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Saisonbilanz Andalucia-Paul Versan 2006

von Steamboat, Dezember 2006



Der Rennstall aus Andalusien hatte sich zu Saisonbeginn erstmals als Professional Team registrieren lassen. Zu diesem Zweck holte sich die Truppe erfahrene Akteure wie Adolfo Garcia Quesada, Francisco Cabello, Francisco José „Paco“ Lara oder Angel Edo. Carlos Castano ließ sich hingegen nicht zum Bleiben bewegen, andere Fahrer folgten seinem Beispiel.

Der Manager der Equipe, Antoni Cabello, und sein Assistent, Juan Martinez, spekulierten in der ersten Saison ihrer Zugehörigkeit zu den Professionals nicht unbedingt auf die Wildcard bei der Vuelta, aber wenn es dennoch geklappt hätte, wäre man nicht böse gewesen. Zunächst wollte man jedoch in der neuen Kategorie Fuß fassen, um dann 2007 nach höheren Zielen zu trachten.

Folglich stellte die Teilnahme an der Katalonien-Rundfahrt den sportlichen Saisonhöhepunkt dar. Diesen Schauplatz nutzte Neuankömmling Luis Perez, um Werbung und Klarstellung in eigener Sache zu betreiben. Luis Perez? Luis Perez sollte nicht mit seinem Namensvetter von Cofidis verwechselt werden. Um sich vor dem Verwechslung in Zukunft zu schützen, tat der Schützling des andalusischen Teams öffentlichkeitswirksam kund, dass er ein anderer "Luis Perez" ist, wie sich im Report nachvollziehen lässt.



Pro Tour

Perez – Sie wissen schon - schloss sich bei der zweiten Etappe der Volta a Catalunya einer vierköpfigen Fluchtgruppe an. Mehr als 150 km sollte der gemeinsame Parforceritt andauern. Das Schicksal dieser Art von Gruppierungen zu einem so frühen Zeitpunkt einer Rundfahrt scheint meist schon besiegelt, bevor sie sich überhaupt gebildet haben. Keiner der teilnehmenden Fahrer dieser Gruppe hatte sich bis zu dem Zeitpunkt einen Bekanntheitsgrad erworben, so dass man davon ausgehen musste, dass sie mit der Flucht Profilierung suchten, wenn es zum Sieg schon nicht reichen würde. Solche Gruppen gelten gerade bei den Sprinterteams zu Beginn einer Rundfahrt als beliebt, werden sie doch in 98 von 100 Fällen rechtzeitig gestellt. Möchte man diese Situation zynisch bewerten, bilden diese Art von Gruppen sozusagen eine perfekte Versicherung, dass man keine späten Angriffe aus dem Peloton zu fürchten braucht, da auf Grund gemeinsamer Nachführarbeit das Tempo für eine Attacke i.d.R. zu hoch ist.

Seine Begleiter wurden diesem Vorbild entsprechend noch vom Peloton abgefangen. Wieder schien die Rechung der Sprinterteams aufzugehen. Perez jedoch radelte kurz vor dem Ziel auf eigene Faust mutig davon und rettete 12 Sekunden Vorsprung ins Ziel. Dieser Erfolg war mit Sicherheit der größte Sieg seiner Karriere. Gleichzeitig gab die Delegation eine Visitenkarte für die Vuelta a Espana 2007 ab. Es war zugleich der erste Sieg eines Professional Teams innerhalb einer Veranstaltung der PT-Saison 2006.

 

Garcia Quesada setzte in Katalonien noch einen drauf. Er schloss sich einer Spitzengruppe bei der vierten Etappe an, die zu einem Quartett auf der Zielgerade zusammenschrumpfte. Schließlich setzte er sich gegen seine Mitstreiter durch und zelebrierte den zweiten Sieg der Mannschaft im Rahmen dieser Rundfahrt. Im Gesamtklassement kam der beste Andalucia-Akteur auf den 31. Rang. Es war Jaume Rovira.

Außerdem errang Lara neben dem dritten Rang in der Bergwertung den 42. Gesamtplatz und Edo schaffte nach drei Etappen Top-Ten-Resultate, er wurde jeweils Siebter bei der zweiten und dritten Etappe, während er als Neunter bei der Abschlussetappe über die Ziellinie rollte.

