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Saisonbilanz ELK Haus-Simplon 2006

von Steamboat, Januar 2007

© Fotos: * Mani Wollner, ** www.velo-photos.com, *** www.capture-the-peloton.com




Die Verantwortlichen des Rennstalls ELK Haus-Simplon beantragten die Lizenz als Professional Team für die Radsportsaison 2006. Es stellt sich die Frage, was sie - Manager Bernhard Rassinger und Sportdirektor Josef Herbert sowie Wolfgang Wesely - sich von diesem Vorgehen versprochen haben? Die Antwort kann auch nach Ablauf des Jahres nicht eindeutig gegeben werden.

 

Als österreichische Mannschaft muss das Standing im internationalen Radsport als nicht gerade einfach bewertet werden. Da kein Rennen der Pro Tour in diesem Landstrich veranstaltet wird, sondern bestenfalls die Deutschland-Tour Station in der Alpenrepublik macht, sind die Chancen per se nicht gerade günstig, zu den PT-Veranstaltungen gebeten zu werden. Zwar war eine Bewerbung um eine Wildcard für die Deutschland-Tour nicht aussichtslos, aber die besseren Karten hatte, wie sich herausstellte, der konkurrierende Rennstall "Team Vorarlberg-Volksbank".





* Harald Starzengruber bei 'Dwars door Vlaanderen'

Ein weiteres Problem für ELK Haus-Simplon bestand darin, dass viele Rennen auch in Österreich nicht stattfanden, so dass man schon hoffen musste, aus dem angrenzenden Ausland mit Einladungen bedacht zu werten. Der Zutritt zu manchen Örtlichkeiten blieb ihnen dennoch verwehrt. Italienische und spanischer Veranstalter legen auf die Teilnahme kleiner Professional Teams aus dem Ausland keinen gesteigerten Wert und auch in Belgien bevorzugt man veritablere Mannschaften. Somit blieben deutsche Rennen als Anlaufstelle bzw. Starts in den osteuropäischen Ländern mussten angestrebt werden.

 

Den Nachteil, aus einem falschen Herkunftsland zu stammen, möchte man an den großen Rennen teilnehmen, hätte evtl. ein Fahrer mit großem Namen ausgleichen können. Aber auch diesen sucht man in den Reihen der Mannschaft vergeblich. Es gibt zwar einen Totschnig, aber der heißt nicht Georg sondern Harald, und ist nur der Bruder des Gerolsteiner-Fahrers.





*** Christian Pfannberger bei der 'Drei-Länder-Tour'

Es blieb also nur die Option für den Rennstall, sich durch exzellente Ergebnisse für die Veranstaltungen nach der PT-Saison 2006 zu empfehlen. Einen Anreiz konnte man darin sehen, die Konkurrenten vom Team Vorarlberg zu überflügeln, damit zumindest 2007 ELK Haus eine reelle Chance für einen Start bei der Deutschland-Tour zu haben.

 

Der Blick auf den Kader versprach zumindest Potential. Mit Christian Pfannberger oder Jochen Summer sicherte man sich die Dienste zweier recht bekannter Radsportler. Ansonsten musste man befürchten, dass sich viele Teammitglieder an das raue Klima im Profiradsport gewöhnen mussten. Das dient vielleicht deren Entwicklung, dürfte aber das Team mit Hinblick auf 2007 wenig genutzt haben.

 

Eventuell wäre es für ELK Haus überlegenswerter gewesen, auf den Status eines Professional Teams zu verzichten. Jedenfalls kann einem der Gedanke nach der Saison 2006 kommen. Die Replik, man hätte diese Entwicklung nicht erahnen können, hat eigentlich keine Berechtigung, da das Line-Up bereits zu Saisonbeginn Befürchtungen zuließ, dass große Erfolge wohl ausbleiben würden.



Pro Tour

Bei keiner Veranstaltung wurde die Mannschaft berücksichtigt.



Outside Pro Tour

Die Österreicher schienen mit der Rolle auf höherem Professional-Niveau zunächst nicht viel anfangen zu können. Erforderliche und dringend benötigte Resultate blieben aus. Damit bleiben Einladungen zu PT-Rennen Illusion, was sich schon früh in der Saison abzeichnete. Und selbst bei den Rennen, bei denen die Equipe Berücksichtigung fand, ergänzte man bestenfalls das Starterfeld mehr, als dass man es bereicherte.

 

Während bei der Berichterstattung anderer Rennställe auf halbwegs akzeptable Ergebnisse knapp hinter den Podien verzichtet werden kann, müssen diese bei ELK Haus aufgeführt werden, da die Saisonbilanz ansonsten noch magerer ausfallen würde.



