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Stuttgart - Straßburg - Stuttgart

Tagebuch Stuttgart-Straßburg-Stuttgart, 2. - 4. September 2005



1. Etappe 115km Stuttgart-Nagold

Nachdem der GP Tell aus durchaus nachvollziehbaren Gründen ausgefallen war und Trainer Max Bulgarien abgesagt hat, ist dies unsere letzte Rundfahrt für diese Saison. Dementsprechend viel hatte ich mir vorgenommen, ich wollte nicht nur auf einzelnen Etappen glänzen sondern auch in der Gesamtwertung auf mich aufmerksam machen. Unsere Taktik konzentrierte sich auf 3 Fahrer: Christoph Klipp, Enrico Prix und mich, da wir offensichtlich die beste Form vorzuweisen hatten. Die anderen 3 : Ingmar Dassler, Roger Kluge und Richard Hennig sollten die Konkurrenz zum Reagieren zwingen, indem sie sich früh in Gruppen zeigten. Vor dem Start trafen wir Radelspatz, die mir ein paar Gummibärchen mitgebracht hatte und sogar noch eine für unseren Betreuer Zipfel übrig hatte!

 

Die Strecke war sehr wellig, es ging ständig bergan oder bergab. So ging es auch los und schon nach wenigen Kilometern büßten wir Richard durch einen Sturz ein, er beendete die Etappe mit viel Rückstand blieb aber im Rennen. Es ergab sich dann so, dass ich in einer 3-Mann-Gruppe zum ersten richtigen Berg fuhr, mit dabei war ein Franzose und ein Schweizer, dieser markierte aber den sterbenden Schwan und machte nur auf und zu. Am Berg wurden wir schnell gestellt, da das neu gegründete Team Aguti (ehemals Hofbräu Radler Stuttgart) den Berg sehr aggressiv in Angriff nahm. Oben waren jedoch noch ungefähr 50 beisammen und wir waren auch komplett vertreten. Es wurde schnell weitergefahren und es bildete sich eine 18 Mann starke Gruppe durch einen kleinen Riss im Feld. Ich verpasste es hinzuspringen und so war der Zug leider ohne mich abgefahren. Größere Aktivität blieb mir versagt, da unsere anderen beiden Eisen im Feuer mit dabei waren. So musste ich warten bis der Vorsprung groß genug war, schon nach 10km war er bei 1,30min und ich versuchte hinterherzufahren. Leider war die Konkurrenz noch zu gut dabei und ich konnte mich nicht lösen. Auch an der letzten Bergwertung, die nur 8km vorm Ziel lag, gelang es mir nicht, das Feld teilte sich zwar aber das reichte nicht. So kullerte ich mehr oder weniger ins Ziel. Die Etappe gewann ein gewisser David Vitoria, genau der Schweizer , der in meiner Gruppe zu Anfang doch ach so übel dran war. „Schlaucher“ - mehr fällt mir dazu nicht ein. Ich beschloss sofort alles dafür zu tun, dass er nicht gewinnt. Unsere beiden in der ersten Gruppe hatten nicht den richtigen Riecher und wurden daher nur 8. und 11. . Das Hotel war erste Sahne und man konnte sich gut erholen für die nächste Etappe, auch wenn meine Laune natürlich nicht die beste war.



2.1 Halbetappe 115km Nagold-Straßburg

Die Etappe heute versprach unmissverständlich einen Massenspurt. Der größte Berg war 40 km vor dem Ziel überquert und danach folgte eine im Tourheft als !!Danger!! gekennzeichnete Abfahrt mit 18 % Gefälle. Unsere Taktik basierte größtenteils auf abwarten, was die beiden betraf, die gestern in der Gruppe waren. Richard und Ingmar sollten wieder früh attackieren und ich sollte, wenn man keine Gruppe gehen ließ, besonders auf Klipp Acht geben, da er der beste Zeitfahrer von uns ist. So schaute ich mir die Anfangsphase in Ruhe an und attackierte dann selbst an einem langen aber flachen Anstieg. Ich kam schnell weg, wieder mit einer 3er Gruppe, mit dabei waren Hahn vom Team Köstritzer und erneut ein Franzose. Wir harmonierten gut und wir kamen mit knapp 2min Vorsprung aufs Feld zu besagtem Berg. Leider konnten die beiden hier mein Tempo nicht mitgehen und so wusste ich das es knapp werden würde, alleine wäre es sinnlos bei noch 40km ab der Bergwertung. Ich versuchte nun das Tempo immer ein wenig anzuheben, doch es nützte nichts: 500m vor der Kuppe wurden wir geschluckt, die Schweizer machten das Tempo und das Feld war auf max. 30 Mann geschrumpft. Da hier schon einige aus der Gruppe von gestern fehlten, hielt ich das Tempo hoch um unsere Chancen ein wenig zu verbessern, umsonst - kurz vor der Abfahrt schloss der Rest des Feldes auf.