Die Delegation wurde durch Cabello, Manuel Vazquez und Juan Olmo ergänzt. Zusammen wurden die acht Fahrer Zehnte in der Teamwertung. Das war in Anbetracht der Konkurrenz ein akzeptables Resultat. Im Prestigewettbewerb mit den anderen spanischen Professional Teams schnitt nur Comunidad Valenciana besser ab.



Outside Pro Tour

In der Heimat Andalusien fand im Februar die Vuelta a Andalucia (2.1) statt. Nomen est omen - das Team war beim Heimspiel schon aus Prestigegründen zum Erfolg verdammt. Garcia Quesada erlöste seine Teamkollegen schnell von diesem Druck. Er sicherte sich den Sieg bei der ersten Etappe, dieser stellte später die Grundlage für den dritten Gesamtplatz dar. Damit war ein angemessen erfolgreicher Start in die Saison gelungen. Darauf ließ sich aus Sicht des Teams aufbauen. Garcia Quesada reichte noch schnell den dritten Platz bei der Clasica de Almeria (1.1) nach.

 

Diese Resultate machten deutlich, dass Andalucia-Paul Versan seinen Gegnern ebenbürtig war. Trotz z.T. deutlich schmaleren Budgets standen die Fahrer nicht hinten an. Darauf ließ sich aufbauen und derartiges ermuntert gewöhnlich Geldgeber, weiteres Kapital in den Radsport und in den Rennstall zu investieren.

Bei der Vuelta a Castilla-Leon (2.1) feierte Altmeister Edo seinen ersten Saisonsieg nach der ersten Etappe. Am letzten Tag folgte noch ein dritter Platz. Außerdem wurde er Vierter beim dritten Abschnitt der Rundfahrt.

 

Manuel Vazquez war der Name des Siegers bei der Schlussetappe der Vuelta A La Rioja (2.1), als er sich mit drei Mitstreitern kurz vor dem Ziel absetzte und den Schlussspurt gewann. Sein Stallgefährte Rovira kam auf den vierten Gesamtplatz bei dieser Rundfahrt. Im Rahmen dieser kleinen Vuelta zeichneten sich mehrere Fahrer durch vordere Platzierungen aus. Edo belegte ebenso den vierten Rang am ersten Tag, wie auch Rovira diesen Platz am Folgetag erreichte.

Bei der Vuelta Ciclista a Asturias (2.1) präsentierte sich Garcia Quesada in guter Verfassung. Seinem vierten Rang nach der zweiten Etappe folgte ebenfalls der vierte Platz im Gesamtklassement. Bei der fünften Etappe der Euskal Bizikleta (2.1) erkämpfte er ferner den fünften Rang.

 

Besser schnitt Rovira beim GP Llodio (1.1) ab. Diese Veranstaltung bescherte Andalucia-Paul Versan einen Doppelsieg sowie den einzigen Sieg bei einem Eintagesrennen. Hierbei platzierte sich Rovira vor Garcia Quesada, nachdem beide sämtliche Mitstreiter hinter sich gelassen hatten.

 

An der "Operacion Puerto" kam Andalucia-Paul Versan nicht unbeschadet vorbei. Garcia Quesada, ein ehemaliges Mitglied der Kelme-Mannschaft, geriet unter Verdacht, zum Patientenkreis des umstrittenen Arztes Eufemiano Fuentes gezählt zu haben. Auch diese Episode zählt leider zum Rückblick.

 

Im weiteren Saisonverlauf sammelte Edo noch einige nennenswerte Platzierungen. Er belegte den vierten Platz bei der Circuito de Getxo (1.1), auch bei der Burgos-Rundfahrt (2.1) zeigte er sich mit einer passablen Performance. Dort rangierte er nach der ersten Etappe auf dem fünften Platz.

Die Vuelta Chihuahua (2.2) nutzte Perez für einen Gesamtsieg bei einer Rundfahrt. Zudem gewann er  eine Etappe bei dieser Rundfahrt.



