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Präsentation Team Milram

von Hanna, Fotos: Peloton-Pictures, Cyclingimages






Das Team in all seiner Pracht.



Ein klassischer Januartag in Bremen, ein bisschen Schmuddelwetter, ein bisschen Sonnenschein – und ein bisschen Radsport, genauer gesagt die Präsentation des neuen Team Milram. Im Vorfeld war es schon fast unheimlich ruhig um das frisch aus der Taufe gehobene ProTour Team gewesen, und selbst der Internetseite ließen sich kaum mehr Informationen entlocken, als dass man ab sofort in der höchsten Kategorie des Radsports mitmischen wollte.

Wer sich also nach Informationen sehnte, der musste entweder auf die neuesten Medienberichte warten oder zur Teampräsentation ins Maritim-Hotel kommen. Punkt 11 Uhr sollte es losgehen, und eine beachtliche Menge an Journalisten, ein Teil der Führungsetage des Nordmilch-Konzerns (dazu gehört Milram) und eine handvoll Vertreter des Erik Zabel Fanclubs standen vor verschlossenen Türen.



Akademisches Viertel



Mit den allerbesten Grüßen an den Zwiebelfisch von Spiegel-Online: Kann man sich die Herzen der Menschen verdienen?

Das erste akademische Viertel verstrich und als das nächste anbrach, ließ ich mich aus irgendeinem unerklärlichen Grund dazu hinreißen zu wetten, dass ich zur diesjährigen Dahme-Trophy von Kiel aus per Fahrrad anreise. Genauer gesagt auf meinem alten, klapperigen Nachkriegs-Damenrad Marke „Den Haag“, ein Erbstück von Oma, mit Torpedo-Dreigangschaltung und schlingernden Rädern. Und weil sich die Türen zum Präsentationsraum noch immer nicht öffneten, wurde die Wette auf eine Fahrt im Bikini plus Musikanlage auf dem Gepäckträger, aus der „Surfin´ USA“ schallen soll, erweitert. Also, ich suche noch einen knackigen (Profi-)Radler, der mich ab Ortsausgang Kiel knappe 80 Kilometer bis nach Dahme schiebt.

Als das zweite akademische Viertel in den Nachwehen lag, ging es tatsächlich los – naja, fast. Die versammelte Mannschaft der Zuschauer und Journalisten durfte immerhin schon mal in den Veranstaltungsraum, der äußerst sporadisch dekoriert war (ich rechnete insgeheim mit gestapelten Kirschjoghurts als Hintergrund, ähnlich wie bei der Gerolsteiner-Präsentation mit den Wasserkästen) und in dem auch die Jahreshauptversammlung der Dresdener Bank hätte stattfinden können, wären da nicht ein paar einsame Rennräder und das Milram-Emblem gewesen.



Product Placement am Frühstückstisch



Na, was haben wir vor dem Betreten der Bühne vergessen?

Irgendwo zwischen dem dritten und vierten akademischen Viertel betrat dann Michael Antwerpes, den kennt man ja, die Bühne, und das Schicksal nahm seinen Lauf. Erste kleine Witzchen fruchteten nicht auf dem Mutterboden der lethargischen Masse, die sich da im Saal versammelt hatte. Und als auch eine lustige Verwechslung von Milram und Milka einfach so verhallte, gab Antwerpes auf.

Es folgte ein kurzer Film über das erste gemeinsame Trainingslager des neuen Teams. Solide gemacht und für den einen oder anderen Schmunzler gut, aber ebenso ein Musterbeispiel des Product Placements: Selten hat man eine Milchtüte bei einem Radsportler-Frühstück so oft über den Tisch wandern sehen.

Gerne würde ich solche Filme auch bei anderen Teampräsentationen sehen. Hier ein paar Vorschläge: Die Jungs von QuickStep verlegen einen Laminatfußboden, Michael Boogerd holt sich einen Kredit bei der Rabobank und die Fahrer von T-Mobile fluchen, weil die Aktien noch immer im Keller sind.

