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Oggi forscht (bei der Sachsen-Tour)

Text: Kevin (OgKempf)

 

Heute: Oggi im Land von Önrigö, Heigö und Mähndie

 

(reißerische) Einleitung (, die eigentlich nicht im Artikel keine wirklichen Effekt hat, außer den geneigten Zuschauer zum weiterlesen zu bewegen)

 

In einem an Dummheit grenzenden Selbstversuch, habe ich mich todesmutig der Herausforderung gestellt, für drei Tage in einer Wohnung mit vier Frauen zu wohnen, um deren Beziehung zum Radsport und dem sonstigen Leben zu erarbeiten.

 

Die Aufgabe erwies sich als unmenschlich hart; ich dachte ich sei durch wochenlanges Intervalltraining im Schwangerschaftsgymnastikkurs ausreichend auf das Kommende vorbereitet, doch ich täuschte mich.

 

Nichts ist so hart wie das Leben und so konnte ich gar nicht annähernd ausreichend auf die kommenden Qualen vorbereiten. Es hätte mich fast den Verstand gekostet.

 

Hauptteil

 

Zufällig hielt am Freitag Morgen ein Auto auf meinem heimischen Grundstück. Absichtlich spreche ich nicht von parken, denn parken beinhaltet einen Funken Ordnung. Dieses quer auf der Einfahrt abgestellte Auto konnte also nur von einer Frau geführt werden.

 

>1. Frauen können nicht Auto fahren

 

Diese junge Dame klingelte einige Momente später an meiner Tür und stellte sich als Hanna vor. Etwa in Kniehöhe befand sich, nach anfänglicher Schüchternheit, ein weiteres weibliches Wesen - Lina.

 

Ein Sandwich überzeugte die hungrige Horde, die mich Nichtsahnenden so überrumpelte, mich mit auf ihre Radsportreise in das tiefste Sachsen zu nehmen. Eine Ferienwohnung für fünf Personen war gemietet und zufällig war dort noch ein Bett frei. Diese Gelegenheit, mein gut vorbereitetes Projekt endlich in Angriff zu nehmen, ließ ich mir spontan nicht entgehen und stieg ein!

 

Die Reise ging nach Meißen, wo die zweite Etappe der Sachsen - Rundfahrt enden sollte. Auf der Fahrt dorthin wurden von uns alle Klischees über unsere ostdeutschen Mitbürger kontrovers diskutiert - sozusagen.

 

>2. Frauen sind Lästermäuler

 

Glücklich am Marienborner Übergang nicht kontrolliert worden zu sein, stellten wir nun interessante Thesen über kleine Menschen auf. Lina fehlte auf diesem Gebiet anscheinend das nötige Hintergrundwissen.

 

Dafür ist sie sehr stolz, dass sie eine Autokarte fehlerfrei lesen kann. Fehlerfrei dirigierte sie uns in Meißen in das Zentrum. Ihre Worte glühten vor Selbstlob, dass sie das Fahrerlager auf Anhieb gefunden hatte. Und die trieb meine wissenschaftliche Arbeit natürlich deutlich voran:

 

>3. Frauen freuen sich über Dinge, die für Männer selbstverständlich sind

 

Im Zielbereich fanden wir auch sofort die anderen zwei mir angekündigten Prachtexemplare der weiblichen Spezies. Anita aus Holland und Christine aus Berlin hatten sich ein O... Cabriolet gechartert, um drei Tage Radsport ausführlich genießen zu können. Freudig vereint wurde die Suche nach dem Pressezentrum aufgenommen, wo die vier Damen ihre Presseausweise entgegennehmen wollten. Die dafür zuständige Sachbearbeiterin Frau Löffler, befand sich aber trotz einer extrem belastender und mehrrundiger Suche trotz Ankündigung nicht im Zielbereich, sondern irgendwo ganz anders.

