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Saisonbilanz Discovery Channel 2006

Text von Steamboat, Februar 2007

Layout & Bildredaktion: MrsFlax

© Fotos: * www.capture-the-peloton.com, ** Mani Wollner, *** www.velo-photos.com, **** www.cyclingimages.com




Das Jahr "eins" nach Lance Armstrong sollte für den Rennstall zur Saison der Wahrheit werden. Um es exakter einzugrenzen: Die Blicke der amerikanischen Fans und der Öffentlichkeit richtete sich zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit des Teams nur auf die Tour de France (TdF) und vielleicht noch auf ein Eintagesrennen, das in den USA höchste Wertschätzung genießt: Paris -Roubaix. Das Abschneiden bei den beiden Veranstaltungen sollte zum Gradmesser der Saisonleistungen werden.



Die Ausgangssituation hatte sich grundlegend im Vergleich zu den vorigen Jahren gewandelt. Bisher musste die Formation bei der Grande Boucle "nur" dafür sorgen, dass ihr Meister und Patron regelmäßig den Olymp des Radsports, nämlich das Podium in Paris, erklimmt. Beiläufig belegten dabei einige Edeldomestiken selbst respektable Klassementplätze. Dieses Jahr änderte sich die Aufgabe dahingehend, dass jetzt einer der früheren Helfer gewinnen sollte oder – so nachsichtig wollte man denn doch sein – zumindest bei Beendigung der Tour auf dem Podium stehen. Kandidaten schien es viele dafür zu geben. George Hincapie wäre den Amerikanern wohl am liebsten gewesen. Für am meisten geeignet hielt man hingegen Yaroslav Popovych. José Azevedo hätte es aber auch sein dürfen, wenn dem Ukrainer die Bürde zu schwer sein sollte.





* George Hincapie - war die "Bürde zu schwer für ihn"?



Eine Erleichterung für die Formation schien zunächst zu sein, dass Ivan Basso, Jan Ullrich, Francisco Mancebo sowie Alexander Vinokourov vor dem Start der Grande Boucle infolge der Fuentes-Affäre ausgeschlossen wurden. Zu dieser illustren Gruppe gesellte sich noch Alejandro Valverde, der verletzungsbedingt frühzeitig ausschied. Aber auch diese enorme Erleichterung wirkte sich nicht positiv auf die Situation des Discovery-Channel-Kaders aus. Ohne Armstrong war der Auftritt in der Grande Nation nicht mal die Hälfte wert.



Ein Grund für das Versagen: Die Bürde war zu schwer. Scheiterten sie an dem enormen Druck, der auf ihnen lastete? Oder waren es unerlaubte Mittelchen, die sie sich vielleicht nicht mehr zuzuführen trauten? Man weiß es nicht, aber man kann sagen, dass sie nicht an der Straßenverkehrsordnung scheiterten, wie es am 9. April 2006 Vladimir Gusev und Leif Hoste widerfuhr.



An diesen Tag wird man sich noch lange bei Discovery Channel erinnern. Zunächst bescherte die Glücksgöttin Fortuna dem Team einen unschätzbaren Vorteil in der 'Hölle des Nordens', als sich nach den Pavées im Wald von Arenberg gar drei Fahrer des Teams in der Spitzengruppe wiederfanden, während Titelverteidiger Tom Boonen nach der Auslese von seinen Helfern separiert war. Hincapie, Gusev und Hoste schienen mit dem Rüstzeug ausgestattet zu sein, in Quick-Step-Manier das Vorderfeld zu beherrschen und zu zerlegen. Hincapies Aktien waren im Begriff zu steigen. Der Sieg beim wichtigsten Klassiker war zum Greifen nahe. Es sollte zwar noch nicht zur Formsache werden, aber er wurde bei der berüchtigten Lotterie in Nordfrankreich kalkulierbarer.





** Guennadi Mikhailov in der 'Hölle'



Der Tag ging aber als einer der schwärzesten in die Annalen des Rennstalls ein. Im Klassement ist nämlich keiner des Trios zu finden. Was war geschehen? Es lag nicht an mangelnden sportlichen Qualitäten oder an Hungerästen. Auch eine Massenkollision setzte die drei nicht außer Gefecht. Aber die Wunderwerke der Technik meinten es an diesem Tag nicht gut mit ihnen.



Zunächst erwischte es Hincapie, dessen Vorbau den Belastungen des Kopfsteinpflasters nicht stand hielt und brach. Er stürzte vom Rad und musste das Rennen beenden. Es sollte nicht sein einziger Sturz in der Saison bleiben, der ihm den Weg zu noch besseren Resultaten verwehrte. Ein Ungetüm anderen Kalibers wurde Gusev und Hoste zum Verhängnis. Die beiden schlossen sich mit Peter van Petegem zu einem Verfolgertrio zusammen, das vergeblich versuchte, dem enteilten Fabian Cancellara hinterher zu jagen. Auf der Rennstrecke nach Roubaix war auch ein Bahnübergang zu bewältigen, bei dem die Schranken heruntergelassen waren. Sie deuteten – wie jeder Fahrschüler weiß - an, dass ein Zug unmittelbar den Weg kreuzen würde. Vermutlich hatten die drei Männer aber diese Lektion in der Fahrschule geschwänzt. Sie überwanden den Übergang dennoch – und verstießen damit gegen das Regelwerk, das besagt, dass man bei gesenkten Schranken auf das Passieren des Zuges zu warten habe. Dem Reglement entsprechend wurden sie disqualifiziert. Somit wurde unerheblich, dass Hoste van Petegem auf den letzten Metern überholt hatte und Gusev zunächst Vierter wurde.



Die Erlebnisse im April und im Juli sind die zentralsten des Jahres. Sie stellen andere nennenswerte und veritable Resultate in den Schatten. Dennoch war die Saison reich an Resultaten.



Pro Tour

Bei den Tagesentscheidungen von Paris - Nizza griff Discovery Channel insofern nicht ein, als dass keine Podiumsplatzierung notiert werden konnte. Dafür platzierten sich einige Fahrer im Vorderfeld des Klassements. Zwei früheren Armstrong-Helfern gelang der Sprung in die Top Ten. Azevedo wurde Sechster, während José Luis Rubiera den neunten Platz belegte. Azevedo sollte später bei der Baskenland-Rundfahrt erneut auffallen, als er dort Zehnter wurde. Es muss an dieser Stelle noch nachgeschoben werden, dass Janez Brajkovic im Baskenland den 18. Platz belegte.





