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Saisonbilanz 3 C Casalinghi-Androni Giocattoli

von Steamboat, Januar 2007

© Fotos: * capture-the-peloton.com, ** Mani Wollner




Dieses Team fiel in der Saison zunächst dadurch auf, dass es seinen Namen von Androni Giocattoli in "3 C Casalinghi – Androni Giocattoli" änderte. Das Management um Mauro Mortera und das Sportdirektorium, in persona von Davide Bofaiva, hofften, für eines der Rennen der Pro Tour (PT) nominiert zu werden. Diesbezüglich waren die Voraussetzungen alles andere als rosig, da viele italienische Rennställe als Professional Teams um Wildcards konkurrierten. Erschwert wurde die Ausgangslage dadurch, dass Rennställe wie Selle Italia und Barloworld praktisch als italienische angesehen wurden, obwohl sie eine ausländische Lizenz innehatten. Für die Equipe waren das denkbar schlechte Voraussetzungen, und so wurde dieser Wunsch nicht erfüllt.

 

Ansonsten konnte das Saisonziel nur lauten, sich so teuer wie möglich zu verkaufen, um wenigstens 2007 in die große Radsportwelt hineinzuschnuppern. Dafür waren aber Siege nötig. Und auch damit tat sich das Team sehr schwer. Wohl auch deswegen, weil der Rennstall nominell eher mäßig besetzt war. Es gab nur wenige Akteure, die sich bisher einen Namen im Peloton gemacht hatten.





Outside Pro Tour

Teilnahmen an Veranstaltungen, die eine .1 oder HC-Eingruppierung hatten, waren sehr selten. Podiumsplatzierungen gab es folglich fast gar nicht zu bejubeln. Deswegen muss man schon einige Ergebnisse suchen, damit man überhaupt etwas zur Equipe sagen kann.

 

Als eines der besseren Resultate muss schon der dritte Platz von Marco Marcato bei einer Sprintankunft des Giro del Trentino (2.1) gelten. Bei der vierten Etappe schlug er sich wacker gegen große Konkurrenz, musste aber Daniele Bennati und Maximilliano Richeze den Vortritt gewähren. Ferner schaffte er bei der Slowenien-Tour (2.1) am Schlusstag den fünften Rang.

 

Bei der Tour de Picardie (2.1) gelang ihm ein fünfter Rang bei der dritten Etappe. Zuvor hatte sein Teamkollege Daniele Callegarin ebenfalls einen fünften Platz beim Auftakt der Rundfahrt in Frankreich erreicht.

 

Mit einem identischen Ergebnis wusste auch der Pole Blazej Janiaczyk aufzuwarten. Er fuhr dieses Resultat bei der zweiten Etappe der Volta ao Alentejo (2.1) in Portugal ein.

 

Raffaele Ferrara errang beim GP Citta di Camaiore (1.1) den vierten Rang. Er gehörte zu einer Verfolgergruppe, die nicht mehr an das Duo Luca Paolini und Ruslan Pidgornyy herankam. Hinter Mirko Celestino erreichte dann Ferrara das Ziel. Bei der Trofeo Matteotti (1.1) war er sogar noch um einen Platz besser. Er gewann den Endspurt einer Verfolgergruppe, das vergeblich dem Duo Pidgornyy und Pasquale Muto nachsetzte.

 

Ferraras starke Tage im Sommer waren noch nicht ganz vorbei. Er belegte beim GP Fred Mengoni (1.1) den vierten Rang. Für einen Sieg langte es leider auch bei Tre Valli Varese (1.HC) nicht. Dort war er Stefano Garzelli und Rinaldo Nocentini unterlegen, denen er aber ohnehin nicht ganz bis zur Ziellinie folgen konnte.

