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Saisonbilanz Davitamon-Lotto 2005

von Steamboat, November 2005 

© Fotos: * cyclingimages, ** velo-photos.com, *** Mani Wollner

 



>>> C4F-Teamliste Davitamon-Lotto 2005

>>> Siege und Platzierungen

 

Wenn ich eine Bilanz des Saisonverlaufs eines Radrennstalls erstelle, lege ich selbstverständlich Wert darauf, einen prägnanten Aufhänger zu finden, mit dem ich die Rezension einleitete. Bei Davitamon-Lotto gestaltet sich eine entsprechende Einleitung problematisch. Normalerweise sollten meine Schwierigkeiten bei der Findung eines trefflichen Beginns nicht Gegenstand eines solchen Textes sein – in diesem speziellen Fall möchte ich eine Ausnahme machen.

 

Eine Einstiegsmöglichkeit wäre, das Team als „Konzentration fleißiger Lieschen“ zu bezeichnen, denn kein anderes Team brachte so viele Fahrer – nämlich 14 – in der Pro Tour Gesamtwertung unter. Eine andere Idee wäre, das Team als eine Truppe von „verkrachten Existenzen“ zu bezeichnen, weil auffallend viele Fahrer in der Saison durch unfaire und vermeintlich unfaire Aktionen auf sich aufmerksam machten, die ihnen wenige Freunde inner- und außerhalb des Pelotons einbrachten. Schließlich gäbe es die Möglichkeit, das Team Davitamon-Lotto als eine Klassiker-Equipe mit erstaunlichen Qualitäten in den GTs zu beschreiben – und zwar nicht durch Etappensiege in den Sprintentscheidungen.

 





das Team bei Rund um den Henninger Turm 2005 **


Ich habe mich schließlich dazu entschieden alle Fahrer, die in der Pro Tour gepunktet haben, im Text fortlaufend aufzuführen und deren Saison zu beleuchten. Ich starte nicht mit dem Punktbesten, sondern rolle die Liste von hinten auf.

 



Pro Tour



Fred Rodriguez
Tour de Suisse 2005 **

Platz 164. Dort findet man Fred Rodriguez. Der US- Amerikaner wurde vor der Saison von Acqua & Sapone verpflichtet. Ihm gelang bei der 13. Etappe der Tour von Miramas nach Montpellier ein dritter Etappenplatz. Dieser ist umso bemerkenswerter, als Rodriguez eigentlich einer der Anfahrer für Robbie McEwen im Sprint war – so auch bei dieser Ankunft. Da McEwen´s erbitterster Gegner für das Grüne Trikot jedoch Thor Hushovd war, musste versucht werden, den Norweger etwas zu distanzieren, um dessen Vorsprung in der Punktwertung zu reduzieren. Rodriguez tat das seinige und kam so zu einem Punkt in der Pro Tour Wertung. Dies probierte er gleichfalls bei der ersten Etappe der Volta A Catalunya – er fuhr gegen den Wikinger auf eigene Rechnung, musste sich dem Skandinavier im Ziel jedoch geschlagen geben. Einen Saisonsieg erzielte er dennoch – bei der Costa Azul (2.1) beendete er einen Abschnitt als Erster.

 





Christophe Brandt
Ster Elektro Toer 2005
2. Etappe ***

Platz 155. Zwei Belgier: Axel Merckx und Christophe Brandt.

Christophe Brandt war mir einigen Vorschusslorbeeren in die Saison gestartet. Von dem Mann aus Lüttich erhoffte man sich eine Weiterentwicklung, nachdem er ab Sommer 2004 wegen einer vermeintlich positiven Dopingprobe etwas aus dem Tritt geraten war.

