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Saisonbilanz Team LPR 2006

von Steamboat, Dezember 2006

© Fotos: * www.capture-the-peloton.com, ** www.velo-photos.com




Manager Omar Piscina stellte für die Saison 2006 eine Truppe zusammen, die wenig mit dem Kader des Vorjahres gemein hatte. Die Mannschaft beschäftigte 18 Fahrer, von denen 13 neu zum Team stießen, hingegen hatten zehn Pedaleure das Team verlassen. Auf Grund dieser Umstände lässt sich kaum von gewachsenen Strukturen sprechen.

Das Gros der Equipe stellten die Italiener, obwohl sich LPR in der Schweiz registrieren ließ. Man musste aber kein Prophet sein um zu erkennen, dass sich der Rennstall mit dem Aufgebot erst gar nicht um eine Wildcard für den Giro bemühen brauchte. Diesbezüglich mangelte es an Fahrern, die eine exponierte Stellung im Radsport besaßen. Kein erfolgreicher Sprinter und auch kein erlesener Klassementfahrer schloss sich der Truppe an. Im Gegenteil, der Sprinter Danilo Napolitano, der als Begründung für ein Giro Ticket ohnehin eher nur ein schwaches Argument gewesen wäre, hatte ein Angebot von Lampre akzeptiert und seinen Anfahrer Mauro Santambrogio mitgenommen. Ein anderes Aushängeschild, Pavel Tonkov, stellte sein Rad nach der Saison 2005 endgültig in die Ecke, nachdem er vernahm, dass sich die Organisatoren des Giro trotz seiner Person nicht für eine Einladung aussprachen. Selbst ihm leuchtete ein, dass 2006 wohl niemand geneigt schien, LPR nur auf Grund der geäußerten, aber illusorischen Intentionen, nochmals um das Rosa Trikot zu kampfen, einladen würde, wenn eine Einladung bereits 2005 ausgeblieben war.

 

Von daher konnte sich das Team auf andere Saisonziele vorbereiten. Somit zählten die PT-Rennen in der italienischen und helvetischen Heimat zu den Höhepunkten im Rennkalender. Die Mannschaft wurde dementsprechend zusammengestellt. Es entstand eine Mischung aus Fahrern, die z.T. entschieden jenseits der 30 Lebensjahre zählten wie z.B. der Methusalem im Profiradsport, Dimitri Konyschev (40). Aber auch Ruggero Borghi (36), Paolo Valoti (35), Elio Aggiano, Roger Beuchat (beide 34) und Daniele De Paoli (33) wähnten sich im Herbst ihrer Karrieren und hatten den Zenit ihrer Leistungsfähigkeit eher überschritten.

 

Dazu kamen aber auch einige junge Aspiranten wie Massimo Iannetti, Gene Michael Bates oder Samuele Marzoli. Ihnen traute man zu, dass sie in der Zukunft für Furore sorgen können. Zudem stieß ein Enfant terrible zum Team, dessen Vorlieben im Lande der Pasta der sportlichen Leitung Schweißperlen auf die Stirn trieb. Dass der Fahrer trotz bester Prognosen einen Sieg bei Paris-Roubaix wohl niemals schaffen würde, wenn er seine Essbegierden nicht in den Griff bekäme, leuchtete jedem ein – nur ihm, Dario Pieri, nicht.

 

Vermutlich stellte Piscina fest, dass sich dessen kulinarischen Angewohnheiten nach wie vor nicht geändert hatten, allerdings hatte die Teamleitung mit seiner Verpflichtung ein anderes Kalkül verfolgt – die Wildcard für die Hölle des Nordens. Und demnach war die Mission seiner Verpflichtung schon erfüllt. Pieri wurde übrigens in der Saison wieder entlassen.



