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Saisonbilanz Navigators Insurance 2006

von Steamboat, Januar 2007

© Fotos: Mani Wollner




Das Rennteam aus den USA - das Navigators Insurance Cycling Team - hatte für die Saison 2006 wieder seine Starterlaubnis als Professional Team erneuert. Da die USA derzeit noch als Pro Tour veranstaltungsfreie Zone gilt, ergibt sich nicht umgehend die Sinnhaftigkeit eines entsprechenden Vorhabens, zumal der Rennstall Absichten bei den NCR-Rennen anmeldet, die in Nordamerika eine eigene Rennserie außerhalb der UCI darstellt.

 

Zurück zur PT. Solange die Rundfahrten und Eintagesrennen in Nordamerika nicht den Charakter von PT-Rennen haben, muss die sportliche Leitung um Manager Edward Beamon und Bob Rasenberg auf die Gnade der PT-Rennveranstalter aus Europa hoffen. Allerdings wurde über Klagen dieser Organisatoren bekannt, dass sich zu wenige Rennställe um Tickets bemühen würden, so dass die Bemühungen schon fast einen aussichtslosen Charakter annahmen. Die Navigators profitieren aber noch von vergangenen Lorbeeren. Ihr ehemaliger Fahrer Henk Vogels beendete das Rennen Gent-Wevelgem 2004 auf dem Podest, so dass sich die Veranstalter gerne an die Equipe erinnern und auch 2006 mit einer WildCard versahen.

 

Neben dieser Veranstaltung schaute die Equipe in die Röhre. Die PT-Highlights fanden ohne Beteiligung der Navigatoren statt. Alternativ widmete sich der Rennstall den Verpflichtungen in der Heimat. Einen anderen wesentlichen Bestandteil im Rennkalender stellten nämlich die Veranstaltungen in Amerika, die nicht als UCI-Rennen gelten, dar. Die in diesen Rennen erzielten Erfolge spielen bei dieser Beurteilung und Betrachtung keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Die gemeinsame Komponente, um mit den PT und anderen Professional Teams verglichen zu werden, bleibt der UCI-Kalender. Das begründet, weshalb die Analyse für Navigators gemessen an Siegen und Erfolgen anhand der UCI-Rennen nicht deren wahren Saisonverlauf widerspiegelt. Aber diese Grenze muss gezogen werden.

 

Zur Konstellation der Mannschaft wäre folgendes auszuführen: Die Equipe setzte sich auf den ersten Blick merkwürdig zusammen. Neben einem Quintett US-amerikanischer Fahrer gehörten drei Australier, zwei Russen, zwei Iren, ein Italiener, ein Kanadier, ein Kolumbianer, ein Ukrainer und ein Usbeke zur Formation. Die Saison sollte zeigen, dass es an Verständigungsproblemen zwar nicht mangelte, aber die großen Erfolge erzielten andere Equipen. Star der Truppe war der ehemalige U 23 Weltmeister Sergej Lagutin aus Usbekistan. Aber auch der Name eines Olympiasiegers (auf der Bahn), Martin Nothstein, in Diensten der Navigators, sagt dem Kenner der Sportart etwas. Die anderen Mitglieder der Mannschaft hatten sich in der einen oder anderen Form sicherlich schon in Szene gesetzt, aber die meisten sagen nur dem Spezialisten etwas.



Pro Tour



Valeriy Kobzarenko gibt alles

Die Navigators bekamen eine Einladung zu Gent-Wevelgem. Die Siegesaussichten waren natürlich nur theoretischer Natur. Der Beste des Teams landete bei dem Halbklassiker auf dem 60. Rang. Es war der Australier Hilton Clarke, der die Teilnahme in Belgien mit Anstand zu Ende brachte. Da diese Teilnahme auch die einzige bleiben sollte, werden seine Mitstreiter namentlich aufgeführt: Benjamin Brooks, Glen Chadwick, Oleg Grischkine, Valeriy Kobzarenko, Lagutin, David O'Loughlin und Bernhard Van Ulden.



Outside Pro Tour



Benjamin Brooks bei der Arbeit

Man konnte sich im Voraus darauf einstellen, dass man sich fast nur außerhalb der PT präsentieren dürfte. Deswegen war man schon verdammt dazu, möglichst viele Erfolge in den UCI-Rennen einzufahren, sofern man künftig überhaupt eine Chance haben wollte, von den PT-Organisatoren berücksichtigt zu werden. In den Fokus gerieten jedoch neben den Resultaten in Europa auch die Tour Of California (2.1) und die Tour Of Georgia (2.HC).

