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Helden des Jahres 2004: Die Sonderkategorien, Part I

Juhu!!... Da sind sie endlich:

 Die Helden des Jahres 2004!

 

Die Saison war lang und abwechslungsreich: Große Momente, packende Duelle aber auch bittere Szenarien und real gewordene Schauermärchen – sehr wohl jedoch viel Gesprächsstoff. Einige der Protagonisten der letzten zwölf Monate stellen wir euch über einige Tage hinweg vor und blicken zurück, was gewesen und noch gegenwärtig ist.

Ausgewählt wurde nicht willkürlich, sondern nach modernen demokratischen Gesichtspunkten: Die c4f-Forumuser haben per Wahl entschieden - die Redakteure mussten sich fügen. Was dabei herum gekommen ist ? Lest selbst, denn heute auf der Showbühne: Part I der Trilogie „Sonderkategorie, Held des Jahres 2004“…

 



Fighter-Award: Rolf Aldag



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Alleskönner und Dauerbrenner: Rolf Aldag

Die Saison des „freundlichen Malochers von nebenan“ begann wie unzählige Jahre vor diesem auch – auf Malle als Helfer für Ete, der die ersten Saisonsiege für das Team einfahren sollte. Plätze 49, 36, 27, 47 und 77 für den Meister des gepflegten Wasserholens sprechen eine deutliche Sprache – Arbeit wie immer erfolgreich geleistet. Leider schoss Ete keines der 5 Rennen ab.

Aber schon bei der Ruta del Sol machte es sich bezahlt, dass er bei der vergangenen Tour de France mit seinem „Supermann-Heftchen unter dem Kopfkissen“-Doping begann, und er räumte locker das Bergtrikot ab. Auch Platz 21 in der Gesamtwertung konnte sich sehen lassen.

Weiter ging es in bester Helfermanier durch Spanien zur Trofeo Luis Puig und zur Valencia-Rundfahrt, wo er sogar einmal Etappenzweiter wurde, bevor ihn Achillessehnenprobleme an weiteren heroischen Großtaten hinderten.

Noch ein besseres Pflaster war Italien, wo der beim Tirreno-Adriatico Gesamt-Siebter wurde und das Leadertrikot trug. War das im Laufe des Jahres noch zu steigern?

 

NATÜRLICH!

 

Der nächste Höhepunkt (für mich – nicht für ihn) war „Rund um den Henninger Turm“. Vorher allerdings wurde unser Held bei der Flandern-RF 7. oder im Gesamtklassement der Niedersachsen-Rundfahrt 13.!

Kommen wir zurück nach Frankfurt – Legendär wird noch folgende Szene werden, die Großväter ihren Enkelkindern an dunklen Winterabenden mit ehrfurchtsvoll gesenkter Stimme erzählen werden, als Rolf mit Ete und einer kleinen Gruppe im Windschatten seiner Ohren hinter der Spitzengruppe mit Hondo herjagte, aber trotzdem genau wusste, wo die Leute stehen, die nachfühlen konnten, was er leistete. Ich bin mir sicher, dass in solch einer Jagdsituation niemand – und ich wiederhole NIEMAND – ein Lächeln und ein Winken für die Fans an der Ballsporthalle übrig gehabt hätte. Er hatte.

Fast hätte er seine Helferdienste zu 150% erfüllt und die Spitzengruppe ganz alleine noch geholt, der Weg ins Ziel war aber zu kurz – noch 250 km mehr und Rolf hätte sich die anderen Weicheier noch geschnappt.





www.foto-grafik-satz.de
Yesss !... Der Fighter vor dem Herrn in Siegerpose bei der Rheinland Pfalz-Rundfahrt 2004

Weitere gute Resultate (Bayern-RF 11., Deutschland-Tour 13., Ster Elektrotoer 19., Meisterschaft 8., Holland-RF 7.) lassen darauf schließen, dass er nicht nur ein begnadeter Kämpfer ist, einer, der sich für seine jeweiligen Kapitäne zerreisst, und ganz nebenbei ein absolut zuverlässiger Mann für mittelschwere Rundfahrten, sondern eigentlich deuten sie nur auf den Formaufbau für SEIN (ich geb’s zu: mein) Saisonziel Nummer 1 hin – Die Rheinland-Pfalz-Rundfahrt!!!!!!