Pro Tour



* Andreas Dietzicker

Für ein Team ohne richtige Gallionsfigur konnte sich LPR über erstaunliche viele PT-Einladungen freuen. So standen drei Startberechtigungen für Klassiker drei Teilnahmen an Rundfahrten gegenüber. Vermutlich machten sich die gezielte Bürokratie sowie die ausgeklügelte Transferpolitik bezahlt. Die Registrierung im Land der Eidgenossen sowie die Verpflichtung von Beuchat und Andreas Dietziker bescherten Tickets für die beiden Rundfahrten in der Schweiz. Wie bereits angedeutet startete man bei Paris-Roubaix. In Italien erhielt man noch Tickets für Tirreno-Adriatico – vorrangig als Trostpflaster für diejenigen italienischen Equipen gedacht, die nicht zum Giro gebeten wurden, für Mailand-San Remo und für die Lombardei-Rundfahrt.

 

Welche Ziele konnte man da haben? Bei den Klassikern musste man sich so teuer wie möglich verkaufen. Bei der Classicissima bedeutete es, dass Mikhaylo Khalilov seine Chance ergreifen sollte. Ebenso lagen die Hoffnungen bei Sprintankünften der Etappenrennen auf ihm. Für die Klassements hingegen mangelte es an Alternativen. Stattdessen sollten die Routiniers ihre Chancen in Ausreißergruppen oder Solofluchten suchen.

 

In eindrucksvoller Manier gelang letzteres Daniele Contrini bei der Tour de Suisse. Der alte Hase wagte eine einsame Flucht bei der zweiten Etappe. Es wurde ein epischer Parforceritt über 116 km, den er erfolgreich zu Ende brachte. Normalerweise gelten Alleinfahrten als fast aussichtslos, wenn die Meute von Sprintern zusammenhält und ihre Teams arbeiten, um den enteilten Fahrer zu stellen. Trotz der Vielzahl an spurtstarken Rennfahrern kam aber eine Kooperation nicht zustande und die Uneinigkeit begünstigte die Absichten von Contrini. Mit einem Vorsprung von fünf Minuten wurde ein toller Sieg ermöglicht.





** Daniele Contrini...



... im Ziel der 2. Etappe...



... der Tour de Suisse




Damit war ihm das Sahnestück der Saison gelungen. In nackten Zahlen gesehen, war der Exkurs zur Tour de Suisse nicht auf der ganzen Linie glorreich. Khalilov beendete diese als Teambester auf Rang 76, nachdem ihm bei der dritten Etappe ein siebter Rang gelungen war, womit alle Platzierungen in den Top Ten der Tagesresultate schon genannt wurden.

 

Bei Tirreno-Adriatico startete Khalilov als Kapitän. Er bedankte sich für das Vertrauen mit dem dritten Platz nach der zweiten Etappe, als er sich gegen viele namhafte Gegner im Sprint durchsetzte. Der Ukrainer erreichte weitere gute Etappenergebnisse, weil diese Rundfahrt beinahe nur durch Sprints entschieden wurde. So können noch ein vierter, ein sechster und zwei siebte Ränge notiert werden. Im Endergebnis reichte das für Platz 45. Interessant dürften nicht nur für ihn die Sonderwertungen sein. In der Punktwertung reichten seine Anstrengungen für den dritten Rang. So gesehen schnitt Contrini als Zweiter in der Bergwertung besser ab.





* Giuseppe Muraglia bei der Arbeit

Die Tour de Romandie muss als Flop bezeichnet werden. Der Venezolaner Carlos Ochoa wurde 43. Allerdings nutzte Beuchat den Abstecher in die Heimat, um in der Bergwertung ein Wörtchen mitzureden. Er trug das Trikot, das ihn als Leader in dieser Kategorie auswies, gewann es am Ende aber - ebenso wie zuvor Contrini - nicht und wurde Zweiter in dieser Sonderwertung. Giuseppe Muraglia wurde gar Vierter, während die beste Tagesplatzierung der neunte Platz von Dietziker beim Prolog war.





* Daniele de Paoli bei der Coppa Agostini

Bei den Klassikern gab es für LPR im Frühjahr nichts zu bestellen. Khalilov belegte bei Mailand-San Remo den 77. Platz. Die Delegation konnte bei diesem Rennen keinerlei Akzente setzen. Auch Paris-Roubaix endete für LPR im hinteren Feld. Der andere Ukrainer des Rennstalls, Yuriy Metlushenko, wurde 72.