 

Dieser Schub blieb aber aus. Ein Etappensieg gelang ihm weder bei der Tour de France noch beim Giro. In Italien kam er ihm allerdings recht nahe. Auf der 16. Etappe von Lissone nach Varazze war er Teil einer Ausreißergruppe. Aus der führenden sechsköpfigen Formation brach der Franzose Le Mevel (Crédit Agricole) aus. Brandt war der einzige, der versuchte, ihn noch zu erreichen, jedoch war es zu spät. Er wurde der – wie es im Jargon der Radrennfahrer heißt – erste Verlierer. Diese Story hatte für ihn  2005 sinnbildlichen Charakter, es war ein Jahr der vergebenen Möglichkeiten. 15. beim Fleche Wallone, 16. bei Lüttich-Bastogne-Lüttich, 18. beim Amstel Gold Race – nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Zur Vollständigkeit: 33. beim Giro, 56. bei der Tour.

 





Axel Merckx
Lüttich-Bastogne-Lüttich 2005 **

Anders Axel Merckx: Sein Jahr zierte ein Etappensieg – und was für einer. Bei der Dauphine Libéré (5. Etappe) war er alleine dem Feld entkommen und vollzog die Flucht als Solist bis zur Ziellinie – 2 Minuten vor dem späteren Gesamtsieger Landaluze – etliche Minuten vor den eigentlichen Favoriten. Am Ende landete er auf dem 13. Rang (wie auch bei der Volta Ciclista A Catalunya). Nochmals trat Merckx auf den vorderen Positionen in Erscheinung, als er erneut dem Peloton entkommen war. Bei 18 Etappe der Tour von Albi nach Mende mussten Vasseur und Merckx zusehen, wie sich Serrano (Liberty Seguros) am Anstieg aus dem Staub machte. Zusammen kamen sie auf die Zielgerade, wo der Franzose den sichtlich verärgerten Merckx noch überholte.

 

Auf dem 136. Platz landete der „verlorene Sohn“ Mario Aerts. Nach seinem Abstecher zu T-Mobile kehrte er wieder zu seinem alten Team zurück. Anders als von anderen ehemaligen Fahrern der Bonner Truppe kann man von ihm nicht behaupten, dass er nach dem Abgang bei der Magenta-Truppe wieder erstarkt wäre. Seine Punkte sammelte er durch den 16. Platz in der Gesamtwertung der Vuelta. Sein Saisonresümee muss lauten, dass er im neuen (alten) Trikot nicht wieder zu der Leistung fähig war, die ihn vor seinem Wechsel zu T-Mobile auszeichnete.

 





Tom Steels
4. Etappe Wallonie-RF 2005
***



Björn Leukemans
Giro d'Italia 2005
*



Koes Moerenhout, Vuelta a Espagna 11. Etappe
***



Wim van Huffel
4. Etappe Wallonie-RF 2005 ***

Platz 125 teilen sich u.a. Tom Steels und Björn Leukemans. Beiden Fahrern verhalfen jeweils 7. Ränge zum Eintritt in die Pro Tour Gesamtwertung. Leukemans gelang dieser beim Amstel Gold Race, während Tom Steels bereits bei Gent-Wevelgem mit dem gleichen Resultat Eintritt in die Rangliste gewährt wurde. Steels tat der Wechsel zu Davitamon-Lotto, wo er häufiger seinem alten Kontrahenten McEwen den Sprint anziehen sollte, sichtlich gut. Vier Saisonsiege außerhalb der Pro Tour gelangen ihm für seine Equipe, alle bei Etappenrennen erzielt. Der wichtigste Erfolg war der Sieg bei den „Driedaagse van de Panne“ (2.HC), zwei weitere feierte er bei der Etoile des Bessèges (2.1) sowie einen bei der Volta ao Algarve (2.1). In der Pro Tour verfehlte er einen Sieg, als er bei einem Abschnitt der Tour de Romandie an den Sprintfähigkeiten von Petacchi scheiterte.

So erfolgreich war Leukemans nicht – er machte noch einmal bei der 5. Etappe des Giros von sich reden, als er knapp – als Vierter – einen zusätzlichen Zähler für die Pro Tour verpasste.

