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Saisonbilanz Acqua & Sapone 2006

von Steamboat, Januar 2007

© Fotos: * www.caputure.the-peloton.com, ** www.cycling-pics.com, *** Mani Wollner




Ehre, wem Ehre gebührt!

Der Radrennstall Acqua & Sapone-Caffé Mokambo war 2006 dermaßen erfolgreich, dass er unangefochten auf dem ersten Platz der UCI Mannschaftswertung landete. Alleine diese Tatsache deutet daraufhin, dass der Equipe ein optimales Jahr gelang, wobei beim wahren italienischen Highlight, dem Giro, nur die Rolle als Zaungast blieb. Und – diesen Aspekt muss man als Wermutstropfen ansehen – das könnte sich 2007 eventuell wiederholen, da keine Automatismen durch dieses erfolgreiche Abschneiden ausgelöst werden, die der Equipe eine Starterlaubnis garantieren würden. Ein Start beim Giro erfolgt nur, wenn die Organisatoren eine Wildcard an den Rennstall vergeben, oder wenn sich die Equipe um Manager Palmiro Masciarelli und Sportdirektor Bruno Cenghialta erfolgreich um eine Pro-Tour (PT)-Lizenz bewerben sollte; denn ein Aufstieg in sportlicher Sicht ist mit dem vermeintlichen "Platz an der Sonne" in der Teamwertung nicht verbunden.





* Andrea Tonti bei der Coppa Agostini

Die Eckpunkte des tollen Abschneidens sind schnell aufgeführt und erläutert. Diese Truppe hat den anderen Mannschaften etwas voraus. Gleichsam dominant und explosiv wie Dynamit verfügte Acqua & Sapone über Sprengstoff, der sich mit TNT im folgenden Text abkürzen lässt: Tonti & NocenTini. Der Sprengstoff hatte lediglich menschliche Gestalt angenommen, war nicht lebensgefährlich, aber er war vielerorts nachhaltig zu vernehmen.

 

Andrea Tonti – er stand jahrelang treu ergeben an der Seite von Danilo Di Luca und mühte sich für dessen Erfolge. Aber Ende 2005 trennten sich die Wege, und Tonti schloss sich dem Professional Team an. Endlich konnte er unter Beweis stellen, dass mehr in ihm steckte, als man bisher gesehen hatte. Außerdem kam positiv hinzu, dass er einen Partner hatte, mit dem er sehr gefährlich agieren konnte:





* Rinaldo Nocentini bei Tre Valli Varesine

Rinaldo Nocentini – schon mehrere Jahre hielt er sich nicht mehr in der Belle Etage des Radsports auf, da es ihm nicht gelang, sich bei Fassa Bortolo oder Mapei durchzusetzen. Aber 2006 sollte sein Jahr werden, in dem er mehr als nur einmal zeigte, dass er zu größerem fähig ist.

 

Daneben verblassten andere Akteure fast schon. Aber natürlich dürfen sie nicht unerwähnt bleiben oder in ihrem Wirken unterbewertet werden. Zu ihnen zählten u.a. der Weißrusse Kanstantsin Siutsou, der Kolumbianer Mauricio Soler oder Giuseppe Palumbo.

 

Die Erfolgsgeschichte beginnt, aber in der Pro Tour ließ sich diesbezüglich nur wenig finden. Ergo: Acqua & Sapone war jenseits der PT-Veranstaltungen stark.



Pro Tour

Auch 2006 nahm der Rennstall - wie erwähnt - nicht am Giro teil. Deswegen stellte bereits die Rundfahrt Tirreno-Adriatico einen Saisonhöhepunkt im Kalender des Teams dar. Nocentini belegte im Gesamtklassement den 14. Rang und vermochte trotz starker Konkurrenz zu überzeugen. Er erreichte einen vierten und zwei sechste Etappenplätze im Rahmen der Rundfahrt. Unterstützung unterhielt er bei diesem Rennen zwischen den Meeren von Alexandr Arekeev, Gabriele Balducci, Palumbo, Simone Masciarelli, Sprinter Andrus Aug, Soler und Tonti.

