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Saisonbilanz Gerolsteiner 2006

Text von Steamboat, Februar 2007

Layout & Bildredaktion: begbie & MrsFlax

© Fotos: * www.velo-photos.com, ** Mani Wollner, *** MrsFlax, **** www.capture-the-peloton.com




Die Erfolgsstory fand 2006 ihre Fortsetzung. Das ist nach der Saison das wichtigste Fazit, das man beim Management von Gerolsteiner um Michael Holczer ziehen kann. Die Gründe dafür sind vielfältig. Das Geheimnis des Erfolges ist vermutlich, dass viele Fahrer in der Lage sind, bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten Verantwortung zu übernehmen.

 

Das Team aus der Eifel hat sich offensichtlich optimal auf die Anforderungen der Pro Tour (PT) eingestellt. Es verfügt für nahezu jedes Segment des Straßenradsports über mindestens einen Fahrer, der die Fähigkeit besitzt, sehr weit vorne zu landen. Teils wurden diese Pedaleure von anderen Teams fertig ausgebildet verpflichtet, teils haben sich Talente bei Gerolsteiner zu versierten Radsportlern entwickelt bzw. sie befinden sich noch im Reifeprozess zu echten Stützen der Equipe, lassen aber schon heute ihr Können aufblitzen. Gelingt es, diese Equipe zusammen zu halten, wird sie in einigen Jahren die Früchte ihrer Arbeit sammeln.



Dann wird voraussichtlich ihre momentane Nummer Eins- auf dem Papier - nicht mehr dabei sein. Davide Rebellin kommt allmählich in die Jahre. 2006 war er noch in der Lage, starke Leistungen abzuliefern, aber er muss sich den Gesetzen des Alterns beugen, was auch deutlich wurde. Dennoch braucht dem Fan um das Team nicht bange sein, da Nachfolger teamintern schon in Lauerstellung stehen, seine Position zu übernehmen. Als Kapitän für die großen Rundfahrten hatte sich bisher Levy Leipheimer empfohlen, zu Jahresbeginn ahnte man noch nicht, dass sich die Wege nach 2006 trennen würden, so dass er am weiteren erhofften Aufstieg von Gerolsteiner nicht mehr partizipieren wird.





* Fabian Wegmann



Eine neue Riege – vor allem Fahrer deutscher Nationalität – drängt in den Vordergrund. Fabian Wegmann deutete schon mehr als einmal an, dass er der erste Anwärter für die Rolle von Rebellin ist. 2006 sicherte er sich den Sieg beim GP Miguel Indurain. Daneben reifte mit David Kopp ein Fahrer heran, der sein Potential besonders bei den Rennen über das Kopfsteinpflaster offenbarte und den für diesen Zweck einst verpflichteten Frank Høj in den Schatten stellte. Markus Fothen gilt als Hoffnung für die großen Rundfahrten. Ob er jemals die legitime Nachfolge von Jan Ullrich antreten kann, lässt sich noch nicht absehen. Stefan Schumacher erwies sich als vielseitig, da er sowohl bei PT-Rundfahrten in der Lage ist, mit den Top Ten mitzuhalten, als er auch über Sprintfähigkeiten und Qualitäten im Zeitfahren verfügt. Heinrich Haussler ist ein weiterer Fahrer mit Avancen bei den Rennen über das Kopfsteinpflaster. Daneben deutete er aber auch sein Sprintvermögen an.

 

Neben bemerkenswerten Qualitäten der heranwachsenden Generation an Pedalisten richtet und richtete sich der Fokus der Funktionäre auf das leidige Thema Doping, das dem Sport heute leider ein treuer Begleiter geworden ist. Durch die Fuentes-Affäre erneuerte sich die Aktualität der Problematik. Direkte Ausläufer des Skandals aus Spanien erreichten die Equipe und deren Fahrer zwar nicht – kein Fahrer wird mit dem Frauenarzt aus Madrid in Verbindung gebracht. Allerdings wurde im Zuge der Affäre publik, dass es Kontakte zwischen Leipheimer und dem zwielichtig wirkenden Arzt Michele Ferrari gegeben haben soll. Zu bestreiten sind diese nicht, wie deren Gestaltung aussah, wurde in der Öffentlichkeit jedoch nicht konkretisiert.





** Sauber auch bei Dreckswetter?



Holczer hat sich jedoch als entschiedener Dopingbekämpfer einen Namen gemacht. So hat Gerolsteiner beispielsweise es zur Bedingung für die Neuerwebungen zur Saison 2007 gemacht, dass diese sich mit einem DNA-Abgleich einverstanden zeigen müssen. Die Verträge der anderen Fahrer wurden um den entsprechenden Passus erweitert. Diese Vorgehensweise erwartet alleine schon der Sponsor, für den klar ist, dass sich die Geschehnisse 2006 nicht mehr wiederholen dürfen, schließlich läuft der Vertrag mit der Radsportgruppe nach 2008 aus. An einer Verlängerung hat man generell schon Interesse, da stören die Nebengeräusche, für die die Profis des Teams sich nicht verantortlich zeigen. Selbstverständlich stimmte der Vertreter der Equipe bei der IPCT für einen Ausschluss von Discovery Channel nach der Verpflichtung des auf der Verdächtigtenliste stehenden Ivan Basso. Recht deutlich mahnte Holczer überdies an, dass die involvierten Fahrer der Fuentes-Affäre sportrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Diese Klarheit zeigt nicht jeder Rennsportstall.

 

Aber das sportliche Geschehen soll in dieser Bilanz im Vordergrund der Erörterung stehen. Das Team stellte schließlich auch 2006 wieder reichhaltig seine Fähigkeiten unter Beweis. Davon gibt es im Anschluss zu lesen. Viel Vergnügen.



Pro Tour

Große Rundfahrten

 

Giro d'Italia

 

Schumacher begann seine erste GT mit einem Paukenschlag. Die dritte Etappe, die noch in Belgien statt fand und von Perwez auf die Zitadelle nach Namur führte, nutzte er für seinen vorläufigen Karrierehöhepunkt. Er löste sich 2000 m vor dem Ziel aus einer Spitzengruppe und fuhr mit José Rubiera einen Vorsprung heraus. Der Spanier konnte dem gewaltigen Antritt von Schumacher nichts mehr entgegen setzen und ließ den Schwaben ziehen. Dieser feierte seinen ersten Sieg bei einer GT und gleichzeitig den ersten Etappenerfolg eines Deutschen in der PT-Rennserie 2006. Den meisten Glanz aber verbreitete das Rosa Trikot auf seinen Schultern, das ihm im Ziel überreicht wurde. Den Erfolg der Sprudelwassertruppe rundete Rebellin mit dem dritten Rang an diesem Tag ab. Zuvor verfehlte der „Schumi auf zwei Rädern“ nur knapp einen Podiumsrang beim Prolog, als er sich um Bruchteile einer Sekunde hinter dem Dritten platzierte.






