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Saisonbilanz 3-Molinos-Resort 2006

von Steamboat, Dezember 2006

 



Das Professional Team war zum Jahresanfang aus der Taufe gehoben worden. Am Saisonende wurde es bereits wieder aufgelöst. Zwischen Gründung und Liquidation der Radsportgemeinschaft lagen ereignisreiche Monate, die sicherlich nicht nur mit positiven Erinnerungen verbunden sein werden.

Aber der Reihe nach…

Die sportliche Leitung um den Manager Gines Garcia und den Sportdirektor José L. Fernandez hoffte trotz namhafter Verstärkung (Santos Gonzalez, Jan Hruska und später Mikel Artetxe) vergeblich auf eine Einladung zur Vuelta a Espana. Kurz vor der Vergabe der erforderlichen Wildcard fielen drei Fahrer (Alberto Benito, Rafael Casero, Antonio Tauler) durch erhöhte Hämatokritwerte auf. Dieser Umstand ließ die ohnehin nicht rosigen Aussichten des Teams auf ein Ticket auf ein Minimum zusammen schrumpfen. In der Folgezeit konnte ein weiterer Pedalist (Hruska) diesem illustren Trio hinzugefügt werden. Damit sammelte das Team mehr Misskredit, als ihm gut tun konnte und stellte die Erfolge, die es zweifellos gab, in Frage.

Ansonsten legte die Equipe ihr Hauptaugenmerk auf die iberischen Rundfahrten. Bei 3 Molinos Resort fanden sich mehrere Akteure, die ihre Chancen auf vordere Plätze in den Gesamtwertungen suchen konnten. Einige Fahrer schauten auf eine passable Karriere zurück, die sie als exzellente Bergfahrer auswies. Folglich versprach die Konstellation der Mannschaft Siege und akzeptable Resultate bei Bergankünften. Aber auch ein junger Fahrer, namens Jesus Del Nero, galt als Alternative für Massenankünfte, wie sich während der Saison zeigte.



Pro Tour

Die erste Teilnahme an einer Veranstaltung der Pro Tour, der Volta a Catalunya, stand unter keinem günstigen Stern. Bei Hruska, dem Sieger der Clasica de Alcobendas wenige Tage zuvor, wurde der angesprochene erhöhte Hämatokritwert vor dem Start festgestellt. Folglich erhielt der Tscheche eine Schutzsperre, und die Delegation trat nur noch mit sieben Fahrern zur Rundfahrt an.

Nicht ganz unverständlich sind in Anbetracht dieser Geschehnisse Verdächtigungen gegen den Rennstall, wohl nicht nur unter Zuhilfenahme von Milch und Wasser gute Ergebnisse zu erzielen. Addiert man zu den bereits bekannten Fällen noch die Verpflichtung von Gonzalez hinzu, der auf Grund der Einnahme unerlaubter Mittel von seinem ehemaligen Arbeitgeber Phonak fristlos entlassen worden war, erhält man ein sehr düsteres Bild von 3 Molinos Resort. Und auch im Zusammenhang mit der Fuentes-Affäre ging der Kelch an diesem Team nicht vorüber.

Sportliche Glanzlichter bei der Katalonien-Rundfahrt blieben aus. Man ist fast geneigt zu sagen: "Gott sei Dank!" Jorge Ferrio belegte im Klassement den 38. Rang, nachdem er bei der fünften Etappe schon für das beste Tagesergebnis der Equipe sorgte – er wurde Sechster. Die Delegation, die ihm zur Seite stand, setzte sich aus den Fahrern Del Nero, Casero, Jésus Beundia, Sergio Dominguez, Jordi Riera und Isidro Cerrato zusammen.