 

In der entscheidenden Phase von Mailand-San Remo prägte Nocentini das Rennen mit, wenngleich die Mühen nicht für den Sprung unter die besten Zehn genügten. Er belegte als Erster seines Teams den 33. Rang. Die Besetzung des Classicissima-Kaders war mit der von Tirreno-Adriatico nahezu identisch, lediglich Andrea Rossi rückte für Tonti ins Team, während Andrea Masciarelli seinen Bruder Simone ersetzte.

 

Bei der Lombardei-Rundfahrt durfte der Rennstall auf Grund einer Wildcard nochmals an den Start. Arekeev konnte sich gut im Hauptfeld halten und beendete den Wettbewerb als 27., ohne allerdings in die Entscheidung eingegriffen zu haben. Acqua & Sapone wurden von den Masciarelli-Brüdern, TNT, Palumbo, Siutsou, Arekeev und Stefano Cavallari vertreten.

 

Aus den PT-Rennen konnte unter dem Strich aber nichts Verwertbares mitgenommen werden. Keine der Platzierungen erbrachte einen Zähler für die PT-Wertung.



Outside Pro Tour



* Zieleinlauf bei Tre Valli Varesine

TNT bei A&S

 

Nocentini bewies bereits zu Saisonbeginn seine vorzügliche Form. Er sorgte für die ersten erwähnenswerten Ergebnisse. An erster Stelle muss sein dritter Platz bei der Trofeo Laigueglia (1.1) genannt werden. Hervorzuheben wäre auch sein Abschneiden bei der Mittelmeer-Rundfahrt (2.1), wo es neben einem zweiten und einem dritten Etappenplatz schließlich zum fünften Gesamtplatz reichte.

 

Der erste Saisonsieg ging ebenfalls auf sein Konto. Der Giro dell'Appennino (1.1) diente einigen italienischen Fahrern als Vorbereitung für den Giro. Für Acqua & Sapone war dieses Rennen die Möglichkeit, die Giro-Verantwortlichen darauf hinzuweisen, dass man eine Wildcard verdient gehabt hätte. Nocentini bezwang die fünf Mitstreiter einer Fluchtgruppe und feierte den Triumph, der zugleich der Auftakt zu weiteren ersten Plätzen seinerseits werden sollte.

 

Tonti erreichte bei der zweiten Etappe des Giro del Trentino (2.1) den dritten Rang – direkt hinter seinen ehemaligen Teamkollegen Damiano Cunego und Gilberto Simoni. Mehr Fortune - und man möchte auch hinzufügen, dass er sich das Glück verdient hatte - hatte Tonti bei der Bicicleta Vasca (2.HC). Schon den zweiten Tagesabschnitt beendete er als Sieger. Solche Erfolge konnten noch einen angenehmen Nebeneffekt erzielen. Da noch nicht klar war, ob evtl. ein oder mehrere Teams wegen der Doping-Affäre um Fuentes von der Tour de France ausgeschlossen werden würden, war ein solcher Erfolg durchaus eine geeignete Bewerbungsunterlage. Es blieb aber für Acqua & Sapone eine Illusion an der Grande Boucle teilzunehmen. Die Tour-Organisatoren rangen sich nicht zu einer spontanen Einladung durch.





** Tonti auf dem Podium bei der Friedensfahrt

Tonti und Nocentini – die beiden Aushängeschilder von Acqua & Sapone entschieden den GP Fred Mengoni (1.1) mit einem Doppelsieg für ihren Rennstall. Beide gaben dem Feld das Nachsehen und konnten den ersten Platz unter sich ausfahren. Tonti gewann das Rennen im Rahmen der 2 Giorni Marchigiana.

 

Nocentini sollte das Gefühl, nach größten Anstrengungen doch nur Zweiter geworden zu sein, bald nach dem Rennen selbst wieder erleben dürfen. Bei der Tre Valli Varesine (1.HC) war es aber kein Stallgefährte, den er nicht bezwang, sondern Stefano Garzelli erwies sich an dem Tag als zu stark.