*** Unterwegs in Flandern



Bei Tirreno - Adriatico erreichte Hoste im Zeitfahren den zweiten Rang. Das reichte für den Belgier aber nicht, um sich im vorderen Teil der Abschlusswertung zu etablieren. Statt seiner vollbrachten stattdessen Paolo Savoldelli (4.), Hincapie (8.) und Tom Danielson (10.) den Einzug in die Top Ten. Alleine fünf Platzierungen unter den ersten Zehn bei zwei Rundfahrten können sich wahrlich sehen lassen und stellten einen guten Start in die PT-Saison dar.



Die Vorzeichen in Bezug auf die Klassiker im Frühjahr hätten verheißungsvoller kaum ausfallen können. Der Erwartungshaltung kamen Hoste und Hincapie für die Rennen über Kopfsteinpflaster bei der Flandern-Rundfahrt dementsprechend vorzüglich nach. Beide erreichten das Podium. Während Hincapie den Sprint der Verfolgergruppe für sich entscheiden konnte und Dritter wurde, musste sich zuvor Hoste mit dem Vorjahresgewinner und Weltmeister Boonen auseinandersetzen, mit dem er sich vor dem Valkenberg absetzte. Dass Boonen über die höhere Endschnelligkeit verfügt, war bekannt. Hoste suchte seine Chance in einem langen Sprint – und blieb zweiter Sieger. Dennoch hatte er die in ihn gesetzten Hoffnungen seit dem Rundfahrtgewinn bei "Driedaagse van de Panne-Koksijde" (2.HC) nicht enttäuscht. Hincapie legte bereits bei Gent-Wevelgem nach, wo er Fünfter werden konnte.





* Hincapie und Hoste - gut unterwegs auf Kopfsteinpflaster



Ein Wort noch zu ihm. Er hatte sich entschieden – entgegen der Meinung von Experten – den Spagat zu wagen, sowohl bei seinen Lieblingsklassikern im Frühjahr teilzunehmen, als sich auch bei der TdF an vorderster Front zu zeigen, wie er es im Vorjahr auch schaffte. Jedoch insbesondere bei der Rundfahrt nur mit ausgesprochen mäßigen Erfolg. Vielleicht wäre eine gezielte Vorbereitung effizienter gewesen und mit mehr Erfolg bedacht worden.



Bei den wallonischen Rennen gab es für das Team hingegen nichts zu holen.



Die Konzentration richtete sich danach auf die erste große Landesrundfahrt, den Giro, bei der Savoldelli seinen Titel verteidigen wollte. Zu seiner Vorbereitung gehörten nicht die Wettbewerbe in den Ardennen, wo sich drei seiner Konkurrenten (Basso, Damiano Cunego, Gilberto Simoni) einrollten. Er holte sich seinen Feinschliff bei der Tour de Romandie, deren Prolog er gewann. Nicht erst seit dem Ultra-Kurz-Prolog des Giro 2005 weiß man, dass er eine Affinität zu Mini-Zeitfahren hegt. Eine Magenverstimmung verhinderte jedoch, dass er die Tour beendete. Dafür erreichte Hoste beim Einzelzeitfahren den zweiten Etappenplatz. Jürgen van den Broek belegte übrigens als Teambester den 20. Rang in der Schweiz.






*** Bei der Tour de ...
Jurgen van den Broek



... Suisse im Einsatz:
Matthew White



Jene Erkrankung des 'Falken' sorgte auch dafür, dass eine Titelverteidigung beim Giro zur Utopie zu verkommen schien. Für das Unterfangen war ihm allerdings starke Unterstützung zugesagt und aufgeboten worden. Danielson schien sogar aufgestellt worden zu sein, um im Zweifelsfall selber die Kapitänsrolle ausüben zu können. Als Edeldomestiken wurden Rubiera und Manuel Beltrán nominiert. Dazu kamen Jason McCartney, Matthew White, Vjatcheslav Jekimov, Benoît Joachim und Pavel Padrnos.



Savoldelli strafte bereits beim Prolog die Skeptiker Lügen. Er torpedierte förmlich die bis dahin bestehende Bestzeit von Bradley McGee und sorgte gleich dafür, dass das rosa Trikot umgehend im Lager von Discovery auftauchte. Er begann den Giro dort, wo er ihn im Vorjahr verlassen hatte.






*** Fotos...
Tom
Danielson



... vom...
Jason
McCartney



...Giro-Prolog:
Pavel
Padrnos



Benoît
Joachim



Matthew
White



Vjatcheslav
Ekimov



Auf der dritten Etappe nach Namur löste sich Rubiera gemeinsam mit Stefan Schumacher aus einer Spitzengruppe, um die Zitadelle in Angriff zu nehmen. Er konnte aber dem couragierten Antritt des Deutschen jedoch nichts entgegensetzen und nahm mit dem zweiten Rang vorlieb.






*** Da isser:



der Prolog-...



... Sieg!



Beim Mannschaftszeitfahren musste damit gerechnet werden, dass Savoldelli sich das Leadertrikot nach kurzzeitigem Verlust zurückholen würde. Eigentlich schien der Equipe nur CSC gefährlich werden zu können. Am Ende der Fahrt zwischen Piacenza und Cremona war man jedoch froh, den dritten Platz knapp vor Liquigas erreicht zu haben. Auf CSC verlor man 42 Sekunden und T-Mobile war auch schneller. Im ersten Jahr nach dem Abtritt von Armstrong schienen Siege in dieser Disziplin keine Selbstverständlichkeit mehr zu sein. Der 'Falke' besaß demnach zwar einigen Vorsprung besonders gegenüber Cunego und Simoni, lag aber hinter Basso.





*** ... doch dann wurde das Maskottchen irgendwann "in gute Hände (?) abgegeben"



Bei der siebten Etappe nach Saltara gelang es ihm aber, den Rückstand auf Basso in einen minimalen Vorsprung umzumünzen, da er sich an dem Anstieg etwas aus der Favoritengruppe absetzen konnte und Zweiter wurde. Bei der Folgeetappe revanchierte sich der Fahrer von CSC mit einer Lektion bei der Bergankunft auf dem Passo Lanciano, als er 2:20 Minuten gegenüber Savoldelli herausholte, der dadurch auf den vierten Rang der Gesamtwertung zurückfiel. Der 'Falke' mühte sich zwar, den Anschluss nicht zu verlieren. Erschwert wurden seine Bestrebungen jedoch durch eine Pollenallergie. Auch Simoni und Cunego schlugen aus seinen Leiden Kapital und zogen an ihm vorbei. Er belegte am Ende den fünften Rang, während Rubiera sich auf dem 13. Gesamtplatz einpendelte. Danielson war zuvor schon ausgestiegen.



