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Mock-List 2006: Platz 26 -18



Platz 26: Davide Malacarne



Davide Malacarne
© foto-grafik-satz.de

Davide Malacarne

Italien

11.07.1987

 

Der „alte“ Davide Malacarne war ein Weltklasse-Crosser. In der Saison 2004/2005 gewann er den italienischen Meistertitel, wurde Junioren-Cross-Weltmeister in St.Wendel und gewann den Weltcup. Zuvor hatte er bereits in allen Altersklassen diese Disziplin in Italien dominiert. Doch weil er später als reiner Crosser in Italien nicht viel Holz verdienen würde, fuhr er 2005 bereits viele Straßenrennen. Zwar bei weitem nicht so erfolgreich wie er es auf den Schotterpisten gewohnt war, aber durchaus viel versprechend, wie u.A. ein achter und ein 15. Rang bei den beiden größten Juniorenrundfahrten des Landes, Toscana und Lunigina, belegen.

Danach bestritt er seinen ersten U23 Cross-Winter, welcher äußerst mittelmäßig ausfallen sollte. Ein fünfter Platz bei den Europameisterschaften ist noch mit Abstand das beste Ergebnis für ihn gewesen. Zur aktuellen Saison wechselte er zum starken italienischen Amateurteam Zalf Desirée Fior.

 

Der „neue“ Davide Malacarne ist nun drauf und dran ein Weltklasse-Straßenprofi zu werden. Das Meisterstück Malacarnes in dieser Saison war der „Giro Veneto e delle Dolemiti“ im Juli. Durch einen dritten Platz beim Prolog und das Ankommen im reduzierten Spitzenfeld auf der ersten Etappe, durfte er das Trikot der italienischen Auswahl gegen das Führungstrikot tauschen.

Auf der zweiten Etappe ging es erstmals richtig in die Berge. Mit noch knapp 40km zu fahren und noch drei Bergwertungen, an dessen Spitze der 1773m hohe Passo Staulanza stand, attackierte das Maglia Rossa höchstpersönlich. Auf dem Staulanza, 15km vor dem Ziel, hatte Malacarne als Solist bereits eine Minute auf die nächste Verfolgergruppe um Capasso, Fornasier und Reshetnikov herausgefahren. Dann geschah es: Die Kräfte schwanden bei Malacarne, die Verfolger holten Sekunde um Sekunde auf und an einer letzten kleinen Bergwertung, 4km vor dem Ziel, war er gestellt. Doch er war noch nicht geschlagen. Wie durch ein Wunder konnte er die Gruppe noch mal attackieren und gewann schließlich die Etappe mit neun Sekunden Vorsprung.

Auf der dritten Etappe ging es ein letztes Mal ins Gebirge. Die Konkurrenz versuchte alles, doch Malacarne war Herr der Lage. Er, Fornasier und Reshetnikov blieben übrig im Ausscheidungsfahren. Der Russe nutzte das Belauern der Klassement-Rivalen für den Etappensieg und Malacarne sicherte sich souverän den Gesamtsieg.

 

Ein fünfter Rang bei den italienischen U23-Meisterschaften, der Sieg bei der Trofeo Matteotti der Amateure und die Teilnahme an der U23-EM sind weitere Eckpfeiler einer überaus erfolgreichen Saison für den 19-jährigen Venetier. Malacarne ist mittlerweile mit Abstand der erfolgreichste seines Jahrgangs in Italien und wurde dementsprechend schon früh unter Vertrag genommen: Zwei Jahre wird er noch bei Zalf Desirée fahren, für 2009 hat er einen Profivertrag bei Quick Step unterschrieben. Ob er überhaupt noch soviel Zeit benötigt, wird sich in der nächsten Saison zeigen. Die endgültige Antwort auf die Frage, wo Malacarnes sportliche Zukunft liegen wird, dürfte mit dieser Vertragsunterschrift aber geklärt sein: Auf der Straße.

 

nominated by dijk, presented by chreezer

 



Platz 25: Markus Eibegger



Markus Eibegger
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Markus Eibegger

Österreich

16.10.1984

 

Wie die letzten beiden Österreicher, denen die Ehre eines Mocklistenplatzes zu teil wude, Bernhard Kohl und Thomas Rohregger, so ist auch Markus Eibegger ein Kletterer. Vielleicht nicht ganz so vollblutig wie die anderen Beiden, aber die Parallelen sind nicht zu verkennen. Eibeggers Zukunft steht nun, wo sich seine letzte U23-Saison dem Ende nähert, auf der Kippe. Nur allzu gerne würde er sicher den „Kohl-Weg“ einschlagen, in die ProTour wechseln und dort vielleicht ebenfalls zu einem Spitzenfahrer heranreifen. Falls die Vertragsangebote aus dem Ausland ausbleiben, droht ihm allerdings das „Rohregger-Schicksal“ -  mit wenigen Perspektiven und noch weniger Gehalt für ein zweitklassiges, einheimisches Team fahren. Was Eibegger sich nicht vorwerfen kann, ist, dass er keine sportlichen Argumente für einen Profi-Vertrag geliefert hätte.