** Hautnah... Hiekmann



... dabei beim ... Krauss



... Giro-Prolog: Schumacher



Das Leadertrikot büßte Schumacher erwartungsgemäß nach dem Mannschaftszeitfahren unwiederbringlich ein, als das Team - das ohne seine Rouleure an den Start gegangen war – Sechster wurde. In Italien hat der Name Schumacher bekanntlich einen besonderen Klang und ruft Assoziationen zu einem anderen Sportler gleichen Namens hervor. Folglich blieb der Vergleich zum „Schumi“ in Rot von Ferrari nicht aus, der Name schien wohl zu Glanztaten zu verpflichten. Zwar hegten einige kühne Optimisten unberechtigte Hoffnungen, dass er auch im Hochgebirge den Stars die Stirn bieten könne, aber es zeigte sich, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen - und der Name Schumacher nicht zwangsläufig für Pole Position steht. Ob die Radtifosis deswegen enttäuscht waren, ist nicht bekannt. Von daher muss dieser unglückliche Vergleich an dieser Stelle wieder beendet werden (Er sollte erst dann wieder aufgenommen werden, falls Michael Schumacher zeigt, dass er mit seinem Boliden den Bedingungen des Giros im Gebirge standhalten kann).





** Schumacher schaltet den Turbo ein



Allerdings feierte Schumi auch in Italien noch einen Sieg. Die 18. Etappe nach Gemona del Friuli wurde von einem Führungsquintett dominiert, dem er angehörte. Da keinem seiner Mitglieder eine Vorentscheidung gelang, setzte sich Schumacher im Spurt durch und krönte seine erstmalige Teilnahme an einer GT mit dem zweiten Etappensieg.

 

Neben Schumacher und Rebellin punktete schließlich auch Robert Förster für die PT-Wertung. Er erreichte den dritten Platz bei der 15. Etappe von Mergozzo nach Brescia. Dieses Abschneiden ist dem Umstand zuzuschreiben, dass einige Sprinter schon abgereist waren, weil sie sich nicht über die Bergpässe quälen wollten. Das Resultat entschädigte aber nur zum Teil für seine leidliche Performance zuvor. Deshalb mühte er sich bei der Abschlussetappe nach Mailand um einen versöhnlichen Ausklang. Er setzte sich erfolgreich gegen die verbliebenen endschnellen Fahrer durch und besänftigte mit dem Etappensieg die Gemüter. Mit insgesamt drei Tagessiegen kann sich die Bilanz der Equipe sehen lassen. Im Klassement war Matthias Russ als 74. Teambester – etwas mehr als nur ein Schönheitsfehler. Aber mehr war für Schumacher, Rebellin, Förster, Russ sowie Torsten Hiekmann, Sven Krauss, Andrea Moletta und Ronny Scholz wohl nicht drin.



 

Tour de France

 

Die Aufstellung für die Tour stellte die erwartet spannende Prozedur dar. Trat das Team 2005 noch mit einer Doppelspitze, bestehend aus Leipheimer und Totschnig, an, wurde für 2006 die Kapitänsrolle nach der letztjährigen Erfahrung und dem Saisonverlauf an den Amerikaner vergeben. Totschnig wurde zum Edeldomestiken mit der Erlaubnis, etwas auf eigene Faust zu versuchen. Daneben sollte Fothen, dessen Stern 2005 beim Giro aufging, Leipheimer in den Bergen unterstützen. Kopp und Peter „Paco“ Wrolich sollten ihre Chancen auch bei den Massenankünften suchen. Das Aufgebot umfasste weiterhin Beat Zberg, Wegmann, Sebastian Lang sowie Ronny Scholz. Keine Berücksichtigung fanden Schumacher, der aber bereits beim Giro glänzte, Förster, dessen Leistungen offensichtlich keine Nominierung als Sprinter rechtfertigten, sowie René Haselbacher und Markus Zberg.





*** Leipheimer - sah auch schon besser aus als in Alpe d'Huez



Durch den Ausschluss von Basso, Ullrich, Francisco Mancebo sowie Alexander Winokurow zählte Leipheimer zu den Topfavoriten der Rundfahrt. Damit wurde klar, dass das Aufgebot noch stärker auf die Belange des Amerikaners ausgerichtet wurde. In dieser Hinsicht war es unter den Umständen schon fast eine Überraschung, dass sich Wegmann bei der ersten Etappe in und um Straßburg einer Ausreißergruppe anschloss und sich die Punkte für die Bergwertung sicherte und somit in den Genuss kam, das Bergtrikot der Tour für einen Tag zu tragen.

 

Das Einzelzeitfahren von Saint Grégoire nach Rennes sollte gemäß den ursprünglichen Planungen eigentlich ein Meilenstein für Leipheimer im Kampf um den Gesamtsieg werden. Der US-Amerikaner, der im Kampf gegen die Uhr während der Saison stets weit vorne landete, erlebte ein unerwartetes Debakel. Er verlor auf den Tagessieger Serhiy Gonchar fast sechs Minuten und büßte fast alle Chancen auf den Sieg und auf einen Podiumsrang in Paris ein. Für ihn bewahrheitete sich der Spruch, dass man in der ersten Woche die Tour nicht gewinnen aber sehr wohl verlieren kann. Dieser Absturz war nicht erklärlich.





*** Sebastian Lang in Alpe d'Huez...



... und kurz vor dem Ziel in La Toussuire



Statt seiner setzten zwei deutsche Fahrer beim Rennen gegen die Uhr Akzente. Lang glückte endlich mal ein dritter Platz bei einem PT-Zeitfahren. Zudem ließ Fothen aufhorchen, der in der Top Ten landete und auf diese Weise Ansprüche auf die Kapitänsrolle im Team anmeldete.

 

Leipheimer wollte den Rollentausch jedoch nicht tatenlos hinnehmen. Er rehabilitierte sich für das miserable Zeitfahren und erreichte bei der ersten Bergankunft auf dem Pla de Beret (11. Etappe) den zweiten Platz. Im Finish zog er gegenüber Denis Menchov den Kürzeren.

 

Der US-Amerikaner musste, wenn er doch noch aufs Podium in Paris kommen wollte, bei den Bergetappen etwas riskieren. Bei der 16. Etappe von Le Bourg d'Oisans nach La Toussuire inszenierte er ein wahres Vabanque-Spiel. Er attackierte aus der Spitzengruppe weit vor dem Ziel und distanzierte sie um ca. drei Minuten. Diesem Vorstoß war kein Glück beschieden. Er wurde wieder gestellt und verlor im Klassement weiter an Boden. Der 19. Juli 2006 war für US-Amerikaner kein Glanztag. Bei Gerolsteiner lag das Hauptaugenmerk mittlerweile ohnehin bei Fothen. Der Youngster war Träger des Weißen Trikots, das es zu verteidigen galt. Dieser Intention stand die von Damiano Cunego entgegen, der seinerseits nach dem Leibchen trachtete. Totschnig hingegen verlor an dem Tag völlig den Anschluss und kam im Grupetto ins Ziel.