 

Hier nimmt er sich DIE Etappe schlechthin zur Brust – die Etappe mit den mörderischen Moselsteigungen und dem Weg durch den gnadenlosen Westerwald. Gerade aus letzterem wollte er wohl unbedingt schnell heraus, denn er scheint einen legendenumwobenen Baedeker aus dem 19. Jahrhundert. gelesen zu haben, der die Westerwälder als „kleines, diebisches Bergvolk mit ungeheurem Geschlechtstrieb“ bezeichnet, den viele allerdings ins Reich der Sagen oder „Urban Legends“ verweisen. Zurück zum Thema – schon an der zweiten Steigung des Tages lag Rolfi an der Spitze und nachdem ich ihn freundlich aufgefordert hatte, die Etappe zu gewinnen, teilte ich auch meinen BegleiterInnen mit, dass er die Etappe von der Spitze weg gewinnen würde.

Gesagt, tun getan. In Bad Marienberg, dem nächsten Ziel unserer Reise, und dem Ende der Tagesreise von „Trecker-Man“ war er dann schon alleine an der Spitze und vergrößerte auf der letzten Runde seinen Vorsprung locker – wahrscheinlich hat er nur beide Beine weiterhin benutzt, um die Konkurrenz nicht zu sehr zu frustrieren.

 

ETAPPENSIEG!!

 

Irgendwie hat er auf meinen Zuruf nicht geantwortet, vermutlich hat er mich nicht gehört, so dass ich immer noch nicht weiß, ob wir mal heiraten werden.

 

Eine letzte Wertschätzung, auch der deutschen Verantwortlichen, für seine Steherqualitäten war dann seine Einladung in den deutschen WM-Kader, so dass er guter Dinge die Saison nach Paris-Tours in Italien bei Mailand-Turin und der Piemont-Rundfahrt ausklingen lassen konnte.

 

Habe ich schon bemerkt, dass dieser Mann DER Helfer schlechthin ist, nicht nur im Flachen, sondern neuerdings dank ausgeklügelter Mentaldopingmethoden auch im Hochgebirge? Dass er ganz alleine Felder auseinander reißen kann? Dass er einfach ein netter Kerl ist? Dass er zu Ete gehört, wie Tünnes zu Schäl? Dass er einen sehr trockenen Humor hat? Dass er absolut die Ruhe weg hat? Dass er allein schon ein Grund ist, dem T-Mob-Belgier den Hintern zu versohlen, weil O-Rolf zweimal nicht mit zur Tour durfte? Dass er aussieht wie Claudia Neumann? Dass…?

 

Text von Glgnfz



Pechvogel des Jahres: René Haselbacher



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René Haselbacher steht: Ein Bild mit Seltenheitswert

Radsport ist nichts für Zartbesaitete. Das demonstrierte uns in diesem Jahr ganz besonders Gerolsteiner´s René Haselbacher. Der Österreicher nahm wohl so ziemlich jede Bodenwelle und jedes Schlagloch sowie die damit verbundenen Stürze mit, die der europäische Rennkalender zu bieten hatte. Dabei hätte am Anfang des Jahres wohl niemand gedacht, dass René Haselbacher in diesem Jahr NOCH übler über den Asphalt schliddern würde, als 2003.

Wir erinnern uns: Schon die Saison 2003 stand für „Hasi“ unter keinem guten Stern. Nach einer Feuchtblattern-Erkrankung im April und einem üblen Sturz bei der Friedensfahrt hatte er sein Krankheits- und Sturz-Soll für 2003 eigentlich erfüllt. Sollte man denken. Doch dann kam die 3. Etappe der Tour de France, die besonders die weibliche Belegschaft wohl noch in Erinnerung hat: Bei einem Crash machte René aus einem Gerolsteiner-Trikot drei Fetzen Stoff, die nur noch notdürftig seine blanken Backen bedeckten.

Im September 2003 dann Kribbeln und Taubheit in den Beinen. Die Diagnose: eine Virusinfektion des Rückenmarks, an der René noch bis zum Frühjahr 2004 laborierte.

Doch dann, endlich, schien alles gut zu laufen: Ein ordentliches Frühjahr 2004 mit guten Auftritten – René löste das Ticket zur Tour de France und überlebte selbst die 3. Etappe, bei der er im vergangenen Jahr noch auf dem Asphalt gelegen hatte. Doch „Hasi“ wäre nicht unser Pechvogel 2004, wenn er die Tour in einem Stück überstanden hätte. Die 6. Etappe wurde ihm zum Verhängnis: Massensprint, noch gut 800 Meter bis zum Ziel, auf einmal ein Massensturz, der geneigte (Fernseh)-Zuschauer musste mit ansehen, wie sich das halbe Fahrerfeld auf die Zielgerade verteilte. Als sich das blutverschmierte Knäuel langsam löste, blieb einer liegen: René Haselbacher. Robbie McEwen stand daneben und schimpfte wie ein Rohrspatz auf den Österreicher ein, der nach McEwens Meinung den Sturz durch seine unkontrollierte Fahrweise ausgelöst haben sollte. Auch wenn per TV kaum etwas zu verstehen war, wurde die überdimensionale Verwendung von „fuck“, „fuck you“ und „fucking“ und weiterer ****-Wörter doch allzu deutlich. Ein Moment, der sicherlich irgendwie in die Sportgeschichte eingegangen ist, aber bestimmt nicht in der Kategorie „Große Gesten großer Männerfreundschaften“ landen wird. Denn wie sich später herausstellte, war ein Bruch von Haselbachers Lenker für seinen Sturz verantwortlich.

