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Länderbilanz Belgien




Die Belgier haben eine eigenwillige Betrachtung des Radsports. Steht bei den Italienern der Giro im Mittelpunkt des Interesses, so gilt das Hauptaugenmerk der Wallonen und Flamen den Rennen im Frühjahr.

 





Tom Boonen

Jahrelang beherrschte Johan Museeuw die Rennen in Flandern und Paris-Roubaix. Nach seinem Rücktritt im April 2004 hinterließ er seinem Nachfolger ein großes Erbe. Bereits 2005 konnte sein ehemaliger Teamkollege Tom Boonen dieses ohne größere Probleme antreten. Vielmehr noch – durch seine Erfolge bei der Flandern-Rundfahrt, bei Paris-Roubaix und bei der WM in Madrid konnte er Museeuw früh in seiner Laufbahn übertrumpfen. Schon heute trauert niemand dem „Löwen van Gistel“ hinterher. Nur ein Sturz hinderte Boonen an dem Erringen eines weiteren Saisonerfolges. Bei der Tour de France verließ er sein Gefährt auf unkonventionelle Weise, nachdem er bereits zwei Etappensiege feiern konnte. Damit verlor er das Grüne Trikot, da er aufgrund dieses Malheurs die Tour vorzeitig beenden musste.

 

Bei soviel Lobhudelei fallen seine zwei Etappensiege bei Paris-Nizza fast ebenso unter den Tisch wie sein achter Rang bei Mailand-San Remo. Sein Abschneiden bei der Classicisima enttäuschte er zwar etwas, aber der junge Mann muss ja auch noch Ziele für die Zukunft haben. Bereits 2006 zählt Mailand-San Remo zu seinen Hauptzielen. In der Pro Tour Wertung wurde er übrigens Zweiter.

 

Die großen Erfolge von Boonen übertünchen durchaus etwas die Ergebnisse seiner Landsleute, die nicht nur Anlass zur Euphorie geben.

 





Nico Mattan

Ein anderer Belgier konnte ein weiteres Eintagesrennen der Pro Tour gewinnen. Nico Mattan siegte bei Gent-Wevelgem freilich nicht auf die faire Art und Weise. Sein Kontrahent Juan Antonio Flecha war ihm enteilt, als er die Chance ergriff, sich im Windschatten der Begleitfahrzeuge und Motorräder wieder heranführen zu lassen.

 

Seinem Teamkollegen Peter van Petegem ist das Double von Flandern und Paris-Roubaix 2003 bereits gelungen. Von daher schien er in aussichtsreicher Position für diese beiden Rennen zu sein.

 

Ihm gelang in Flandern der dritte Platz, während er in Roubaix das Velodrom nicht zu Gesicht bekam. Eines muss man den Belgiern aber lassen, fällt einer ihrer Favoriten bei diesen Rennen aus, rückt ein anderer Landsmann nach.

 

Bei Gent-Wevelgem erreichte Tom Steels, der ebenso die Farben von Davitamon-Lotto trägt, den siebten Platz, während Boonen bei Mailand-San Remo von Philippe Gilbert als Sechster im Finale noch überflügelt wurde. Gilbert startet für das französische Team Francaise des Jeux und hat sich dort einen Namen gemacht.

 





Björn Leukemans

In den Ardennen war man aber schon zurückhaltender. Kein Akteur kam zu einer Top Ten-Platzierung beim Flèche Wallone und bei Lüttich-Bastogne-Lüttich. Björn Leukemans (Davitamon) erreichte zur belgischen Ehrenrettung beim Amstel Gold Race den siebten Rang.

 





Stijn Devolder

Es fällt auf, dass für die Belgier bei den Herbstklassikern dann gar nichts mehr zu holen war. Lediglich bei Paris-Tours keimte Hoffnung auf, als Gilbert und Stijn Devolder (Discovery Channel) bis kurz vor dem Ziel ein Ausreißerduo bildeten, das allerdings noch vor dem Ziel gestellt wurde.

 





Rik Verbrugghe

Ferner hielten sich die Belgier bei den Rundfahrten dezent zurück. Lediglich bei der heimischen Benelux-Rundfahrt deuteten sie auch ihre Schokoladenseite an, während sie ansonsten bei den meisten Rundfahrten im Hintergrund blieben. Zumindest reichte es für Leif Hoste zu einem Podiumsplatz (3.) bei der Benelux-Tour. Er, der zur belgischen Delegation im Team von Discovery Channel zählt, war einer von drei Belgiern in den Top Ten. Auf dem sechsten Platz folgt Rik Verbrugghe, der den Anfangsprolog gewann. Hostes Teamkollege Jurgen van den Broeck komplettierte das Trio als Siebter.

 

Die Benelux-Tour zeichnete sich durch ihr relativ ebenes Profil aus. Sobald höhere Berge auf dem Programm stehen, gibt es für die Belgier grundsätzlich nicht mehr viel zu bestellen, weshalb die Kernpositionen der Rundfahrtenkapitäne in den Equipen entweder an Ausländer gegeben wurden oder sogar unbesetzt blieben.





Wim Van Huffel



Christoph Brandt

Es zeichnet sich allerdings eine erfreuliche Wende in dieser Entwicklung ab, da ein neues Talent aus belgischen Landen für positive Akzente bei den Rundfahrten sorgte. Wim Van Huffel (Davitamon) begeisterte beim Giro, als er einen hervorragenden 11. Platz belegte. Er deutete bei weiteren Rundfahrten (Deutschland, Dauphiné Libéré) seine Qualitäten an und dürfte sicherlich ein Trumpf für die Zukunft sein, während sein Teamkollege und Landsmann Christoph Brandt 2005 enttäuschte.

 

Mario Aerts schließlich sorgte mit seinem 15. Platz bei der Vuelta dafür, dass auch bei dieser Rundfahrt ein Belgier zu Pro Tour Punkten kam, nachdem bei der großen Spanien-Rundfahrt kein Etappensieg gelang, da Boonen an Petacchi bei den Massensprints nicht vorbei kam.

 

Sprintankünfte konnte bei den Rundfahrten nur Boonen zu seinen Gunsten entscheiden. Sobald er nicht am Start war, war es mit der belgischen Herrlichkeit vorbei, wenngleich man konstatieren muss, dass bei Davitamon die Sprints auf den Australier Robbie McEwen ausgerichtet sind, so dass diese Schelte relativiert werden muss. McEwen lebt übrigens in Belgien und gilt eigentlich auch als halber Belgier. Allerdings beschied man seine Anfrage, ob er bei der WM eventuell Unterstützung vom belgischen Team erhalten könne, dann doch negativ.

 





Axel Merckx

Ein Etappensieg wurde bisher noch nicht genannt. Axel Merckx gelang dieser nach einer  beeindruckenden Soloflucht.

 

Insgesamt muss man sagen, dass die Belgier eine Saison erlebten, die sie zufrieden stellen wird. Mit Boonen haben sie einen der Superstars im Peloton und dessen Erfolge reichen aus, um sich über Schwachstellen nicht näher zu beklagen. Dabei ist offensichtlich, dass die Abteilung Rundfahrt sehr dünn besetzt ist und dass es an entsprechenden Fahrern mangelt, die bei den schweren Klassikern nach der ersten Aprilhälfte noch mithalten können. Solange die Erfolge andernorts erzielt werden, lässt sich das verschmerzen. Aber die Konkurrenz schläft nicht.



Team-Saisonbilanzen

 

• Davitamon-Lotto

• Quick Step

 


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