 

Scholz und Leipheimer gehörten einer größeren Ausreißergruppe bei der 18. Etappe von Morzine nach Mâcon an. Scholz gelang zusammen mit Tosatto und Moreni die Flucht aus dieser. Somit war klar, dass Scholz mindestens Dritter werden würde. Im Finale war er den beiden Italiener unterlegen.





*** Markus Fothen ganz in weiß ohne Blumenstrauß in La Toussuire



Beim zweiten Zeitfahren konnte Leipheimer nicht mehr viel Boden im Klassement gutmachen. Und auch Fothen musste - etwas unerwartet - Federn lassen, obwohl er gegenüber Cunego im Zeitfahren als favorisiert galt. Vor der Etappe hatte er einen Rückstand von fünf Sekunden, die sollte er nach Einschätzung der Experten problemlos aufholen können, aber der Italiener fand einen Supertritt und blieb sogar unter der Zeit von Fothen, damit hatte Cunego die Nase in der Wertung des besten Nachwuchsfahrers vorn. Fothen wirkte aber auch nicht mehr so schwungvoll wie beim ersten Zeitfahren. Dennoch belegte er Rang 14 bei seiner Premiere in Frankreich. Leipheimer war zwei Plätze besser.

 

Das Gesamtfazit für Gerolsteiner fällt bei den gestiegenen Ansprüchen nicht so positiv wie im Vorjahr aus. Leipheimer machte seine Aussichten für das Klassement, bei dem er mit dem Podium liebäugelte, durch die Zeitfahren selbst zunichte. Fothen enttäuschte sicherlich nicht, schrammte aber am Sieg in der Wertung um das Weiße Trikot vorbei. Totschnig konnte wegen der angeschlagenen Gesundheit sein Potential nicht abrufen. Ein Etappensieg gelang nicht. Wegmann spielte in der Bergwertung keine Rolle und bei Sprintankünften hatte das Team auch nichts zu vermelden. Die Exkursion zur Grand Boucle ließ letztlich mehr Wünsche offen als erfüllt wurden.



 

Vuelta a España

 

Die Vuelta gehörte erklärtermaßen nicht zu den Highlights der Equipe im Rennjahr 2006. Die Zusammenstellung des Kaders folgte demnach auch keinem bestimmten Muster. Es war nicht um einen Rundfahrtkapitän konzipiert, noch rückten anders gelagerte Interessen in den Vordergrund. Dennoch war man verwundert, dass M. Fothen dabei war. Dazu kamen Rebellin, Förster, Haussler, Hiekmann, Moletta, Marcel Strauss, Haselbacher und Sven Montgomery. Diese Truppe allerdings hatte in dieser Besetzung nur eine kurze Verweildauer, sie zerfiel schnell nach dem Beginn. Letztlich beendeten nur Förster, Hiekmann und Haussler diese Rundfahrt.





**** Übereifrig aber erfolglos bei der Vuelta? Davide Rebellin



Bei der zehnten Etappe von Avilés nach Museo de Altamira war Rebellin noch dabei. Er schloss sich einer Fluchtgruppe an und zeigte sich sehr agil. Letztlich wirkte er übereifrig und konnte den Antritt von Paulinho nicht parieren. Es reichte aber zum zweiten Rang. Haussler setzte nur einmal bei der Vuelta ein Zeichen. Er zählte zu einer Ausreißergruppe bei der 12. Etappe von Aranda de Duero nach Guadalajara. Als es zur Entscheidung kam, musste er aber die Segel streichen. Ihm blieb Platz Neun.

 

Dafür wusste Förster, wann seine Chance für einen Etappensieg gekommen war. Bei der 15. Etappe verkalkulierten sich die anderen Favoriten der Sprinterzunft und musste im Finale auf Grund eines Hindernisses den Tritt raus nehmen. Förster hingegen zog durch und gewann diesen Sprint. Bester im Klassement wurde Hiekmann als 57.



 

Pro Tour Rundfahrten

 

Bei Paris-Nizza startete Gerolsteiner ohne echten Leader. Je nach Situation sollte der beste die Führungsrolle beanspruchen. Zunächst ergriff Schumacher das Zepter und hielt sich im Vorderfeld des Gesamtklassements auf. Für einen Moment sah es sogar so aus, als ob er die vierte Etappe – eine Ankunft mit Steigung – vor Tom Boonen gewinnen konnte. Letztlich wurde er Dritter. Damit war er der erste seiner Mannschaft, der ein PT-Punktekonto eröffnete. In der Gesamtwertung lag er in aussichtsreicher Position. Leider musste er wegen Magenproblemen das Rennen vorzeitig aufgeben. Die Abschlussetappe entschädigte aber die Fans von Gerolsteiner für die kleine Enttäuschung des ausgebliebenen Top Ten Platzes. Aus einer Fluchtgruppe heraus konnte M. Zberg in Nizza gewinnen.






** Bei der Arbeit und... Robert



... im 'Männergespräch': Förster



Rebellins Intention, bei Tirreno-Adriatico für einen erfolgreichen Einstieg in die PT Saison zu sorgen, wurde nicht erfüllt. Die gestrichene Bergankunft machte nicht nur ihm einen Strich durch die Rechnung, so dass nur die Zeitfahrer von der Umstrukturierung der Rundfahrt im Vergleich zu 2005 profitierten.

 

Mittels der Baskenland-Rundfahrt bereitete sich Rebellin für die Ardennen-Klassiker vor. Beim Auftakt reichte es zum dritten Rang. Bei der dritten Etappe steigerte er sich um eine Platzierung. Im Gesamtklassement wurde er letztlich 11. Vor dem abschließenden Zeitfahren lag er noch auf einem Podiumsrang, aber diese Etappe wirbelte das Klassement durcheinander, so dass er sich nicht nur vom Traum des Gesamtsieges sondern auch gleich von den Top Ten verabschiedete. Sein Domestike Wegmann kam auch zu der Ehre einer Podiumsplatzierung. Er sah auf der vierte Etappe fast schon wie der Sieger aus, als er einen kleinen Vorsprung auf dem letzten Kilometer herausgearbeitet hatte. Oscar Freire und Samuel Sanchez stellten und überholten ihn jedoch noch.





** Echte Kerle unter sich...



Bei der Volta a Catalunya konnten einige Fahrer Werbung in eigener Sache mit Blickrichtung Tour de France machen. Zu ihnen zählte Haselbacher, der bei der dritten Etappe den zweiten Rang nach einer Massenankunft schaffte. Anzumerken wäre, dass er sich nur knapp Thor Hushovd beugen musste.