 

Dafür sicherte Nocentini sich dann den Sieg beim Giro del Veneto (1.HC). Bei der Ankunft einer größeren Gruppe setzte er sich wieder durch und feierte den Sieg bei dem sehr prestigeträchtigen Rennen. Auch den Coppa Placci (1.HC) gewann er, als er alle anderen Konkurrenten abschütteln konnte.

 

Bei der Coppa Agostini (1.1) erfüllte abermals Tonti die Rolle des Zweitplatzierten. Bei diesem Rennen allerdings muss man Kritik an der Zusammenarbeit der Delegation äußern. Vier Fahrer des Teams gehörten einer 12köpfigen Spitzengruppe an. Ihnen gelang es nicht, eine Taktik zu entwickeln und umzusetzen, die einem ihrer Fahrer (neben Tonti auch Nocentini, Siutsou und Arekeev) die Möglichkeit gegeben hätte, sich entscheidend abzusetzen.






* Nocentini auf ...



... dem Podium bei ...



... Tre Valli Varesine



Die "Anderen"

 

Neben Nocentini und Tonti blieben andere Teamkollegen nicht frei von guten Ergebnissen. Allen voran fällt einem da Routinier Balducci beim GP de la Ville de Rennes (1.1) ein, als er den Sieg nur knapp verpasste. Aber auch Palumbo machte auf sich aufmerksam, als er beim Giro d'Oro (1.1) den zweiten Rang belegte. Auch bei der Bicicleta Vasca war er am Start. Dort langte es zu einem dritten Etappenrang in einer Sprintentscheidung.





** Im Wertungstrikot bei der Friedensfahrt: Siutsou

Veteran Balducci vertrat die Teamfarben u.a. bei der Friedensfahrt (2.1). Bei der dritten Etappe musste er sich bei einer Massenankunft mit dem dritten Rang zufrieden geben, als Danilo Hondo den Sprint gewinnen konnte. Etwas besser machte es Siutsou, der die anspruchsvolle fünfte Etappe nach Altenberg gewann. Ferner übernahm er damit auch die Führung in der Gesamtwertung, diese verlor er aber wieder nach der sechsten Etappe. Daran konnte auch der zweite Platz von Palumbo im Zielort Meerane nichts mehr ändern.

 

Am letzten Tag der Rundfahrt schafften der Este Aug und der Russe Arekeev noch die Plätze zwei und drei. Den Gesamtsieg verfehlte Acqua & Sapone um sechs Sekunden. Tonti, der sich nie ganz vorne bei den Tagesresultaten zeigte, errang jenen zweiten Rang im Klassement. Der Formation war bei dieser Rundfahrt gelungen, sich in guter Form zu präsentieren. Lieber wäre das Team sicherlich beim zeitgleich stattfindenden Giro gestartet.





** Ebenfalls bei der Friedensfahrt am Start: Zrimek

Eine andere Delegation startete im selben Zeitraum bei der Circuit Lorraine (2.1). Dort deutete der junge Soler, welches Talent in ihm steckt. In der Zukunft dwird man wohl noch viel von ihm hören dürfen. Er gewann mit mehr als zwei Minuten Vorsprung die zweite Etappe nach Gerardmer. Einen solchen Fahrer hätte man sicherlich auch gerne beim Giro erlebt. Zum Trost durfte sich der Südamerikaner über den Gesamtsieg bei dieser Rundfahrt in Frankreich freuen, weil jene Etappe maßgeblich für das Klassement wurde, da er dieses praktisch mit dem selben Abstand zu seinen Gunsten entschied. Es sollte der einzige Gesamtsieg der Saison bleiben.

 

In die Entscheidung der Vuelta Ciclista A Burgos (2. HC) griff Soler nicht ein, aber er erreichte bei der vierten Etappe, einer Bergankunft, den zweiten Platz und distanzierte einige klangvolle Namen.

