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Saisonbilanz Française des Jeux

von Steamboat, Januar 2007

Layout & Bildredaktion: MrsFlax

© Fotos: * www.cyclingimages.com, ** Mani Wollner, *** www.velo-photos.com, **** www.capture-the-peloton-com, **** Kian




Ein vierblättriges Kleeblatt ist das Logo der Lotteriegesellschaft Française des Jeux. Dieses Glückssymbol ist überdimensional auf dem Trikot der Equipe abgebildet. Die vier Blätter standen in diesem Sinne für die Hoffnung, die man in dieser Saison besonders mit vier Fahrern des Rennstalls verband. Dieses Quartett hatte die Aufgabe, bei der sportlichen Ausgestaltung des Jahres durch gute Ergebnisse aufzufallen, denn Française des Jeux war nicht ganz frei von Kritik, mit den Anforderungen der Pro Tour (PT) überfordert zu sein. Der Rennstall gilt ob seiner Zusammensetzung als zu jung bzw. nur unzureichend besetzt – mit Ausnahmen, wie die Saison beweisen sollte. Außerdem werden gerade die Fähigkeiten der französischen Akteure als limitiert angesehen.






* FDJeux... McGee



... beim ... Larsson



... Giro Monnerais



Somit tragen besonders die Ausländer in der Equipe die Bürde der Verantwortung auf ihren Schultern. Zuerst soll diesbezüglich der Belgier Philippe Gilbert genannt werden. Er zählt zu den Hoffnungsträgern besonders bei den Klassikern. Dann, wenn nicht zu viele Berge zu überwinden sind, muss auf ihn geachtet werden. Somit sah man bei ihm auch Chancen, Etappen in Ausreißergruppen für sich zu entscheiden.



Bei den eintägigen Veranstaltungen sollte er nach den Wünschen des Teammanagements um Marc Madiot vom Österreicher Bernhard Eisel unterstützt werden oder - je nach Situation - diesen unterstützen. Der Alpenrepublikaner war als Sprinter für die Tour de France vorgesehen. Bei günstigem Verlauf sollte er in den Kampf um das Grüne Trikot eingreifen. Und wenn sich die Siegchance bei einem flachen Klassiker ergeben sollte, wären ihm kaum Steine in den Weg gerückt worden.





** Mittendrin und - dank ProTour - auch dabei



Einen Sprung in die Weltspitze bei den Rundfahrten und Hügelklassikern erhoffte man sich von Thomas Lövkvist. Der Schwede, der auf Grund seines juvenilen Alters eigentlich noch Anleitung benötigt, sollte die Rolle des Kapitäns wenn möglich bei einer GT übernehmen. Als Nebenprodukt löste er Bradley McGee ab, der 2006 bewies, dass er zu einem GT-Kapitän entgegen der Erwartungen nicht taugte. Stattdessen war der Australier auserkoren, bei den Einzelzeitfahren wieder vorne einzugreifen.

 

Andere Protagonisten im Team waren Sandy Casar, der sicherlich an guten Tagen im Klassement bei kleineren Rundfahrten eine positive Rolle spielen kann. Allerdings ergaben sich Zweifel, ob er mehr zu leisten imstande ist, da er in der Vergangenheit zeigte, dass der erhoffte Leistungssprung ausblieb.





** Schnittig: Philippe Gilbert beim Giro-Prolog

Die Stärken von Française des Jeux waren sicherlich nicht in erfolgreichen Teilnahmen bei den Rundfahrten und auch nicht im Erzielen starker Resultate bei Klassikern zu suchen. Im Gegenteil - bei diesem Team schienen Chancen auf Etappensiege am größten zu sein, wenn sich einige erfahrene Hasen Ausreißergruppen anschließen würden. Zu diesen sind sicherlich Christophe Mengin und Fréderic Guesdon zu zählen.

 

Tja, und dann hoffte man wohl, dass sich einer der zahlreichen Youngster im Kader durchsetzen würde. Ein unerwarteter Coup von einem dieser Talente wie z.B. Remy Di Gregorio wurde sehnlichst erhofft. Er sollte Illusion bleiben, die Sensation der Saison blieb einem alten Recken vorbehalten.