 

Zum Saisonausklang stand die Lombardei-Rundfahrt im Rennkalender. Im Vergleich zu den anderen Teilnahmen aber erwies sich zumindest ein Fahrer der Konkurrenz als ebenbürtig. Khalilov sorgte mit seinem 12. Rang dafür, dass die entsandte Truppe kein bloßer Pelotonauffüller wurde. Aber auch Daniele De Paoli brauchte sich angesichts seines 30. Gesamtplatzes nicht zu grämen.

 

Letztlich waren es vier Zähler, die den PT Teams gemopst wurden. Diese erzielten Contrini mit seinem Etappenerfolg bei der Tour de Suisse sowie Khalilov bei Tirreno-Adriatico.



Outside Pro Tour



* Tour de Suisse

Elio Aggiano war der erste Sieger des Teams. Er schaffte einen Etappensieg bei der Tour de Langkawi (2.HC). Bei dieser Veranstaltung erreichte Bates bei einer anderen Etappe den zweiten Platz, sowie auch Iannetti und Marzoli jeweils dritte Tagesränge in Malaysia einfuhren. Iannetti erlebte aber das Ende der Saison nicht mehr im Trikot von LPR. Man trennte sich.

 

Bei der Auftaktetappe der Tour du Poitou Charentes (2.1) sprintete Marzoli vergebens um den Tagessieg mit, den sich Said Haddou (Auber 93) genehmigte. Dennoch stellte er unter Beweis, dass auch er mal eine Etappe gewinnen kann, da er die anderen Kontrahenten im Schach hielt und Zweiter wurde. Bei der dritten Etappe war das deutsche Duo Steffen Radochla und Marcel Sieberg zu flink, so dass er sich mit dem dritten Rang zufrieden geben musste.

 

Den einzigen Erfolg bei einem Eintagesrennen feierte Khalilov beim allerdings dürftig besetzten Hel van het Mergelland (1.1). Er wies einmal mehr seine Sprintqualitäten nach. Auf Grund seines Alters hat er aber nicht mehr lange Zeit, auch mal einen großen Sieg einzufahren.





* Ermeti bei Tre Valli Varesine

Bei der Tour de Picardie (2.1) zeigten sich die LPR-Akteure neuerlich in den vorderen Positionen. Zum Tagessieg reichte es allerdings nicht. Metlushenko belegte bei der Abschlussetappe den dritten Rang, während Valoti und Khalilov jeweils vierte Tagesplätze belegten.

 

Valoti gehörte zu den Teilnehmern der Brixia-Tour (2.1). Bei der Auftaktetappe belegte er den dritten Rang, als er gemeinsam mit fünf Mitstreitern das Ziel erreichte. Zuvor waren bereits Davide Rebellin und Giuliano Figueras als Solisten in Toscolano Maderno über den Zielstrich gefahren.

 

Zum Saisonende setzte sich erneut Bates effektiv ein. Den Giro del Piemonte (1.HC) beendete er nach einer Sprintentscheidung auf der dritten Position.

 

Bei den kleineren Rennen der .2 Wettbewerbe gab es indes noch zwei Erfolge zu vermelden. Giario Ermeti war siegreich beim Giro Lago Maggiore (1.2), während De Paoli den Giro Mendrisiotto (1.2) gewann.



Zwischen die Speichen gesehen...

Die Saisonbilanz bei den PT-Rennen fällt ambivalent aus. Den hervorhebenswerten Ergebnissen von Contrini und Khalilov bei der Tour de Suisse, bei Tirreno-Adriatico und beim 'Rennen der fallenden Blätter' sowie den guten Resultaten in mancher Sonderwertung stehen in den Klassements sowie bei den Frühjahresklassikern doch einige durchwachsene Resultate gegenüber.

 

Letztlich zwei Saisonsiege stehen neben dem Coup von Contrini nur zu Buche. Ein Eintagesrennen wurde gewonnen. Zudem gab es noch einen Etappensieg zu bejubeln. Allerdings blieben Podestplatzierungen nach den Eintagesveranstaltungen rar. Lediglich eine weitere wurde realisiert. Bei den Rundfahrten regierte fast völlige Tristesse. Einmal reichte es für einen Rang unter den ersten Fünf. Bates errang diesen bei der Tour Down Under. Etwas freundlicher gestaltet sich die Ausbeute an brauchbaren Etappenplatzierungen. Zwei zweite Plätze und sechs dritte Ränge gelten jedoch nicht als Ausweis großer Klasse.