Parallel zum Giro fand die Volta a Catalunya statt. Da sich die Teamspitzen beim Giro versammelt hatten, ging Discovery Channel mit einer B-Auswahl an den Start. Von diesem Kader vermochte aber Brajkovic beim Prolog zu gefallen. Er belegte ferner den dritten Rang bei der dritten Etappe. Im Abschlussklassement rangierte er auf einem bemerkenswerten fünften Rang.



Die Dauphine Libéré zählt sicherlich zu den Lieblingsrennen der amerikanischen Equipe. Hier feierte sie traditionell viele Erfolge in der Vergangenheit und lief zu Höchstform auf. Davon durfte sich die Konkurrenz beim Aufgalopp, dem Prolog, überzeugen, als der wieder genesene Hincapie den zweiten Platz belegte. Am Folgetag, der ersten Etappe, gehörte Egoi Martínez zu einer Fluchtgruppe, die sich erst wenige Kilometer vor dem Ziel bildete. Ihm blieb der dritte Rang. Anders als in den Vorjahren dominierten und kontrollierten sie das Rennen aber nicht. Hincapie belegte am Ende der Rundfahrt den zehnten Platz, während Azevedo auf den vierten Platz kam.





*** Bei der Tour de Suisse am Start:
Trent Lowe



Jurgen van Goolen



Die Delegation, die nahezu zeitgleich bei der Tour de Suisse startete, war nicht ebenbürtig besetzt. Deshalb waren die Erwartungen an diese Truppe nicht so hoch. Solche Voraussetzungen sind meist für die Fahrer förderlich, die sich weniger an strikte taktische Vorgaben halten müssen und sich damit Fluchtgruppen bedenkenlos anschließen können. Jurgen van Goolen ergriff diese Chance bei der fünften Etappe. Er schloss sich einem Sextett an, das über 130 km Ausreißversuch zu einem Duett zusammenschmolz. In diesem hatte er aber nicht das Glück an seiner Seite, da sich Mitausreißer Steve Morabito den Erfolg vor ihm sicherte. Im Klassement freute sich später Brajkovic über einen starken fünften Platz, während Beltrán Zwanzigster wurde.



Beim Mannschaftszeitfahren in Eindhoven ging Discovery mit folgender Besetzung an den Start: Gusev, Hincapie, Hoste, Martínez sowie Michael Barry, Stijn Devolder, Vjatcheslav Jekimov und Joachim. Diese Aufstellung zeigt, dass das Interesse an einem Erfolg gering war, da einige stärkere Zeitfahrer sich auf den Saisonhöhepunkt vorbereiteten. Dennoch erreichte diese Delegation den zweiten Rang.



Die TdF stellte für Discovery Channel, wie eingangs erwähnt, aus bekannten Gründen eine große Besonderheit dar. Wer die Rolle des Kapitäns letztlich ausübte, sollte sich erst aus dem Rennverlauf ergeben. Allerdings galten Popovych, Hincapie und Azevedo diesbezüglich als erste Wahl, aber auch Savoldelli oder Rubiera konnten sich Chancen ausrechnen.



Hincapie unterstrich seine Ambitionen mit dem zweiten Rang beim Prolog. Nach der ersten Etappe zierte gar das gelbe Trikot seine Schultern. Bei einem Zwischensprint gelang es ihm, dem Führenden Thor Hushovd Zeit abzunehmen. Damit war er das erste Teammitglied, das nach dem Rücktritt von Armstrong die Führung bei der Tour übernahm. Das sollte sich aber schnell ändern.



Hinter den Erwartungen blieb die Formation schon beim Einzelzeitfahren zwischen Saint Grégoire und Rennes zurück. Keiner der Fahrer, die fast ausnahmslos als durchweg starke Rouleure gelten, erreichte einen Platz unter den ersten Fünf. Ob dieser Ergebnislage verwundert, schossen Spekulationen aus dem Boden, dass vergangenen Erfolgen des Teams in Form von unerlaubten Hilfsmitteln nachgeholfen wurde. Eine Equipe, die in der Vergangenheit die Saisonbestleistung stets bei der Tour abrufen konnte, sollte ausgerechnet bei der diesjährigen Austragung nicht annährend in der Lage sein, mit der Spitze mithalten zu können? Man sollte mit voreiligen Schlüssen vorsichtig sein. Möglicherweise fehlte der Tourpatron Armstrong dem Team als Kopf mehr, als man annehmen möchte. Die Stiefel, die der Texaner Popovych hinterlassen hat, sind diesem mehrere Nummern zu groß. Und diese Erkenntnis wurde 2006 nicht erst bei der Grande Boucle offenkundig, nur wollte man das vorab womöglich wegen mangelnder Alternativen nicht wahr haben.





* Egoi Martínez im TdF-Einsatz



Die nächste Enttäuschung folgte bei der ersten Bergankunft. Keiner der Fahrer, denen die Leistung zugetraut wurde, in die Entscheidung der Rundfahrt einzugreifen, stritt um den Tagessieg mit. Bereits nach der zehnten Etappe war klar, dass Discovery Channel den Gesamtsieger nicht stellen würde. Dieser Umstand sorgte für Zornesröte bei Teammanager Johan Bruyneel, die sich besonders in Richtung Popovych entlud. Der Ukrainer betrieb durch den Tagessieg bei der elften Etappe Schadensbegrenzung, als er bei einem der beiden Überführungsabschnitte zwischen den Pyrenäen und den Alpen, lange Zeit einem Führungsquartett angehörend, auf dem Weg von Luchon nach Carcassonne dem Ziel entgegen fuhr. Zum Ende der Etappe sprang er aus dieser Gruppe weg und gewann.