 

Aug gehörte zu den Fahrern, die zu einem Renneinsatz bei der Slowenien-Tour (2.1) berufen wurden. Bei der Anfangsetappe belegte er ebenso den dritten Platz wie auch bei der letzten Etappe.

 

Sioutsou entwickelte sich im Laufe seiner jungen Karriere zu einem veritablen Fahrer. Beim Subida al Naranco (1.1) verpasste er ein vorläufiges Karrierehighlight, als er bei der Bergankuft "nur" Zweiter wurde. Er begnügte sich beim GP Industria Commercio e Artigianato Carnaghese (1.1) mit dem dritten Rang, als er im Finale Felix Cardenas und Jakob Piil Storm nicht mehr stand halten konnte und die zwei ziehen ließ.





** Ondrej Sosenka

Crescenzo D'Amore belegte bei der letzten Etappe der Brixia-Tour (2.1) den dritten Rang. Bei der Massenankunft konnte er Paride Grillo und Simone Cadamuro nicht in die Schranken weisen.

 

Denis Bertolini sprintete bei der Auftaktetappe der Tour du Poitou-Charentes (2.1) vergebens um den Tagessieg mit, den sich Said Haddou (Auber 93) genehmigte. Hinter Samuele Marzoli belegte er den dritten Rang.

 

Cavallari hielt sich seine Chancen bei der Tour du Poitou-Charentes (2.1) auf den Gesamtsieg auch nach der zweiten Etappe noch offen. Er zählte zu einer Gruppe von 21 Akteuren, die zehn Minuten vor dem Peloton im Ziel ankamen. Allerdings wurden die Gruppenmitglieder zum Ende der Etappe zu ernsten Gegnern, die sich gegenseitig nichts schenkten, bis die Gruppe allmählich in Kleingrüppchen und Einzelfahrer zersplitterte. Cavallari ergatterte den zweiten Rang.

 

Und einen Sieg gab es doch noch: Balducci gewann bei einer Etappenankunft der Settimana Ciclista Lombarda (2.2).



Nationale Meisterschaften

Ondrej Sosenka wurde fast schon erwartungsgemäß tschechischer Meister im Zeitfahren und hielt sich schadlos. Er distanzierte die Konkurrenz deutlich und profitierte davon, dass Jan Hruska nicht am Start war.



Zwischen die Speichen gesehen...

Platz Eins in der UCI Mannschaftswertung - ist damit schon alles gesagt? Das könnte man - oberflächlich betrachtet - wohl meinen. Dabei dient das Team sogar als geeignetes Beispiel, um womöglich fehlerhafte Entwicklungen identifizieren zu können, wenn man sich die Bilanz genauer betrachtet.

 

Es ist richtig, dass TNT ein starkes Duo war, das mit dem zweiten (Nocentini) und sechsten Rang (Tonti) zwei sehr starke Platzierungen in der UCI Europe schaffte. Dennoch bleibt die Lücke zu anderen Mitgliedern der Mannschaft unübersehbar, auch wenn mit Siutsou (59.) und Soler (89.) zwei Akteure auf Platzierungen verweisen können, die nicht als schlecht bezeichnet werden dürfen.

 

Subtrahiert man die Siege des Quartetts, das überdies die Equipe verlässt, von den Saisonsiegen, so bleibt keiner mehr übrig, da sämtliche Siege auf die Konten der vier Fahrer gehen. Nocentini schaffte drei Erfolge und Tonti zwei, das macht deutlich wie sehr die zwei Fahrer fehlen werden. Mit beiden liest sich das Jahresergebnis des Rennstalls grandios, ohne das Duo verhält sich die Situation aber schon deutlich anders und kann mögliche Fehlentwicklungen nur mäßig kaschieren.






* Doppel-Tonti bei Coppa Bernocchi...