Zwischen die Speichen gesehen…

Zwei Etappensiege bei der Volta a Catalunya. Das sind natürlich die Rosinen der Saison. Sechs Punkte, die den PT-Teams definitiv verloren gingen. Bei nur einer Teilnahme an einem Wettbewerb der PT lässt sich in diesem Falle von optimaler Ausbeute sprechen. Man könnte auch behaupten, dass die Fahrer rechtzeitig in Höchstform waren, als das Jahreshighlight der Equipe anstand.

Daneben gab es vier weitere Erfolge (sieht man von den .2 Veranstaltungen ab). Für eine spanische Truppe als eher ungewöhnlich ist dabei der Sieg sowie je ein zweiter und ein dritter Platz in einem Eintagesrennen einzustufen.

 

Stattdessen wurde kein erster Rang im Gesamtklassement einer Rundfahrt erzielt und nur ein Fahrer stand auf dem Abschlusspodium, was ebenso seltsam für die Mannschaften der iberischen Halbinsel ist. Dafür sorgten die Akteure jedoch für drei weitere Etappensiege. Wiederum recht merkwürdig mutet es an, dass keine zweiten Etappenplätze erreicht wurden, und es nur einen dritten Platz es zu bestaunen gab. Offensichtlich hatten die Mitglieder des Teams öfter Ausreißergruppen besetzt oder Soloritte probiert. Mehrfach entwickelten sie dabei das Glück des Tüchtigen, indem sie diese erfolgreich abschlossen.

 

In der Mannschaftswertung der UCI landete die Equipe auf dem 36. Platz. Dieses Resultat kann für ein kleines Team schon als Maß der Dinge angesehen werden. Man hat nicht auf der ganzen Linie enttäuscht, aber der Mannschaft kann ebenso nicht bescheinigt werden, ihre Chancen komplett ausgeschöpft zu haben. Vergleicht man die Professional Teams miteinander, reichte dieses Ergebnis zum 19. Rang. Dieses Abschneiden lässt sich im Bereich "hinteres Mittelfeld" einordnen.

 

Von den spanischen Mannschaften entsprach dieses Abschneiden dem vierten Rang. Allerdings lösten sich die drei vor ihnen platzierten Teams am Saisonende auf. Es machte sich zudem bemerkbar, dass die Verantwortung bei Andalucia-Paul Versan auf wenige Schultern verteilt wurde. Eine Stütze der Mannschaft war Garcia Quesada, der in der UCI Europe Ergebnisliste auf dem 65. Rang landete. Statt seiner übernahmen auch Rovira (121.) oder Sprinter Edo (232.) das Zepter. Andere Radler befanden sich in der Lernphase oder blieben deutlich hinter den Erwartungen (z.B. Lara) zurück. Schließlich lassen sich in der Liste ganze sechs Fahrer des Rennstalls finden. Das muss sicherlich als Minuspunkt für die künftigen Intentionen gelten. Die besten acht Teamakteure zu identifizieren, stellte schon ein Problem dar.

Weiterhin ist auffällig, dass im August die Serie an erfolgreichen Rennteilnahmen riss. Mit dem Beginn der Vuelta und der nicht realisierten Teilnahme schien der Rennstall auch seine Tätigkeit für 2006 eingestellt zu haben.



Top Acht

Perez – Rovira – Edo – Lara - Vazquez – Martinez- Olmo – Cabello

Perez: Er stritt tapfer und errang einen Tagessieg bei einer PT-Rundfahrt. Auch der einzige Rundfahrtsieg geht auf seine Kappe.

Rovira: Neben der besten Platzierung in Katalonien sorgte er für den einzigen Sieg bei einem Eintagesrennen.

Edo: Er vollbrachte trotz fortgeschrittenen Alters immer noch einige gute Ergebnisse. Bei der Vuelta Castilla-Leon gelang sogar ein Sieg.

Lara: Seine Sternstunde war der dritte Rang bei der Katalonien-Rundfahrt. Ein bisschen mehr hatte man sich von seiner Verpflichtung aber schon erwartet.

Vazquez: Auch er feierte einen Etappensieg, den gab es bei der Vuelta A La Rioja zu bestaunen.

Martinez: Er fuhr einige Achtungsergebnisse ein.

Olmo: Selten blitzte sein Können auf.

Marichalar: Er schaffte nicht den großen Durchbruch, aber er deutete Potenzial an.