 

Einige pessimistische Annahmen wurden allerdings vortrefflich widerlegt, während andere skeptische Vorhersagen eintrafen.



Pro Tour

Pro Tour Klassiker

 

Eisel rückte für die Frühjahrsklassiker in den Fokus. Vorübergehend gelangte er in den Favoritenkreis für die Flandern-Rundfahrt, nachdem er die Rundfahrt Driedaagse van de Panne als Zweiter beendete. Die Hoffnungen erfüllten sich nicht, er wurde "nur" Fünfzehnter. Damit war er aber bester Fahrer des Teams. Gilbert, ein anderer Anwärter auf eine gute Platzierung und Sieger von Omloop Het Volk (1.HC), sah das Ziel hingegen erst gar nicht.






*** Alles... Gilbert



... nette... Detilloux



... Kerlchen? Eisel



Bei Gent-Wevelgem lief es schon besser, und der Österreicher wurde Siebter. Damit strich der erste Fahrer des Teams bei einem Klassiker PT-Zähler ein. Schon am Folgewochenende sollte er dann weitere Punkte einfahren. Er hielt sich lange Zeit in der Spitzengruppe bei Paris-Roubaix auf und fiel erst überraschend spät den Tempoverschärfungen zum Opfer. Das macht Mut für die nächsten Jahre. Als Achter erreichte er das Velodrom von Roubaix. Und nicht nur er durfte sich über die inflationäre Punkteflut freuen, auch seine Teamkollegen Guesdon und Mengin kamen die Top Ten. Allerdings profitierten die drei von der Disqualifikation eines Trios, das einen Bahnübergang bei heruntergelassenen Schranken regelwidrig passierte. Deshalb rückte Eisel vom achten auf den fünften Rang vor, während Guesdon dadurch Siebter und Mengin Neunter wurde. Damit schaffte Française des Jeux, das nicht gerade für übermäßigen Punkteerwerb in der PT bekannt ist, ein exzellentes Ergebnis, das durch das hervorragende Mannschaftsresultat noch abgerundet wurde. Weil solche Tage selten für diesen Rennstall sind, muss auf das tolle Resultat explizit hingewiesen werden.





** Eine holprige Saison? Lag sicher nur am Kopfsteinpflaster!

Bei den wallonischen Rennen sollte es diesbezüglich schon wieder ganz anders aussehen. In den Ardennen gab es für das Team nichts zu gewinnen. Zwar gelang Gilbert mit einem 21. Rang noch ein halbwegs zufriedenstellendes Resultat beim Fleche Wallone. In der PT-Teamwertung gab es aus den drei Rennen einen von möglichen sechzig Punkten. Durch diese 'Ausbeute' wurde einmal mehr deutlich, dass bei hügeligem Terrain für das Team nicht viel zu holen sein würde.

 

Lövkvist wartete mit einem respektablen 12. Rang bei der Klasika San Sebastian auf. Dieses Ergebnis blieb aus der zweiten Saisonhälfte lange das einzige, das es positiv zu vermelden gab. Aber noch stand ein Rennen in Frankreich an.





** Immer schön "sauber" bleiben - auch in Roubaix!

Das Jahr seines Mannschaftskollegen Guesdon verlief meist recht still, wenngleich ihm das eine oder andere erwähnenswerte Resultat gelang. Er zählte eigentlich nicht zu den Köpfen des Teams. Seinen Karrierehöhepunkt hatte er längst erreicht. Mit dem Sieg bei Paris-Roubaix 1997 trug er sich unauslöschlich in die Geschichtsbücher ein. Danach gab es kaum noch identisch spektakuläre Schlagzeilen über ihn.