 

Der Niederländer Koos Moerenhout belegte bei der Vuelta den 14. Gesamtrang. Die entsprechende Punktzahl erbrachte ihm in der Pro Tour den 123. Platz.

 

Noch nicht unter den Top 100, aber aufgrund vorzüglicher Leistungen bei einer GT in den Mittelpunkt gerückt, steht der Belgier Wim van Huffel auf dem 104. Platz des Pro Tour Rankings. Er fiel in diesem Jahr mehrfach positiv auf. Vor der Saison war er von Vlaanderen T-Interim gekommen und brillierte am Colle Finestre, als er in Sestriere als Fünfter ankam. Sowohl sein Teamkollege Mauricio Ardila als auch er zogen den Unmut mancher Fans auf sich, da durch ihre Fahrweise der Mitfavorit Paolo Savoldelli im Kampf um das Rosa Trikot tatkräftige Unterstützung erfahren haben soll. Ob dem wirklich so war … Man kann nicht davon ausgehen, dass van Huffel mit der Absicht, die Gesamtentscheidung des Giros nicht zu beeinflussen, auf eigene Ambitionen verzichtet und deshalb in der Gesamtwertung nicht das Optimale für sich herausholt. 

 

An der sportlichen Leistung des Belgiers soll nicht gerüttelt werden. Platz 11 beim Giro ist schon etwas wert. Die gleiche Platzierung bei der Deutschland-Tour erbrachte allerdings keine Punkte. Auch der 12. Platz bei der Dauphine Libéré fügte seiner Habenseite nichts Verwertbares zu, wenngleich er sich auf der Etappe zum Mont Ventoux nur Alexandre Winokurow und José Angel Gomez geschlagen geben musste.



Edeldomestiken

Sehr stark war die Leistung des Kolumbianers im Team, Mauricio Ardila. Der Mann fuhr in der vergangenen Saison ein regelrechtes Mammutprogramm. Zunächst fiel er mit seinem 12. Platz bei der Tour de Romandie auf, dann sackte er beim Giro einen Zähler für einen dritten Etappenplatz ein, den er auf der 5. Etappe von Celano nach L´Aquila erzielte. Beim Giro blieb er zwar im Fokus der Betrachter, aber weitere Punkte sammelte er erst wieder bei der Vuelta im Herbst. Zunächst belegte er einen dritten Etappenplatz auf dem Weg von Burgos nach Santuario de la Bien Aparecida. Schließlich reichte es nach vielen guten Etappenergebnissen zu Platz 9 in der Gesamtwertung der Spanien-Rundfahrt, während beim Giro die Anstrengungen nur für den 27. Rang taugten.

 

Der diesjährige 12. der Tour de Romandie feierte gar einen Etappensieg – allerdings nicht innerhalb der Pro Tour. Die Abschlussetappe der Niedersachsen–Rundfahrt (2.1) von Göttingen nach St. Andreasberg ging an ihn.

 




Mauricio Ardila, 11. Etappe Vuelta 2005 ***



Ein anderer Fahrer, der sich pflichtbewusst in den Dienst anderer Kollegen stellte, ist Leon Van Bon. Der Niederländer fand einigen Gefallen am Frühjahr. So ist zu erklären, dass er den 8. Platz bei der Flandern-Rundfahrt belegen konnte und eine Woche später gar den 6. Platz bei Paris-Roubaix einfuhr. Van Bon gelangte aufgrund seiner Leistungen bei den beiden Monumenten des Radsports auf den 74. Platz der Pro Tour. Allerdings blieben Siege für den endschnellen Mann 2005 im Trikot von Davitamon-Lotto aus – wenn man vom Gewinn der Landesmeisterschaft (Straße) absieht.