 

Mit dem Beginn der Dauphine Libéré wurde die heiße Saisonphase eingeläutet. Für die Fahrer eines Rennstalls bedeutet das, dass sie sich auf dem Höhepunkt ihres Leistungsvermögens bewegen müssen. Wer noch auf eine Teilnahme an der Großen Schleife hofft, soll dieses am besten mit guten Ergebnissen bei der Dauphine Libere unterstreichen. Schon beim Prolog zeigte sich ein Gerolsteiner weit vorne – Lang wurde Vierter. Bei der ersten Etappe ließ dann Wegmann seinen Frust über das Frühjahr vergessen, als er sich mit drei weiteren Fahrern vom Feld 14 km vor dem Ziel absetzte und dann im finalen Spurt den Sieg einfuhr. Nach der Folgeetappe übergab er das Leadertrikot Philippe Gilbert, der diesen Tag gewann. Wrolich erspurtete sich hierbei einen dritten Platz.

 

Zur zentralen Figur dieser Rundfahrt wurde Leipheimer, der von Beginn an zum Favoritenkreis zählte. Das Einzelzeitfahren beendete der Amerikaner als Dritter. Bei der Etappe zum Mont Ventoux erreichte er erneut den dritten Etappenplatz. Damit übernahm er gleichzeitig die Führung in der Gesamtwertung. In beeindruckender Manier gewann er diese Rundfahrt, die meist mehr als nur eine Standortbestimmung mit Hinblick auf die Chancen für die Tour de France bedeutet. Der Ausgang der kleinen Rundfahrt kann aber auch trügerisch sein…





*** Sebastian Lang...



... in einer nicht unangenehmen Lage



Bei der Deutschland-Rundfahrt hatte das Team viel vor. Leipheimer war Titelverteidiger, während Totschnig im Vorjahr Dritter wurde. Beim Prolog schien aber der Ami kein gesteigertes Interesse am Gesamtsieg zu haben, da er in Düsseldorf scheinbar lustlos sein Pensum herunterspulte. Besser war Lang, der Dritter wurde. Rebellin schloss sich einer Fluchtgruppe bei der zweiten Etappe an. Mit knappem Vorsprung erreichte das Trio Andrej Kashechkin-Rebellin-Jens Voigt den Zielort Goslar. Dort ließ Voigt seinen Mitstreitern keine Chance und Rebellin erfreute sich am zweiten Platz. Mit der identischen Platzierung endete die vierte Etappe für Schumacher, der sich erfolgreich als Sprinter probierte und nur Brown den Vortritt ließ.

 

Leipheimer verwischte den Eindruck vom Prolog, als er die erste Bergetappe nach Seefeld gewann und damit wieder Ansprüche auf den Gesamtsieg geltend machen wollte. Er setzte sich von den Verfolgern nur leicht ab, so dass seine Aufholjagd wenig vom Rückstand zur Spitze wettmachte. Am nächsten Tag wollte er das Ruder noch einmal herumwerfen. Er distanzierte auf dem Schlussanstieg gemeinsam mit Kashechkin seinen ärgsten Mitstreiter um das Gelbe Trikot, Jens Voigt. Der allerdings kämpfte sich heran und gab Leipheimer im Ziel das Nachsehen. Damit hatte Voigt auch den Grundstein zum Gesamtsieg gelegt. Beim Zeitfahren gab er sich keine Blöße mehr, während Leipheimer nur auf dem fünften Rang landete. Diesem blieb im Klassement der zweite Platz. Beim Zeitfahren erreichte Lang als 3. das Podium. Ausserdem freute sich „Seppl“ über den Sieg in der Bergwertung.






** Einzelzeitfahren... Ordowski



... bei der ENECO: Schumacher



Die ENECO Tour Benelux begann ganz im Sinne von Schumacher, er gewann nämlich den Prolog in Den Helder und machte keinen Hehl daraus, dass er sich Chancen für einen Gesamtsieg ausrechnete. Beim Zeitfahren strengte er sich zwar an, musste sich aber hinter George Hincapie und Vincenzo Nibali mit dem dritten Tagesrang zufrieden geben. Dennoch lag er im Klassement in aussichtsreicher Entfernung zum ersten Platz. Neben Schumacher feierte übrigens noch ein Teamfahrer einen Etappensieg. Kopp nutzte die sich ihm bietende Chance in Sint-Truiden, als er sich bei einer Massenankunft durchsetzte.





** Leuchtet im ENECO-Feld: Schumacher



Schumacher gewann schließlich diese Rundfahrt. Er konnte bei der letzten Etappe den dritten Platz belegen, wodurch er die benötigte Zeitgutschrift erhielt, um an Hincapie im Klassement noch vorbeizuziehen. Überschattet wurde der Erfolg allerdings durch ein Ausweichmanöver des Deutschen, der von einem Zuschauer beim Zielsprint behindert wurde. Dadurch kam Hincapie zu Fall. Erbitterte Diskussionen zwischen den beiden im Zielraum beherrschten das Bild. Kern des Disputs war, ob diese Aktion beabsichtigt war oder auf eine Verkettung unglücklicher Umstände zurückzuführen sei. Dabei vertraten beide gegenteilige Ansichten. Die Fernsehbilder entlasteten Schumacher schließlich.

 

Der Nürtinger nutzte nur wenige Wochen später die Möglichkeit, eine weitere PT Rundfahrt zu gewinnen. Die sechste und siebte Etappe der Polen-Tour hatten ihr Ziel auf einem Berg. Diesen strampelte Schumacher auf seinem Rad am schnellsten hinauf. Begünstigt durch die zwei Tagessiege erklomm er auch die oberste Stufe des Treppchens. Das Glück der Mineralwassertruppe vervollständigte Wegmann mit dem zweiten Rang bei der sechsten Etappe.



 

Pro Tour Klassiker

 

Ein akzeptables Mannschaftsergebnis konnte bei Mailand-San Remo erzielt werden, auch wenn keine Top Ten Platzierung heraussprang. Kopp wurde Zwölfter, zwei Plätze dahinter rangierte Wegmann, während M. Zberg sich auf den 17. Platz vorschob. Nebenbei angemerkt erzielte Gerolsteiner gute Mannschaftsergebnisse auch bei der Flandern-Rundfahrt und bei Gent-Wevelgem.

 

Der Halbklassiker von Gent nach Wevelgem avancierte ohnehin zu einem ersten Saisonhöhepunkt der Mannschaft. Kopp präsentierte sich als optimale Verstärkung für die Kopfsteinpflaster-Fraktion. Er freute sich über den zweiten Platz und hatte nur sehr knapp das Nachsehen gegenüber Hushovd. Dieses Ergebnis stellte auch einen vorläufigen Höhepunkt in der Karriere von Kopp dar.





