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Saisonbilanz Health Net-Maxxis 2006

von Steamboat, Januar 2007

© Fotos: Niniel




Das Team aus den USA trat 2006 zum ersten Mal als Professional Team in Erscheinung. Ihr Aufstieg in die Riege der Professionals überraschte, da mit Einladungen zu Pro Tour (PT) Rennen kaum zu rechnen war. Wenn man den Rennstallfunktionären, Manager Thierry Attias und Sportdirektor Jeff Corbett, sportliche Ambitionen unterstellt, dann darf man dieses Unterfangen als Standortbestimmung umschreiben. Möglicherweise wollte man sich auch von den anderen Continental Teams aus den USA unterscheiden, dann erfolgte dieser Schritt aus Prestigegründen. Oder man wollte neue Pfade beschreiten. Kann man diese Motivation dann als Leichtsinn werten? Oder hoffte man auf einen Start bei einem PT-Rennen? Das wäre Traumtänzerei.

 

Die Notwendigkeit, als Professional Team künftig zu starten, ergab sich augenscheinlich nicht. Schließlich richtete man die Saison darauf aus, in der UCI-unabhängigen Rennserie (NRC) das stärkste nordamerikanische Team zu werden. Jedenfalls sah sich keiner der PT-Rennveranstalter veranlasst, die weitgehend unbekannte Mannschaft von Health Net-Maxxis mit dem Vertrauen und einer Wildcard auszustatten. Womöglich galt die Saison 2006 als Zwischenstation, so dass man eine solide Grundlage in Form von guten Resultaten schafft, um 2007 mit einem PT-Start rechnen zu dürfen.

 

Die Namen der Teamfahrer sagten dem Betrachter meist nur wenig. So wusste man über den Australier Nathan O´Neill , dass er als veritabler Zeitfahrer gilt. Auch Hayden Roulston , ein Neuseeländer, hatte schon einen etwas höheren Bekanntheitsgrad. Er zählte mal zum Aufgebot von Discovery Channel. Jeff Louder, Scott Moninger und auch der Kanadier Gordon Fraser zählten zu den Fahrern, deren Namen im Laufe der Jahre Ergebnisse zugeordnet werden konnten. Aber Popularität ist was anderes.

 

Ähnlich wie die Kollegen vom Navigators Insurance Cycling Team musste man sich besonders in der Heimat beweisen. Deswegen richtete sich der Fokus besonders auf das Abschneiden der Equipe, die sich als dritte Kraft nach Discovery Channel und den Navigators verstand, bei den Rundfahrten Tour Of California (2.1) und Tour Of Georgia (2.HC.).





Outside Pro Tour



Unterwegs bei der Friedensfahrt: Karl Menzies

Viele Einladungen zu Rennen in Europa gab es nicht zu verzeichnen. Die Fahrer von Health Net suchten ihr Heil bei den Rennen in den USA. Die Teilnahme bei der Tour Of California erbrachte jedoch nicht die Topresultate, die zur Steigerung des Bekanntheitsgrades und zum Nachweis der Leistungsfähigkeit nötig gewesen wären. O´Neill´s fünfte Ränge sowohl im Zeitfahren als auch im Gesamtklassement sind angesichts der Konkurrenz nicht schlecht, ebenso konnte sich Fraser als Vierter nach zwei Sprintentscheidungen Respekt verschaffen, aber zu mehr langte es nicht.

 

Bei der Tour Of Georgia (2.HC) reichte es bei der Abschlussetappe immerhin zu einem zweiten Platz durch Fraser. Für vierte Etappenränge waren zweimal Karl Menzies , übrigens ein Bodybuilder, und einmal O´Neill – im Zeitfahren – zuständig. Er belegte in der Gesamtwertung als bester seines Teams den siebten Platz.

 

Etwas besser verlief die Teilnahme bei einem der Eintagesrennen in den USA. Gregory Henderson gewann die Reading Classic (1.1) – bei einer Streckenlänge von 120 km (!). Der vierte Platz ging übrigens an Kirk O´Bee . Henderson siegte nochmals – beim Philadelphia Int.Champ. (1.HC) setzte er sich durch.

 

Bei der traditionsreichen und prestigeträchtigen Friedensfahrt (2.1) in Europa startete eine Formation von Health Net. Immerhin sprang ein dritter Etappenrang von O´Bee dabei raus, der nach dem sechsten Abschnitt gefeiert wurde. O´Bee gehörte einer fünfköpfigen Spitzengruppe an, die die „Steile Wand“ in Meerane zum Scharfrichter erkor. Gegen Erwin Thijs und Giuseppe Palumbo konnte der Amerikaner aber nichts ausrichten. Am nächsten Tag war Menzies um einen Platz besser. Im Finish konnte er Lubor Tesar nicht bezwingen und belegte in Thale den zweiten Rang.