 




Leon van Bon, Paris-Roubaix 2005 ***



Kapitäne

Seinem Chef, Peter van Petegem (PVP), leistete er hingegen wertvolle Dienste. PvP war aber nicht imstande, diese Arbeit Gewinn bringend einzusetzen. Lediglich bei der Flandern-Rundfahrt blitzte alte Stärke auf, als er neben Boonen und Klier auf dem Podium stand. Platz drei wurde es auch beim GP Harelbeke (1.HC), wo die Zusammensetzung des Podiums dem von Flandern glich. Ansonsten wusste PvP, der 61. der Pro Tour wurde, 2005 nicht zu überzeugen. Kein Saisonsieg – das spricht schon eine deutliche Sprache.

 





Peter van Petegem
Paris-Roubaix 2005 ***

Van Petegem bekommt vom Team offensichtlich nur die Aufgabe, im Frühjahr in herausragender Form zu sein. Für GTs fällt er in wiederkehrender Regelmäßigkeit aus. Wenn man sieht, wie schwer sich andere Teams damit tun, drei dreiwöchige Landesrundfahrten mit Fahrern adäquat zu bestücken, dann ist es schon ein Luxus, einen Eckpfeiler wie ihn im Rennstall zu haben – erst recht wenn er seiner Hauptaufgabe im Frühjahr eher schlecht nachkommt. Man kann zwar keine Topplatzierungen programmieren, aber er hat die von der Teamleitung in ihn gesetzten Hoffnungen und Erwartungen definitiv nicht erfüllt. Selbst wenn man die Rennen außerhalb der Pro Tour gleichberechtigt neben die Monumente auf eine Ebene stellt, so liest sich seine Bilanz nicht aufregender.

 



Besser machte es – zumindest in einem Rennen – sein Landsmann Nico Mattan. Er, der bei Paris-Roubaix als 14. ankam und in Flandern 17. wurde, siegte bei Gent-Wevelgem. Hierbei wurde er allerdings von günstigen Umständen bevorteilt. Sein Gegner Flecha war ihm bereits enteilt, als Mattan sich doch noch eine Chance bot: Diverse Begleitmotorräder spendeten ihm unbeabsichtigt Windschatten, so dass er in und mit deren Sog an Flecha vorbei an die Spitze geführt wurde. Im Anschluss wurden die Organisatoren für ihren Mangel an Vorsehung gerügt und kritisiert. Man kann dem Fahrer sicherlich keinen großen Vorwurf machen, eine derartige Chance zu ergreifen. Er war darauf bedacht, den größten Erfolg seiner Laufbahn zu erzielen. Allerdings gibt es auch ein Fairplay, welches Mattan leider doch recht offensichtlich außer Acht ließ. Das Ergebnis: Platz 56 für ihn in der Pro Tour.

 




Nico Mattan, Paris-Roubaix 2005 ***



Nico Mattan, Dwars door Vlaanderen 2005 ***



Eine ruppige Fahrweise, das ist sogar das Markenzeichen des eigentlichen Stars des Rennstalls. Robbie McEwen hat sich im Laufe der Jahre mit seinem unkonventionellen Stil einen schlechten Namen bei seiner Konkurrenz erworben. Besonders seine australischen Landsleute, zumindest die, die auch gut sprinten können, mögen ihn nicht. Durch verschiedene Aktionen hat er sich es auch mit anderen verscherzt – wie z.B. mit Haselbacher. Deshalb ist bei vielen die Freude groß, wenn er einen Sprint nicht gewinnt oder wenn ihm von der jeweiligen Rennleitung eine Strafe aufgebrummt wird. Dieses Jahr war dies bei der Tour nach der 3. Etappe der Fall, als er nach einem dritten Platz wegen unsauberer Fahrweise ans Ende des Feldes distanziert wurde. Den entsprechenden Punktverlust sollte er später bedauern, da er dadurch im Kampf um das Grüne Trikot einen erheblichen Dämpfer erhielt und eines seiner Hauptziele damit nicht erreichen konnte.