**** Markus Fothen



Bei Paris-Roubaix kam das Team über eine Statistenrolle aber nicht hinaus. Als die Vorentscheidung im Wald von Arenberg fiel, gehörte kein Gerolsteiner-Fahrer der Spitzengruppe an. Aus unterschiedlichen Gründen war es keinem vergönnt, Anschluss an die Spitzengruppe zu halten. Ein Defekt verhinderte, dass Kopp folgen konnte, Høj hatte bei einer früheren Aktion bereits sein Pulver bereits verschossen. Besonders beim Dänen schien Skepsis ob seiner Leistungsfähigkeit angebracht, da er keine bemerkenswerte Vorstellung bei den Kopfsteinpflasterklassikern ablieferte.

 

Besser lief es beim Amstel Gold Race. Rebellin schien sich in geeigneter Form auf dieses Rennen vorbereitet zu haben, war aber durch eine Rippenverletzung gehandicapt. Zudem hinderte ihm eine im Entstehen begriffene Magenverstimmung wohl daran, mehr als den sechsten Rang zu erreichen. Schumacher und Wegmann vollendeten eine lobenswerte Mannschaftsleistung als Neunter und Dreizehnter. Beim Fleche Wallone fiel Rebellin aber frühzeitig aus und Wegmann konnte ihn als Elfter nicht vollwertig vertreten. Rebellin startete zwar bei Lüttich-Bastogne-Lüttich, musste aber erneut aufgeben. Wegmann schaffte nur einen etwas enttäuschenden 29. Rang.

 

Die Titelverteidigung beim Mannschaftszeitfahren in Eindhoven wurde nicht erreicht. Das Line-up für dieses Unterfangen bestand ja auch nicht aus: Lang, M. Fothen, Michael Rich, Peschel, Krauss und Torsten Schmidt, die im Jahr zuvor das Rennen gewannen. Auch wurde nicht das optimale Line-up entsandt. Das folgende Team, das nach einer Reglementänderung acht Fahrer umfassen musste, wurde für das Rennen gemeldet: Thomas Fothen, Hiekmann, Høj, Förster, Lang, Volker Ordowski, Rich und Schumacher. Sie erreichten den dritten Rang.






**** Vor dem Rennen -



nach dem Rennen



Beim Heimklassiker, den Vattenfall Cyclassics, traten die Fahrer von Gerolsteiner nicht auf den Plan. Zumindest hatten sie mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun. Rebellin belegte den 13. Rang und Wegmann wurde Achtzehnter. Das war nicht unbedingt das Ergebnis, das man sich erhoffte. Etwas besser war da schon die Platzierung von Wegmann beim GP Ouest-France-Plouay. Er konnte zwar in die Entscheidung um den Sieg nicht eingreifen, aber es reichte zum zehnten Rang in der Bretagne.






* Im Einsatz... Kopp



... bei den... Wegmann



...Cyclassics: Krauss



Letzte Kräfte mussten für die Herbstklassiker mobilisiert werden. Rebellin und auch Wegmann war einiges bei der Züri-Metzgete und bei der Lombardei-Rundfahrt zuzutrauen und auch bei Paris-Tours hoffte man, nicht chancenlos zu sein. Rebellin zählte zu einem Quintett, das die Entscheidung unter sich ausmachte. Allerdings setzte auch der entscheidenden Attacke von Samuel Sanchez nicht entschlossen genug nach. Am Ende schaffte er den dritten Platz, während Wegmann Elfter wurde.

 

Das "Rennen der Windhunde" sollte noch mal eine Sache für die endschnellen Fahrer werden. Dass der schnellste des Teams am Ende Høj sein würde, damit konnte man nach dem Saisonverlauf nicht erwarten. Er wurde Siebter bei Paris-Tours, aber auch der 20. Platz von Thomas Fothen ist nicht zu verheimlichen.





* Blick aufs Material riskiert



Zum Abschluss der PT-Saison stand traditionell die Lombardei-Rundfahrt auf dem Programm. Rebellin wurde zum engeren Favoritenkreis gezählt. Das Rennen lief ganz nach dem Plan von Gerolsteiner. Totschnig schloss sich früh einer Ausreißergruppe an, die lange das Renngeschehen gestaltete. Damit konnten Rebellin und Wegmann sich schonen. Totschnig stand ihnen auch zur Seite, als er mit seinen Begleitern gestellt wurde. Wegmann ergriff die Initiative und sprang dem attackierenden Bettini hinterher. Zwar konnte er diesen auch erreichen, aber 'die Grille' erwies sich an diesem Tag einfach als zu stark. Dennoch feierte er einen großen Erfolg, da er als erster Deutscher das Podium in Como erklomm. Zwar musste er Sanchez im Finish noch passieren lassen, aber der dritte Rang kann sich sehen lassen. Rebellin unterstützte uneigennützig die Bestrebungen seines Stallgefährten und wurde Fünfter. Moletta rundete das Mannschaftsergebnis als Vierzehnter ab.



Outside Pro Tour

Gerolsteiner feierte neben der PT einige weitere herausragende Ergebnisse und Erfolge. Schon recht früh im Jahr begann die Sammlung an Pokalen. Dabei fiel auf, dass die vielen hervorragenden Resultate von mehreren verschiedenen Fahrern erzielt wurden.





** Haussler: mit Blümchen in Rheinland-Pfalz



Der Erste, der sich in die Siegerliste eintrug war Kopp. Er gewann die Trofeo Calvia (1.1). Dieser Sieg war gleichbedeutend mit dem ersten Saisonsieg eines Deutschen 2006. Nebenbei strich die Equipe auf Mallorca noch weitere Podiumsplätze ein. Förster wurde Zweiter bei der Trofeo Alcudia (1.1) und Haussler Dritter bei der Trofeo Mallorca (1.1).

 

Das spanische Hoheitsgebiet erwies sich in Bezug auf Erfolge bei Eintagesrennen für Gerolsteiner in den ersten Monaten des Jahres als besonders ergiebig. Beim GP Miguel Indurain (1.1) erlaubten sich Wegmann und Moletta einen Aprilscherz der besonderen Art, als sie die Plätze eins (Wegmann) und zwei unter sich ausmachten.

 

Rebellin musste lange auf einen eigenen Sieg warten. Es war der 20. Juli, als er die Auftaktetappe der Brixia-Tour (2.1) gewann. An einem Anstieg verließ er seine Gegner und kam alleine ins Ziel. Er hoffte, dass dieser Sieg nicht der einzige im Jahr 2006 bleiben sollte. Schließlich siegte er im Vorjahr auch nur einmal – bei einer Etappe der Brixia-Tour. Schon vier Tage später addierte sich ein zweiter Triumph dazu. Er holte sich die Meriten des Gesamtsieges bei dieser Tour.