 

Bei der Tour Down Under (2.HC) waren besonders die Australier gefragt. Clarke belegte bei der zweiten Etappe den vierten Rang, während Chadwick die vierte Etappe als Fünfter beendete. Den Saisonbeginn konnte man zwar nicht als verheißungsvoll bezeichnen, aber zumindest fiel das Navigators Insurance Cycling Team auf.

 

Van Ulden erklomm als erster Vertreter seines Teams ein Podium, als er bei der Tour de Langkawi (2.HC) einen dritten Etappenplatz erreichte. Bei der neunten Etappe wurde er zudem Vierter. Erwähnenswert ist der vierte Rang des Kolumbianers César Grajales im Gesamtklassement.





Sergey Lagutin beißt

Aus den USA jedoch gab es wenig zu vermelden. Bei der Kalifornien-Rundfahrt übte man sich in Zurückhaltung. Auch bei der Tour Of Georgia gratulierte man anderen Fahrern. Zumindest bei der Auftaktetappe fiel einer auf. Der Russe Vassili Davidenko beendete diese als Fünfter. Die fünfte Etappe beendete Grajales mit dem vierten Rang. Es waren nicht die Nordamerikaner, die bei den (UCI-)Veranstaltungen in den USA brillierten. So blieb es Lagutin überlassen, beim Lancaster Classic (1.1) den dritten Platz zu belegen. Vierter wurde Clarke. Beim Reading Classic (1.1) schaffte Lagutin gar den Sprung auf den zweiten Rang. Beim Philadelphia Int. Champ (1.HC) war es Grischkine, der einen Podestrang als Dritter eroberte, nachdem er sich im Finish nicht durchsetzen konnte.

 

Auch bei den .2 Rennen waren es zunächst keine US-Amerikaner, die die Akzente setzten. Beim GP Cycliste de Beauce (2.2), einem kanadischen Rennen, freute sich Lagutin über den Sieg bei der dritten Etappe. Kobzarenko (Ukraine) war erfolgreicher. Er sicherte sich die erste Etappe sowie den Gesamtsieg. Schließlich gelang im September Shawn Milne beim Univset GP (1.2) ein Sieg im Stammland des Sponsors. Milne ist US-Amerikaner.

 

In Europa hatte Lagutin weniger Erfolg. Bei Paris-Brüssel (1.HC) musste der Asiate mit dem vierten Platz vorlieb nehmen. Beim G.P. Isbergues (1.1) wurde er Fünfter. Etwas besser schnitt er beim GP Jef Scherens (1.1) ab, den er als Dritter beendete, allerdings hatte er keine Möglichkeit, den Wettbewerb für sich zu entscheiden.

 

Clarke gelang in seiner Heimat bei der Herald Sun Tour (2.1) der einzige Saisonsieg des Teams in einem höherklassigen Rennen. Er setzte sich bei der ersten Etappe im Finish gegen drei Mistreiter durch. Sein Teamkollege Phil Zajicek belegte im Klassement den vierten Platz. Dieser kam durch gute Leistungen sowohl bei der fünften Etappe als auch im folgenden Zeitfahren zustande, wo er jeweils vierte Tagesränge belegte.

 

Ciaran Power sicherte sich überdies einen Etappensieg bei der FBD Insurance Ras (2.2) im heimischen Irland.



Nationale Meisterschaften



Uzbekischer Landesmeister: Sergey Lagutin

In Irland suchte Power ein Erfolgserlebnis bei den nationalen Meisterschaften. Im Straßenrennen unterlag er jedoch David McCann und gab sich mit dem zweiten Platz zufrieden.

 

Bei den Meisterschaften in den USA verfehlten Fahrer des Teams die Podien. Auf der Straße wurde Burke Swindlehurst Vierter. Gegen die namhafte Konkurrenz wie Hincapie oder Leipheimer hatte er keine Chance. Van Ulden wurde im Zeitfahren Fünfter. Ihm fehlten 35 Sekunden zum Sprung aufs Podium.



Zwischen die Speichen gesehen...



Valeriy Kobzarenko bei 'Hel van het Mergelland'

Es war etwas mau, was die Equipe bei den UCI-Rennen ablieferte. Ein Saisonsieg spricht eine deutliche Sprache für die Zurückhaltung bei den entsprechenden Veranstaltungen. Gelegentlich stand mal ein Akteur auf dem Podium, aber insgesamt war die Saison durchwachsen. Zwar konnte bei Eintagesrennen mal ein akzeptables Resultat verbucht werden, aber bei den Etappenrennen war sowohl bei den meisten Tagesankünften als auch im Klassement Tristesse angesagt.