Sein Höhenflug war jedoch nur von kurzer Dauer. Auf dem Weg nach Alpe d'Huez verlor er wiederum einige Plätze im Klassement. Erneut waren weder er noch Azevedo oder Hincapie in der Lage, mit der Spitzengruppe mitzuhalten. Selbst ein Top-Ten-Platz wurde unerreichbar. Nach vielen glanzvollen Jahren bei der 'Großen Schleife' blieb dieses Mal nur die Statistenrolle. Spekulationen, dass sich die Teamleitung umorientierte und einen Leader von außerhalb suchte, müssen als verständlich angesehen werden. Ein aus sportlicher Sicht miserables Resultat, das mit Azevedo auf Rang 19 als Bestem endete, schrie nach Konsequenzen. Discovery Channel war bei der TdF nur noch ein Schatten vergangener Tage.






* Deutschland-
Gusev in gelb



Tour:
Die Wertungstrikots



Bei der Deutschland-Rundfahrt stand Rehabilitation auf dem Programm. Gusev beruhigte die Verantwortlichen früh, als er beim Prolog in Düsseldorf den Sieg schaffte. Weitere Platzierungen auf dem Tagespodium wurden nicht erzielt. Gusev belegte den vierten Platz im Gesamtklassement, womit ein akzeptables Resultat gelang. Stallgefährte Devolder rundete eine gute Vorstellung des Rennstalls mit dem achten Rang ab.



Bei der Klasika San Sebastian zeigte Hincapie seine Vielfalt. Die Berge im Baskenland hatten dem endschnellen Fahrer nicht so sehr zugesetzt, als dass er vor dem Ziel abgeschüttelt werden konnte. Allerdings schien ihm das Ausspielen seiner Sprintstärken auf Grund der Anstrengungen nicht mehr möglich, so dass er sich zwangsläufig mit dem neunten Platz zufrieden gab.






** Bei der...
George Hincapie



...'ENECO':
Leif Hoste



Bei der ENECO Tour Benelux gelang ihm fast ein Auftakt nach Maß. Beim Prolog belegte er den zweiten Rang. Mit noch mehr Fortune war er beim Zeitfahren ausgestattet. Um Sekundenbruchteile gewann er dieses vor Vincenzo Nibali und übernahm damit auch die Führung im Klassement. Diese verteidigte er buchstäblich bis zum letzten Meter dieser Rundfahrt, dann kam ihm der schärfste Gegner in der Gesamtwertung, Schumacher, nicht nur metaphorisch in die Quere. Der Deutsche wich Zuschauern aus, die sich zu weit über die Absperrung lehnten und ihn dadurch behinderten. Durch dieses Manöver kam allerdings Hincapie zu Fall und der Gerolsteiner-Fahrer gewann die Rundfahrt. Die Verärgerung des Amerikaners war nachvollziehbar, allerdings konnte Schumacher nichts für das Malheur, das damit auch den möglichen PT-Sieg eines Discovery-Channel-Mitglieds vereitelte.





* Die Freude währte nicht bis zum Ende...



Nebenbei schaffte der Niederländer Max van Heeswijk ein respektables Resultat. Er sollte der endschnelle Mann für die Sprintankünfte dieser Rundfahrt sein. Ihm glückte bei der dritten Etappe der zweite Rang. Volodymyr Bileka wurde in der Gesamtwertung übrigens Zwanzigster.



Beim GP Ouest-France-Plouay suchte Popovych seine Chance für die Jahreskosmetik. Dass er sich nun gerade diesen Klassiker für die Wiedergutmachung aussuchte, hätte man wohl vorab weniger angenommen. Aber er hielt sich in der Spitzengruppe und musste erst auf den letzten Metern Federn lassen. Schließlich belegte er den vierten Rang, als ihn die sprintstärkeren Fahrer abhängten.



Brajkovic hielt bei der ersten Bergankunft der Vuelta a España mit dem Tagessieger Danilo Di Luca an der Skistation Estación de Esquí La Covatilla mit. Er ließ zwar auf den letzten Metern den Italiener ziehen, behauptete aber den zweiten Platz und gelangte dadurch in aussichtsreiche Position in der Gesamtwertung.



Nach der siebten Etappe, die von Leon zum Alto de El Morredero führte, eroberte der Slowene die Gesamtführung. Er wurde zwar nur Tagesvierter, dennoch reichte diese Platzierung, da Di Luca mit dem Ausgang des Abschnitts nichts zu tun hatte. Wie lange die Regentschaft andauern würde, ließ sich leicht vorhersagen, da Valverde nicht nur die Etappe gewonnen hatte und an den Fahrer von Discovery Channel bedrohlich nahe heranrückte. Letztlich musste Brajkovic schon kurz danach das Trikot abgeben und hatte fortan mit dem Ausgang des Rennens nichts mehr zu tun.






* Die...
Tom Danielson



...Vuelta- ...
Egoi Martínez



... Beteiligten:
Manuel Beltrán



Für Akzente sorgten im Team nun andere. Martínez, der eigentlich nur nach dem Sieg in der Bergwertung strebte, sicherte sich den Tagessieg bei der elften Etappe von Torrevalega nach Burgos, als er einer 13-köpfigen Ausreißergruppe angehörte. Zum Schluss blieb ein Trio übrig, aus dem sich der Baske löste und als Solist den Sieg schaffte.





* Etappensieg für Martínez



Danielson gewann die 18. Etappe von Granada nach Sierra de la Pandera. Gemeinsam mit Vinokourov radelte er dem Ziel in Granada entgegen. Vino wusste, dass er nach diesem Abschnitt Führender im Klassement wäre und somit überließ er dem Amerikaner den Tageserfolg.



Rückblickend betrachtet, rehabilitierte sich Discovery Channel zumindest im Mannschaftsergebnis für die miserable Tour de France. Danielson belegte den sechsten Rang, während Beltrán den neunten Rang erreichte. Devolder rundete das gute Teamresultat als Elfter ab. Die Teamwertung ging an den Rennstall. Aber auch die Bergwertung wurde von einem Fahrer der Equipe gewonnen. Martínez, der nebenbei auch den zwölften Rang erreichte, sicherte sich den Sieg in dieser Sonderwertung.



Van Heeswijk scheute den Vergleich mit den Sprintern in Spanien. Dafür entschied er die erste Etappe der parallel zur Vuelta stattfindenden Polen-Tour für sich, als er sich bei einer Massenankunft durchsetzte. Beim fünften Abschnitt war er wieder der schnellste Sprinter, aber ein Ausreißerduo hatte sich bereits ins Ziel gerettet, so dass er nur Dritter wurde.