 



Man tut dem Sportler McEwen unrecht, wenn man nur seine schlechten Seiten betrachtet und beurteilt. Auf dem sportlichen Segment hat er seine Qualitäten. An manchen Tagen ist er in der Lage, die besten Sprinter der Welt zu besiegen. Keiner war 2005 vor ihm sicher. Petacchi, Boonen, Hushovd – und Zabel sowieso – konnten gegen ihn in manchen Situationen nichts ausrichten. Allerdings war es kein Selbstverständnis, dass der Aussie immer der Schnellste war. Es passierte ebenso, dass er sich hinter den Genannten einfinden musste.

 





Robbie McEwen
2005 **



Robbie McEwen
Tour de Suisse 2005 *

Bei seinen drei Etappensiegen während des Giro bezwang er seinen italienischen Kontrahenten Petacchi zweimal direkt im Finish (3. und 10. Etappe). Auch auf der ersten Etappe besiegte er mit sportlichen Raffinessen seinen italienischen Konkurrenten, jedoch hatte sich Bettini bei diesem Abschnitt frühzeitig vorgedrängelt. Petacchi konnte sich erst nach der 9. Etappe und bei der 12. Etappe gegen den Australier durchsetzen, danach stieg McEwen traditionell vor den schweren Bergetappen aus.

 





Robbie McEwen
Giro d'Italia 2005 *

Bei der Tour addierte er drei Etappensiege zu den bisherigen GT-Erfolgen. Hier hieß sein Gegner nicht Petacchi, sondern Thor Hushovd. Zunächst gehörte auch Tom Boonen dazu. Der Belgier hatte ihn bei der 2. und 3. Etappe bezwungen, konnte aber diese exzellente Leistung nicht anhaltend bestätigen, so dass sich McEwen bei der 5. und 7. Etappe revanchieren konnte. Der Norweger Thor Hushovd sollte sich in der Punktwertung aber später als unüberwindlicher Widerpart herausstellen, obwohl McEwen in den direkten Konfrontationen die Oberhand behielt. Dem Skandinavier gelang zwar im Laufe der Tour kein Etappensieg, aber er sammelte genügend Zähler, um McEwen in Schach zu halten. Dem nützte der Sieg auf der 13. Etappe nichts mehr. McEwen hatte das Pech, dass viele Teams ihre Sprinter (Zabel, Petacchi) nicht gemeldet hatten oder diese während der Rundfahrt (Boonen) verloren. In der Konsequenz hatte kein anderes Team in der letzten Woche Interesse, Davitamon-Lotto bei der Verfolgung enteilter Fluchtgruppen behilflich zu sein. So konnte Robbie den Abstand auf Hushovd nicht mehr wettmachen. Bei der Ankunft auf der Champs Elyssee wurde der Australier zusätzlich von der Schaffenskraft des Kasachen Winokurow überrascht und musste zusehen, wie er vom Gewinn des Grünen Trikots Abschied nehmen musste. Für die Punktwertung der Pro Tour sei noch der dritte Etappenplatz beim 2. Tagesabschnitt nachgeliefert.   

 

Damit hatte der Australier aus den beiden GTs 21 Punkte für die Pro Tour gesammelt. Seltsam genug, dass er mit Ausnahme eines Etappengewinns bei der Tour de Suisse keine weiteren Punkte aus  Rundfahrten sammeln konnte. Selbst bei Tirreno-Adriatico – mit einer 2005er Ausgabe, die Sprinter deutlich bevorteilte – reichte es bei zwei Etappen nur zu dritten Plätzen. Bei der einzigen kleinen Rundfahrt in Italien konnte er Petacchi kein Paroli bieten. Ebenso wenig kam er an Freire ran, der wie Petacchi je drei Etappen der Rundfahrt gewann. Selbst im Endresultat, das sich wie das „Who is who“ der Sprinter liest, fehlt sein Name im Vorderfeld.