 

Bei Paris-Tours schloss er sich einer Ausreißergruppe an, und man dachte, dass diese noch vor dem Ziel wieder vom Feld geschluckt sein würde. Es kam aber anders. Zusammen mit Kurt-Asle Arvesen hielt er durch und bezwang schließlich den Norweger vor dem nahenden Feld in Tours. Damit schaffte er nochmals einen großen Sieg, und die Equipe kam ein wenig unverhofft doch noch zu einem bemerkenswerten Saisonerfolg. Und ausgerechnet ein Franzose hatte ihn errungen… Da ist es zu verschmerzen, dass der eigentliche Kapitän für dieses Rennen, Gilbert, den 13. Platz belegte.






**** Beim... Ladagnous



... Criterium... Joly



... International. Roy



Pro Tour Rundfahrten

 

McGee besann sich kurzzeitig wieder auf seine Stärke – den Kampf gegen die Uhr. Dem Team ging zwar so ein Leader für die GTs verloren, aber seine Qualitäten liegen nun mal in dem genannten Segment. Beim Auftaktprolog von Paris-Nizza erreichte er den dritten Platz. Auch Casar, der einst gar einmal Zweiter dieser Rundfahrt werden konnte, erreichte einen dritten Platz beim sechsten Abschnitt. Am Ende wurde er Zwölfter der Rundfahrt, Lövkvist wurde Neunzehnter.





***** Bradley McGee: "Komm', du kleiner Prolog! Du willst es doch auch."

Beim Prolog der Tour de Romandie bot sich McGee erneut die Möglichkeit, sich ins Rampenlicht zu schieben. Er packte die Gelegenheit beim Schopfe und wurde wie beim Rennen zur Sonne Dritter. Auch beim Prolog des Giros landete er auf dem Treppchen. Nach zwei dritten Prologrängen folgte nun ein zweiter. Im Mannschaftszeitfahren überraschte Française des Jeux übrigens mit dem fünften Rang.

 

Für die größte Sensation in Italien sorgte aber Casar. Zunächst schloss er sich bei der 14. Etappe von Aosta nach Domodossola einer Ausreißergruppe an, mit der er viel Zeit für die Gesamtwertung gut machte. Dann allerdings gelang es ihm, seine vordere Position zu verteidigen, so dass er Mailand als Sechster im Gesamtklassement erreichte. Damit konnte man wahrlich nicht rechnen.

 

Durch die Nachrichten vom Giro offensichtlich beflügelt, fasste sich Gilbert bei der zweiten Etappe der Dauphine Libéré ein Herz. Er wagte einen Ausreißversuch, wobei er teaminterne Unterstützung von Sebastien Joly sowie externen Support von Cedric Vasseur erhielt. Das Trio hielt das Hauptfeld stets auf beachtliche Distanz. Gilbert zog schließlich alleine davon, gewann mit mehr als fünf Minuten Vorsprung und schaffte sich ein komfortables Zeitpolster in der Gesamtwertung, das allerdings nach der Ankunft auf dem Mont Ventoux aufgebraucht war. Dass ein Radrennfahrer vermutlich nicht im selben Kalenderjahr zwei so gegensätzliche Veranstaltungen wie den Omloop Het Volk und das Criterium du Dauphine Libéré gewinnen kann, bewahrheitete sich durch diese Bergetappe. Beim letzten Tagesabschnitt erreichte er aber im Sprintfinale den dritten Rang, um so erneut für die PT zu punkten. Di Gregorio blieb aber als Neunzehnter PT-zählerlos, war aber bester Française des Jeux-Fahrer im Klassement.






*** Roy als "Puck, die Stubenfliege"



*** "Ziiiiiiiiiiiiiieeeeeh, Gilbert!!!"



Bei der Tour de France fielen die Akteure weniger auf. Eisel hatte zu Beginn gar überlegt, auf einen Start zu verzichten, weil er sich in einem Leistungstief wähnte. Er ließ sich aber dann doch von einer Teilnahme überzeugen. Sein bestes Ergebnis war der vierte Platz bei der sechsten Etappe von Lisieux nach Vitre. Gustav Erik Larsson gelang ein achtbares Ergebnis mit dem fünften Rang im Zeitfahren von Saint Gregoire nach Rennes. Das war es aber auch schon an positiven Schlagzeilen.