Zur Abrundung der Saison standen die Herbstklassiker auf dem Kalender. Die beste Formation entsandte das Team nicht, dennoch gelang Gusev ein respektabler achter Rang bei der Züri-Metzgete, während Devolder immerhin auf den 17. Platz kam. Keine Punkte nahm Gusev aus Tours mit, wo er beim französischen Herbstklassiker Paris - Tours den elften Platz belegte. Auch bei der Lombardei-Rundfahrt ging er als Fünfzehnter leer aus.



Outside Pro Tour

Die Fahrer von Discovery Channel sind als Saison-Schnellstarter bekannt. Ansonsten wären gute Leistungen bei den belgischen Frühjahrsklassikern kaum möglich. 2006 schienen die Akteure aber zu warten, bis an der heimischen Westküste die Tour of California (2.1) ausgetragen wurde. Hincapie blieb es vorbehalten, den ersten Etappensieg des Jahres in San José zu erringen. In Santa Barbara vollendete er die glänzende Teamarbeit gar mit einem zweiten Etappensieg. Zudem erreichte er den dritten Platz beim Prolog.





**** Paolo? Alles klar?!?



Eine weitere Rundfahrt in den USA sollte auch zu einem Fixpunkt werden. Bei der zweiten Etappe der Tour of Georgia (2.HC) verschaffte sich Popovych durch einen Sieg und später mit einen dritten Etappenrang Gehör. Beim Einzelzeitfahren wies Danielson eine starke Form durch den zweiten Rang nach und legte bei der Bergankunft mit einem Etappensieg nach. Popovych wurde bei diesem Tagesabschnitt Dritter. Letztlich erbrachte der sehr aktive Einsatz der Discovery-Fahrer nicht den erhofften Ertrag. Die Gesamtwertung sicherte sich Floyd Landis, während Danielson und Popovych auf den Plätzen folgten. Brajkovic komplettierte ein gutes Mannschaftsergebnis als Fünfter.



Bereits bei der Vuelta a Castilla-Leon (2.1) setzte Popovych eine Duftmarke. Er errang den Etappensieg beim Bergzeitfahren vor McCartney. Den zweiten Etappenplatz bei dieser Tour holte sich Beltrán, während Martínez beim Auftaktabschnitt Dritter wurde. Folglich bewegten sich einige Teammitglieder in den vorderen Regionen der Gesamtwertung: Dritter wurde Beltrán vor Martínez und Azevedo.






** Roger Hammond ...



... beim "Omloop Het Volk"



Natürlich gab es bis dahin schon weitere gute Ergebnisse zu verzeichnen. Besonders die kleinen Rundfahrten in Spanien hatten es der Equipe angetan. Roger Hammond belegte bei einer Etappe der Andalusien-Rundfahrt (2.1) den dritten Rang.



Als erster mit einem nennenswerten Resultat bei den Frühjahrsrennen in Belgien verschaffte sich Hoste Gehör, der bei Kuurne-Bruxelles-Kuurne (1.1) den zweiten Platz belegte. In der heißen Phase der "Ronde" präsentierte er sich zudem bei der ersten Etappe der Driedaagse van de Panne-Koksijde (2.HC) von seiner Schokoladenseite, die er zu seinen Gunsten entschied.






** Bei "Dwars...
Hammond



... door Vlaanderen":
van Heeswijk



Beim abschließenden Zeitfahren dieser renommierten Rundfahrt in Belgien belegte Hincapie den zweiten und Devolder den dritten Rang. Diese Ergebnisse komplettierten einen dreifachen Triumph, da Hoste das Zeitfahren gewann und damit gleichzeitig im Endklassement den ersten Rang einnahm. Angesichts dieser Ergebnisse lehrte die Delegation von Discovery Channel schon vor der Flandern-Rundfahrt ihre Gegnern das Fürchten und bestätigte dort ihre Leistung.





* Mmmmhhh...



Max van Heeswijk



Van Heeswijk gehörten ebenfalls positive Schlagzeilen. Bei der Auftaktetappe der Tour of Belgique (2.1) freute er sich über den dritten Rang. Im Sprint konnte er Boonen allerdings kein Paroli bieten. Es folgten noch drei zweite Etappenplätze. Entweder war Boonen vor ihm über die Ziellinie gerollt oder Geert Steegmans entwischte ihm. Im Klassement wurde er Dritter. Beim Zeitfahren gab es für die Equipe einen Dreifacherfolg zu verbuchen. Devolder siegte vor Hoste und van den Broek.



Er versuchte bei Veenendaal-Veenendaal (1.HC) abermals vergeblich, an Boonen vorbei zu kommen, als das Rennen im Sprint entschieden wurde und ihm als Lokalmatador nur der dritte Platz blieb.



Danielson gewann die Österreich-Rundfahrt (2.1). Mit einigen guten Tagesplatzierungen beendete er die Rundfahrt sieglos. Der Erfolg wurde u.a. durch einen dritten Rang im Einzelzeitfahren sowie durch den zweiten Rang bei der Bergankunft auf dem Kitzbüheler Horn (3. Etappe) möglich. Damit kam das Team doch traditionell im Juli zu einem Gesamtsieg einer Rundfahrt, bei der die Strecke teilweise durch die Alpen führt. Der Schönheitsfehler daran: Diese Tour fand nicht in Frankreich sondern in Österreich statt.



Die Sachsen-Tour (2.1) entwickelte sich zur Triumphtour. Es war bereits die zweite Rundfahrt im Juli, die gewonnen wurde. Wie in Österreich blieb das Team einen Etappensieg schuldig. Gusev erreichte immerhin den zweiten Tagesplatz bei der vierten Etappe (Einzelzeitfahren). Beim Auftakt konnte Barry den dritten Rang davon tragen. Mit der identischen Platzierung endete für ihn diese Rundfahrt. Er durfte auf dem Treppchen seinem Teamkollegen Gusev zum Sieg der Tour gratulieren. Somit war die Fahrweise des Teams auch in Sachsen recht ökonomisch und ergiebig.





