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Zülli-HCfan bei der Phonak-Teampräsentation 2004

Bericht und Fotos: Zülli-HCfan

 

Meine letzte Begegnung mit den Jungs mit den durchtrainierten, rasierten Beinen lag nun schon wieder fast vier Monate zurück. Wann hatte ich eigentlich Alex das letzte Mal live gesehen? Bei der Züri Metzgete im August muss das gewesen sein...Und Tadej? Gott, das war noch bei der Tour de Suisse!

 





Alex Zülle



Tadej Valjavec

Diesmal allerdings veranlassten mich diese schockierenden Erkenntnise nicht, trübsinnig auf den Rennkalender zu starren und dann wehmütig nachzurechnen, wieviel Wochen es noch bis zum ersten Live- Rennen dauern würde. Nein, diesmal nicht, denn ich sass voller Vorfreude im CityNightLine der mich in die Schweiz zur offiziellen Teampräsentation von Phonak bringen sollte.

 

Nach circa dreizehn Stunden Zugfahrt stand ich endlich unter einem dieser aufblasbaren Torbögen von der Tour de Suisse, vor mir der Eingang zum Hauptgebäude der Phonak AG. Nachdem ich meinen Ausweis abgeholt hatte, begab ich mich ins oberste Stockwerk, wo die Präsentation stattfinden sollte. Als ich jedoch in den Veranstaltungsraum trat, war ich erstmal wie vom Donner gerührt: Überall Menschen und keine leeren Stühle mehr! Nach einigem Herumsuchen im Dämmerlicht fand ich letztlich doch noch ein Plätzchen und wartete gebannt auf den Auftritt den grün-gelben Helden.

 

Doch zuerst einmal gab es einige ganze Menge Reden wichtiger, geldgebender Leute, teils jedoch auf Italienisch und Französisch -dumm nur, wenn man der beiden Sprachen nicht wirklich mächtig ist.

 



Nach einer knappen Stunde begann dann der interessanteste Teil der Veranstaltung. Man hatte extra aus Frankreich den Kommentator der Tour de France, Daniel Mangeas, eingeladen, der die Fahrerpräsentation leitete. Jeder der 24 Profis fuhr einzeln mit seinem Rad eine schräge Rampe hinauf zur Bühne, wo er von Mangeas enthusastisch und wortreich vorgestellt wurde. Als dann schliesslich alle Fahrer auf ihren Barhockern sassen, hatte man sich noch etwas Besonderes einfallen lassen. Eine junge Frau mit langen blonden Haaren und hautengen Lederklamotten enterte die Bühne, baute sich vor den Profis auf (die jäh aus ihrer Langeweile erwachten) und fing an, den Teamsong "Go for it!" zu schmettern. Alex, der bereits die ganze Zeit auf seinem Stuhl herumgerutscht war und mit seinem Nachbarn Oscar Sevilla gequasselte hatte, nutzte diese Gelegenheit, seinem Bewegungsdrang endgültig nachzugeben. Er begann, voller Begeisterung im Takt mitzuklatschen und seine Kollegen zu animieren, es ihm gleich zu tun. Ich rätselte, ob die Jungs dazu verdonnert worden waren, mitzumachen aber wenn ich Alex so ansah, bezweifelte ich dies und war in diesem Moment sehr froh, dass man mich nicht als Zülle-Fan identifizieren konnte...

 




Oscar Sevilla



Nachdem die junge Frau fertig war, hatten die Photographen die Möglichkeit, ein Teamphoto zu machen, bevor alle Fahrer bis auf Zülle, Sevilla, Hamilton und Camenzind den Raum verliessen. Die Journalisten hatten nun die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Die Fragen kamen aber nur spärlich und konzentrierten sich sowieso meist nur auf Hamilton und den Tour-de-France-Start. Ich wurde langsam etwas unruhig, denn dieser Teil der Präsentation begann, sich unnötig in die Länge zu ziehen und der Rest der Fahrer schien irgendwo ins Nirvana abgetaucht zu sein - und mit ihnen Tadej, den ich doch auch noch sprechen wollte. Nachdem ich eine der Organisatorinnen gefragt hatte, wo die Jungs denn seien, aber nur eine vage Handbewegung in Richtung Tür als Antwort bekam, begab ich mich also auf eigene Faust auf die Suche.