*** Lövkvist 'ins kalte Wasser geworfen'? Die Haare trocknen schon wieder!

Lövkvist verschwand in den Tiefen des Klassements – am Ende war er als Dreiundsechzigster noch Teambester. Es bestehen Zweifel, ob er künftig besser abschneidet, wenngleich man ihm Zeit zugestehen sollte, aber vielleicht wäre es für den Skandinavier vorteilhafter, wenn er sich im Schatten eines Routiniers entwickelt, als so früh ins kalte Wasser geworfen zu werden. Zum GT-Leader taugt er jedenfalls vorerst nicht. Casar ist möglicherweise reif für diese Rolle. Sein Resultat bei der Großen Schleife ist zwar enttäuschend, hängt vermutlich aber mit dem Ausgang des Giro zusammen. Den dort gebliebenen und investierten Kräften musste er offensichtlich und erklärlich Tribut zollen. Das bedauerliche Kurzfazit nach der GT ist, dass kein Zähler für die PT-Einzelwertung eingesammelt wurde – mit dem viel kritisierten System der Rennserie als Anhaltspunkt ist das Abschneiden als durchwachsen einzuordnen.

 

Gilbert beendete eine lange PT-Punkte-lose Zeit durch den dritten Rang bei der sechsten Etappe der ENECO Tour Benelux, als er in Sint Truiden im Massensprint gegen David Kopp und Marco Zanotti den Kürzeren zog. Jedoch setzte er sich bei der letzten Etappe in Ans durch und siegte als Solist mit knappen Vorsprung vor dem Feld. Dadurch belegte der Belgier in der Gesamtwertung den vierten Rang - ein schönes Ergebnis. Larsson landete schließlich auf dem 19. Rang.

 

Lövkvist hingegen verfehlte bei der Polen-Tour knapp die Top Ten. Rund 20 Sekunden hinter dem Zehnten wurde er Elfter. Der große Wurf in dieser Saison blieb ihm jedoch versagt; Guesdon belegte den 18. Rang.

 

Die Vuelta a Espana wurde mit der pflichtgemäßen Teilnahme beehrt. Lediglich Eisel schien Ambitionen anmelden zu wollen. Zwei sechste Etappenränge sind nicht das Gelbe vom Ei aber schon das beste, was Française des Jeux in den drei Wochen zu bieten hatte. Eric Leblacher schaffte den 33. Platz im Klassement – kein Teamkamerad war besser.



Outside Pro Tour



***** Eisel: Mittlerweise wieder vom weltmeisterlichen Trinkflaschen-Attentat genesen

Française des Jeux brachte sich früh in der Saison in die Schlagzeilen. Für die erste positive Erwähnung sorgte Eisel im arabischen Raum. Er durchbrach bei der Tour of Qatar (2.1) die Dominanz von Tom Boonen und sicherte sich einen Etappensieg. Bei den anderen vier Tagesabschnitten hatte er aber eindeutig das Nachsehen.

 

Dafür feierte er bei der Volta ao Algarve (2.1) einen weiteren Tageserfolg. Zudem rundete er einen gelungenen Frühstart mit dem zweiten Gesamtplatz beim Costa Azul (2.1) ab. Der Österreicher konservierte seine Leistung. Er nährte die Hoffnung seines Teams, dass er zu herausragenden Leistungen bei den Kopfsteinpflasterklassikern fähig sein könne. In der Vorbereitung auf diese Monumente trat die Equipe bei Driedaagse van de Panne-Koksijde (2.HC) an, wo Eisel auf Anhieb der zweite Rang glückte. Am nächsten Tag setzte er noch einen drauf, als er die entsprechende Etappe zu seinen Gunsten entschied. Im Gesamtklassement war schließlich nur Leif Hoste besser.

 

Zum frühen Saisonerfolg sahen sich auch Leblacher beim Etoile des Besseges (2.1) sowie Neo Mathieu Ladagnous bei der Mittelmeer-Rundfahrt (2.1) veranlasst, die beide je eine Etappe gewannen. Ladagnous machte beim Circuit Lorraine (2.1) von sich reden, als er den zweiten Platz beim ersten Tagesabschnitt belegte.