* Gusev in angenehmer Gesellschaft



Bei der Tour of Britain (2.1) gewann Hammond eine Etappe in der Heimat mittels einer Sprintentscheidung. Dennoch war man mit seinen Leistungen während seiner Zeit beim Team nicht immer glücklich, weshalb zu diesem Zeitpunkt auch die Trennung von ihm bekannt gegeben wurde. Davon ließ er sich aber nicht entmutigen und errang bei der letzten Etappe noch einen zweiten Rang, als die Entscheidung wieder in einem Sprint fiel.



Beim Saisonausklang in Japan beendete Gusev das Rennen zwar auf dem Podium, aber er musste beim Japan-Cup (1.1) akzeptieren, dass zwei Kontrahenten schneller waren.



Nationale Meisterschaften



* Zufrieden?
Benoît Joachim

Nationale Titelgewinne gab es mehrere zu vermelden. Der Japaner Fumy Beppu wurde Titelträger im heimischen Japan, da er im Kampf gegen die Uhr der schnellste Teilnehmer im Land der aufgehenden Sonne war. Bileka belegte in seiner ukrainischen Heimat den dritten Rang in der gleichen Disziplin. Auch Joachim feierte einen Sieg im Einzelzeitfahren in Luxemburg. Das war für ihn, der meist im Schatten seiner Teamkollegen steht, wohl das persönliche Highlight für 2006. Den Sieg im Zeitfahren in seiner belgischen Heimat ließ sich relativ unangefochten Hoste nicht entgehen. Er hielt seine Konkurrenz auf Distanz und gewann recht überlegen.



Ein anderer Fahrer, der sich ebenfalls eher in den Dienst seiner Kameraden stellt, versuchte sein Glück bei den britischen Straßenmeisterschaften. Hammond blieb aber nur der zweite Rang, nachdem er im Finish Hamish Haynes unterlag.



Hincapie hatte zwar 2006 öfters Pech, aber bei den US-Titelkämpfen behielt er die Oberhand. Als Solist erreichte er nach 194,6 km bei den Straßenmeisterschaften das Ziel. Damit darf er in der kommenden Saison das Meistertrikot tragen. McCartney belegte beim Zeitfahren den dritten Rang.



Zwischen die Speichen gesehen…

Es ist wohl keine Statistik vonnöten, um die Saison von Discovery Channel zu analysieren. Da das Hauptziel, nämlich der TdF-Sieg nicht erreicht wurde, kann man zu dem Fazit kommen, dass dieses Jahr für die Equipe von Bruyneel ein verlorenes Jahr war. So jedenfalls könnten die Kommentare aus den USA lauten, für die das Abschneiden bei der Großen Schleife maßgeblich für die Beurteilung einer Saison – zumindest in Bezug auf die europäischen Rennen – ist. Auch der Trostpreis in Form des Pflastersteins ging nicht an Discovery Channel.





**** Zwischen die Speichen gesehen...



Sich an dieser Stelle über die Wahrnehmung auf einem anderen Kontinent auszulassen, wäre fehl am Platze, dennoch stimmt die Beurteilung im Kern. Trotz der Demissionen der vermeintlichen Favoriten spielte kein Fahrer der Equipe bei der Tour eine Rolle. Auf dem 18. Rang ist Azevedo als Erster der Mannschaft zu finden. Bei früheren Austragungen belegten ein Helfer oder mehrere Edeldomestiken von Armstrong, die sich nur dem Sekundieren des Texaners zu widmen hatten, bessere Gesamtplatzierungen, da zweifelt man schon, ob jetzt, da sie nicht mehr den klar umrissenen Helferjob haben, das Radfahren verlernt haben. Jedenfalls war keiner den Ansprüchen, die an ihn gestellt wurden, gewachsen. Auf der Position des Leaders bestand Handlungsbedarf, so viel stand fest, wollte man nicht Gefahr laufen, erneut vorgeführt zu werden.



Dass man keinen PT-Klassiker und keine PT-Rundfahrt gewann, verkommt zur Nebensache angesichts der Resultate bei der Tour de France. Dass man Vierter in der PT Teamwertung wurde, spielt auch nur eine unbedeutende Rolle, wenn man amerikanisch denkt. Die PT ist im Kern eine europäische Angelegenheit, die zudem auch nur in Europa statt fand, lautet vermutlich die allgemeine Auffassung von der PT-Rennserie auf der anderen Seite des Atlantiks.






** Die Bewohner der 'Neuen Welt'...



... beim TTT in
Eindhoven



Als Bewohner der 'alten Welt' kann man sich dieser Meinung nicht uneingeschränkt anschließen, sondern besieht sich die Ergebnislage genauer. Gemessen an der Teamwertung der Rennserie war Discovery Channel die zweitbeste Mannschaft. Obwohl man einige gute Ergebnisse bei den Klassikern erzielte, reichte das Abschneiden nur für einen elften Platz.





* ITT der D-Tour:
Jason McCartney



Michael Barry



Stijn Devolder



Aussagekräftiger sind da wohl die gesammelten Punkte der Fahrer in der Einzelwertung: 568. Nur eine Equipe sammelte mehr. Diese hohe Punktzahl begründet sich in den hervorragenden Top-Ten-Platzierungen bei mehreren PT-Veranstaltungen, besonders bei der Flandern-Rundfahrt und der ENECO-Tour, wo man Podestergebnisse einfuhr. Außerdem wurden acht PT-Etappen zu Gunsten des Teams entschieden, wobei die Hälfte bei GTs zustande kam. Zudem gehört man zum Kreis der Teams, die 2006 bei jeder dreiwöchigen Rundfahrt mindestens eine Etappe gewannen (CSC, Quick Step, Ag2r Prévoyance).



Obwohl man in der Equipe ein Reservoir an guten Eintagesfahrern beschäftigte – wie z.B. Hincapie, Hoste oder van Heeswijk - blieb die Mannschaft ohne Sieg in diesem Segment. Die Klassementfahrer kamen eher zu ihrem Recht, wie drei Siege beweisen. Ihre Dominanz wird beim Blick auf die Resultate bei den PT-Rundfahrten noch deutlicher. Bei 11 der 13 Etappenrennen fuhr mindestens ein Fahrer im Klassement in die PT-Punkteränge. In sieben Abschlusswertungen dieser Rundfahrten finden sich gar mehrere Fahrer auf diesen Plätzen. Insgesamt lassen sich 20 PT-Platzierungen bei den Rundfahrten nachweisen. Im Vergleich soll dazu die Ausbeute bei den Klassikern betrachtet werden. Es gab sechs Platzierungen bei fünf PT-Klassikern.