... und Coppa Agostini mit Siegerstrauß



Auffällig ist ferner, dass die Bilanz eine gewisse Einseitigkeit auszeichnet. Die Stärken der Mannschaft sind ohne Zweifel bei den Eintagesrennen zu finden. In diesem Segment gab es 12 Podestplatzierungen, demgegenüber kann man nur zwei Treppchenresultate bei Rundfahrten vermelden. Allerdings glänzte man auch bei Etappenankünften, wie 17 Notierungen auf Platz drei bzw. besser beweisen.

 

Bei den PT-Rennen lässt sich die eindeutige Dominanz der Acqua-&-Sapone-Fahrer nicht nachempfinden, d.h. die tollen Platzierungen und Siege wurden nur bei Veranstaltungen möglich, die nicht zu den Hochklassigsten des Radsports zählen. Kein Fahrer hätte bei den jeweiligen Teilanahmen einen PT-Zähler sammeln können und, abgesehen von Nocentinis Ergebnis bei Tirreno-Adriatico, verdienen die Platzierzungen der Akteure die Bezeichnung "Durchschnitt". Diese Bewertung verdient deswegen Beachtung, weil künftig Nocentini, Tonti, Soler und Siutsou nicht mehr mit von der Partie sein werden, sich die Situation eher nicht bessert dürfte.



Top Acht

Nocentini – Tonti – Soler – Siutsou – Balducci – Sosenka – Aug – Palumbo

 

Nocentini: Wer die Nummer zwei in der UCI Europe wird, hat vieles in der Saison richtig gemacht. Der Sieg beim Giro del Veneto sticht heraus. Ob Nocentini allerdings nahtlos in der PT Anschluss findet, muss man sehen.

Tonti: Er kann es also doch und muss nicht nur den Edeldomestiken spielen. Er nutzte den Abstecher zu Acqua & Sapone, um seinen Wert zu erhöhren und danach in ähnlicher Rolle wie zuvor zu einem Branchenführer zu wechseln.

Soler: Der einzige Rundfahrtsieg geht auf seine Kappe. Aber auch ihn zieht es weiter.

Siutsou: Bei der Friedensfahrt war er mal ganz vorne. Hätte jetzt eine Leaderposition übernehmen können, aber auch ihn zieht es weiter.

Sosenka: Er wurde mal wieder tschechischer Zeitfahrmeister, er stand aber im zweiten Glied der Equipe. In der Saison 2007 zieht auch er ein anderes Trikot an.

Balducci: Der Altmeister zeigte sich hin und wieder an vorderster Front. Ein Sieg gelang ihm aber nur bei einem kleineren Rennen.

Aug: Der Balte schaffte einige erwähnenswerte Tagesergebnisse, konnte aber der Equipe nicht gerade seinen Stempel aufdrücken.

Palumbo: Einige Achtungsergebnisse schaffte er, aber sein Beitrag zur Teambilanz hätte höher ausfallen können.



Ausblick



** Arekeev im Einsatz

Angenommen, Acqua & Sapone hätte die Verpflichtung, mit jener ermittelten Top Acht einen Renntermin im Jahr 2007 wahrzunehmen, dann gäbe es ein Problem. Ein halbes Dutzend dieser Auswahl hat nämlich den Rennstall verlassen – Tonti zu Quick Step, Nocentini zu Ag2r, Soler und Siutsou zu Barloworld, Sosenka zu Intel-Action und Aug zu Ceramica Flaminia. Und der übrig gebliebene Rest und die anderen Mannschaftsmitglieder trugen weniger durch Siege als durch Helferdienste zur tollen Saisonausbeute des abgelaufenen Jahres bei.

 

Aus dieser Sicht muss man schon fast einen Neuanfang befürchten. Dieses mag bedauerlich sein, da man ja bereits mit einem Auge Richtung PT-Lizenz schielte, aber daraus letztlich nichts wurde. Das gute Abschneiden in den UCI-Rennen sorgt per se nicht dafür, dass Acqua & Sapone eine Wildcard für den Giro bekommt. Die Organisatoren der GT könnten, insbesondere durch den personellen Umbruch der Equipe bedingt, eher von einer Einladung absehen, obwohl möglicherweise mehr Wildcards bei der dreiwöchigen Rundfahrt als zuvor ausgelobt werden könnten.