 

Im Herbst, quasi als Vorbereitung zur Lombardei-Rundfahrt, startete er beim Giro dell'Emilia (1.HC). Seinen Aufwärtstrend nach dem dritten Rang in Zürich konnte er fortsetzen, als er diesen Klassiker zu seinen Gunsten entschied. Ferner erreichte er noch den zweiten Platz beim GP Chiasso (1.1).





** Falsche Größe? Haselbacher bei der RLP-Rundfahrt



Der erste Rundfahrtsieg ging auf das Konto von Schumacher. Er konnte ihn beim Circuit de la Sarthe (2.1) feiern, bei der er die nötige Fortune hatte, mit einem Vorsprung von 32 Hundertstel vor Gonchar zu gewinnen. Im Rahmen dieser Rundfahrt hatte er den zweiten Platz bei der vierten Etappe erreicht. Bei der STER Elektrotour (2.1) konnte er seinen Titel nicht verteidigen. Lediglich einen zweiten Etappenplatz realisierte er.

 

Das Zeitfahren der Sachsen-Tour (2.1) beendete er wieder als Sieger. Dieser Erfolg deutete zudem an, dass teamintern in dieser Disziplin die Wachablösung mehr als nur bevorstand. Schumacher ließ den Altmeister Richhinter sich, der aber immerhin Dritter an diesem Tag wurde.

 

Bei den Rundfahrten zeichnete sich das Gerolsteiner-Team meist durch gute Tagesergebnisse denn durch vordere Gesamtplatzierungen aus. Dieses ist vorwiegend auf eine recht hohe Endgeschwindigkeit im Finish einzelner Fahrer zurückzuführen.






** Präsentation bei...



... der STER Elektrotoer



Zu dieser Garde zählt sicherlich Haussler. Er bezwang sowohl bei der ersten als auch bei der letzten Etappe der Vuelta A Murcia (2.1) einige Sprinter der zweiten Garde. Der Haussprinter des Teams ist jedoch Förster. Er gewann eine Etappe beim Circuit de la Sarthe und erreichte dort noch einen dritten Tagesrang. Ebenso gelang ihm einen Tagessieg bei der STER Electro Tour, als er im Finish den letzten Abschnitt gewann. Außerdem fuhr er einen zweiten Etappenplatz der Algarve-Rundfahrt (2.1) ein. Sein Teamkollege M. Zberg belegte bei der Volta ao Algarve gleich zwei Mal dritte Etappenplätze.





**** 3-Länder-Tour-EZF: Georg Totschnig



Johannes Fröhling



Sebastian Lang



Thomas Fothen



Haussler musste sich danach vom Pfeifferschen Drüsenfieber lange erholen. Erst spät griff er wieder ins Renngeschehen ein, weil diese Erkrankung ihn an der Fortsetzung seiner persönlichen Bilanz hinderte. Die zweite Etappe der Circuit Franco-Belge (2.1) beendete er als Tagessieger nach einem Massensprint. Bei der vierten Etappe setzte er sich aus einer Ausreißergruppe ab und gewann einen zweiten Abschnitt der letzten Rundfahrt des Jahres.

 

Leipheimer erreichte früh in der Saison den Prologsieg bei der Tour of California (2.1). Zusätzlich belegte Wegmann einen zweiten Etappenplatz. Im Rahmen dieser Rundfahrt fand obendrein ein Zeitfahren statt. In seiner Spezialdisziplin startete Routinier Rich, der sich mit dem dritten Platz an dem Tag begnügen musste.

 

Den dritten Rang erreichte Gerolsteiner beim Mannschaftszeitfahren der Settimana Internazionale Coppi e Bartali (2.1). Zu jener Delegation zählten: Haussler, B. Zberg, T. Fothen, Totschnig, Russ, Rich, Leipheimer sowie Montgomery.

 

In Deutschland war das Rennen „Rund um Köln“ (1.1) natürlich von besonderer Bedeutung. Kopp war Titelverteidiger und versuchte erneut, die Nase in der Domstadt vorne zu haben. Im Finish aber erwies sich Knees als glücklicher, weshalb Kopp nur der zweite Platz blieb.

 

Bei der Niedersachsen-Rundfahrt (2.1) konnten sowohl Wrolich als auch Förster je eine Etappe als Dritter beenden. Zur Garde der Drittplatzierten bei Rundfahrten in Deutschland gesellte sich Haselbacher nach der ersten Etappe in Rheinland-Pfalz (2.1). Bei der zweiten Etappe schloss er sich kurz vor dem Zielort einer Fluchtgruppe an und konnte aus dieser heraus gewinnen. Am nächsten Tag tat es ihm Haussler gleich und siegte ebenfalls. Erfolge bei dieser Rundfahrt hatten für die Mineralwassermannschaft eine besondere Wichtigkeit, da der Hauptfirmensitz des Sponsors sich in Rheinland-Pfalz befindet. Nicht nur deshalb stimmte der Gesamtsieg von Haselbacher bei dieser Rundfahrt sowohl Aktive als auch Verantwortliche besonders froh.

 

Haselbacher begann die Bayern-Rundfahrt (2.HC) mit dem zweiten Etappenrang. Gegen Zabel konnte er sich nicht durchsetzen. Aber es gab dennoch einen Tageserfolg für das Team zu feiern. B. Zberg gewann das Einzelzeitfahren. Dieses Resultat reichte aber nicht für den Gesamtsieg aus, der Eidgenosse landete auf dem zweiten Rang. Zweiter bei der Abschlussetappe wurde Wrolich.

 

B. Zberg jubelte beim heimischen GP Kanton Aargau-Gippingen (1.HC) über den Sieg. Er setzte sich bei dem schweren Rennen gegen starke Konkurrenz (Nuyens und Rast) durch. Bei dieser Veranstaltung profitierte er besonders von der Vorarbeit von Rich.






* Podium der Bayern-Rundfahrt mit Beat Zberg...



*** ...und bei der 3-Länder-Tour mit Sebastian Lang



Seine Saisonsiege vier und fünf fuhr Förster bei der Post Danmark Rundt (2.HC) ein. Er jubelte bei der der dritten und sechsten Etappe jeweils nach Massenankünften. Dass in Dänemark eher die endschnellen Akteure denn die Bergziegen gefragt sind, dürfte auch dem topografisch unkundigsten Fan klar sein. So verwundert es nicht, dass Haselbacher noch einen zweiten Etappenrang schaffte.

 

Beim selten ausgetragenen Paarzeitfahren ist Gerolsteiner seit vielen Jahren in der Lage, recht starke Duette aufzustellen. In der Vergangenheit brillierten Rich/Peschel. Die Luk Challenge Chrono 2006 ging an das Duo M. Fothen/Lang, die die Konkurrenz deutlich distanzierten.





