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discman: Doping und Radsport - Radsport und Doping

 

Zu allererst: Was ist Doping überhaupt?

 

Die Einnahme von unerlaubten Medikamenten oder die Einnahme von Medikamenten allgemein (also zählen auch z.B. Vitaminpräparate dazu). Wenn ein Sportler einen Kaffee trinkt, ist das dann Doping? Oder ist es mehr Doping, wenn er sich unterwegs ein Koffeinzäpfchen einschiebt? Ich würde Doping der "Einnahme von unerlaubten Mitteln" definieren, darunter fallen dann keine Vitaminpräparate (die, soweit ich weiß, auf keiner Dopingliste stehen) oder spezielle Infusionen um die Regeneration zu fördern (wenn das Medikament nicht auf der Dopingliste steht vorausgesetzt).

 

 

Zwei weitere Dinge vorweg für meine Vorüberlegung:

 

1. Die Dopingproblematik ändert ja nix an dem Sport an sich

2. Dopingproblematik gehört zu jedem Leistungssport

 

Doping ist nichts anderes als Schummeln. Schummeln gehört zur Menschheit. Also:

keine Menschen => kein Sport => kein Doping,

wenn man es genau sagen will.

Doch das wäre wohl zu einfach. Nähern wir uns dem Problem mal von der anderen Seite. Heutzutage regiert ja sozusagen Geld die Welt. Veranstalter von Rennen brauchen Geld für die Durchführung des Events, Fahrer müssen bezahlt werden, da sie ja keinen anderen Beruf ausüben können. Es werden Sponsoren gesucht und gefunden, die bereit sind, Millionen von Geldern in den Radsport zu investieren. Dadurch werden Veranstaltungen und Fahrer von Sponsoren abhängig. Die Sponsoren investieren aber nur Geld, um mehr Geld zu gewinnen. Der Sponsorenname muss also von möglichst vielen Menschen gelesen werden. Sonst gibt es weniger Geld. Logischerweise setzt das insbesondere die Fahrer sehr stark unter Erfolgsdruck. Ist ein Fahrer körperlich oder geistig nicht in der Lage diesem Erfolgsdruck standzuhalten, muss er sich irgendwie behelfen um zu überleben.

Denn:

Kein Erfolg => keine Präsenz des Sponsorenlogos => kein Geld vom Sponsor => wovon soll der Fahrer leben?

 

Ich denke, soweit ist die Dopingproblematik jedem klar. Aber warum dopen auch Hobbyradler?

Geht es darum, den anderen etwas zu beweisen? Geht es vielleicht darum, sich selbst etwas zu beweisen? Das scheinen mir die einzig logischen Gründe. Wer würde nicht gerne ein Jedermannrennen gewinnen und dann damit prahlen können? Es ist doch genau dasselbe, wie wenn ich mit ein paar Freunden Karten spiele. Es geht doch ums Gewinnen, oder nicht? Wieso also nicht Gewinnen um jeden Preis? Es geht nicht um den Spaß, auch der olympische Gedanke zählt nicht, diesen Quatsch hat sich doch irgendein Tölpel ausgedacht. Nur die Besten kommen weiter, die Zweiten, Dritten, Vierten und Fünften ertrinken alle im Sumpf der Gesellschaft. Oder schon mal einen Verlierer als Helden gesehen? So kriegen wir es auf jeden Fall weiß gemacht.

 

Das zur Dopingproblematik. Aber mir stellt sich immer noch die Frage, warum eigentlich Radsport? Es ist doch der Kampf gegen sich selbst bzw. gegen seinen eigenen Körper, der den Reiz ausmacht. Der Reiz, Schmerzen empfunden und besiegt zu haben. Und je größer die Qualen, umso größer die Genugtuung danach. So ist das einfach. Aber das gibt es bei jedem Leistungssport.

Nun, Radsport? Ist es die Mobilität, die Geschwindigkeit, eventuell sogar Bequemlichkeit? Oder alles zusammen? Ich glaube, es ist alles zusammen.

 

So weit, so gut. Aber wieso hat Profiradsport trotz der Dopingsskandale für mich nicht an Reiz verloren? Ganz einfach. Nur weil ein Armstrong, ein Ullrich, ein Landis, Basso, Hamilton, Carmenzind und wie sie alle heißen, geschummelt haben sollen, ändert das doch nix am Sport selber, oder? Die spannenden Positionsduelle im Feld, die Attacken, das Taktieren, das Sprinten, die Leiden bergauf, der Geschwindigkeitsrausch bergab – da ändert sich doch nichts dran, egal ob Junioren, Elite C-Klasse, Profis oder Senioren. Ob Berufsradfahrer mit 50.000 km im Jahr und mehr, Hobbyradler mit Familie und Full-Time-Job, Junior mit Schule – der Sport und der Wettkampf bleiben dieselben, egal ob sich nun Ullrich und Armstrong "bekämpfen" oder Meier und Schäfer. Das Duell bleibt dasselbe. Der Sport auch. Was sind Namen schon? Stehen die Namen über dem Sport oder der Sport über den Namen? Ich glaube, jeder der diese Frage für sich richtig beantworten kann, der wird auch noch die nächste "Tour de France" gucken. Egal ob mit Ullrich, Basso und Co. oder mit Müller und Schäfer.


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