** TTT in Eindhoven: Optisch...



... immer wieder ein Genuss



Bei der Mittelmeer-Rundfahrt zeigte sich ebenso, dass die Mannschaft gut miteinander harmoniert - sie belegte im Teamzeitfahren den zweiten Platz. Ebenfalls einen zweiten Tagesrang im Verlauf der Rundfahrt realisierte Lövkvist.

 

Den vorerst größten Coup des ersten Quartals landete Gilbert, der sich im Finale des prestigeträchtigen Halbklassikers Omloop Het Volk (1.HC) absetzte und damit über Boonen & Co triumphierte. Dieser Sieg gab berechtigten Anlass, Gilbert, der bereits beim GP d'Ouverture La Marseillaise (1.1) den zweiten Platz belegte, zu den Sieganwärtern der Flandern-Rundfahrt zu rechnen. Diesen Anspruch untermauerte er durch den zweiten Rang beim GP Samyn (1.1). Gilbert blieb weiterhin Fachmann für zweite Ränge bei französischen Eintagesrennen. Bei der Trophée des Grimpeurs - Polymultipliée (1.1) ergatterte er den nächsten.





**** Muttertag? Nö! Gilbert bekommt die Blümchen bei der Eneco Tour

Im Spätsommer glänzte er dann aber wieder mit Siegen. Zunächst feierte er einen wichtigen Erfolg beim GP Fourmies (1.HC). Letztlich erreichte er alleine das Ziel, nachdem er zwei Mitstreiter kurz vorher abgeschüttelt hatte. Auch den GP Wallonie (1.1) gewann er. Bei diesem Rennen musste er sich allerdings der hartnäckigen Gegenwehr von Nick Nuyens erwehren, der sich im Ziel nur knapp geschlagen gab. Gilbert hatte zwar einen starken Herbst, deswegen gewann er jedoch nicht jede Veranstaltung. Beim G.P. Isbergues (1.1) kam er zwar mit dem späteren Sieger Vasseur auf die Zielgerade, aber der Franzose hatte an diesem Tage die besseren Nerven, so dass Gilbert nur der zweite Platz blieb. Mit gehörigem Abstand auf das Duo erreichte Guesdon zudem den dritten Rang.

 

Neben diesen Ergebnissen verblasst ein wenig der dritte Platz von Lilian Jégou bei Cholet – Pays de Loire (1.1). Auch der dritte Platz im Zeitfahren von Benoit Vaugrenard beim Circuit de la Sarthe (2.1) zählt zu den Achtungserfolgen des Teams.





***** "Hääähhh?!?" Sandy Casar

Mengin zeigte sich beim Circuit Lorraine (2.1) in Aktion. Er belegte bei der letzten Etappe den dritten Rang. Die Route du Sud (2.1) nutzten einige Fahrer als Vorbereitung für die Tour de France. Zählbares sprang allerdings kaum heraus. Beim Bergzeitfahren überzeugten Casar und Larsson mit dem zweiten und dritten Platz.

 

Dass Lorbeeren der Vergangenheit welken können, musste Frederic Finot feststellen. Der einstige Träger des Gelben Trikots fand bei der Nominierung des Kaders für die Tour de France keine Berücksichtigung. Dafür fuhr er bei der Tour du Doubs (1.1), die zeitgleich zum Start der Grande Boucle stattfand. Für manchen Franzosen stellt diese Teilnahme ein Trostpflaster für die Nichtberücksichtigung im Tourkader dar, die anderen verstehen es eher als Strafe. Finot machte das Beste daraus und wurde Dritter.



Arnaud Gérard vermied ein größeres Debakel des Teams bei der Tor de L'Ain (2.1). Gewinnen konnte er zwar keine Etappe, aber beim letzten Abschnitt schob er sich zumindest auf einen dritten Rang.





