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1930 Harz-Rundfahrt


Magdeburg - Magdeburg

Start: 15. Juni 1930

Rennen für Berufs- und Amateurstraßenfahrer (A-, B- und C-Klasse)

 

Streckenlänge: über 300 km

 

Veranstalter: IBUS (Industriering für Berufsstraßenradrennsport) in Zusammenarbeit mit BDR(Bund Deutscher Radrennfahrer) und VDRV (Verein Deutscher Radsport-Verbände)

Erstes Rennen, bei dem Amateur-Fahrer des BDR und des VDRV gemeinsam antreten.

 

Start:

5 Uhr: C-Fahrer (40 Bundesamateure (BDR))

5:10 Uhr: B-Fahrer (27 Bundes-Amateure)

6 Uhr: 56 Berufsfahrer: 12 Mifa-, 11  Opel-, 13 Brennabor-, 13 Dürkopp und 7 Diamant-Fahrer

6:31 Uhr: A-, B- und C-Amateure des VDRV

 

 



Die Helden der Deutschland-Rundfahrt, die drei Wochen zurücklag,  traten erneut an, diesmal zur Generalprobe für die in zwei Wochen beginnende Tour de France. Buse, Thierbach, Tietz, Siegel, Schön, Manthey, Nebe und Rudolf Wolke, unterschiedlichen Teams zugehörig, traten nochmals gegeneinander an, bevor sie in Frankreich gemeinsam unter deutscher Flagge kämpfen sollten.

 

 




Am Start, der Brannabor-Stall
Von links: Seiferth, Neumann, Dahms, Schröder (Magdeburg), Siegel, Hertwig, Miethe, der vorjährige Sieger Feder, Manthey, Karl Kohl, Manager Marx; im Kreis Buse






Im Vordergrund Schön, von rechts Thierbach, Stübecke, Plug, Kroll, Seiferth




von links
Buse, Hertwig, Bulla, Sieronski, Geyer



Die Strecke wurde wegen einer Umleitung über 300 km lang. Schlechte Straßen bei unerträglicher Hitze machte den Fahrern das Leben sehr schwer. Verstärkt wurden die Probleme durch 'wilde' Begleitfahrzeuge, Fahrrad-, Motorrad- und Autofahrer, die sich zwischen die Rennfahrer mischten.

 

Die bergige Rundfahrt gehörte zu den schwersten in Deutschland. Besonders die 8 km lange Wendefurther Steigung, die nach 90 km zu bezwingen war, hatte es in sich. Einige der hochgehandelten Fahrer mussten hier bereits alle Hoffnungen aufgeben.

 




Wendefurther Steigung
Bulla und Müller (Bochum) quälen sich bergauf



Wendefurther Steigung:

Plug und Gugau



Der überrragende Fahrer an diesem Berg war Rudolf Wolke. Allein erreichte er den Gipfel und fuhr zu einer Gruppe A-Fahrer auf, mit denen zusammen er die weitere Flucht organisierte. Leider  ereilte ihn ein Reifendefekt, den er zwar beheben konnte, doch die Verfolger hatten ihn bereits eingeholt und waren davongezogen. Verzweifelt gab Wolke auf, obwohl er die Chance hatte wieder zur Spitzengruppe, die ein langsames Tempo eingeschlagen hatte, aufzuschließen. Ausgerechnet in Sangerhausen, dem Standort der Mifa-Werke, seinem Arbeitgeber, warf er mutlos alles hin, womit er seinen Manager heftig gegen sich aufbrachte.

 




In Sangerhausen:

"Wo bleibt bloß Rudolf Wolke?"



Er kommt!
doch Rudolf gibt auf.



Daraufhin ernsthafte Auseinandersetzungen mit Aberger (Manager)





"Karl Kohl, Max Kohl und noch ein paar andere Nachzügler - (... insgesamt 7 Mann) - wurden auf einmal etwa 10 km vor der Spitzengruppe friedlich dahinsegelnd entdeckt. Sie hatten einen anderen Weg eingeschlagen und damit etwa 70 km abgeschnitten. Als sie das merkten, legten sie sich abseits vom Weg in ein Kornfeld und warteten nun bis die Spitzengruppe vorbei war. Die Gebrüder Kohl, die sich inzwischen wunderhübsch ausgeruht hatten, fuhren dann hinterher, und es war ihnen nun natürlich ein leichtes, das führende Feld etwa 40 km vor dem Ziel "einzuholen". Sie begnügten sich aber nicht einmal damit, sondern begannen sogar an der Spitze zu wühlen. Max Kohl wurde dann in den Massensturz verwickelt, während Karl Kohl frisch-fröhlich den Endspurt mitmachte. (...) Man musste die beiden Überschlauen natürlich aus dem Rennen nehmen."

Sehr viel Spannendes ergab sich im weiteren Rennen nicht mehr. Die Spitzengruppe aus Profis und ein paar Amateuren strebte gemeinsam dem Ziel entgegen. Kurz davor wurden die verbliebenen 3 Herrenfahrer zurückgesetzt damit die Profis ihr Rennen unter sich ausmachen konnten. Ein Sturz 6 Kilometer vor dem Ende warf 4 aussichtsreiche Siegkandidaten zurück. Den Zielsprint der sieben verbliebenen Fahrer entschied etwas überraschend der als nicht sprintstark geltende Hermann Buse für sich.



Magdeburg galt zu dieser Zeit als Hochburg des Radsports, unzählige aktive Radrennfahrer waren hier zuhause. Dies zeigte sich auch an den Zuschauermassen entlang der Straßen, vor allem an den exponierten Streckenabschnitten wie den Steigungen. Selten zuvor hatten sich soviele Menschen für ein Rennen begeistert, obwohl der Straßenradsport in Deutschland immer schon viele Fans mobilisieren konnte.

 

Die Organisation schien sehr gut gewesen zu sein, doch eine Panne am Ende gab es doch: "Die breite Endspurtstraße. die von Tausenden und Abertausenden eingesäumt wurde, war tadellos mit Seilen abgesperrt, und es klappte alles wie am Schnürchen, nur die Herren Zeitnehmer versagten; vor lauter Zuschauer vergaßen sie anscheinend, die Zeiten zu nehmen, denn sie konnten nachher nur die Zeit des Siegers bekanntgeben, und alle übrigen Zeiten mußten am Abend von "privater" Seite gefühlsmäßig "errechnet" werden! Das hätte nicht passieren dürfen. Sonst aber, wie gesagt, Zensur Ia."




Eine riesige Zuschauermenge harrte am Ziel in Magdeburg.



Ergebnis



1. Hermann Buse   9:30:15 h

2. Alfred Siegel

3. Felix Manthey

4. Ludwig Tomasini

5. Oskar Thierbach

6. Paul Neumann

7. Herbert Sieronski 9:31:40 h

8. Hermann Müller (Bochum) 9:32:15 h

9. Max Bulla 9:32:38 h

10. Kurt Stöpel 9:33:45 h

 



Quelle: Illustrierter Radrenn-Sport 1930, 10. Jahrgang 

 

von Maki

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