Eine Ausnahme stellt die Österreich-Rundfahrt (2.1) dar, die gleichsam den Saisonhöhepunkt für den Rennstall bedeutete. Die Bergankunft (3. Etappe) am Kitzbüheler Horn gewann Pfannberger als Solist. Dieser Erfolg war der einzige Saisonsieg des Rennstalls – im Juli. Das gute Tagesergebnis rundete Thomas Rohregger als Vierter ab. Bei der Abschlussetappe brachte sich Summer bei einer Sprintankunft durch einen fünften Platz für das Aufgebot der österreichischen Nationalmannschaft für die WM in Salzburg in Erinnerung. Eine recht erfolgreiche Woche für ELK Haus ging mit dem dritten und vierten Gesamtplatz durch Pfannberger bzw. Rohregger, der auch die Bergwertung gewann, zu Ende. Immerhin ließ man den starken Landsmann Bernhard Kohl hinter sich. Anstelle von Summer wurde übrigens Pfannberger in das WM-Aufgebot berufen.






* Auf Kopfsteinpflaster unterwegs:



Harald Starzengruber bei 'Dwars door Vlaanderen'



Ansonsten registrierte man bis zum Start der Heimrundfahrt aus sportlicher Sicht Magerkost. Erst Ende Mai erhellten sich die Mienen der Verantwortlichen. Harald Starzengruber gelang beim Prolog der Tour de Luxemburg (2.HC) ein fast schon sensationell anmutender dritter Platz. Auf der Strecke von 2,6 Kilometern benötigte er sieben Sekunden mehr als der Sieger Kim Kirchen.

 

Zuvor verfehlte sein tschechischer Stallgefährte Jan Barta bei der achten Etappe der Friedensfahrt (2.1) das Tagespodium in Hannover. Die Friedensfahrt war eine der wenigen Rundfahrten, bei denen Teamangehörige (Summer, Totschnig, Rohregger) häufiger für einige Top-Ten-Platzierungen bei mehreren Etappen sorgten.



Pfannberger zeigte sich bei der Volta a Portugal (2.HC) in launiger Verfassung. Die siebte Etappe beendete er als Dritter und übernahm damit die Führung in der Gesamtwertung, die er ab nächsten Tag mit einem fünften Platz verteidigen konnte. Danach war es mit der Herrlichkeit aber vorbei, und er fiel in der Gesamtwertung auf den 17. Platz zurück.

 

Dafür zeigte er sich bei der zweiten Etappe der Drei-Länder-Tour (2.1) in guter Form. Er belegte am Ende des Tages den zweiten Rang. Lediglich Karsten Kroon musste er sich beugen.



Nationale Titelkämpfe



** Thomas Rohregger beim EZF der WM in Salzburg

Einen Triumph erhoffte man sich bei den österreichischen Meisterschaften. Besonders beim Straßenrennen wurden die Chancen auf einen Titel als gut eingeschätzt, da sich die Fahrer der PT Teams als Einzelkämpfer betätigen mussten und keinerlei taktische Unterstützungen von Stallgefährten zu erwarten brauchten. Damit schien sich der Kreis der Konkurrenten auf die Fahrer des anderen Professional Team Vorarlberg zu reduzieren.



Es kam letztlich doch anders. Zwar präsentierten sich die ELK Haus-Fahrer im Vorderfeld beim Straßenrennen. Alleine fünf Fahrer der Mannschaft fuhren Plätze unter den ersten Zehn ein, womit man mehr als Konkurrent Vorarlberg schaffte. In Zahlen ausgedrückt heißt das aber: 3. Totschnig, 4. Rohregger, 5. Starzengruber, 7. Pfannberger und 8. Summer. Da war es dann ein schwacher Trost, dass auch Vorarlberg den Titelträger nicht stellte, sondern Kohl von T-Mobile über den Sieg jubelte.

 

Beim Zeitfahren schaffte Rohregger einen zweiten Platz hinter Peter Luttenberger. Damit gingen beide Titel an die Legionäre der PT Teams.



Zwischen die Speichen gesehen…



** Michael Pichler bei 'Rund um den Henninger Turm'

Anhand von Textlänge und -inhalt kann man ersehen, dass die Erfolgsbilanz ausbaufähig ist. Ein Tagessieg wurde neben vier weiteren Podestplatzierungen erzielt. Das sagt schon viel über die Leistungsfähigkeit der Truppe aus.