Man hat 20 Saisonsiege gefeiert. Somit erwarb man sich den Ruf von Etappenjägern, da 17 Erfolge nach Tagesabschnitten zustande kamen. Die Siege verteilten sich von der Anzahl her fast gleichmäßig auf zehn Fahrer. Lediglich Hoste und Hincapie schafften es je drei Mal auf das oberste Treppchen.



Einige Akteure haben sich in der Saison mit guten Resultaten bemerkbar gemacht. So sollte man künftig den Fokus auf Danielson, Brajkovic und Devolder lenken. Aber auch Martínez wusste bei Discovery Channel zu gefallen. Schwächen waren jedoch besonders im Sprintbereich festzustellen.



Am erfolgreichsten, nimmt man die PT-Einzelwertung als Maßstab, war Hincapie, der Fünfzehnter in dieser Wertung wurde. Savoldelli folgt auf Grund einiger guter Rundfahrtresultate auf dem 28. Platz. Bei der Tour konnte er der Equipe aber keinen Impuls geben. 46. wurde Azevedo, schon auf Platz 48 ist Brajkovic zu finden. Den beiden folgt Danielson als 56. Das Gedrängel in dieser Tabellenregion komplettiert Hoste als 58. Gusev verfehlte diesen Bereich als 68. knapp.



Aber es folgt noch ein Quartett, das zu den besten 100 Fahrern zu zählen ist. Popovych erfüllte die in ihn gesetzten Erwartungen als 83. nicht. Devolder wurde 90, während sich zwei Spanier jeweils auf dem 97. Rang eingefunden haben. Es sind Beltrán und Martínez. Elf der vierzehn platzierten Fahrer schoben sich also unter die ersten Hundert. Das hat sonst keiner der Konkurrenzrennställe geschafft. Aber wer wurde in die eigenen Top Acht aufgenommen?



Top Acht

Hincapie – Hoste – Savoldelli – Danielson – Azevedo – Brajkovic – Gusev – Popovych





*** Am Ende nicht auf dem Treppchen: Savoldelli beim Giro



1. Hincapie: Er wurde nicht zum Nachfolger Armstrongs bei der Tour de France. Sein Programm im Frühjahr, so Fachleute, vereitelte eine plangemäße Vorbereitung auf die Tour. Er war auch ein wenig Pechvogel der Saison. Bei Paris-Roubaix stürzte er und musste ausscheiden, den Sieg bei der Tour de Benelux vor Augen fiel er erneut vom Rad. Dennoch wusste der amerikanische Meister im Zeitfahren durch seinen dritten Rang in Flandern neben dem achten Rang bei Tirreno-Adriatico und dem zehnten bei der Dauphine zu gefallen.

2. Hoste: Zweiter im Zeitfahren bei Tirreno - Adriatico, Zweiter bei der Flandern-Rundfahrt und Zweiter bei Paris - Roubaix, wenngleich dort hernach disqualifiziert. Dennoch eine starke Saison, die er mit der belgischen Zeitfahrmeisterschaft und dem Rundfahrtssieg bei De Panne krönte.

3. Savoldelli: Der Titelverteidiger des Giro wurde Fünfter, gewann aber eine Etappe und holte den vierten Rang bei Tirreno - Adriatico. Aber eine Topsaison zeigte er nicht.

4. Danielson: Ein Etappensieg bei der Vuelta, dazu der sechste Platz im Klassement. Es kommen der zehnte Rang bei Tirreno - Adriatico sowie der Gesamtsieg bei der Österreich-Rundfahrt dazu. Mal sehen, was bei der Tour 2007 geht.





* Yaroslav Popovych



5. Azevedo: Der Portugiese landete bei vier Rundfahrten in den PT-Punkterängen. Er war bestes Teammitglied bei der Tour als 19. Davor gab es den vierten Platz bei der Dauphine, Platz sechs bei Paris - Nizza und den zehnten Rang bei der Baskenland-Rundfahrt. Das Sahnehäubchen fehlt leider.

6. Brajkovic: Vorübergehend Träger des goldenen Trikots bei der Vuelta sowie der fünfte Rang bei der Tour de Suisse. Darauf lässt sich aufbauen.

7. Gusev: Er sorgte bei Klassikern und Rundfahrten für gute und vordere Ergebnisse, ohne dass ihm der ganz große Wurf gelungen wäre. Zumindest bei der Deutschland-Tour wurde er einmal Tagessieger.

8. Popovych: Der Ukrainer konnte nicht an die Leistungen der Vergangenheit anschließen. Dass seine Saison nicht zum Waterloo wurde, dafür sorgte der Etappensieg bei der Tour und der vierte Rang beim GP Ouest-Plouay – vom heißesten Anwärter auf den Thron Armstrongs hatte man aber mehr erwartet.



Keine Aufnahme in die Top Acht fanden

Martínez: Es waren acht andere Fahrer der Equipe besser.

Devolder: Er hätte es auch verdient gehabt.

Rubiera: Er platzierte sich bei den PTs sehr unauffällig aber effektiv,um PT-Zähler zu sammeln.

van Heeswijk: Ihm gelang kein wirklich tolles Ergebnis. Blieb 2006 ohne Sieg.



Ausblick

Die Zeit wurde reif für Veränderungen. Viele Fahrer, die das Team auf höchster Ebene zuletzt nicht vorwärts brachten, wurden abgegeben. Zu diesem Kreis zählen van Heeswijk, Joachim, Guennadi Mikahilov und Hammond.



Hoste hätte man gerne gehalten, aber der zog es vor, in seine Heimat zu Predictor-Lotto zu wechseln. Mit ihm verlor man einen Fahrer, der auf Kopfsteinpflaster exzellent zurecht kam und eine taktische Variante bedeutete, wenngleich er damit seine Teamgefährten nicht immer glücklich stimmte. Es sei daran erinnert, dass Hincapie über die Eigensinnigkeit von Hoste in Flandern etwas verärgert war. Mit Hoste ging auch van den Broek zur Nachfolgemannschaft von Davitamon-Lotto.