 

>4. Frauen sind unpünktlich oder kommen gar nicht

 

Um die Energiereserven wieder auf zu füllen, erfragten wir uns den weg zur nächsten imperialistischen Nahrungsverteiler, um dort einen kapitalistischen Snack zu uns zu nehmen. Dies stellte sich als nicht ganz so einfach heraus, da unsere Kenntnisse in der einheimischen Sprache doch stark begrenzt waren. Letztendlich wurden wir doch fündig, doch bevor wir unseren knurrenden Magen befriedigen konnte, bogen alle vier Frauen rechts in einen Raum ab, zudem mir kein Zugang gewährleistet wurde. Dieses Phänomen war mir schon vorher bekannt und ich erinnerte mich:

 

>5. Frauen sind Rudeltiere

 

Noch ermattet von der aufreibenden Suche nach den Presseausweisen, ließ ich mein Experiment für den Augenblick ruhen und verschwand aus dem Zielbereich, um die enorm unsinnige Zieleinfahrt mit einer 90° Kurve nach einer kurzen aber knackigen Abfahrt 220 Meter vor dem Ziel genauer zu inspizieren. Die These, dass die Einfahrt von einer Frau geplant wurde konnte ich aber leider bisher nicht beweisen. Eine andere These lag meinem Handeln aber zugrunde. Ich hatte vermutet, die betreffenden Frauen könnten sich nicht mit mir aus dem Zielbereich entfernen, da sie sonst nach dem Zieleinlauf wertvolle Sekunden im Fahrerlager verpassen könnten. Da sich nicht eine der Frauen meiner Inspektionstour anschloss und ich sie nach dem Rennen allesamt im Fahrerlager auffand, kann ich wohl mit Fug und Recht behaupten:

 

>6. Frauen sind Chicks

 

Dass sie aber immerhin meine Frage nach dem Sieger, die ich stellen musste weil ich den Weg ins Ziel von der letzten kurzen aber spektakulären Steigung bis zum Ziel nicht schneller als die Fahrer rennen konnte, beantworten konnten, verursachte bei mir Verwunderung und ich stellte These 6 kurzzeitig in Frage. Nach kurzer Verwirrung konnte ich diesen Zweifel aber in die nächste Feststellung ummünzen:

 

>7. Frauen sind unberechenbar

 

Im Fahrerlager musste ich die Frauen, vor allem die Kinder unter ihnen, vor den vielen nackten Männern beschützen, denen sie sich unsittlich nähern wollten. Ich regte an die Aufmerksamkeit doch lieber auf Cologne Fahrer, die ihr Gesicht in Kuchen wuschen, zu lenken. Um Anita hingegen brauchte ich mir keine Sorgen zu machen. Sie quatschte gerade einem rothaarigen und fast minderjährigen Rabobank Zweitjahresprofi einen Stein ans Bein. Alle anderen Rabobänkler waren dem Jüngling dafür sehr dankbar und verschwanden so unauffällig wie möglich.

 

>8. Frauen sind Labertaschen

 

Nach Absolvierung sämtlicher weiblicher Aufgaben im Fahrerlager wurde der Heimweg ind die gemietete Behausung eingeschlagen. Statt Lina übernahm dieses Mal Christine das Karten lesen. Die Idealroute wäre gewesen: Aus Meißen südlich austreten, um über die Autobahn in ca. 30 Kilometern sicher nach Dresden zu gelangen. Der von uns gewählte Weg verlief diesem Idealweg nicht einmal ähnlich. Wir traten an einer unbestimmten Stelle aus Meißen aus, drehten um und fuhren zurück. In Meißen ereilte uns das Verkehrschaos, dessen Ursprung ich wieder nicht eindeutig einer Frau zuordnen kann, und wir standen geschlagene 45 Minuten im Stadtstau. Richtung Norden verließen wir die Stadt, fanden über die Landstraße eine andere Autobahn, mit der wir nach mehr als 50 Kilometern endlich nach Dresden fanden.

 

>9. Frauen sind orientierungslos

 

Das Haus wurde zu meiner Überraschung (These 7) relativ leicht gefunden. Nachdem wir unsere Etage von der Chefin überreicht bekamen, stürmte ich zielstrebig den Fernsehsessel um die aktuellen Tour de France Ergebnisse zu erkunden. Dem Fernseher und Receiver lagen fünf Fernbedienungen gegenüber. Ziemlich problemlos konnten die drei blinden Bedienungen entlarvt werden. Aber nun trat die Chefin auf den Plan. Sie konnte sich daran erinnern, dass die Bewohner der Etage nur zwei Bedienungen bräuchten. Dieses Wissen veranlasste sie alle fünf genau zu bestarren. Minutenlang. Ich teilte ihr mit, dass ich die richtige schon herausgefiltert hatte und schob ihr die falschen zu. Daraufhin nahm sie alle drei Bedienungen nacheinander in die Hand und betrachtete sie erneut. Die Frauen waren inzwischen wieder beim Auto, um ihr Gepäck zu holen. Die Chefin starrte noch immer. "Aber sie können doch jetzt gar nicht umschalten." Ich klärte sie über die Verwendungsmöglichkeiten beider Fernbedienungen auf. Sie setzte sich. Wieder nahm sie eine Bedienung in ihre Hand und führte sie mit spielerischer Leichtigkeit zu ihren Augen, deren volle Funktionsfähigkeit ich inzwischen bezweifelte. Die Frauen kamen inzwischen nach mehreren Minuten zurück und ich fühlte mich berufen mir ein Bett zu suchen. Ich legte mich hinein und weinte:

 

>10. Frauen haben keine Ahnung von Technik

 

Noch am Abend wurde der folgende Tag bei geselliger Runde von den Damen fast professionell und minutiös geplant. Aufgrund der unchristlichen Startzeit des Zeitfahrens am nächsten Morgen in Bautzen, war das Aufstehen in Etappen für 3:45Uhr angesetzt.

 

Nachdem dies geklärt war, betteten wir unsere Häupter zur Ruhe. Während ich bei Anita und Christine im erhöhten Schlafraum der Etage nächtigten, hatten sich die Kinder unten einquartiert. Diverser Lärm in dieser Nacht aus dem zuletzt erwähnten Bereich, machte eines mehr als deutlich:

 

>11. Weibliche Jungtiere sind nachtaktiv

 

Mein naturgegebener soldatischer Instinkt und die nachtaktiven Jungtiere erlaubten mir nicht die Nacht in vollen Zügen zu genießen und obwohl ich die erste Etappe duschen sollte, war ich 45 Minuten zu früh aufgestanden. Zwei Glockentürme haben mich hinterrückst getäuscht, so dass ich glaube es sein dreiviertel nach drei. Als eine ausgiebige Dusche später auch Hanna ihre Duschetappe begehen wollte, bemerkte ich, wie ein Einbrecher aus Hannas Schlafraum stolperte. Blitzschnell versuchte ich ihn zu fotografieren, doch er eilte mir vermutlich aus der Linse. Der Einbrecher war blitzschnell und nach einigen panischen Schreien stellte ich fest - es war nur Hanna selbst - allerdings ungeschminkt!

 

>12. Frauen können blitzschnell sein

 

Als auch das letzte zu untersuchende Exemplar geduscht war machten wir uns schlaftrunken auf die Reise ins ferne Bautzen. Christine wurde vom Karten lesen wieder abgelöst und wir fanden direkt zu unserem Ziel. Nun, da wir uns in Bautzen befanden war klar, wir sind Stunden zu früh und hätten noch eine solche länger schlafen können. Nichtmal der Zielbereich war montiert und die Fahrer schlummerten selig in ihren sanften Hotelbetten. Ich erinnerte mich an den fast professionellen und minutiösen Plan...

 

>13. Frauen können nicht planen

 

Als sich nach geraumer Zeit doch einige Radler zu uns bemühten, lief mir zufällig Robert Förster über den Weg. Ich war verzweifelt ob des Erlebten; ich wusste nicht mehr was ich tat. Er war das erste männliche Wesen, welches ich seit Stunden gesehen hatte. Ich warf mich an ihn und wollte ihn einen dicken Kuss der Erleichterung auf die Wange drücken. Da Frösi nicht wusste, was ich in den letzten Stunden durchgemacht hätte; selbst wenn, er hätte es nicht nachempfinden können; wies er mich zurück. Gerade als ich wieder zu Verstand kam fiel mir auf, meine Mädels hatten diese Verzweifelungstat fotografiert.

 

>14. Frauen sind grausam

 

Zutiefst verletzt zog ich also allein von Dannen um so weit mich meine Füße tragen würden zu enteilen. Im Supermarkt hatte ich mich schon mit "Widä-Cola" und Graubrot versorgt. Ich ging so schnell ich konnte, denn ich wusste: das Experiment war gescheitert - meine Kräfte am Ende. Also ging ich, ich marschierte stundenlang! Zwei Kilometer hinter dem Start fiel mir auf, dass die Frauen das Auto hatten und ich zu Fuß nicht mehr nach Hause kommen würde. Ich stieß meinen Kopf mehrmals kräftig gegen das Ortsschild, brüllte einige vorbeikommende Fahrer an und kehrte um. Gute Miene zum bösen Spiel.