 

Die Abfahrt war wirklich Danger! Man konnte nichts voraus sehen und sie war sehr schnell. In einer Kurve passierte es dann: Man kam um eine Rechtskurve und sah sich dann direkt vor einer scharfen Linkskurve ohne die Zeit zu haben, vernünftig abzubremsen. Ich sah wie einer in die Leitplanke feuerte und ein nächster wegrutschte. Schon lag mir ein Rad im Weg und ich stieg über den Lenker ab. Als nächstes fand ich mich in einem Wald wieder und schaute an mir runter - „verdammt, nicht schon wieder“. Ich kam schnell wieder zu mir und auf den ersten Blick sah ich keine Verletzungen, nur ein Schuh fehlte. Der lag ein paar Meter weiter unten. Schnell war er geholt , provisorisch angezogen und schon begann der Aufstieg von Baum zu Baum der Straße näher, vorbei an anderen Radlern, die mit sich beschäftigt waren.

 

Ständig hörte ich wie immer wieder neue Stürze in die Leitplanke einschlugen. Endlich angekommen, kletterte ich über die Leitplanke, an der ein Helm baumelte. Ein Griff an den Kopf, ein Blick auf die Aufkleber und ich wusste, dass es meiner war. Nur mein Rad lag fast ganz unten. Ein Helfer gab es mir, „verdammt die Kette ist unten, ihhhh is die ölig“. Ich tat so als würde ich an meinem Helm rumfummeln und bat den Helfer die Kette wieder aufzulegen :oD,  ach ich bin so clever. Sonst war nichts kaputt und ich schwang mich schnell wieder auf. Die Autokolonne war noch zur Stelle und so nahm ich mir ein wenig Zeit zu mir zu kommen. Mein Rücken schmerzte und mein Gesicht brannte wie verrückt. Dann kam auch schon das erste Auto und ich fuhr wieder zum Feld auf.

 

Nach ein wenig Unruhe ging es in großen Schritten Richtung Ziel. Ked hielt alles zusammen. Ein  Teamkollege machte mich freundlicherweise darauf aufmerksam, dass mein Käsebrötchen entblöst war, schön, aber leider nicht zu ändern! Der Spurt sollte für Roger angefahren werden, doch er war durch einen Sturz zu weit hinten und so versuchte ich es auf eigene Faust mit Klipp am Hinterrad. Ich hatte eine gute Position und kam mit mächtig Schwung als der Sprint eröffnet wurde. Vor mir war Metzke von Akud und ich setzte rechts an. Da es knapp war, machte ich ihn  darauf aufmerksam, dass er da bleiben sollte. Das Gegenteil geschah, er machte dicht und brachte mich fast zum Sturz. Platz 2 wäre auf jeden Fall drin gewesen. Ich war kaum zu bremsen, ich stellte ihn zur Rede, aber er brachte kein Wort heraus, sicher war er sich seiner Schuld bewusst. Naja, man sieht sich immer 2mal im Leben, beim nächsten Mal mache ich zu! Am Ende steht Platz 4 für mich und für Klipp Platz 5..



2.2 Halbetappe 10km EZF Straßburg

Die Zeit zwischen den beiden Etappen verbrachte ich damit, meine doch erheblichen Verletzungen zu versorgen. Der Rücken und das Käsebrötchen waren eine einzige Schürfwunde, dazu kamen Prellungen am Becken und am Rücken und ein kleiner Cut am linken Auge. Das Brennen im Gesicht kam offensichtlich von den Brennnesseln in die ich gefallen war.

 

Das Zeitfahren an sich war für mich ein besserer EB, da ich Probleme hatte die Haltung zu halten wegen den Schmerzen im Rücken und meinem rechten Bein, das sich irgendwie blockiert anfühlte. Klipp wurde 7. und kam so in der Gesamtwertung auf den 6. Platz mit 6sek. Rückstand auf Franzl, der im Zeitfahren 2. wurde hinter Rasmussen. Ich wurde 49. mit etwas über einer Minute auf den Sieger.