** Tour de l'Avenir: Wo sind die denn plötzlich alle?

Bei der Tour du Poitou Charentes (2.1) fiel bei der zweiten Etappe eine Vorentscheidung, weil sich eine Gruppe von ca. 20 Fahrern absetzte, die mit zehn Minuten Vorsprung den Ausgang des Abschnitts unter sich ausmachte. Der Sieger war Jussi Veikkanen, der sich im Ausscheidungsfahren gegen die anderen Konkurrenten behauptete. Zum Sieg im Endklassement reichte es für den Finnen jedoch nicht. Im Zeitfahren verlor er den entscheidenden Boden. Schließlich durfte er sich aber über den dritten Gesamtplatz freuen.

 

Mickael Delage setzte sich beim Auftakt der Tour de l'Avenir (2.1) durch. Er gewann vor Cyrille Monnerais. Beide hatten ein Polster von ca. 20 Sekunden vor den Verfolgern. Ein zweiter Sieg bei der so genannten Zukunftstour gelang Di Gregorio, der die achte Etappe gewann. Interessant sind hier die Parallelen zum Erfolg von Delage. Auch Di Gregorio hatte bei seinem Sieg nur noch einen Mitstreiter im Finale zu bezwingen. Gemeinsam mit Philip Deignan hatte er sich abgesetzt. Den Iren konnte er schließlich im Schach halten. Zwar keinen Sieg, aber zumindest einen dritten Etappenrang erreichte Ladagnous beim dritten Abschnitt dieser Rundfahrt.



Nationale Meisterschaften

Wenn es in Frankreich schon nicht zu nationalen Titelehren reichte, so überzeugten besonders die Nordlichter der Equipe mit guten Resultaten. Larsson siegte überlegen vor seinem Stallgefährten Lövkvist im Zeitfahren über eine Strecke von 50 Kilometern. Lövkvist ergänzte den Triumph des Teams in Schweden durch den Sieg im Straßenrennen, als er als Solist das Rennen für sich entschied.






*** Veikkanen - Finne, aber kein Skispringer



* Larsson - Schwede, aber kein Eisangler



Veikkanen jubelte über einen Sieg bei den finnischen Meisterschaften. Er hielt die nationale Konkurrenz auf Distanz. In Belgien versuchte Gilbert, den Titel zu gewinnen. Aber auch er ließ sich von Nico Eeckhout überraschen, setzte sich aber vor Boonen im Kampf um den zweiten Platz durch.



Zwischen die Speichen gesehen...

Überraschende Siege für kleinere PT-Teams begleitet meist ein eigenartiger Charme. Sie übertünchen und verhüllen Misserfolge, Durststrecken und Enttäuschungen.





**** Criterium



**** International



Da macht der Sieg von Guesdon keine Ausnahme. Dabei drücken die blanken Zahlen lediglich aus, dass dieser Erfolg nur einer von drei PT-Siegen war - die anderen beiden gingen auf das Konto von Gilbert. Damit bildet man gemeinsam mit Bouygues Telecom und Milram das Schlusslicht unter den PT-Teams. Die Bilanz wird nicht freundlicher, wenn man die zweiten (1) und dritten Etappenplätze (5) bei PT-Rundfahrten hinzuzählt.

 

Ferner lässt sich nicht verbergen, dass nur sechs Fahrer (Gilbert, Eisel, Casar, McGee, Guesdon und Mengin) am Sammeln der 172 PT-Zähler beteiligt waren. Die zweite und dritte Fahrerreihe des Rennstalls ist den Anforderungen dieser Rennserie kaum gewachsen. Diesen Eindruck konnten die routinierten Fahrer wie Carlos Dacruz, Christophe Detilloux, Finot, Jégou oder Joly nur unzulänglich widerlegen. Youngsters wie Ladagnous und Di Gregorio können diese Lücken noch nicht schließen, wenngleich sie hoffnungsvolle Ansätze lieferten.





*** Guesdon: in "glücklichen Umständen"?



Sicherlich gab es Lichtblicke in der Saison. Dazu gehörten Casars sechster Rang beim Giro und das mannschaftlich geschlossene Auftreten bei Paris-Roubaix. Sie wurden jedoch meist von Wellentälern abgelöst. Gerade mal eine Tagespodiumsplatzierung wurde bei den zahlreichen GT-Etappen erzielt.