Outside Pro Tour

Gonzalez belegte einen zweiten Etappenrang bei der Vuelta a Andalucia (2.1). Mehr Fortune hatte er bei der Vuelta a Murcia (2.1). Diese Rundfahrt gewann er und verpasste den Organisatoren der Vuelta einen Denkzettel für die Nichtberücksichtigung bei der Spanien-Rundfahrt. Auf dem Tagespodium landete auch Del Nero beim Auftakt der Vuelta a Murcia als Etappendritter.

Del Nero sollte später in der Saison von sich reden machen, als er bei der Bicicleta Vasca (2.HC) bei der Auftaktetappe den dritten Platz erreichte. Danach trat er bei den Tagesentscheidungen dieser Rundfahrt nicht weiter in Erscheinung. Dennoch kam er im Klassement auf den dritten Platz.

Bei der dritten Etappe der Vuelta Asturias (2.1) sollte er wieder für ein gutes Abschneiden im Trikot von 3 Molinos Resort sorgen. Er wurde Zweiter hinter Samuel Sanchez, der fünf Minuten vorher das Ziel erreichte. Artetxe, ein Baske, gehörte bei der vierten Etappe der Asturien-Rundfahrt einer Spitzengruppe an. Bei dem welligen Profil dieser Strecke konnte er sich von seinen Begleitern leicht absetzen und das Rennen für sich entscheiden.

In der Gesamtwertung beim GP CTT Correios de Portugal (2.1) landete Del Nero gar auf dem zweiten Platz. Dieser wurde durch einen dritten Platz beim dritten Abschnitt ermöglicht, als er sich mit zwei weiteren Fahrern vom Feld absetzte.

Bei der Volta ao Distrito de Santarem (2.1) sammelte das Team weitere Resultate. Hruska erreichte den zweiten Etappenplatz beim zweiten Abschnitt. Ihm folgte Ferrio mit dem dritten Rang der Abschlussetappe.

Der Tscheche avancierte zu einem Siegfahrer des Teams. Dieses ist auf seinen Etappen- und Gesamtsieg bei der Clasica de Alcobendas (2.1) zurückzuführen. Der Etappenerfolg gelang im abschließenden Zeitfahren. Ihm gelang im übrigen ein zweiter Platz beim Auftaktabschnitt. Ob bereits bei dieser Veranstaltung alles mit rechten Dingen zuging, darüber lässt sich nur spekulieren. Ferrio konnte mit einem vierten Tagesrang nach einer Etappe den negativen Eindruck auch nicht verbessern.

Auch bei der Frage, ob Benito bei seinem Tagessieg auf der vierten Etappe der Volta ao Alentejo (2.1) clean war, muss 'in dubio pro reo' angenommen werden.

In der zweiten Saisonhälfte wurden die Fahrer kaum noch im Vorderfeld gesichtet. Es wirkte sich wohl auf die Gesamtsituation aus, dass Hruska in den Verdacht geriet, mit Eufemanio Fuentes zusammengearbeitet zu haben. Der Sponsor war dermaßen schockiert, einen Rennstall mit Finanzen zu versorgen, der ihm das Engagement mit skandalösen Schlagzeilen dankte, dasses nicht verwundern darf, dass er sich aus diesem Sportsegment wieder verabschiedete.

Bei der Burgos-Rundfahrt (2.1) konnte Alexis Rodriguez dann der Saisonbilanz etwas hinzufügen. Im Klassement dieser Tour erreichte er den fünften Rang. Im Rahmen dieser Rundfahrt war Eloy Teruel kurzzeitig Träger des Leadertrikots, konnte es jedoch nicht verteidigen.



Nationale Titelkämpfe

Etwas überraschend ging der Titel des besten spanischen Zeitfahrers an Tauler. Er gewann mit 15 Sekunden Vorsprung vor Rubén Plaza. Der nicht gerade zu erwartende Ausgang des Rennens hing womöglich mit der Unzufriedenheit und der daraus resultierenden Motivation der Radsportler zusammen, die sich über die Berichterstattung der spanischen Medien echauffierten. Zwei Tage später bestreikten sämtliche Fahrer das Straßenrennen. Somit erschien es nicht sehr wahrscheinlich, überhaupt eines der spanischen Meistertrikots bei den TV- Übertragungen zu entdecken, da das eine gar nicht ausgefahren wurde, und das andere in die Reihen eines Professional Teams wanderte. Da 3 Molinos Resort so gut wie an keiner größeren Veranstaltung nach der Meisterschaft teilnahm, bei der auch ein Zeitfahren auf dem Programm stand, muss man fürchten, dass es in der Mottenkiste verrottet.