Robbie McEwen
2005 **

Ein anderes Ziel für ihn stellte der Sieg bei der WM dar. Da viele Nationen auf eine Sprintankunft spekulierten, richteten sie ihre Aufstellung dementsprechend aus. McEwen, der sich der Unterstützung seiner Landsleute nicht sicher sein konnte, fragte beim Nationalteam seiner Wahlheimat Belgien an, ob deren Mannschaft evtl. für seine Belange ein paar Fahrer mitnehmen könne. Der Vorschlag wurde allerdings abgelehnt. Hernach siegte ein Belgier, während die favorisierten Fahrer gar nichts mit dem Ausgang zu tun hatten. Für McEwen blieb Platz 30.

 

Ein mögliches weiteres Saisonziel könnte in dem seit Jahren angestrebten Gewinn eines Klassikers liegen. McEwen, der in schöner Regelmäßigkeit nicht mehr zu sehen ist, wenn sich die Spitze des Feldes nach dem Poggio für die Entscheidung in San Remo formiert, ist in seiner langen Karriere immer noch kein Sieg bei einem der großen Eintagesrennen gelungen.

 

Bei Paris-Tours schienen seine Aussichten perfekt zu sein, da Petacchi, Boonen und Freire nicht an den Start gingen. Aber entweder kommt McEwen mit der Distanz nicht zurecht oder das herbstliche Ambiente entspricht nicht seinen bevorzugten Temperaturen. Das Rennen der „Windhunde des Herbstes“ ergab, dass er sich dem Personal (Zabel-Bennati-Davis) beugen musste, mit dem er sonst das Jahr über Katz und Maus spielte. Aber auch das ist eine Facette des Australiers. An guten Tag Favoritenkiller, an schlechten reicht es nicht für Erfolge über die 2. Garnitur. Im Endeffekt wäre etwas mehr als Platz 51 in der Pro Tour möglich gewesen.

 

Außerhalb der Pro Tour kann er eine lange Liste an Siegen vorlegen. Zunächst wurde er australischer Straßenmeister, dann errang er in seiner Heimat drei Etappensiege bei der Tour Down Under (2.HC). Weitere gab es bei der Tour of Qatar (2.1) und der Niedersachsen-Rundfahrt (2.1). Das Wochenende vom 10./11. September wird McEwen so bald nicht vergessen. Sowohl das Rennen Paris-Brüssel (1.HC) als auch am nächsten Tag den GP Fourmies (1.HC) konnte er auf seinem Erfolgskonto verbuchen. Ironischerweise wurden bei beiden Rennen Stefan Van Dijk (Bookmaker) und Jean Patrick Nazon (Ag2r) jeweils Zweiter und Dritter.   



Der GT-Kapitän

Ein anderer Australier belegte in der Gesamtwertung der Pro Tour den 17. Platz. Cadel Evans gehört zu der Gruppe von Fahrern, die von ihrem Weggang von T-Mobile (Telekom) profitierten. Er blühte nach seiner Demission 2005 im neuen Gewand regelrecht auf. Bereits bei Paris-Nizza stellte er unter Beweis, dass er mehr kann, als man im deutschen Team annahm. Beim „Rennen zur Sonne“ wurde er Achter. Die Etappe zum Mont Faron erlaubte ihm gar einen zweiten Etappenplatz. Die Reise zurück zum Erfolg setzte sich mit einem 15. Gesamtplatz im Baskenland fort.

