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Saisonbilanz SB Relax-GAM

von Steamboat, Dezember 2006

© Fotos: Capture The Peloton  




Start bei der Vuelta 2006? Ja oder Nein? - Ja!

Besondere Vorkommnisse? – Eigentlich nicht!

 

Den Saisonhöhepunkt des Rennstalls stellte traditionell die Teilnahme an der Vuelta dar. Die Einladung überraschte, da das Team im Vergleich zum Vorjahr zwei wichtige Fahrer (Josip Jufre, Luis Pasamontes) einbüßte und sie nicht annährend adäquat ersetzte. Dennoch sollte Relax auch 2006 wieder am Start sein … und keine Bäume ausreißen.

Loyalität – das war die Eintrittskarte für das große Saisonziel, die in der Teilnahme und nicht zwangsläufig in den Erfolgen bestand. Weniger die kräftigen Pedaltritte waren für die Auswahl der Vuelta-Organisatoren entscheidend, sondern eher die finanziellen Mittel spielten eine Rolle bei der Vergabe der Wildcards. Schließlich würde man sich auch freuen, wenn Relax die Finanzierung der GT komplett übernähme. Die Entscheidung zu Gunsten der Mannschaft sorgte bei der Konkurrenz für Unmutsbekundungen und wirkte sich ebenso wie die Fuentes-Affäre negativ auf den Radsport der iberischen Halbinsel auf.

Die Equipe um Teammanager Jésus Suarez störten diese Misstöne weniger. Vielmehr kam der Rennstall in den Genuss, an der wichtigen GT teilnehmen zu können – auch ohne für Akzente zu sorgen. Während der Rundfahrt passte man sich im übrigen dieser Haltung vortrefflich an – man blieb sehr unauffällig.



Pro Tour

Neben der Vuelta erhielt das Team Wildcards für die Baskenland-Rundfahrt und die Volta a Catalunya. Der Akzeptanz durch die einheimischen Rennveranstalter konnte man sich also sicher sein.

 

Xavier Tondo beendete als bester seines Teams die Vuelta a Pais Vasco als respektabler 15. im Klassement. Das war bereits das beste Gesamtergebnis in einer PT-Rundfahrt. Ansonsten sorgte die Delegation, nimmt man die Ergebnislisten als Bemessungsgrundlage, für keinerlei Farbtupfer. Kein Fahrer gelangte bei einer der Tagesentscheidungen in die Top Ten. Auch in den Sonderwertungen sucht man Akteure von Relax vergeblich.

 





Mario de Sarraga *

José Miguel Elias wurde in Katalonien im Endklassement 28. Kein Teamkollege war besser als der Mann aus Alforque / Zaragoza. Die Delegation, die an der Katalonien-Rundfahrt teilnahm, blieb ähnlich zurückhaltend wie bei der Baskenland-Rundfahrt. Mario de Sarraga erreichte bei der fünften Etappe immerhin den 12. Platz, besser schnitt kein Stallgefährte bei einem Tagesergebnis ab.

Bei den spanischen Eintagesrennen war wieder Elias der schnellste Relax-Fahrer. Er fuhr als 31. über die Ziellinie der Klasika San Sebastian.

 

Schon zum Auftakt der Vuelta wurde klar, wo Relax als einziges Professional Team im Feld der PT-Mannschaften anzusiedeln sein würde. Man wurde im Mannschaftszeitfahren 21. von 21 teilnehmenden Teams. Daran waren beteiligt: Nacor Burgos, De Sarraga, Elias, Raul Garcia de Mateo, Jorge Garcia, David George, Daniel Moreno, Jésus Hernandez und Angel Vallejo.

Die zweite Etappe nutzte De Sarraga für eine Flucht. Mit einem Sieg beendete er sie nicht, aber er wurde für die Dauer von drei Etappen Träger des Bergtrikots. Neben der Beteiligung an einigen Ausreißergruppen gerieten die Relax-Fahrer nicht in den Focus der Berichterstattung. Elias belegte als bester Fahrer seines Teams den 25. Rang des Klassements. Die beste Tagesplatzierung erreichte de Sarraga. Die vierte Etappe beendete er als 12. Immerhin sprang der neunte Rang in der Mannschaftswertung heraus.

Zu so gut wie keinem Zeitpunkt wurde klar, warum Relax mit einer Wildcard für die Vuelta versehen wurde. Wenn man ihre Leistungen mit denen von Kaiku vergleicht, dann muss es schon sehr bedauert werden, dass der sportliche Aspekt bei der Vergabe keine Berücksichtigung fand.