 

Dem Sieg von Guesdon haftet bei allem Wohlwollen dennoch der Makel "glückliche Umstände – wenn auch nicht unverdient" an. Ein solches Ereignis scheint nicht beliebig häufig wiederholbar, sondern stellt eher ein Unikat dar.

 

Alleine an den nackten Zahlen lässt sich ablesen, wie stark der Rennstall im Vergleich zu den anderen Mannschaften steht. In der PT-Mannschaftswertung wurde man Letzter. Die 172 Punkte, die die Fahrer in der Einzelwertung errangen, erlaubten immerhin den Sprung auf den 18. Platz. In der Mannschaftswertung der Pro Tour bleibt aber nur der letzte Platz. Als bester seines Teams belegte Guesdon den 48. Rang. Auf Platz 68 und 71 folgen Gilbert und Casar. Der Rest (Eisel – 79., McGee 145. und Mengin 149.) ist schnell erwähnt. Diese Resultate belegen die Vermutung, dass man im Sinne der Akteure bei Française des Jeux überlegen sollte, ob eine Zugehörigkeit der Equipe zur 'Belle Etage' immer sinnvoll ist. Die Konzentration auf einige wenige PT-Rennen wäre vermutlich förderlicher. Panaria macht seit Jahren vor, dass man auch als vermeintlich unterklassiges Team recht erfolgreich im Kampf gegen die starke Konkurrenz sein kann.





** Larsson gibt Gas



Wie bereits gesagt, ist die zweite Reihe kaum in der Lage, in die Bresche zu springen, wenn die Leitwölfe schwächeln, weil diese meist selbst noch Anleitung benötigen. Von ihnen dürfte Gilbert am ehesten in der Lage sein, als Führungsfigur uneingeschränkt zu bestehen. Eisel hatte seine Glanzform im Frühjahr. Damals konnte er Boonen zeitweilig bei der Tour de Qatar in Bedrängnis bringen. Bei der Tour de France hatte er einen Hänger und eignete sich weder zum Gegenspieler von Boonen, noch bot er Robbie McEwen oder Thor Hushovd Paroli. Lövkvist blieb die Saison über hinter den Erwartungen, McGee degenerierte mehr und mehr zum Mitläufer.

 

Andere Fahrer brillierten bei kleineren Rennen in Frankreich. Das entspricht ihrem Entwicklungsstand und ist individuell auch akzeptabel. Für das Konstrukt Pro Tour aber ist das eher zu wenig. In dieser Rennserie führten sie auch im zweiten Jahr der Zugehörigkeit ein Schattendasein. An der sportlichen Eignung bestehen Zweifel, dennoch gerät auch die künftige Teilnahme nicht in Gefahr. Allerdings dürfte der Verbleib von Française des Jeux in der PT den Kritikern und den Organisatoren der GTs ein Dorn im Auge sein und Anlass bieten, sich auch künftig mit der UCI anzulegen. Leider!






*** FDJeux... Larsson



... beim EZF... Lövkvist



... der WM Vaugrenard



Allerdings soll nicht unerwähnt bleiben, dass der Rennstall bis dato nicht in Zusammenhang mit den aktuellen Dopinggeschichten gebracht werden kann. Von manchem konkurrierenden Team würde man sich wünschen, sich an der Haltung von Française des Jeux ein Beispiel zu nehmen. Inwiefern allerdings damit erklärt werden kann, dass es sportlich meist nur zu hinteren Rängen reicht, kann der Autor aufgrund fehlender Allwissenheit nicht sagen. Auch diesbezüglich gilt die Unschuldsvermutung.



Top Acht

Gilbert – Casar – Guesdon – Eisel – Mengin – McGee – Larsson – Lövkvist





* Da hat man doch gerne mal das Nachsehen...



 

1. Gilbert: Zwei Etappensiege bei PT-Rundfahrten sowie der vierte Platz bei der ENECO-Tour berechtigen Gilbert, sich als Bester seines Teams zu fühlen. Zudem gewann er noch die Halbklassiker Omloop Het Volk und GP Fourmies.