 

Bei den Eintagesrennen, wenn es nicht gerade nicht die nationalen Meisterschaften waren, gab man sich sehr zurückhaltend und verschmähte Top-Five-Ergebnisse. Immerhin wurde neben einem dritten auch ein vierter Klassementplatz bei den Rundfahrten erreicht. Bei den einzigen Tagesankünften gelangen neben dem Sieg ein zweiter und zwei dritte Ränge. Das war es aber auch schon an Ehrungen.



Recht aussagekräftig ist das Gesamtergebnis in der UCI-Mannschaftswertung. Die Vertretung von ELK Haus findet sich auf dem 54. Platz wieder. Dass man die Kollegen von Vorarlberg dabei im Schach hielt und auf den 66. Rang verwies, wertet die Saison nur unwesentlich auf. Immerhin erreichte Pfannberger im UCI Europe Ranking den 106. Platz. Rohregger fand sich auf dem 316. Rang ein und Barta belegte den 358. Platz.



Top Acht

Pfannberger – Rohregger – Starzengruber – Totschnig – Barta – Summer – Rucker – Peter Pichler

 

Pfannberger: Ein Sieg sowie der dritter Gesamtrang bei der heimischen Rundfahrt, ein zweiter Etappenplatz bei der Drei-Länder-Tour und eine Nominierung für den WM-Kader konnte er einstreichen.

Rohregger: Der vierte Platz bei der Österreich-Rundfahrt sowie der zweite Rang im Zeitfahren bei den nationalen Titelkämpfen stehen auf seiner Habenseite.

Starzengruber: Der Ösi glänzte mit dem dritten Platz beim Prolog der Luxemburg-Tour.

Totschnig: Der kleine Bruder vom Georg freute sich über den dritten Rang bei den Landesmeisterschaften.

Barta: Er gab sich bei der Friedensfahrt kämpferisch – ohne die nötige Fortune.

Summer: Lediglich einen fünften Platz fuhr der Alpensprinter gegen große Konkurrenz ein. Etwas wenig.

Rucker: Er konnte sich bei der Friedensfahrt hin und wieder in Szene setzen.

Pichler: Gelangte zwei Mal bei der Österreich-Tour unter die ersten Zwanzig.



Ausblick

2007 gelten identische Vorzeichen wie für 2006. ELK Haus muss Argumente sammeln, damit die Equipe künftig bei den diversen Veranstaltungen mit einer Einladung rechnen kann. Zu diesem Zweck wurden einige Wechsel in und um den Kader vorgenommen. Johann Weichselbaum löste Rassinger als Manager ab, der dem Team als Sportdirektor aber erhalten bleibt. Alexander Albrecht und Harald Wisiak ergänzen neben Wesely die sportliche Leitung.





** Zähne zusammenbeißen und ab in die neue Saison!

Über neue Teamkollegen durfte man sich aber auch freuen: Tomas Konecny wechselte von Wiesenhof-Akud zu den Österreichern. Mit dem Slowaken Jan Valach folgt ein weiterer Fahrer, der sich bereits einen Namen machte. Ansonsten füllen einige Talente den Kader auf, von denen allerdings sich Thomas Eibegger bereits einen zwielichtigen Ruf erworben hat, als er bei der WM in Salzburg durch Geschichtchen abseits des Sports auffiel. Auf Barta hingegen muss man verzichten.



Ob eine PT-Wildcard das Team erreichen wird, ist von mehreren Faktoren abhängig. Die Konstellation ist aber nicht günstig. Mag sein, dass ELK Haus auch im zweiten Jahr seiner Zugehörigkeit zu den Professional Teams als dieses nicht wahrgenommen wird. Man muss hoffen, dass die Organisatoren der Deutschland-Rundfahrt sich der Truppe erbarmen werden. In Anbetracht der erzielten Ergebnisse sollte man diese aber auch verstehen, wenn sie keine Einladung aussprechen würden.



Es stellt sich ohnehin die Frage, warum in Österreich zwei Professional Teams fahren. Mit einer gemeinsamen Mannschaft ergäbe sich die Chance, die Kräfte zu bündeln. Momentan konkurrieren die beiden Rennställe um PT-Startberechtigungen. ELK Haus ging dabei bisher leer aus. Eifersüchteleien schaden gegenwärtig den Bestrebungen der Alpenrepublikaner. Ob sich unter diesen Umständen jemals ein PT-Team aus Österreich bilden kann, muss kritisch beäugt werden. Eine andere Vorgehensweise wäre vielleicht profitabler. Ansonsten könnte ELK Haus auch als Continental Team starten, eine Einladung zum Saisonhöhepunkt 2006, der Österreich-Rundfahrt, würde man wohl dennoch erhalten.


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