Outside Pro Tour



José Miguel Elias *

Die Spanier trugen aus der vorhergehenden Saison eine schwere Hypothek ins neue Jahr, weil 2005 kein einziger Sieg gefeiert werden konnte. Diese schwarze Serie riss 2006 jedoch recht früh, als Vallejo bei der Tour de Langkawi (2.HC) einen Etappensieg erreichte. Dieser kam allerdings unter merkwürdigen Umständen zustande, da die Witterungsbedingungen zum Abbruch des Rennens führten. Vallejo lag zu diesem Zeitpunkt in Führung und wurde demnach zum Tagessieger erklärt.

Elias schaffte bei dieser Tour immerhin einen zweiten Etappenplatz, um zu bestätigen, dass Relax zumindest alles für einen Erfolg in die Waagschale warf. Eine halbwegs gelungene Ausbeute an Siegen und guten Ergebnissen sollten das karge Bewerbungsmaterial für die Vuelta aufwerten. Die Teilnahme an der Spanien-Rundfahrt hing, gemessen an den sportlichen Erfolgen, an einem seidenen Faden, da die Mitkonkurrenten im selben Zeitraum erfolgreicher waren.

 

Ein im Vergleich zum Erfolg bei der Tour de Langkawi unumstrittener Tagessieg gelang Moreno bei der Clasica de Alcobendas (2.1). Er hatte sich mit Jan Hruska vom Feld abgesetzt und siegte im Finish. Im Gesamtklassement landete er schließlich auf dem dritten Platz. Den schaffte er auch bei der Vuelta Ciclista a Burgos (2.HC), ohne bei einer Tagesentscheidung in Erscheinung getreten zu sein.

In der Endwertung noch einen Platz weiter vorne platzierte er sich bei der Volta ao Alentejo (2.1). Eine Duplizität der Ereignisse im Vergleich zu Alcobendas stellte sein Etappensieg in Portugal dar, der auf dem dritten Abschnitt der Volta zustande kam. Moreno musste als Lichtblick und Hoffnungsträger für die Vuelta gelten.

 

De Sarraga nutzte die Rundfahrt Vuelta Ciclista Asturias (2.1), um sich für eine Nominierung der GT zu empfehlen. Er war Mitglied einer Ausreißergruppe bei der vierten Etappe. Für den Sieg reichte es aber nicht, aber er setzte sich als Zweiter positiv in Szene. Ebenso tat dies Moreno, der bei der letzten Etappe Tagesdritter wurde.

 





Nacor Burgos

Burgos errang bei der Tour Of Qinghai Lake (2.HC) in China einen dritten Tagesrang. Bei der dritten Etappe konnte sich eine Kopfgruppe vom Feld absetzen, zu der auch er zählte. Er musste sich aber Denis Kostyuk geschlagen geben. Seinem Stallgefährten José Martinez musste er sich bei der achten Etappe ebenfalls beugen, so dass Burgos erneut einen zweiten Tagesplatz einstrich. Der Doppelsieg wurde durch den vierten Rang von Oscar Garcia-Casarrubios komplettiert. Burgos untermauerte seine gute Leistung durch den dritten Gesamtplatz. Ebenso glaubte Martinez dem Ziel, ins Aufgebot der Vuelta zu rücken, im fernen China ein gutes Stück näher gekommen sein. Er irrte jedoch.



Nationale Titelkämpfe

George, erst während der Saison verpflichtet, siegte bei den südafrikanischen Meisterschaften im Einzelzeitfahren. Die Konkurrenz machte es ihm allerdings auch nicht schwer, dieses Rennen zu gewinnen, da z.B. Robert Hunter oder die südafrikanischen Fahrer von Barloworld nicht in den Kampf um diesen Titel eingriffen. Im Straßenrennen blieb George allerdings nur der dritte Rang.



Zwischen die Speichen gesehen…

Die Teilnahmen an den PT-Rennen ist schnell rekapituliert. Bei vier Veranstaltungen war man dabei, PT-Punkte trug man keine davon und aufgefallen ist man eigentlich auch nicht. Durch den Zufall der früheren Gründung und durch die Position des Sponsors, bekam man Saisonhöhepunkte geschenkt, denen man aus sportlicher Sicht nicht gerecht wurde. Man muss resümierend sagen, dass Relax von allen Professional Teams, die an einer GT teilnahm, am schlechtesten abschnitt.

 

Das sportliche Abschneiden lässt sich an anderen Statistiken abseits der Vuelta ebenso aufzeigen. Auf einem blamablen 48. Platz in der UCI-Mannschaftswertung beendete man die Saison. Von allen spanischen Professional Teams war das der schlechteste Platz. Selbst zwei Continental Teams (Spiuk und Vina Magna) drängelten sich noch vor. Da müssen sich die verantwortlichen Rennveranstalter ernsthaft fragen lassen, weshalb man Relax stets anderen Formationen vorgezogen hatte. Auch 2005 war das Abschneiden bereits unterirdisch gewesen. Von der Hängematte, in die sich sprichwörtlich die Equipe legen kann, träumt die inländische Konkurrenz nur. Wenn es für die anderen Teams ums nackte Überleben geht, konnte man bei Relax auch ohne besondere Leistungen Teilnahmen bei gar vier PT-Events einplanen und sich bequem zurücklehnen.