 





Tadej Valjavec

Und ich hatte Glück: Im Vorraum stand Tadej zusammen mit einigen älteren Herren und unterhielt sich. Als er fertig war, ging ich zu ihm. "Oh, du bis auch hier?!", rief er ungläubig, aber offensichtlich sehr erfreut, seinen Fan der ersten Stunde zu erblicken. Wir unterhielten uns ein wenig, wobei er sich zig Mal entschuldigte, dass er noch nicht auf meine E-Mail geantwortet habe, aber momentan sehr beschäftig sei, weil er grad ein Haus baut. Ich fragte ihn nach seinem Rennprogramm. "Dieses Jahr will ich einen 'Giro grande' fahren", sagte er kämpferisch. Dann fragte er plötzlich: "Fährst du jetzt gleich wieder oder bleibst du noch da? Ich muss mich jetzt umziehen gehen!". "Hey, warte, wir müssen noch ein paar Bilder mit deinem Meistertrikot machen!", rief ich ihm hinterher. "Oh, gefällts es dir?", fragt er mit einem Augenzwinkern, schnappte sich ein Rad und fing an, sich in Pose zu werfen. Ich musste ständig lachen, denn Tadej machte eine richtige Show drauss und liess sich bereitwillig in allen möglichen Positionen ablichten. Als wir fertig waren, drehte ich mich um und - um uns herum stand eine grössere Ansammlung von Menschen und hatte uns interessiert beobachtet...

 



Nachdem Tadej verschwunden war, ging ich auf die Jagd nach anderen Photoobjekten, allerdings war es schwierig, in dem Gewusel die Jungs zu finden. Grégory Rast und Martin Elmiger standen herum und begutachteten die neue Homepage, Oscar Sevilla lief etwas planlos durch den Raum, offenbar auf der Suche nach der Umkleide, während Tyler Hamilton geduldig die Fragen der Menschentraube um ihn herum beantwortete.

 




Daniel Schnider



Tylor Hamilton



Daniele Bennati



Alex hatte ich auch kurz erspäht, aber wie so oft war er von einer Sekunde auf die andere wieder spurlos verschwunden. Ich erspähte ihn dann letztendlich in einer Ecke, wo er mit einem niederländischen Journalisten ein Interview führte. Alex linste zu mir rüber, griente und nickte mir kurz zu, nach dem Motto: "Du darfst jetzt Photos machen". Leider verstand ich nur Fetzen des Interviews, denn Alex sprach sehr schnell und zudem noch auf Holländisch.

 

Danach stürzte ein Schweizer Radio-Reporter auf ihn zu und befragte ihn, während ich geduldig wartete, um mit einem Liebling drei Worte wechseln zu können. Als auch dieser Journalist endlich fertig war, kam Alex strahlend auf mich zu, schüttelte mir die Hand und erkundigte sich nach meinem Befinden. Ich drückte ihm drei vergrösserte Photos in die Hand zum Unterschreiben und wollte wissen, wie er sich denn so fühle vor seiner letzten Saison. "Och, nicht besonders, aber ich denke da auch nicht so viel drüber nach...", meinte er schulterzuckend. Leider stürmte in diesem Moment ein etwas genervt aussehender TV-Mensch auf Alex zu und zerrte quasi vor seine Kamera. "Ich komm' dann nochmal!", rief er mir zu.

 




Alex Zülle



Da in der Zwischenzeit nur noch sehr wenige Leute in diesem Vorraum waren, ging auch ich die Treppe hinunter zum Buffet. Am Ende war ein grosser, heller Raum, wo die Radprofis, Journalisten, Sponsoren und Organisatoren essen konnten.

 

Leider war der Tisch von Tadej schon voll, also setzte ich mich an einen, wo nur eine ältere Frau im Rollstuhl, ein Mann und eine andere, etwas jüngere Frau sassen. Kurz darauf kamen wir ins Gespäch und es stellte sich heraus, dass die ältere Dame im Rollstuhl die Schwester von Phonak-Boss Andy Rihs war. Sie fragten mich ein wenig aus, wer ich war, warum ich hier sei und warum ich denn den Zülle so toll fände.