Abgänge:
* Manuel Beltrán



**** Paolo Savoldelli



*** Max van Heeswijk



Savoldelli kehrte der Equipe ebenfalls den Rücken. Er, der bei der Tour ein wichtiger Helfer war, schloss sich Astana an. Zwei andere Mitglieder der ersten GT-Formation gingen ebenfalls von Bord. Beltrán fährt künftig für Liquigas, während Azevedo offensichtlich alles eine Nummer kleiner haben möchte und als Kapitän beim neuen Professional Team Benfica aus Portugal anheuerte. Barry, ein Arbeitstier, ging zu T-Mobile, während Vjatcheslav Ekimow als Helfer dem Team erhalten bleibt, allerdings wechselte er vom Fahrrad auf den Posten des assistierenden Sportdirektors.



Selbstverständlich folgte eine Blutauffrischung. Alberto Contador und Sergio Paulinho schlossen sich der Truppe an und werden ihren Fokus auf Tour und Vuelta richten. Bei der GT in Spanien könnte Contador im Bedarfsfall als Kapitän fungieren.



Als neuer Kopf für die Tour de France war zunächst Levy Leipheimer eingeplant, der von Gerolsteiner zum Team von Bruyneel wechselte, dem er schon mal angehört hatte. Der Amerikaner war in Frankreich 2006 zwar nicht über alle Maßen erfolgreich und sicherlich nicht über alle Zweifel erhaben, aber er schnitt besser als die Gesandtschaft von Discovery Channel ab.



Dann folgte aber die Verpflichtung, die das Blut für einen Moment durchaus in den Adern gefrieren lässt. Ivan Basso, der offensichtlich in die Affäre um den Dopingarzt Fuentes verstrickt ist, wurde gegen den Ehrenkodex der PT Teams geholt. Mit diesem Kodex verpflichteten sich die Mannschaften, keinen der verdächtigten Akteure aus dem Fuentes-Skandal zu beschäftigen. Aber davon unbeeindruckt hat man den sportlichen Perspektiven wohl Vorrang gegeben.



Da man für die Saison 2008 einen neuen Hauptsponsor braucht, sind Siege notwendig. Basso, einem Freund von Armstrong, kann man zutrauen, die Rolle des Kapitäns zu übernehmen. Er wäre Topfavorit bei der Tour de France, sofern er von der nicht zur persona non grata erklärt wird. Dieses Vorgehen ist nicht als unwahrscheinlich anzunehmen. Dass es im Fall Basso nicht zur Anklage in Italien kam, reichte den Verantwortlichen von Discovery Channel schon aus, dem Fahrer einen Vertrag zu geben, ohne den Verlauf der Entwicklungen abzuwarten.



Man muss dem Manager Kaltblütigkeit unterstellen. Geschäftliche Interessen stehen über ethischen. Aber welchen aufmerksamen Betrachter wundert es bei der Mannschaft? Wie viel oder wie wenig man von Regeln hält, weiß man z.B. seit 2004, als Armstrong einen Tagessieg von Andreas Klöden verhinderte. Er missachtete das ungeschriebene Gesetz, anderen Fahrern Siege zu ermöglichen, wenn das Führungstrikot nicht in Gefahr ist. Er selbst forderte einst die Einhaltung solcher ehrbarer Regularien ein, verstieß aber selbst mehrfach dagegen. Da kann man auch das Beispiel Filippo Simeoni anfügen. Armstrong zieht selbst immer noch Fäden bei der Truppe und Bruyneel ist seit vielen Jahren Manager des Rennstalls. Man hat sich eine Geschichte des Rulebreaking, wie die Wrestler sagen, aufgebaut. Und so sind auch die Verpflichtungen von Basso sowie Allan Davis zu verstehen. Der australische Sprinter steht genauso unter Verdacht, Patient von Fuentes gewesen zu sein.





Umstrittene Zugänge:
* Ivan Basso



* Allan Davis



Einen Ausschluss aus der ICPT hätte man vermutlich ignoriert. Die Abstimmung erbrachte, dass man Discovery Channel trotz des Verstoßes weiter im Kreis der Interessenvertretung der PT Teams haben möchte.



Basso wird wohl in jedem Fall Discovery Channel beim Giro vorstehen. In Italien geht man scheinbar nämlich großzügiger mit der Affäre um. Schließlich fahren in den Reihen von Acqua & Sapone und Tinkoff, zwei Mannschaften, die eine Wild Card bekamen, weitere Patienten von Fuentes.



Selbst Mannschaftsmitglieder zeigten sich über den Transfer von Basso verwundert. Leipheimer, vermutlich auf eigene sportliche Ambitionen bei der Tour bedacht, äußerte sich entsprechend. Er nahm an, dass er der Kapitän für die Tour sein sollte. Hincapie kritisierte ebenso die Verpflichtung, ohne allerdings eigene Positionen zu reklamieren.



Mit Davis sowie Tomas Vaitkus wurden überdies sprintstarke Fahrer verpflichtet. Folglich kann man davon ausgehen, dass der Rennstall künftig in einem Bereich, in dem man bisher ein Manko hatte, selber ein Wort mitzusprechen möchte.



Ein starker Zeitfahrer kommt in Person von Brian Vandborg. Der Däne fiel positiv bei der Weltmeisterschaft im Kampf gegen die Uhr auf. Sofern Mannschaftszeitfahren auf dem Programm stehen, kann man damit die Abgänge von Azevedo, Beltran, Hoste und Savoldelli zum Teil angemessen kompensieren.



Lediglich die Fraktion der Fahrer bei den Kopfsteinpflasterklassiker muss sich praktisch mit einer Schwächung durch den Weggang von Hoste arrangieren. Mit Gianni Meersman kam zwar wieder ein Belgier, er geht aber erst in seine erste Saison als Profi, so dass man nicht zuviel erwarten darf. Zudem hatte man die Befürchtung, dass sich Belgier dem Team nur temporär anschließen, um sich zu Kapitänen formen zu lassen, die sich dann wieder einheimischen Mannschaften zuwenden. Zuletzt war ein solches Vorgehen bei Hoste zu beobachten, aber vor einigen Jahren fuhr auch ein Tom Boonen für die Bruyneel-Equipe, der nach dem dritten Platz bei Paris-Roubaix zu Quick Step überlief. Auf Grund dieser Ereignisse ist das Vertrauen in die Loyalität der guten belgischen Fahrer für die Frühjahrsklassiker gesunken.



Aber darf man sich über die Skrupellosigkeit anderer aufregen, wenn man selbst nicht mit positivem Beispiel vorangeht?


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