 





Jesus Hernandez

In der UCI Europe, die für den Rennstall maßgeblich und am bedeutsamsten sein dürfte, erreichte Moreno einen vorzüglichen 22. Platz. Danach erreichte Hernandez, der auch noch in den Verdacht geriet, mit Fuentes zusammengearbeitet zu haben, als zweitbester Radler der Equipe auf einen 551. Rang. Und Vallejo wurde 782 …. Besser schnitt man in den Listen für Asien und Afrika ab, in denen George jeweils Siebter werden konnte.

 

Vier Saisonsiege wurden erzielt. Die Hälfte von ihnen war in Asien zu sehen, wo die Equipe sich in der UCI Rangliste immerhin neben George mit vier Fahrern unter den ersten 100 Pedaleuren findet: Burgos (21.), Elias (59.), Martinez (60.), Garcia-Cassrubio (74.). Zählt Asien jetzt zu den Kerngebieten des Kaders?

Vier Podestplatzierungen nach Rundfahrten – das liest sich nicht schlecht. Aber Relax deklariert sich auch als Tourteam. Die Siege kamen alle bei Etappen zustande. Auch fünf weitere Treppchenplätze nach Tagesabschnitten wurden erreicht. Bei den Klassikern hingegen war ein vierter Rang das Maß der Dinge.



Top Acht

Moreno – George – Tondo – Elias – Martinez – Vallejo – De Sarraga – Burgos

Moreno: Er kann für sich in Anspruch nehmen, höheren Ansprüchen zu genügen. Bei einer Rundfahrt in Spanien sorgte er für den wertvollsten Sieg der Saison. Immerhin auch in der UCI Europe weiter vorne.

George: Der Südafrikaner wusste in Asien und Afrika zu gefallen. In Europa blieb er blass, als Meister seines Landes im Zeitfahren blieb er aber nicht sieglos.

Tondo: Platz 15 bei der Baskenland-Rundfahrt. Das war das höchste der Gefühle für Relax bei einer PT-Veranstaltung

Elias: Er wurde Bester bei drei PT-Rennen aus Teamsicht. Konnte für Achtungserfolge in der Saison sorgen.

Martinez: Für einen Sieg im fernen China war er gut. Ansonsten zurückhaltend.

Vallejo: Der erste Sieg im Jahr gelang ihm - und damit beendete er eine lange Durststrecke.

De Sarraga: Ein kleiner Lichtblick bei der Vuelta, da er im Bergtrikot gewandet daherkam.

Burgos: Er verzichtete auf eigene Siege, aber er konnte dennoch gute Resultate erzielen.

 

 




Mario de Sarraga während des Critériums International 2006



Ausblick

Bei Relax hat man wohl erkannt, dass eine derart dürftige Performance kaum noch eine Teilnahme an der Vuelta rechtfertigt. Das sollte selbst für den Fall gelten, dass die Restriktionen der PT nicht so eng wären. Ein personeller Schnitt musste erfolgen.

Den Weg, für den sich Relax entschieden hat, kann man in der heutigen Zeit, in der diese Sportart in eine bedrohliche Schieflage geraten ist, nicht gutheißen. Die personelle Aufrüstung geschah unter arg kritikwürdigen Vorzeichen. Eine Verpflichtung von Santi Perez ist wohl kaum der geeignete Weg, die Glaubwürdigkeit, die der Radsport ganz dringend benötigt, wieder herzustellen. Der ehemalige Phonak-Fahrer hat seine zweijährige Dopingsperre abgesessen und kehrt nach dieser Abstinenz wieder in den Profizirkus zurück. Er wird vermutlich als Kapitän für die Vuelta fungieren. Dass sein Name auch in der Operacion Puerto auftauchte, stört scheinbar von den Funktionären niemanden. Das Umdenken hat besonders in den spanischen Teams noch nicht begonnen.

Ihm zur Seite steht u.a. Luis Perez, der von Cofidis kommen wird. Aus den Beständen von Comunidad Valenciana stößt Julian Sanchez dazu. Daneben rumorte es, dass man die Fühler nach Francisco Mancebo und Angel Vicioso ausgeworfen habe. Die beiden Fahrer waren in die Fuentes-Affäre involviert und genießen folglich nicht den besten Ruf. Die Rennstallleitung scheint das aber nur peripher zu tangieren.




Francisco Mencebo



Luis Perez



Angel Vicioso



Getrennt hat man sich von George, der die Equipe nicht führen konnte, und Tondo war nicht zu halten.

 

2007 wird man Relax bei der Vuelta wohl wieder sehen. So oder so …. Es sollte niemanden verwundern, wenn die zweite Wildcard (neben Astana) bei der Vuelta dem Team zugeteilt werden wird.


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