 

 




*Das Podium von Tre Valli Varese



Bei der Trofeo Citta di Castelfidardo (1.1) versuchte anstelle von Ferrara Callegarin sein Glück. Ihm blieb jedoch nur der vierte Platz vergönnt. Auch bei der Coppa Bernocchi (1.1) zeigten sich die Fahrer des Teams im Vorderfeld. In der Ergebnisliste werden Marcato und Callegarin an vierter und fünfter Position aufgeführt.

 

Ferrara, der mal für Alessio in die Pedalen trat, versuchte im Herbst weiter sein Glück. Auch beim Giro del Veneto (1.HC) kam er dem Sieg sehr nahe. Bei der Ankunft einer größeren Gruppe setzte sich aber Nocentini mit Raffinesse und einer knappen Reifenbreite durch. Beim Giro di Romagna (1.1) gewann Ferrara zwar den Sprint – es ging aber nur noch um den dritten Rang dieses Rennens, da sich ein Duo bereits vorher abgesetzt hatte. Marcato belegte übrigens den fünften Rang. Bei der Coppa Placci (1.HC) belegte Ferrara ebenfalls den dritten Platz. Auch wenn kein Sieg für ihn zu Buche steht, Ferraras persönliche Saisonbilanz, der nur noch das i-Tüpfelchen fehlte, kann sich sehen lassen.

 

Marcato war der Fahrer, der sich beim GP Industria & Commercio Prato (1.1) ausprobierte. Im Finale erwiesen sich mal wieder die endschnellen Gegner als stärker. Für den Fahrer dieses kleinen Rennstalls reichte es hinter Bennati und Giovanni Visconti zum dritten Platz und damit zum Sprung auf das Podium.

 

Auch Nicola Scattolin probierte es mal auf eigene Rechnung. Er fuhr beim Memorial Marco Pantani (1.1) auf den vierten Rang vor. Er siegte zwar im Sprint des Hauptfeldes, allerdings war ein Trio zu dem Zeitpunkt schon im Ziel und hatte das Treppchen unter sich aufgeteilt. Für Scattolin blieb keine Stufe übrig.

 

Die Tour de l'Avenir (2.1) bot eine der seltenen Gelegenheiten für die Akteure des Rennstalls, sich auch außerhalb Italiens zu zeigen. Bei der letzten Etappe errang Oleksandr Kvachuk immerhin ein dritter Tagesrang. Im Gesamtklassement erreichte er den siebten Platz.

 

 




** Kvachuk und die Fans der l'Avenir



Bei der Vuelta Chihuahua (2.2), also bei einem Wettbewerb, der nicht zu den besseren zählt, sorgten Marcato sowie der Mexikaner Juan Pablo Magallanes dann doch noch für Tagessiege.



Zwischen die Speichen gesehen...

Noch minimalistischer geht es fast nicht mehr. Es gab keinen Sieg zu verzeichnen, und selbst mit Podestplätzen kann das Team nur spärlich dienen. Ferner nahm die Mannschaft an keinem PT-Wettbewerb teil. Letztlich war die italienische Konkurrenz zu groß, um als Truppe von Namenlosen ein Ticket zu bekommen. Es gab zudem kein Standbein in der Form, wie es Ceramica Flaminia hatte, also keine Enklave, wohin das Team auf Grund einer Vielzahl ausländischer Fahrer entfleuchen konnte.

 

Über einen Fahrer, der die entsprechende Reputation vorwies, um auf Grund seines Namens zu renommierten Rennen zu gelangen, verfügte man ebenso wenig. Die Erfolge ließen auf sich warten, so dass kein Fahrer diesen Rennstall aus dem Teufelskreis befreite.

 

Mehrmals war Ferrara Siegen nahe, aber auch ihm blieb es vergönnt, den Siegerpokal in die Luft zu strecken – und waren es nur Zentimeter, wie beim Giro del Veneto, die zum Triumph fehlten. Er wurde zwar mit einer Berufung für die Vorauswahl des italienischen WM-Kaders bedacht, aber starten durfte er in Salzburg nicht. Sein zweiter Platz beim Giro del Veneto war die beste Ausbeute des Teams – das sagt schon viel in einer Radsportnation wie Italien, wo Siege überlebenswichtig sind.