Doch zurück zum Milram-Film. Eines blieb auf jeden Fall hängen: Die Fahrer haben sich alle total lieb und haben ganz viel Spaß zusammen und die Produkte von Milram dürften auf keinem Frühstückstisch fehlen.

 

Als nächstes kamen ein paar Offizielle zu Wort und es wurde mehrsprachig. Wer Probleme mit dem Italienischen hatte, der konnte per Kopfhörer den Ausführungen von Team Manager Gianluigi Stanga lauschen. Einen Übersetzer hätte ich mir auch für Gerry van Gerwen, den Commercial Manager, gewünscht. Er sprach eine Art Rudi Carrell-Deutsch, das leider nicht wirklich zu verstehen aber immerhin sehr sympathisch war. Zwischendurch erzählte er etwas von kurzen Wegen nach den Radrennen zu den Hotels und Billigfliegern, was den Journalisten neben mir zu dem Schluss brachte: „Wie, sind die jetzt schon pleite?“



Männerfreundschaft



Anschließend wurden die Fahrer des Teams vorgestellt, was so kurz und bündig durchgezogen wurde, dass es wahrscheinlich eine unschlagbare Rekordzeit bleiben wird. Eigentlich schade, denn außer Alessandro Petacchi und Erik Zabel kam keiner der anderen Sportler zu Wort – und dabei bin ich mir bei den meisten sicher, dass sie sich klar artikulieren können und vielleicht sogar inhaltlich etwas zu sagen gehabt hätten.

Apropos Petacchi und Zabel: Den beiden Stars des Teams wurde natürlich ausgiebig Zeit gewidmet und die Teampräsentation entwickelte sich zu einer Pressekonferenz. Es wäre vermessen zu sagen, dass es dabei neue Erkenntnisse über den Radsport gegeben hat, aber immerhin entwickelte sich Erik Zabel hier und da zum Entertainer. Den ersten Journalisten ließ er gekonnt auflaufen, anschließend war er aber ganz handzahm. Nein, zwischen ihm und Petacchi gibt es keine Spannungen, und das mit dem Rennprogramm ist auch geklärt. Man hat lange zusammen gesessen und ein intensives Gespräch geführt (Journalist: „Auf welcher Sprache denn? Sprechen Sie Italienisch, Herr Zabel?“ Zabel: „Der Alessandro spricht Englisch“). Ja, das grüne Trikot wird bei der Tour de France natürlich auch wieder angepeilt. Und sowieso, das mit dem Alessandro ist alles gar kein Problem, das wird eine ganz große Männerfreundschaft.

Auch Petacchi beantwortete brav seine Fragen. Die längste Redezeit lag bei geschätzten 8:24 Minuten (gefühlt doppelt so lang) und erinnerte mich in punkto Elan an den Jahresbericht des Vorsitzenden der Salzwedeler Modelleisenbahnfreunde auf der Hauptversammlung im Hobbykeller unter der städtischen Sekundarschule. Aber das nur am Rande.



Eine neue Kühltasche und ein voller Kühlschrank



Das Büfett erfreute sich großer Beliebtheit.

Noch ein abschließendes Teamfoto, und die recht profillose Veranstaltung eines noch unbeschriebenen Blatts im Radsport war zu Ende. Ende, aus, vorbei. Obwohl... da war doch noch was…

Vor den Türen des Veranstaltungsraumes wartete ein Fingerfood-Büfett, dass ich an dieser Stelle nur in den höchsten Tönen loben kann. Wer schlau war, hatte eine Tupperdose dabei.

Abgesehen von der üblichen Pressemappe konnte man sich außerdem Autogrammkarten und Poster mitnehmen. Und eine Kühltasche voller Milram-Produkte, damit sich der unbestechliche Journalist seinen Text bei einem Joghurt oder einer Käseschnitte noch mal durch den Kopf gehen lassen kann.

Die Kühltasche, das steht schon fest, wird mich auf jeden Fall in der anstehenden Radsport-Saison begleiten. Und noch mal vielen Dank für die leckeren Sachen darin. Auch im Namen meiner Mitbewohner, die nun endlich wissen, was ein voller Kühlschrank ist.






Männerfreunde...


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