 

Besagter Alex erschien auch nach einiger Zeit mit seinem Tellerchen im Speisesaal und sah sich suchend nach einem freien Platz um. Leider sah er mich nicht, setzte sich aber gleich an den Nebentisch, neben meine Bekannte aus der Teamverwaltung, Mirjam. Nach einer Weile ging sie jedoch und der Platz neben Alex wurde frei. Diese Chance liess ich mir nicht entgehen und hechtete auf den vakanten Stuhl.

 

Alex, den ich noch nie so locker und gesprächig erlebt hatte, plauderte dann gute zwanzig Minuten mit mir u.a. über Heirat, Sehhilfen jeglicher Art, seine Rolle im Team, Doping, seinen etwas schwierigen Wechsel zu Phonak und die letzte Saison. Es war wirklich lustig, denn Alex benutzte eine sehr bildliche Sprache und untermalte dazu seine Worte noch mimisch und gestisch.

 

Kurz vor zwei Uhr schaute er auf seine Uhr, seufzte und meinte zu mir: "Jetzt müssen wir das alles noch mal machen, für die Angestellten. Gestern haben wir das gleiche Programm schon für die ausländischen Journalisten gemacht und heute sind wir auch schon seit halb acht da."

 

Bevor er jedoch ging, fragte ich ihn noch: "Alex, kannst du mir noch einen Gefallen tun? Ich würde ganz gern ein Bild mit dir und Tadej machen!". "Welcher Tadej?", er schaute mich fragend an. Etwas ungläubig deute ich auf einen Tisch ganz in der Nähe: "Dein Teamkollege, der da hinten am Tisch sitzt!". "Ach so, ja klar, kein Problem. Wo wollen wir es denn machen? Da hinten beim Auto?". Ich holte Tadej und klärte ihn über mein Vorhaben auf. "Ey, Alex, mit dir mach' ich kein Bild!", meinte er mit einem Zwinkern. Jetzt brauchte ich nur noch jemanden, der den Auslöser drückte. Ich bat Tadej, seinen Landsmann Uros Murn zu fragen, ob er das machen könnte. Nach einigem Zögern nahm Uros die Kamera und ich stellte mich glücklich zwischen meine beiden Helden.

 




Zülli mit Alex und Tadej



Alex machte sich dann auf, um den zweiten Teil des Programmes zu absolvieren, während Tadej noch etwas unschlüssig herumstand. Wir unterhielten uns noch ein wenig über dies und das, bis auch Tadej gehen musste. Ich kehrte an meinen Tisch zurück, redete ein wenig mit meinen "Sitznachbarn" und tauschte noch ein paar Neuigkeiten mit Murphy, dem Photographen des Teams und der Tour de Suisse, aus. Kurz nach halb drei fuhr ich mit dem Shuttle-Service zurück zum Bahnhof, da sich die Veranstaltung dem Ende zuneigte. Ich verbrachte noch ein paar Stunden in Zürich, was aber aufgrund des Schneeregens keine Erfüllung war und fuhr am Abend zurück nach Berlin.

 




Gregory Rast und Martin Elmiger



Eine kleine Zusammenfassung:

Die Teampräsentation hat mir ausserordentlich gut gefallen. Trotz der Reden der Sponsoren war es im zeitlichen Rahmen, die Präsentation der einzelnen Fahrer war schön gestaltet, sodass jeder Profi gewürdigt wurde und auch das gemeinsame Mittagessen war eine sehr gute Idee. Einziger Minuspunkt waren die (unangekündigten) nicht-deutschen Vorträge, andernfalls hätte man sich bereits im Vorfeld mit Kopfhörern ausrüsten können, die die Übersetzung geliefert hätten. Auch der Umstand, dass für die anderen 20 Profis kein "Versammlungsraum" bereit stand, wo man auch Bilder von diesen Fahrern hätte machen können, war etwas ungünstig. Aber die Stimmung im Team ist super und so hoffe ich für die Gelb-Grünen, dass sie das Motto des Teams umsetzen können: "Go for it!"


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