2. Casar: Er erreichte bei einer GT den sechsten Rang. Solch ein Ergebnis gab es für einen Franzosen schon lange nicht mehr. Der Schönheitsfehler: Casar holte ihn beim Giro und nicht bei der Tour.

3. Guesdon: Ganz überraschend gewann er Paris-Tours. Dazu gesellt sich noch ein siebter Platz in der Hölle des Nordens. Nicht schlecht für ein vermeintliches Auslaufmodell.

4. Eisel: Fünfter bei Paris-Roubaix und Siebter bei Gent-Wevelgem, dazu noch einige Etappenerfolge bei kleineren Rundfahrten. Er ist auf dem Weg zum großen Durchbruch.

5. Mengin: Aufgrund einer Disqualifikation in die Top Ten von Paris-Roubaix gerutscht.

6. McGee: Der australische Rouleur schaffte einen zweiten Platz beim Auftakt zum Giro. Ansonsten fuhr er ganz unauffällig.

7. Larsson: Der Schwede deutete an, dass er Potential beim Einzelzeitfahren hat.

8. Lövkvist: Der schwedische Straßenmeister blieb deutlich hinter den Erwartungen. Lediglich mit dem 11. Platz bei der Polen-Tour und dem 12. Rang bei der Klasika San Sebastian deutete er Qualitäten an.



Ausblick

Wenn auch künftig ein Glückskleeblatt das Team symbolisiert, dann nehmen Gilbert, Casar, Guesdon und Lövkvist die entsprechenden Positionen ein. McGee hat sich auf Grund seiner Leistungen aus diesem Kreis vorerst verabschiedet, Eisel erhörte die Lockrufe von T-Mobile und verließ das Team.





**** Auch in Zukunft "Alle Mann in einem Boot"?



Ob sich Guesdon im zweiten Frühling befindet oder lediglich ein paar gute Tage hatte, wird sich zeigen. Die Skepsis überwiegt, ob er in der nächsten Saison ein ähnlich gutes Resultat wie bei Paris-Tours, ja selbst wie bei Paris-Roubaix schaffen wird. Casar ist nach der Performance dazu verdammt, bei der Tour als Kapitän an den Start zu gehen und möglichst in die Top Ten zu fahren. Dann und nur dann kann man davon sprechen, dass er wirklich eine Ausnahmeposition beanspruchen kann. Lövkvist sollte sich in seinem Schatten entwickeln, um sich allmählich den Futtertrögen, die da Top-Ten-Ergebnisse heißen, zu nähern.

 

Gilbert muss unter Beweis stellen, dass man zu Recht auf ihn bei den Klassikern in Flandern zählt. Ein Ergebnis auf dem Podium liegt im Bereich des Möglichen. Aber die Realisierung hängt auch von anderen Faktoren ab. Er benötigt ein gutes Team, das ihm auch den Rücken freihalten kann. In dieser Hinsicht muss die Equipe zeigen, dass mehr Format in ihr steckt. Ansonsten darf ein Teamwechsel nach 2007 kein Tabuthema für Gilbert sein.

 

Die Neuzugänge haben durchgängig nur Ergänzungscharakter und werden kaum eine Schlüsselposition auf Anhieb beanspruchen. Das gilt für Thierry Marichal genauso wie für Sébastien Chavanel. Neben Eisel büßte man zu allem Leidwesen gar noch eine Option für die Rennen ein. Larsson, der Potential als Rouleur erkennen ließ, schlüpft 2007 in ein anderes Trikot (Unibet).






** EZF bei der "Eneco":



einfach schön...






... anzusehen!



Also muss man annehmen, dass Française des Jeux auch in der nächsten Saison das Prinzip Hoffnung strapazieren wird. Aber wenn man ehrlich ist, muss man befürchten, dass das alte Schlusslicht in der Teamwertung der PT nach der Saison 2007 auch das neue sein könnte. Aber vielleicht trägt die Nachwuchsarbeit unerwartet Früchte…. Zu wünschen wäre es der Equipe.


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