer angenähert. (...) Ich erinnerte mich an die schaurige Geschichte, die der Pastor in der zweiten Klasse der Grundschule den jungen Gemeindemitgliedern erzählt hatte: Wie Jesus Christus, der Sohn Gottes, während er ans Kreuz genagelt wurde, die Knochen in seinem Leib zählen konnte - es waren etwas über dreißig.

Ich fühlte ebenfalls viele Knochen. Leider war ich außer Stande, sie zu zählen. Eines war jedoch sicher: Meine Leber würde es auch nicht mehr lange machen. Denn die schob sich mitsamt Magen und anderen Eingeweiden allmählich durch die Speiseröhre nach oben - nicht im wahrsten Sinnes des Wortes natürlich, aber sie machte durchaus Anstalten dazu. Längst bereute ich meinen Ausreißversuch zutiefst.

 

Ungefähr zwei Kilometer vor dem Ziel tauchte ich in eine wilde Menschenmenge ein, die in der Mitte oft nur noch einen schmalen Weg frei ließ. Immer mehr Wasser wurde mir über den Kopf geschüttet. Und nun war es nicht mehr angenehm, denn es wehte ein kühler Wind. Immer öfter rannten Idioten mit, die mir etwas in die Ohren brüllten. Ich zitterte am ganzen Körper. In mir war nichts als eine unendliche Leere. Sie werden nun sicher in schnellem Tempo hinter mir sein, meine Verfolger, dachte ich. Ehrlich gesagt, hatte ich auch die Lust verloren. Einfach absteigen und in der Masse verstecken, das schien mir die beste Lösung. Meine Muskeln fühlten sich an wie verhedderte Schnüre.

Etwa an diesem Punkt endeten alle konkreten Gedanken. Warum jemand in so einem Moment weiterstrampelt ist mir ein Rätsel. Ich musste mich mit Eindrücken begnügen: Die Menge machte einen Radau, der fast das Trommelfell zum Platzen brachte. So ohrenbetäubend und überwältigend war der Lärm, dass ich ihm nachgab und mich von ihm forttreiben ließ - unter dem roten Dreieck her, das über der Straße hing und den letzten Kilometer markierte. (...)

 

Die letzte Kurve. Vor mir lag eine Gerade, die noch einmal giftig anstieg. Die Straße war breit. Ich nahm sie wahr als eine Fläche, über die der Wind Staubwolken hinwegjagte. Eiskalt war es auf dieser Fläche. (...) Während ich Meter für Meter weiterkroch und mich der Ziellinie näherte, fand ich, dass ich doch irgendein Zeichen des Sieges von mir geben müsste. Denn niemand war an mir vorbeigefahren - ein Wunder! Zaghaft, ganz zaghaft ging mein rechter Arm nach oben. Ich musste mich dafür schief auf mein Rennrad hängen."

 

>>> zur Buchbesprechung: Peter Winnen, Post aus Alpe d'Huez, 2005 



Quellen

Wikipedia.fr

Wikipedia.de

 

Cols Mythiques du Tour de France, l'Equipe, 2005


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