 

Keine Berücksichtigung fanden

Garcia Quesada: Trotz Etappensieg bei der Katalonien-Rundfahrt und anderer guter Ergebnisse sorgte er für negative Schlagzeilen. Auch er geriet in die Fänge des Herrn Fuentes.

Cabello: Vermutlich auch ein Patient von Fuentes.



Ausblick

Mit der Besetzung von 2006 müsste diese Formation weiterhin kleinere Brötchen backen. Deswegen war klar, dass man sich aus dem Personal der Teams, die sich nach dem Saisonende auflösen würden, bedienen würde, sofern sich die Möglichkeit ergäbe. Bemerkenswert ist, dass der Rennstall sich bisher darauf besonnen hat, keinen Fahrer zu verpflichten, der in die Fuentes-Affäre involviert war. Das ist der Unterschied zu sämtlichen anderen gegenwärtigen und künftigen Professional Teams aus Spanien, die – man möchte meinen – skrupellos auch diese Pedalisten für die anstehende Saison unter Vertrag nahmen. Der Fahrer des eigenen Teams, Garcia Quesada, der in der "Operacion Puerto" nicht frei von Schuld schien, wurde aus seinem Vertrag entlassen. Dennoch bleibt eine generelle Skepsis bestehen. Andalucia wäre fast schon die goldene Ausnahme im Bereich der spanischen Professional Teams.

 

Nächste Saison ziert übrigens der Namenszug "Andalucia-Cajasur" das Teamjersey. Dieses Trikot werden neuerdings Jorge Ferrio, José Antonio Lopez, Jose L. Carrasco und Claudio J. Casas tragen. Sie haben einerseits die Aufgabe, einige Abgänge zu kompensieren. Cabello (hört auf) und Edo sind von Bord gegangen, und auch Rovira wird eine Lücke hinterlassen. Andererseits sollen sie Sorge tragen, dass der Rennstall möglichst viele Startberechtigungen in der PT erhält.

Das Optimum für die Equipe wäre die Wildcard für die Vuelta a Espana. Nimmt man die sportlichen Voraussetzungen als Maßstab, dann stünden die Chancen auf eine Wildcard nicht schlecht. Die zwei neuen Rennställe Karpin-Galicia und Fuerteventura-Canarias wurden gerade erst gegründet, und Relax-GAM war laut UCI-Mannschaftswertung deutlich schlechter. Zudem konnte Relax bei der Vuelta 2006 niemanden überzeugen. Sollte die Ethik als Kriterium dienen, hätte das Team einen weiteren Vorteil gegenüber der Konkurrenz.

 

Jedoch drohen die als resistent bekannten Veranstalter – und besonders die der Vuelta, ihre Wildcards anhand anderer Kriterien zu verteilen. So wird man sicherlich Astana mit einer bedenken, wenn das kasachische Team mit dem Sieger der Spanien-Rundfahrt tatsächlich keine PT-Lizenz erhalten sollte. Daneben bliebe Relax als hartnäckigster Gegner für die andalusische Formation, wenn nur eine weitere Wildcard ausgelobt werden sollte. Anders als die Kontrahenten scheint deren Mannschaft auf sportliche Erfolge nicht angewiesen zu sein, wenn man die beiden letzten Jahre als Beurteilungsgrundlage heranzieht. Am Horizont droht Andalucia in diesem Falle womöglich ein identisches Schicksal wie Kaiku. Keine Startberechtigung und dann die Liquidation?

Ein Argument, das gegen eine Teilnahme sprechen würde, lässt sich aber nicht von der Hand weisen: Die zwei Erfolge bei der Volta a Catalunya können nicht kaschieren, dass es im Team ein wenig an Kontinuität sowie an Fahrern mit dem Willen zur Verantwortung fehlt. Mitunter unterblieben gute Ergebnisse, die einen Anspruch auf einen Start bei der Vuelta unterstrichen hätten.

Würde man sich jedoch auf Seiten der Vuelta-Veranstalter durchringen können, die abwehrende Haltung gegenüber einer Verpflichtung eines Fahrers aus der Operacion Puerto zu honorieren, dann stünde einer Teilnahme nichts mehr im Wege.


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