 

Inwiefern die Saison ein Flop aus der Sicht eines europäischen Betrachters war, lässt sich anhand der UCI Mannschaftswertung erkennen. Die Navigators belegten den 65. Rang. Nur zwei Professional Teams (Team Vorarlberg, Health Net) waren schlechter.

 

Einen Erfolg stellt lediglich dar, dass sich die Akteure in vier kontinentalen Ranglisten geführt werden. In der UCI Europe war Lagutin der beste Navigator als 193. Auch in der UCI America blieb er der erste Mann des Teams als 10 und in der UCI Asia als 42. Clarke war dafür in der UCI Oceania als 24. die Nummer Eins in der Equipe. Respektabel sind die Ergebnisse anderer Athleten in der Wertung America, wo Kobzarenko 19. geworden ist und Grischkine sich mit Milne den 69. Rang teilt. Grajales belegte in der UCI-Asia den 55. Platz, während aich Chadwick 43. und Brooks als 74. in der UCI Oceania Einzüge unter den ersten hundert Fahrernotierungen hielten.

 

Das Abschneiden in den NRC-Rennen in Nordamerika ist, wie bereits mehrfach erörtert, in der Analyse nicht berücksichtigt. Dann sähe womöglich die Besetzung der Top Acht anders aus. Allerdings soll diese Rennserie, die trotz des Fehlens bekannter europäischer Kontrahenten nicht unterschätzt werden soll, nicht Gegenstand der Beurteilung werden, da auch die Lorbeeren, die manch Radsportler abseits der UCI-Straßenrennen erzielt (z.B. Francis Mourey von Francaise des Jeux), nicht in die Bewertung einbezogen werden. Darüber mag man denken, wie man will. Man kann ja alternativ selbst ein entsprechendes Review erstellen, um über das Tagwerk von Zajicek oder Davidenko Protokoll zu führen.



Top Acht



Kobzarenko quält sich

Lagutin – Clarke – Grischkine - Van Ulden – Kobzarenko – Milne – Grajales – Power

 

Lagutin: Er schnitt vergleichsweise am besten von seinen Teamkollegen ab. Bei zwei Eintagesrennen stand er auf dem Podium, und stritt noch am ehesten um gute Platzierungen mit.

Clarke: Er sorgte für den einzigen richtigen Saisonsieg in Australien, war zudem bester bei Gent-Wevelgem.

Grishkine: Der Russe hatte auch mal einen Podestplatz bei einem Eintagesrennen inne.

Van Ulden: Einmal Etappendritter in Australien. Dazu kam er bei den nationalen Zeitfahrmeisterschaften auf den fünften Rang

Kobzarenko: Er schaffte einen Gesamtsieg in einer 2.2 Rundfahrt.

Milne: Er siegte bei einem 1.2 Eintagesrennen

Grajales: Er deutete bei Rundfahrten an, dass er zu besseren Leistungen fähig ist.

Power: Schaffte den zweiten Platz bei den irischen Meisterschaften und sorgte für einen Etappensieg bei einer 2.2 Rundfahrt.



Ausblick



Benjamin Brooks - auch 2007 noch Navigator

Nur zu sagen, dass man es besser machen muss als 2006, ist zu wenig. Wenn man sich in Europa etablieren möchte, dann ist die Ergebnislage 2006 als mehr als dürftig zu bezeichnen. So sollte es nicht verwundern, wenn es in der anstehenden Saison keine Wildcard geben wird.

 

Dabei werden allerdings auch einige Fahrer fehlen. Nothstein und Davidenko stiegen endgültig vom Rad, Grajales, Mark Walters und Milne tun es schon aber künftig für andere Teams. Auch Swindlehurst sowie Siro Camponogara und verließen die Truppe.

 

Von den Neuankömmlingen besitzt keiner das Format, auf Anhieb ein großes UCI Rennen zu gewinnen. Eher ergänzen sie die Truppe und fügen sich in die bisherigen Teamstrukturen ein. Mit Benjamin Day verstärkt ein weiterer Fahrer die Fraktion der Radler vom fünften Kontinent. Darren Lill und Victor Rapinski haben im Peloton bereits Erfahrungen gesammelt, die sie weitergeben können.

 

Erstes Ziel muss sein, bei den wenigen US-Rennen, die im UCI-Rennkalender zu finden sind, eine gute Figur abzugeben. Andererseits kann es auch eine Motivation sein, in der eigenen Rennserie eventuell verlorenen Boden gut zu machen.


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