3.Etappe 170km Straßburg-Stuttgart

Die Nacht war schrecklich, aber das war zu erwarten. Als ich aufwachte, musste ich den Zug gerade verpasst haben, der noch auf mir geparkt haben musste. Die Taktik war klar:  Wir wollten Klipp ins Gelbe fahren und dazu mussten wir zunächst Mapei und die Schweizer schwächen. Ingmar, Richard und Roger sollten das in der Anfangsphase machen. Die Etappe wurde dann sehr anspruchsvoll und wir konnten nicht wissen, wer noch dabei sein würde. So bildete sich eine Gruppe mit Richard. Die Verfolgungsarbeit leisteten zu unserem Gram die Dänen. Auf dem Rad fühlte ich mich besser als auf den Beinen, das war das Gute. Ich hielt bis zum Bühler Berg Klipp und Prix aus dem Wind raus. Den Berg selber nahm ich dann von ganz hinten in Angriff, da ich Probleme hatte im Stehen zu fahren und jeder Kollision aus dem Weg gehen wollte. Kaum ging es hoch, merkte ich die Blockade im Bein nicht mehr. Bald kamen mir die ersten entgegen, leider war auch Ingmar dabei. Schnell lichtete sich das Feld zu einer 30 Mann Gruppe, nun kam mir leider Enrico entgegen und ich beschloss bei ihm zu bleiben. Ich zog ihn bis oben in einem gleichmäßigen Rhythmus mit wobei wir noch den einen oder anderen einholten. Oben hatten wir eine Minute Rückstand und konnten  schnell wieder aufschließen. Die Gruppe war inzwischen wieder gestellt. Postwendend attackierten wir wieder und nun ging eine Gruppe mit Enrico - gut für uns, da das schon ein Angriff aufs Gelbe Trikot war. So war Mapei gezwungen nachzuführen, jedoch ließen sich die Schweizer nicht aus der Reserve locken. Am 2. langen Berg musste ich dann die erste Gruppe ziehen lassen, konnte aber danach schnell wieder aufschließen. Das Rennen hatte sich nun auf 35 Mann eingeschränkt.

 

 

Die Gruppe mit Prix war wieder eingeholt, dafür war nun eine Gruppe mit Klipp unterwegs. Es lief perfekt für uns. Franzl hatte nur noch 2 Helfer allein die Schweizer waren noch zu viert, genau wie wir. Klipp’s Gruppe wurde wieder gestellt und schnell setzte ich die nächste Attacke. Leider ließ man mich alleine fahren, das kostete eine Menge Kraft aber nach ca. 5 km kamen 2 Mann dazu, ein Schweizer und Richard. Super, wir drückten mächtig drauf und schnell hatten wir 2 min Vorsprung. Dann kam der nächste Berg und bei mir kündigten sich Krämpfe an. Ich ließ die beiden ziehen, gleichmäßiges Tempo und eine Coke ließen mich wieder auf die Beine kommen und so erwartete ich auf dem Berg den Rest der Fahrer.

 

Eingeholt kam ich genau richtig zur schnellsten Rennphase: Die Favoriten attackierten sich bis aufs Messer, es ging hin und her, Franzl war alleine und der starke Däne Böchmann ließ nicht locker. So holten wir auch die anderen 2 schnell wieder ein. Die Attacken ließen nicht nach bis sich eine Situation ergab in der Muck mit einem Franzosen wegfuhr, knapp dahinter eine Gruppe mit Morabito, dem besten Schweizer, einem anderen Schweizer, Erik Hoffmann (gesamt 4.), einem Dänen, und Enrico und mir. Da nun vorn doch Favoriten waren, führten Enrico und ich nicht mit. Die Gruppe tat sich schwer und so blieb der Abstand zu Muck konstant. Ich wurde nervös, da ich langsam daran zweifelte ob die Gruppe mit Klipp noch mal zurückkommen würde. Wenn dem so gewesen wäre, hätte ich wohl das Grüne Trikot gewonnen, da ich vorher 4. war und keiner der anderen vorn dabei war. Morabito flehte mich auch schon an, wir mögen doch mitführen, sie schenken uns den Tagessieg, sie wollten nur den Gesamtsieg. Aber das war nicht drin, das wäre Anscheißerei. Klipp war der Captain, da gab es kein wenn und aber. Außerdem hatte ich immer im Hinterkopf, dass hier auch ein Deutscher gewinnen muss!

 

So wurden wir 7km vor dem Ziel gestellt, in der Gruppe war Franzl nun nicht mehr. Ich tat alles damit auf  den letzten Kilometern keiner mehr wegfuhr. Vor allem Böchmann und Gajek versuchten es immer wieder. Dann lancierten Enrico und ich den Sprint für Klipp, ihm hätte der 2. Platz gereicht um den Gesamtsieg zu übernehmen, doch das war nicht sein Ding, er ließ sich wegdrängen – keine Chance. So ging die Etappe an Frey, 2. wurde mein Freund Vitoria, der so leider das Grüne Trikot überstreifen konnte. Die Gesamtwertung ging an Michael Muck – verdient, er war am letzten Tag der stärkste. Klipp verbesserte sich dadurch das Franzl wegfiel auf den 5. Platz. Ich wurde gesamt dann 23., das wäre, wenn man die 18 Mann der führenden Gruppe vom ersten Tag abzieht, Platz 5 - damit kann ich zufrieden sein und hoffen das beim nächsten Mal das Glück wieder auf meiner Seite steht!


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