Die Einzelteile von René Haselbacher wurden nach Kräften aufgesammelt und ins nächste Krankenhaus verfrachtet. Kurz darauf stand die Diagnose fest: Nasenbeinbruch, mehrere Rippenbrüche, ein Stück Rippe hatte sich in die Lunge gebohrt, Hämatom an der Niere sowie Schürfwunden und Prellungen am ganzen Körper (kein Anspruch auf Vollständigkeit). Kurzum: „Hasi“ sah aus, als hätte er eine Privataudienz bei Dr. Hannibal Lector gehabt. Und war, der Schwere der Verletzungen entsprechend, den Rest der Saison 2004 eigentlich nur noch damit beschäftigt, Anschluss an die weiterhin rasende Meute der Radsportler zu finden.

 

Übrigens: Herr Haselbacher hat sich schon wieder auf die Schnute gelegt. Beim ersten Teamtreffen dieses Jahres rutschte er beim Durchfahren eines Kreisels aus. Viel passiert ist nichts, aber es scheint so, als habe „Hasi“ seine Sturzfreudigkeit noch immer nicht abgelegt… eine erste Empfehlung für den „Pechvogel 2005“? Wir könnten drauf verzichten.

 

Text von Hanna



Der Ritter des Regenbogens: Oscar Freire



www.cyclingimages.com
Oscar Freire im gewohnten Outfit - Gerüchte besagen, er besäße ein Patent auf den Regenbogen

Frank Vandenbroucke, Jan Ullrich, Francesco Casagrande, Oscar Camenzind – die großen Favoriten waren durchaus vertreten, als die Spitzengruppe 1999 bei der Straßen-WM in Verona den letzten Kilometer in Angriff nahm. Das Regenbogentrikot aber sollte keiner der so hoch gehandelten Aspiranten erringen, denn aus der letzten Kurve heraus attackierte Oscar Freire Gomez, der Spanier von dem niemand so recht wußte, wie er in diese Führungsgruppe gekommen war. Und mit diesem einen Antritt war das Rennen gelaufen, als sich die restlichen Spitzenreiter eine Sekunde zu lang belauerten, und Oscar Freire der Star der aus dem Nichts kam.

Szenenwechsel. Es ist 2004 und wieder findet die WM in Verona statt. Der Kurs ist schwer, aber nicht unbezwingbar für Klassikerspezialisten wie Bettini, Zabel, O'Grady – oder Freire. Letzterer hat in dieser Saison bei Milano – San Remo bereits einen ganz großen Sieg gefeiert und mit einem Etappensieg bei der Vuelta auf sich aufmerksam gemacht. Nach seinem zweiten Titelgewinn bei Weltmeisterschaften 2001 in Lissabon gilt der 1.71 kleine Spanier beim Rennen ums Regenbogentrikot ohnehin schon automatisch als Sieganwärter. Und tatsächlich, wie schon 2001, formidabel von der spanischen Armada unterstützt und selbst in blendender Verfassung, ist Oscar zur richtigen Zeit am richtigen Ort und entscheidet einen packenden Sprint gegen Erik Zabel für sich.

Zum dritten Mal Weltmeister! Erst 28 Jahre alt, und schon in einer Liga mit Alfredo Binda, Rik van Steenbergen und Eddy Merckx, was die Triumphe bei diesem so prestigeträchtigen Rennen betrifft. Die beeindruckende Fähigkeit Freires sich auf das wahrscheinlich wichtigste Eintagesrennen der Welt immer wieder perfekt vorzubereiten (man vergesse nicht die Bronzemedaille 2000 in Plouay!) und die Leistung am eintscheidenden Punkt mit unglaublicher Präzision abzurufen sichern ihm einen Platz in unserer Jahresheldenwertung in der Spezialkategorie „Ritter des Regenbogens“.

 

Text von wildflowersoul


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