 

Demnach darf nicht verwundern, dass sich der Rennstall auf Rang 37 der Mannschaftswertung der UCI einfindet. Lediglich ein Fahrer rangiert in der Wertung UCI Europe unter den ersten Hundert: Khalilov belegte den 89. Platz. Auf dem 202. Rang findet man seinen Stallgefährten Ermeti. Ein Stagiaire des Teams, Oscar Gatto, der 2007 für Gerolsteiner startet, landete auf dem 254. Rang, wobei sich weniger die Teamleitung für dessen akzeptables Abschneiden verantwortlich fühlen kann. De Paoli folgt auf dem 386. Rang. Da stimmt der 13. Platz in der UCI Oceania von Bates etwas versöhnlicher.






** Tour de Suisse:



* Daniele Contrini



Top Acht

Khalilov – Contrini – Aggiano – Beuchat – Bates – Marzoli – Muraglia - Metlushenko

 

Khalilov: Der Ukrainer verkaufte sich in der PT teuer: Platz 12 bei der Lombardei-Rundfahrt und ein dritter Tagesrang bei Tirreno-Adriatico. Dazu kam noch der einzige Sieg des Teams bei einem Eintagesrennen, sieht man von den .2. Veranstaltungen ab.

Contrini: Dem Altmeister gelang bei der Tour de Suisse mit seinem Etappensieg ein wahres Husarenstück. Zumindest in den Sonderwertungen noch hoch im Kurs.

Aggiano: Eine Etappe bei der Tour de Langkawi konnte er gewinnen. Ansonsten hielt er sich zurück.

Beuchat: Er war zumindest in der Bergwertung der Romandie erfolgreich und hätte einen Podiumsplatz innegehabt.

Bates: Der dritte Platz beim Giro del Piemonte gab den letzten Aufschluss, dass der Australier noch Potential hat. Zudem geht das beste Klassementergebnis auf sein Konto.

Marzoli: Ein zweiter Etappenplatz bei der Tour du Poitou Charentes ist in diesem Team bereits ein Ausweis für Erfolg.

Muraglia: In der Romandie wurde er immerhin Vierter in der Bergwertung.

Metlushenko: Er konnte bei einer Etappe der Picardie Dritter werden. Zudem betrieb er Schadensbegrenzung bei Paris-Roubaix.

 

Keine Gnade fanden

Pieri: Das war es wohl.

Ianetti: Es folgte kein Durchbruch.



Ausblick:



* Teamvorstellung bei der Coppa Agostini

LPR wird es in seiner bisherigen Form nicht mehr geben. Teammanager Piscina fängt mit einer anderen Teamkonstruktion neu an. Er hat sich mit dem russischen Sponsor Tinkoff zusammengetan und hat den bisherigen Kader größtenteils aussortiert. Nach gegenwärtigem Stand starten aus der alten Mannschaft nur Aggiano und Contrini künftig für ihn. Konyschev, der nun – wie auch Valoti - das Rad endgültig an den Nagel hängt, wird als sportlicher Leiter diesem Zweig des alten LPR-Teams erhalten bleiben.

 

Ein anderer Rest geht mit 3C Casalinghi in eine neue Equipe ein. Gerüchten zufolge wollte sich dieses fusionierte Team gar um eine PT-Lizenz bemühen, allerdings wurden keine weiteren Arrangements getroffen, die diesem Ziel förderlich gewesen wären. Bisher haben sich diesem Konstrukt Beuchat, Dietziker, Marzoli, Maserati und Traficante angeschlossen. Khalilov geht zu Ceramica Flaminia, während Muraglia sich Acqua & Sapone anschließt. Ermeti geht zu Tenax.

 

Für einige Fahrer hat sich noch keine neue Equipe gefunden. Jemand wie Bates braucht deswegen noch nicht bange zu werden - andere Akteure wie Borghi oder De Paoli werden wegen ihres Alters wohl Probleme bekommen, eine Anstellung zu finden.

 

Das war es also mit dem Team LPR…


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