 

In den Ardennen hielt sich der Mann aus „Downunder“ wacker. Lüttich-Bastogne-Lüttich beschloss er als Fünfter. Beim Flêche Wallone sammelte er mit dem 9. Rang ebenfalls Pro Tour Punkte. Als Vorbereitungsrennen für die Tour de France hatte er die Tour de Suisse auserkoren. Es reichte erneut zum 15. Platz. Offensichtlich hatte er dort aber noch nicht alle Karten auf den Tisch gelegt, da er bei Tour de France Achter der Gesamtwertung wurde. Im Rahmen der Großen Schleife brillierte er mit einigen guten Etappenplatzierungen. Einige Verärgerung erzeugte er aber während der 16. Etappe von Mourenx nach Pau, als er sich – immerhin im Gesamtergebnis auf Platz 11 – einer Fluchtgruppe anschloss. Diese ermöglichte ihm, dass er einige Positionen in der Gesamtwertung gut machen konnte. Als Dank ergriff er die Initiative und sorgte für ein Auseinanderbrechen der Gruppe, wodurch sich z.B. Jörg Ludewig (Domina Vacanze) seiner Siegeschancen beraubt sah, da er dem Tempo nicht mehr stand halten konnte. Im Anschluss kündigte der Deutsche dem Australier die Freundschaft. Zum Trost von Ludewig muss man aber sagen, dass Evans an dem Tag nur den 4. Platz erreichte und weder aufs Podium klettern noch Pro Tour Punkte einsacken konnte.

 




Cadel Evans, Deutschland-Tour 2005, 8. Etappe ***



Nach der Tour sah man den Australier bei der Klasika San Sebastian (16.) und bei der Deutschland-Rundfahrt. Sein 5. Gesamtplatz dürfte aufgrund des Saisonverlaufs keine Überraschung gewesen sein. In der Bonner Zentrale hatte man längst eingesehen, dass man ihm in den vergangenen zwei Jahren nicht die entsprechenden Chancen eingeräumt hatte, um die Erfolge zu erreichen, die er nun für seine neue Mannschaft erzielt.

 

Schmerzvoll dürfte es aber schon für das Hauptquartier von T-Mobile gewesen sein, als Evans dazu beitrug, dass Ullrich seine Hoffnung auf den Gesamtsieg am Feldberg begraben musste. Bei strömenden Regen und kaltem Wetter konnte sich Cadel Evans als Erster in warme Wolldecken hüllen. Der Australier wird dem deutschen Arbeitgeber nach diesem Saisonverlauf keine Tränen nachgeweint haben, ob es sich umgekehrt ebenso verhält, darüber können nur Mutmaßungen angestellt werden.  

 





Serge Baguet
**



Aart Vierhouten **

14 Fahrer in der Top Liste. Da fällt es eigentlich kaum auf, wenn einer nur knapp den Eintritt verfehlt hat. Serge Baguet erreichte einen ansehnlichen 12. Platz bei der Benelux-Rundfahrt. Vermutlich wird er sich mit der belgischen Meisterschaft auf der Straße sowie dem Sieg zweier Etappen der Andalusien-Rundfahrt (2.1) getröstet haben. Platz 16 reichte für den Niederländer Aart Vierhouten bei Paris-Tours auch nicht zum Erwerb von Pro Tour Punkten.

 

Beim Mannschaftszeitfahren in Eindhoven glänzte das Team – in der Besetzung Baguet, Jan Kuyckx, Moerenhout, Leukemans, Bert Roesems und Johan Van Summeren –, das nun nicht unbedingt für seine Stärken im Kampf gegen die Uhr bekannt ist, mit einem akzeptablen 6. Platz. Zwar ist bekannt, dass Roesems durchaus über Qualitäten im Zeitfahren verfügt, aber niemandem von Davitamon-Lotto sollte in diesem Jahr ein erster Platz in dieser Disziplin gelingen.

 





Mannschaftszeitfahren in Eindhoven 2005 ***


In der Pro Tour Teamwertung wurde Platz 4 erreicht. Den größeren Anteil an diesem Ergebnis hatte das Abschneiden bei den Klassikern, weil das Team meist viele Fahrer im Vorderfeld positionieren konnte. Aber auch bei den Rundfahrten wusste das Team zu gefallen.