** Kopp erfolgreich bei 'Rund um Köln'



Russ ist im zweiten Jahr Profi bei Gerolsteiner. Bis zur Rothaus Regio Tour (2.1) war seine Ergebnislage spärlich. Das änderte sich nach der zweiten Etappe, als er das Rennen für sich entschied und niemand anderen als Andreas Klöden auf den zweiten Platz verwies. Dieser revanchierte sich allerdings gemeinsam mit Rogers und verwies Russ bei der dritten Etappe auf den dritten Platz. Russ belegte letztlich den vierten Gesamtrang. Seine Teamgefährten M. Fothen und Hiekmann setzen dafür noch Akzente. Fothen belegte den zweiten Rang im Zeitfahren, während „Hieke“ als Solist die Abschlussetappe gewann.

 

Bei der Drei-Länder-Tour (2.1), der ehemaligen Hessen-Rundfahrt, zählte Lang bei der ersten Etappe zu einem Ausreißertrio, das sich weit vom Verfolgerfeld absetzte. Ihm blieb letztlich der dritte Platz. Sein Stallgefährte Totschnig machte es bei der zweiten Etappe nicht besser, auch er wurde Dritter. Das Einzelzeitfahren hingegen gewann Lang recht deutlich und übernahm gleichzeitig die Gesamtführung, die er bis zum Schluss der Rundfahrt erfolgreich verteidigte.



Nationale Meisterschaften und Weltmeisterschaften

Dass Lang ein guter Zeitfahrer ist, darf für keinen Fan eine Neuigkeit sein. Wie gut er aber ist, zeigte sich bei der Deutschen Meisterschaft. Erstmals war er bei den Titelkämpfen schneller als der dreimalige Titelträger Rich. Damit vollzog sich die Wachablösung im Team endgültig, die ihren Anfang bereits bei den Weltmeisterschaften in Madrid 2005 genommen hatte. Dafür zeigte sich ein vertrautes Bild im Straßenrennen. Stets muss man der nationalen Konkurrenz den Vortritt lassen, das sollte 2006 nicht anders sein, wo man überdies auch noch chancenlos war und auch keinen Platz auf dem Treppchen erfuhr.





* Lang im WM-Zeitfahren



Bei den Meisterschaften in der Schweiz hingegen hielt sich Strauss alle Chancen fast bis Ziel offen. Er strebte nur mit Rast dem Zielort entgegen, hatte aber in Schlusssprint keine Chance und wurde Zweiter.

 

Letzte Schlagzeilen als Mitglied von Gerolsteiner produzierte Leipheimer bei den amerikanischen Straßenmeisterschaften, die üblicherweise später als in Europa ausgetragen werden. Leipheimer belegte den zweiten Rang. Allerdings stellte er sich bei den Meisterschaften in den Dienst seines künftigen Teamkameraden Hincapie, um diesen den Titelgewinn zu ermöglichen.

 

Lang wollte bei der WM um eine Medaille kämpfen. Er verfehlte das angestrebte Ziel um 19 Sekunden, die er hinter Alexander Vinokourov lag, und wurde Fünfter. So gesehen konnte er noch nicht ganz die Gerolsteiner-Urgesteine Rich oder Uwe Peschel im Trikot der Nationalmannschaft beim Zeitfahren gleichwertig ersetzen, die häufiger auf dem Treppchen dieser Spezialdisziplin standen.



Zwischen die Speichen gesehen…

In Deutschland jagte man bisher der Vormachtsstellung von T-Mobile hinterher. Das könnte sich nach der abgelaufenen Saison geändert haben. Diese Einschätzung gilt sowohl aus sportlicher Sicht als auch in der Gunst der neutralen Zuschauer und Fans.





* Ronny Scholz im Nationaltrikot beim WM-Straßenrennen



In der PT Teamwertung belegt nach Ablauf der Saison Gerolsteiner den sechsten Rang, während die Konkurrenz aus Bonn zwei Plätze dahinter rangiert. Besonders deutlich zu erkennen ist, dass die Truppe aus der Eifel bei Klassikern eine gewichtige Rolle spielte. Dort konnte man den vierten Rang der Teamwertung erreichen (T-Mobile kommt auf Platz 12). Bei den Rundfahrten hingegen zahlten die Akteure von Gerolsteiner Lehrgeld als 14., während T-Mobile Achter wurde. Diese Schlussfolgerung erstaunt, da Schumacher und Leipheimer drei Rundfahrten gewannen, aber besonders bei den GTs war man der Konkurrenz aus dem eigenen Land unterlegen.

 

Wenn man den Aussagewert der PT-Teamwertung in Zweifel zieht – für diese Haltung gibt es gute Gründe -, dann bleibt der Blick auf die gesammelten Punkte der Fahrer in der Einzelwertung. Hier dominierten die Fahrer von T-Mobile, die 464 Zähler sammelten, während Gerolsteiner 18 weniger erreichte. Dort hätte man in einer entsprechenden Wertung den neunten Rang erreicht.

 

Wiederum ein anderes Bild ergibt sich, wenn man die Anzahl der PT Siege vergleicht, denn 14 Erfolgen stehen nur sechs Siegen der Magenta-Truppe gegenüber. Ohne Landesmeisterschaften erreichten die Gerolsteiner-Akteure 40 Saisonsiege, dem stehen deutlich weniger gegenüber - nämlich 18 Siege im Jahr. Wer ist jetzt wirklich besser? Man kann sich darauf verständigen, dass das Team aus der Eifel ein Übergewicht hat.





** Haussler und Th. Fothen bei den 'Cologne Classics'



Im Vergleich zu den anderen PT-Teams fällt auch auf, dass man sich mit sechs gewonnen Rundfahrten schon deutlich von anderen Mannschaften unterscheidet. Lediglich CSC holte noch mehr Siege in den Gesamtklassements. Branchenführer bei den Eintagesrennen ist Quick Step mit 12 Triumphen, aber in diesem Segment braucht man sich mit fünf Erfolgen auch nicht zu verstecken.

 

Der erfolgreichste Fahrer war Schumacher. Er sorgte für neun Siege, von denen alleine drei auf erste Plätze bei Rundfahrten entfielen. Zudem schaffte er sieben seiner Siege in der PT. Folglich ist er auch der erste von 13 Gerolsteiner-Fahrern in der PT-Wertung auf Rang 10. Leipheimer wurde 15. Der Star der Mannschaft, Rebellin, folgt auf Rang 36, während sich Wegmann dank eines guten Herbstes auf den 60. Platz kämpfte. Auf dem 77. Platz findet man Kopp.

 

Jenseits der ersten hundert Fahrer belegt Förster den 105. Rang, während Fothen auf dem 122. Platz steht. Der Skandinavier Høj schob sich auf den 138. Rang und liegt damit vor Lang (149.). Scholz und M. Zberg belegen gemeinsam den 175. Platz und Haselbacher wurde 186. Das interne Schlusslicht bildete Wrolich als 204.