 

Bei der Herald Sun Tour (2.1) gab es noch einige vermeldenswerte Ereignisse. So glückte Menzies bei der zweiten Etappe ein Sieg, als er mit einem kleinen Vorsprung das Ziel erreichte. Am Tage zuvor erreichte er einen dritten Platz. Er wurde im Klassement Vierter, während Henderson sich sogar auf den zweiten Rang vorschieben konnte.

 

Das Team begab sich auf Nischensuche, um Siege zu feiern. So startete es in Neuseeland zur Tour of Wellington (2.2). Hayden Roulston konnte drei Etappenerfolge vor eigenem Publikum erzielen und sich den Gesamtsieg sichern. Sein Teamkollege Henderson komplettierte die Erfolgsgeschichte in Neuseeland mit einem weiteren Tagessieg.

 

Ebenso gewann Roulston die Tour Of Southland (2.2), wo er und Henderson sich auch über Tagessiege freuen durften. Bei der Tour Of Taiwan (2.2) war es O´Bee , der im Klassement die Nase vorn hatte. Außerdem sorgte er für einen weiteren Etappensieg.



Nationale Meisterschaften

O´Neill wurde erneut australischer Landesmeister im Zeitfahren.



Zwischen die Speichen gesehen...



Auf sächsischen Straßen

Drei Saisonsiege wurden erzielt. Einige Achtungserfolge kamen dazu, und dennoch bleibt noch vieles zu tun. Es kann nur besser werden, denn in der UCI Mannschaftswertung wurde man als schlechtestes Professional Team nur 103. wurde. Selbst manches Continental Team aus der USA war besser.

 

Nicht schlecht ist die Platzierung in der UCI America, in der Henderson Sechster wurde. O´Neill beendete die Saison in dieser Wertung auf dem 61. Platz, während O´Bee 86. wurde. Henderson belegte in der UCI Oceania den achten Platz, ihm folgt Menzies als 19. und O´Neill als 36. In der UCI Asia wurde Louder als 137. notiert, während in Europa Menzies der beste Health Net- Fahrer wurde – als 561.

 

Diese Rückbetrachtung bezieht sich nur auf die Ergebnisse der UCI-Wettbewerbe. Dass man damit den Leistungen der Equipe nicht gerecht wird, wenn diese ihren Fokus auf die NRC-Rennen ausrichtet, ist nachvollziehbar. Eine Analyse müsste an dieser Stelle gesondert erfolgen, allerdings würde das den Rahmen der Betrachtung sprengen, da sich der Autor vornehmlich auf die UCI-Rennen beschränkte. So kamen Scott Moninger, Menzies, O´Neill & Co zu einer Menge weiterer Erfolge, darunter ca. 60 Siege, die in dieser Bilanz nicht berücksichtigt werden können.



Top Acht

Henderson – Menzies – O´Neill – Roulston – O´Bee – Fraser– Louder – Peltonen

 

Henderson: Er gewann zwei Eintagesrennen und schnitt in der UCI America gut ab. Künftig fährt er bei T-Mobile.

Menzies: Der Kraftprotz schaffte einen Etappensieg in seiner Heimat Australien.

O´Neill: Seine Paradedisziplin ist und bleibt der Kampf gegen die Uhr.

Roulston: Zumindest bei den 2.2. Rundfahrten war er eine Bank.

O´Bee: In Taiwan und bei der Friedensfahrt gab er seine Visitenkarte ab.

Fraser: Zeigte sich bei den prestigeträchtigen Sprintetappen in Kalifornien.

Louder: 127. in der UCI Asia

Peltonen: Platz 1082 in der UCI Europe und Platz 205 in der UCI Asia.



Ausblick

Besser möge es werden, aber dafür muss man zunächst den Aderlass verkraften. Henderson und Roulston sind Vergangenheit und auch Fraser wird fehlen. Der Kanadier beendete seine Laufbahn. Auch Roulston wird dieser Schritt wohl nicht erspart bleiben. Zudem verließen weitere Fahrer die Truppe.

 

Die bekannteste Neuverpflichtung hört auf den Namen Ryder Hesjedal. Der Kanadier kam nach der Auflösung von Phonak. Auch Rory Sutherland hat schon in anderen Sphären Luft geschnuppert. Er wurde aber von Rabobank wegen Dopingverdächtigungen vor die Tür gesetzt. Shawn Milne wurde bei den Navigators abgeworben und der Brite Russell Downing verstärkt die Equipe.

 

Viel bleibt nicht zu sagen. Für Schlagzeilen muss die Equipe selber sorgen. Ob allein die Verpflichtung von Hesjedal ausreichen wird, dass nun doch mal eine PT-Wildcard den Weg zu Health Net findet?

 

Oder es bleibt dabei, dass Health Net weiter erfolgreich durch die NRC-Rennen radelt. Dann allerdings bleibt man aus UCI-Sicht eine Randerscheinung. Aber das muss ja auch nicht tragisch sein...


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