 

Zwar konnte mit Garzelli ein ehemaliger Girogewinner verpflichtet werden, aber die weiteren Neuerwerbungen tragen durchaus bekannte Namen – Dario Andriotto, Massimo Codol, Giuseppe Muraglia -, aber größere Erfolge haben sie allgemein nicht vorzuweisen. Das verhält sich zwar bei Frank Vandenbroucke anders, aber der Belgier hat in den vergangenen Jahren nichts an Problemen ausgelassen, was auszulassen gewesen wäre (Trainingsdisziplin, Doping, Motivation, Ehe, Alltagsgestaltung und zum Schluss Identität). Ob er nach zig verschiedenen Versuchen, die nach z.T. erfolgversprechenden Ansätzen meist gemein hatten, im Chaos zu enden, noch einmal Anschluss finden wird, muss stark bezweifelt werden. Ansonsten kommen nur noch Neos, wobei besonders der Name Masciarelli auffällt. Es handelt sich dabei um Francesco, der ein Bruder von Andrea und Simone ist. Und Palmiro ist der Vater der drei, um ein seltsames und ungewöhnliches Bild im Peloton zu komplettieren.






*** Bei der WM im Nationaltrikot...



... und mit vollem Einsatz: Rinaldo Nocentini



Nach der Saison entstanden einige Misstöne, für die sich der Rennstall selber zur Verantwortung ziehen muss. Der Aderlass bzw. der Verlust der beiden Topfahrer mag auf der einen Seite bedauerlich sein und dem Streben nach Erfolgen und Fortkommen erhebliche Dämpfer verpassen. Dass diese Enttäuschung auf der anderen Seite darin mündet, dass Kontakte zu einzelnen Patienten des Arztes Eufemiano Fuentes hergestellt werden, sollte nicht mit Wohlwollen kommentiert werden. In einer Zeit, in der die Öffentlichkeit ausgesprochen sensibel auf Dopinganschuldigungen reagiert, kann es fatale Auswirkungen haben, wenn die Rennställe diese Vorgänge ignorieren oder zumindest billigen. Es ist verständlich, dass Acqua & Sapone zum Giro will, aber deswegen darf nicht jedes Mittel (Anm.: keine Doppeldeutigkeit an dieser Stelle beabsichtigt) recht und billig sein, um sich Vorteile zu verschaffen. Damit gerät nicht nur der Rennstall nebst Sponsoren in Misskredit (eine Tatsache, die nicht unterschätzt werden sollte, damit wird auch der Radsport weiter in die Schmuddelecke gerückt), sondern die Sportart selbst auch. Eine ähnlich angeschlagene Reputation hat ansonsten eigentlich nur noch das Gewichtheben. Und diesbezüglich wird überlegt, ob das Gewichtheben den Status der olympischen Sportart einbüßt.

 

Wohlgemerkt, der Rennstall Acqua & Sapone kann nicht für die Fehlentwicklungen und Unzulänglichkeiten des Radsports verantwortlich gemacht werden, aber es muss sich der Lage bewusst sein, dass die kritisierte Vorgehensweise nicht zur Glaubwürdigkeit der Sportart in der Öffentlichkeit beiträgt. Und aus dieser Verantwortung darf man sich heute nicht mehr stehlen.

 

Sollte es bei der momentanen Mannschaftskonstellation bleiben, muss man sicherlich um die Teilnahme beim Giro bangen. Glaubt man den Gerüchtequellen, werden andere Rennställe von den Veranstaltern vorgezogen. Auch wenn man nicht vom Neubeginn reden möchte, die Equipe muss sich beweisen, dass sie dem Kader von 2006 in nichts nachsteht. Ansonsten muss als wahrscheinlich gelten, dass nur Starts bei Tirreno-Adriatico sowie bei den zwei italienischen GTs möglich bleiben werden.


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