Top Acht

Schumacher – Leipheimer – Wegmann – Kopp – Rebellin – Lang – Förster – M. Fothen





** Dwars door Vlaanderen: Ronny Scholz in Aktion



1. Schumacher: Die Neuerwerbung steigerte sich enorm. Zwei Etappensiege beim Giro geben darüber Zeugnis ab. Danach entschied er die Benelux Tour und die Polen-Tour noch für sich. Zudem zeigte er sich beim Fleche Wallone. Auch der Gesamtsieg bei der Sarthe-Rundfahrt ist aller Ehren wert.

2. Leipheimer: Dem Amerikaner gelang ein überzeugender Sieg bei der Dauphine Libéré und beinahe die Titelverteidigung bei der Deutschland-Tour. Nicht so erfolgreich war er bei der Tour de France.

3. Wegmann: Der erhoffte große Durchbruch gelang dem Deutschen zum Ende der Saison, als er Dritter in der Lombardei wurde. Ein Etappenerfolg bei der Dauphine kann sich sehen lassen und auch der Sieg beim GP Miguel Indurain muss hervorgehoben werden.

4. Kopp: Auch seine Verpflichtung war ein Gewinn für das Team. Zunächst erreichte er bei Gent-Wevelgem den zweiten Rang und sorgte später für einen Etappenerfolg bei der ENECO Benelux Tour.





** Nicht nur zum Pizza essen und Rotwein trinken in Italien



5. Rebellin: Der Kapitän blieb hinter den Erwartungen. Bei den Ardennen-Klassikern war er krank, aber auch ansonsten vermochte er nicht an die Leistungen der Vergangenheit heranzureichen. Erst bei Zürich-Metzgete schob er den dritten Platz nach und in der Lombardei wurde er Fünfter. Insgesamt drei Siege gelangen 2006.

6. Lang: Dieses Jahr zeigte er seine weiter verbesserten Qualitäten im Zeitfahren. So sammelte er einige PT-Punkte. Zudem holte er sich das Bergtrikot der Deutschland-Tour. Aber auch sein Gesamtsieg bei der Drei-Länder-Tour kann sich sehen lassen.

7. Förster: Sein Sieg bei der letzten Etappe des Giros entschädigte für manche Enttäuschung. Gegenüber der Sprintkonkurrenz hat er offensichtlich eher an Boden verloren, wenn man die gesamte Saison betrachtet. Aber ein Boonen oder Petacchi wird aus ihm eh nicht mehr werden. Daran änderte auch sein Etappensieg bei der Vuelta nichts, aber er hat immerhin sechs z.T. recht bedeutsame Rennen gewonnen.

8. M. Fothen: Sein Debut bei der Tour de France beendete er als 14. Leider fuhr er knapp am Weißen Trikot vorbei.






** "Küss' die Hand, gnä' Frau"



'Hasi' in RLP



 

Keine Aufnahme fanden

Totschnig: Der Österreicher konnte bei keiner Rundfahrt in die Punkteränge der PT fahren. Auch Etappensiege gab es nicht zu vermelden.

Haussler: Durch eine Krankheit geschwächt konnte er seine Leistungen nicht wie erhofft abrufen.

Høj: Der Däne erfüllte wieder nicht die in ihn gesetzten Hoffnungen bei den Kopfsteinklassikern. Sein siebter Platz bei Paris-Tours entschädigt nur wenig für viele Enttäuschungen.



Ausblick

Einige verdiente Fahrer - mit Erfolgen vorrangig in der Vergangenheit – verabschiedeten sich nach der Saison. Rich und Totschnig ziehen sich auf das Altenteil zurück, während Montgomery wohl die Konsequenzen aus den nicht besonders erfolgreichen letzten Jahren zog und ebenfalls die Karriere beendete. Zudem verlässt Høj den Rennstall, ohne wirkliche Akzente gesetzt zu haben. Der Abgang von Leipheimer hingegen muss als Substanzverlust angesehen werden. Der Amerikaner wird versuchen, den Sprung aufs Podium der Tour, der ihm 2006 versagt geblieben ist, bei Discovery Channel nachzuholen. Auch Haselbacher ging, wohl auch, weil er in den letzten Jahren von einigen jüngeren Fahrern in der Entwicklung überholt wurde.





** TTT in Eindhoven..



Im Gegenzug wurden recht junge Akteure verpflichtet, die - optimistisch betrachtet - eine große Karriere erst noch vor sich haben. Lediglich Bernhard Kohl kann bereits auf beachtliche Ergebnisse verweisen. Der Österreicher ist mit Blick auf die Rundfahrten verpflichtet worden. Dort könnte ihm Oliver Zaugg helfen, der von Saunier Duval kam.

 

Vom Professional Team Wiesenhof kamen Carlo Westphal und Tim Klinger. Sie stehen zunächst auf dem Prüfstein, große Meriten wird man von ihnen noch nicht erwarten. Das gilt ebenso für Tom Stamsnijder. Der Niederländer kommt vom Espoirs Team von Rabobank. Zeit zur Eingewöhnung benötigen auch Neo Johannes Fröhlinger und der Italiener Oscar Gatto.





... aus unterschiedlichen...



Nach der Saison 2006 ist die Equipe sicherlich in der Lage, die wichtigsten Funktionen in einem PT-Rennstall veritabel zu bestücken. Zuletzt zeigte Wegmann, dass er die Alternative zu Rebellin ist, wenn die schweren Klassiker mit anspruchsvollem Wellenprofil anstehen. Für die Sprintklassiker müssen sich Kopp, Haussler und Förster in Form bringen. Diesbezüglich scheint das Team, das notfalls auch Schumacher hierfür einsetzen kann, noch Defizite zu haben. Das gilt auch für die Kopfsteinklassiker, wo die Position des Leaders immer noch verwaist ist und Kopp wohl die besten Aussichten hat, doch zu einer Option zu werden.





... Perspektiven



Vielleicht wurde es versäumt, für diese Rennen einen erfahrenen Athleten wie Wesemann zu verpflichten. Für die Rundfahrtenklassements stehen neben Kohl auch Schumacher und M. Fothen parat, um Verantwortung zu übernehmen. Allerdings könnte die Herangehensweise etwas zu optimistisch gewählt sein, diesbezüglich auf derart junge Fahrer zu setzen, die den Anforderungen bei den GTs gewachsen sein müssen. Eventuell hätte auch an dieser Position nachgebessert werden sollen, ein erfahrener Rundfahrer hätte Entlastung bedeuten können.

 

Aber das wird man erst nach 2007 genauer einschätzen können. Ein frommer Wunsch wäre, dass die Erfolgsstory weiter geschrieben wird - und von Doping gar nicht die Rede sein muss.


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