Zwischen die Speichen gesehen …

3 Molinos Resort hat eine Saisonbilanz, die ihre Makel und Fragezeichen nicht leugnen kann. Moralisch kann man sich nicht als pedalierende "Ritter der Glaubwürdigkeit" bezeichnen lassen. Demnach geraten auch die zwei Rundfahrterfolge in Zwielicht, zumal sie von Akteuren erreicht wurden, die nicht über jeden Zweifel erhaben sind.

Nur an den Zahlen orientiert, liest sich die Ausbeute nicht schlecht. Neben den Siegen bei Etappenrennen stehen auch zwei weitere Podestplatzierungen zu Buche. Bei Eintagesrennen hatte die Equipe nicht viel zu bestellen, während drei Etappensiege gefeiert werden konnten. Bei den Tagesentscheidungen fand man sich insgesamt zehn Mal auf dem Treppchen wieder.

In der UCI Mannschaftswertung fand man sich auf dem 29. Platz ein. In der UCI Europe errang Del Nero den 70. Platz, dicht gefolgt von Hruska als 77. Gonzalez wurde 121.



Top Acht

Gonzalez – Tauler – Del Nero – Artetxe – Benito – Ferrio – Rodriguez – Teruel

Gonzalez: Er gewann die Murcia-Rundfahrt und sorgte für weitere Ergebnisse. Die generelle Skepsis jedoch wird er wohl nicht mehr los.

Tauler: Der neue spanische Zeitfahrmeister sorgte auch für negative Schlagzeilen

Del Nero: Er hatte vielleicht das Glück, nur nicht positiv getestet worden zu sein. Allerdeings deutete er Potential an, auch wenn er 2006 ohne Sieg blieb.

Artetxe: Ein Saisonsieg bei der Asturien-Rundfahrt. Er empfahl sich für andere Arbeitgeber.

Benito: Ein Tageserfolg in Portugal. Aber auch Quelle für Zweifel.

Ferrio: Platz sieben bei Alcobendas und bei der einzigen PT-Teilnahme Teambester. Außerdem sorgte er für mehrere gute Platzierungen

Rodriguez: Er wurde bei der Burgos-Rundfahrt Fünfter.

Teruel: Er konnte bei der Burgos-Rundfahrt für einen Tag ins Rampenlicht rücken.

Keine Berücksichtung fand

Hruska: Er sorgte für erhebliche Bedenken ob seiner Integrität. Fiel gleich zweimal unangenehm auf. Da kann man nicht die Gläser nach Alcobendas erheben, wenn er durchaus für eine Menge negativer Eindrücke in dieser Sportart verantwortlich gemacht werden kann.



Ausblick

Der Rennstall löst sich zum Ende der Saison wieder auf. Krokodilstränen braucht man da wohl kaum zu vergießen, wenn man erkennen muss, dass in dieser Truppe wohl nicht alles mit rechten Dingen zuging.

Erstaunlich ist aber, dass z.B. Gonzalez ein neues Team mit Karpin-Galicia fand. Diese Mannschaft gerät schon in die Schusslinie wie auch Fuerteventura-Canarias, das Artetxe verpflichtete. Del Nero wechselt zu Saunier Duval. Ferrio fand bei Andalucia-Cajasur Unterschlupf, während Buendia zum Team Grupo Nicolas Mateos aufbrach. Auch Rodriguez fand einen Arbeitgeber: Paredes Rota dos Moveis.


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