 



Outside Pro Tour

Die meisten und wichtigsten Erfolge wurden schon angesprochen. Es bleibt noch ein kleiner Rest, den es zu vermelden gibt. Man greife noch einmal Bert Roesems auf. Einen Sieg (Brüssel-Ingooigem (1.1)) steuerte er dem Gesamtergebnis bei. Roesems konnte bei der Belgien-Tour (2.1) noch einen zweiten Gesamtplatz bei einer Rundfahrt vorweisen. Der erwähnte Jan Kuyckx jubilierte bei einer Etappe jener Tour. Teamkollege Geert Steegmans siegte beim Sluitingsprijs Putte-Kapelle (1.1) und war ebenfalls ein Mal im Rahmen einer Rundfahrt erfolgreich (Tour de Picardie (2.1)).

 




Bert Roesems
Tour de Pologne 2005
*



Gert Steegmans
Vuelta 20. Etappe 2005
***



Jan Kuyckx
Tour de Romandie 2005
*



Tops und Flops

Die Gewinner des Teams sind:

 




• Cadel Evans: Der Australier avancierte zu einem starken Rundfahrer im Team, der zu guten Ergebnissen sowohl bei Hügelklassikern als auch kleinen und großen Rundfahrten fähig ist. Sein Wechsel zum belgischen Team war für ihn und das Team ein Gewinn.




• Nico Mattan: Der Belgier feierte durch einen schmeichelhaften Sieg das Highlight seiner Karriere.




• Wim van Huffel: Wer hat ernsthaft damit gerechnet, dass der Belgier beim Giro so weit vorne landet? Vielleicht hat er das Potential in wenigen Jahren bei GTs ein häufig gesehener Gast auf dem Schlusspodium zu sein.

 



Diese Fahrer enttäuschten:

 




• Peter van Petegem: Wer sein Saisonziel so eng einkreist wie er, der wird daran auch gemessen. Im belgischen Frühjahr war kein Sieg für ihn möglich. Ansonsten auch nicht.




• Christophe Brandt: Der Höhenflug hat auf sportlichem Weg ein vorläufiges Ende gefunden. Wer auf weitere gute Ergebnisse des Belgiers hoffte, wurde etwas enttäuscht. 2005 stellte gegenüber 2004 keinen Fortschritt dar.




• Mario Aerts: Er profitierte nicht vom Wechsel zu seinem alten Team. Seine Ergebnisse stechen aus der Masse nicht heraus.

 

 



Ausblick auf 2006

Der Stamm blieb zusammen. Lediglich die Abgänge von Merckx und Moerenhout zu Phonak schmerzen etwas. Dafür kam Christopher Horner, der dem Team seine Fähigkeiten auch im Hochgebirge zur Verfügung stellen will. Das belgische Junggewächs Pieter Mertens steht erstmal unter Bewährungsprobe. Man wird ihm etwas Zeit geben müssen.

 

Mit diesem Personal wird Davitamon wieder versuchen, in denselben Segmenten wie bisher erfolgreich zu sein. Das Grüne Trikot für McEwen wird ebenso ein Hauptziel sein wie für van Petegem ein Sieg bei einem der Monumente des belgischen Frühjahrs. Neuerdings rechnet man sich auch bei den schweren Klassikern, wie auch bei den Rundfahrten etwas aus, nachdem man weiß, dass man mit Evans, van Huffel, Ardila sowie Horner und evtl. Brandt mehrere Trümpfe in der Hand hat.

 

Erfolg auf breiter Basis und weniger Gründe zur Beschwerde, das wäre doch auch ein lohnenswertes Ziel für 2006. Dass McEwen für Fairness im Radsport ausgezeichnet wird, glaubt er wohl selbst nicht, aber man muss auch nicht immer der berüchtigte „Pelotonbanause“ sein.




Paris-Roubaix 2005 ***



Anmerkung und Kommentar


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