 

In der UCI beendete der Rennstall die Saison auf dem 29. Rang, bester Akteur wurde Ferrara in der UCI Europe auf einem respektablen 21. Platz, teamintern gefolgt von Marcato (142.) und Callegarin (232.).

 

Folglich muss der Sponsor sein Engagement überdenken. Entweder er vertraut darauf, dass sich an der Situation 2007 etwas ändert, oder er investiert in den Kader. Oder er stoppt sein Engagement...

 

Man entschied sich schließlich doch zum Weitermachen. Allerdings ändern sich die Parameter erheblich.




* Blick nach vorn ?



Top Acht

Ferrara – Marcato – Callegarin – Kvachuk – Scattolin – Janiaczyk – Magallanes – Bailetti

 

Ferrara: Er kam einem Sieg sehr nahe. Beim Giro del Veneto musste er sich ganz knapp Nocentini beugen, aber auch sonst deutete er sein Potential an.

Marcato: Wenn ein anderes Teammitglied neben Ferrara ernsthaft einem Sieg nahe kam, dann war er es, aber auch Marcato konnte nicht den entscheidenden Tritt durchführen. In einem .2 Etappenrennen (Vuelta Chihuahua) war er letztlich siegreich.

Callegarin: Er kämpfte tapfer um einen Podestplatz, vergeblich... Hervorhebenswert sein fünfter Rang bei der Coppa Bernocchi.

Kvachuk: Zumindest einen dritten Platz erreichte der ehemalige Fahrer von Lampre bei einer Etappe.

Scattolin: Er sorgte für ein Resultat bei dem Rennen zum Gedenken an „il pirato“.

Janiaczyk: Auch er kam im Vorderfeld einer Etappe der Volta ao Alentejo an

Magallanes: Er sorgte für einen Tageserfolg bei der Vuelta Chihuahua.

Bailetti: Paolo Bailetti belegte den sechsten Rang bei den italienischen Straßenmeisterschaften.




* Ferrara



* Kvachuk



Ausblick

Mit einer Truppe von Lehrlingen lässt sich nur wenig Staat machen. Also schloss man sich aus den Überresten von LPR zusammen und kümmerte sich um die Verpflichtung klangvoller Namen. Daniele Nardello stößt zum Team und wird sicherlich Ferrara entlasten und hoffentlich lehren, wie man auch mal ein Rennen siegreich abschließt. Die Fusion sowie Aufrüstung des Teams deutete zunächst auf die Bewerbung um eine PT Lizenz hin. So erkundigte man sich, ob Paolo Savoldelli, der auf Grund der ungewissen Situation bei Astana erneut umsah, zu dem Team kommen wolle. Die Schweizer Andreas Dietziker, Roger Beuchat (beide LPR), Alberto Tiberio (Health Net-Maxxis) sowie der Neo Nazareno Rossi stießen zur Equipe.

 

Erhebliche Kritik erntete die Teamleitung für die Verpflichtung der Brüder José und Ignacio Gutierrez von Phonak. Die Brüder waren infolge der Fuentes-Affäre verdächtigt worden, allerdings haben sich bis dato keine Konsequenzen daraus ergeben, so dass beide hoffen können, 2007 starten zu dürfen. Leider erweisen sich einige Rennställe gegen moralische Bedenken als resistent.

 

 




* Siegessicher? Nardello



* Ganz cool? Dietziker



* Zerknirscht? Jose Enrique Guiterrez



Jedoch sieht es momentan so aus, als ob die Equipe wohl nur als Continental Team 2007 Rennen bestreiten wird.

 

Verlassen haben die Kerntruppe Janiaczyk, der in die Heimat zu Intel-Action wechselt, sowie Kvachuk, Magallanes, Scattolin und Cristian Bonfanti, Konstantin Klyuev, Massimo Mazzanti und Marco Osella.

 


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