 

>15. Frauen sind mächtig

 

Jürgen Werner gewann das Zeitfahren und während der Siegerehrung war ich glücklicherweise in der Lage mir die Frauen vom Leib zu halten. Während sie den ihnen vermutlich nicht bekannten Fahrer von allen Seite fotografierten, stand ich hinter dem Podest. Ich zitterte noch immer vor Angst, als mir plötzlich und unerwartet das Namenschild, welches beim Einzelzeitfahren stets treu vom Teamwagen getragen wird, von Peter Wrolich auf den linken Fuß fiel. Natürlich musste ich das Beweisstück sofort konfiszieren und nun bin ich im Besitz dieses wunderschönen Souvenirs.

 

>16. Frauen sind immer zur falschen Zeit am falschen Ort

 

Nach dem Zeitfahren war eine vierstündige Pause, die weder Fahrern noch Zuschauern gefiel. Da These 13 unanzweifelbar bewiesen ist, führe ich ab jetzt alle in diesem Zusammenhang aufkommenden Probleme auf Frauen zurück. Nachdem wir die Verpflegungskontrolle in Anspruch genommen hatte, mein "Argentinisches Rinderfilet mit Kräuterbutter medium" war stellenweise leider sehnig, zog es die Damen noch in die nächste Eisdiele.

 

Dort tauchten wenig später, zu ihrem Leidwesen, auch Peter Wrolich und René Haselbacher. Mir ist selten etwas peinlich, aber ich schämte mich für die bloße Anwesenheit am Tisch, der in Paparazzi Manier versuchte tolle Schnappschüsse der Gerolsteiner beim Kuchen essen zu erlangen, ohne dabei gesehen zu werden. Wie die Affen im Zoo wurden die Sportler möglichst versteckt sowohl beobachtet als auch fotografiert und mir wurde schnell klar:

 

>17. Frauen sind doof

 

Der Start verlief relativ ereignislos und wir konnten uns zum Zielort Großenhain begeben. Auf der Fahrt habe ich verschiedenste Lacher gehört, die in Art, Länge und Lautstärke differierten. Nur aus Solidarität wollte ich mit ihnen lachen, aber es war einfach nicht lustig. So sehr ich mir auch Mühe gab, so angestrengt ich auch suchte - der Witz blieb mir zumeist verborgen. Aber ich gab die Hoffnung nicht auf und untersuchte Lacher für Lacher. Trotzdem wurde mir schnell klar:

 

>18. Frauen lachen über Sachen, die Männer nicht komisch finden

 

In Großenhain ereilten mich keine Erkenntnisse, die ich nicht schon in den letzten 18 Thesen erläutert hätte. Ich sitze hier, es ist 22:35, mit Hanna ist gerade das letzte Kind schlafen gegangen, ich habe Angst. Es ist noch immer ein Tag! Noch eine Etappe! Plus die Heimfahrt!!! Ich möchte diesen Artikel beenden, weil ich nicht sicher sein kann morgen noch in der Lage dazu zu sein. In Gedanken male ich mir aus, wie der morgige Tag wohl verlaufen wird:

 

Anita wir Bobbiiiiieeeeee wieder ein Klavier ans Ohr labern, überhaupt wird wieder kein Mensch vor ihr sicher sein. Christine wird...oh Gott, ich muss verhindern, dass Christine die Karte in die Finger bekommt! Hanna will morgen die Augen der Radfahrer mit einem Rock auf sich ziehen, den ich als Gürtel titulieren würde. Und bei Lina habe ich immer die Hoffnung, dass ihr doch endlich die Linse am Auge kleben bleibt und ich somit wenigstens auf ein 3 zu 1 Verhältnis kommen würde. Sollte ich diese Tage überstehen, werde ich die nächsten Tage im Fußball Stadion oder Table Dance Club verbringen. Aber zum Schluss möchte ich noch zwei Thesen aufstellen, die sich mir im Laufe des Abends unmissverständlich aufgezwungen haben.

 

>19. Frauen können leckere Schokolade kaufen

 

>>>20. Frauen können ihre Schokolade nicht gut genug vor mir verstecken

 

In diesem Sinne, gute Nacht - ich hoffe man liest sich!


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