 

Der für den nahezu unbekannten RC Arbö Rapso Knittelfeld fahrende Eibegger gehört schon seit Jahren zum Nachwuchs-Nationalkader seines Landes und kann entsprechend viele Teilnahmen an internationalen Toprennen verzeichnen. Doch wenn man aus dem Radsportentwicklungsland Österreich kommt, zuckt da noch kein Scout mit der Wimper. Resultate müssen kommen und sie kamen bei Eibegger in Masse und Klasse ab der Saison 2005. Bei der traditionell stark besetzten und schweren Jadranska Magistrala (2.2) in Kroatien konnte er Gesamtfünfter werden. Einen Monat später wurde er beachtlicher 13. beim Giro delle Regioni (2.2U).

Seine beiden größten Stunden des vergangen Jahres schlugen etwas später: Bei den nationalen Meisterschaften im Juni holte er nicht nur den Zeitfahrtitel der U23, sondern auch noch überlegen den Straßentitel dieser Altersklasse, als er im Eliterennen sensationell Vierter hinter Glomser, Trampusch und Obwaller wurde. Toppen konnte dies nur noch Eibeggers Vorstellung bei der profilierten Fernfahrt Linz-Passau-Budweis, welche er als Zweiter hinter Paul Crake und noch vor Robert Gesink beenden konnte.

 

2006 fing für den Steirer ebenso gut an. Im April gewann er sein erstes UCI-Rennen, den Salzkammergut-Giro (1.2), gegen die nationalen Continental-Teams. Etwas später betritt er die Thüringen-Rundfahrt (2.2U) und wurde dort als einer der besten Fahrer auf hügeligem Terrain starker Vierter hinter Martin, Walker und Boasson Hagen. Den durchaus in Reichweite gewesenen Gesamtsieg vergeigte er nur durch sein mittelprächtiges Zeitfahren. Nachdem die gute Form noch für einen ordentlichen sechsten Rang bei der von Slowenen dominierten Steiermark-Rundfahrt reichte, blieben die guten Ergebnisse jedoch lange Zeit aus. Dazu konnte er vollkommen überraschend weder Straßen- noch Zeitfahrtitel der U23 Österreichs verteidigen.

 

Gerade in dem für einen Letztjahres-U23er so wichtigem zweiten Halbjahr schien Eibegger die Puste auszugehen. Dann kam der GP Tell (2.2U). Beim kurzen Prolog ließ er es mit Rang fünf schon erahnen: Die Form war wieder da. Nach der ersten Bergetappe, die er mit Velits und Svab dominierte, durfte Eibegger das Führungstrikot überstreifen und man musste anfügen: Die Form war nicht nur wieder da, sondern auch besser als je zuvor. Die Gesamtwertung ließ Eibegger sich trotz heftigen Widerstandes nicht mehr nehmen und er konnte sich über den größten Erfolg seiner Laufbahn freuen.

 

Als Franzose, Deutscher oder Italiener wäre ihm der Pro-Tour-Vertrag wohl sicher. Als Österreicher bleibt ihm vorerst nur das Hoffen genug Aufmerksamkeit erregt zu haben. Vielleicht muss er auch noch eine gute Platzierung bei der Heim-WM in Salzburg nachlegen, um nicht nur Angebote von Elk Haus oder Volksbank zu erhalten.

 

Nachtrag: Eibegger floh am 16.09. vor einer Doping-Kontrolle während des Trainings in seiner Heimat. Vom Verband wurde er für die Weltmeisterschaft gestrichen, den Profivertrag kann er wohl vergessen.

 

nominated by chreezer, presented by chreezer

 



Platz 24: Jackson Rodriguez

Jackson Rodriguez

Venezuela

25.02.1985

 

Jackson Rodriguez gehört zweifelsohne zu den größten Nachwuchshoffnungen Südamerikas. Stark am Berg, mit stets aggressiver Fahrweise und starken Punch im Sprint ausgestattet, könnte er mal Einer werden für die Hügelklassiker in Europa. Es scheint jedenfalls nur eine Frage der Zeit wann er seine Heimat Venezuela verlässt. Das als Südamerika-Filiale bekannte Team Selle Italia dürfte dabei die erste Anlaufstelle für den jetzt schon so „italienisch“ fahrenden Rodriguez sein. Fast wäre er sogar schon dieses Jahr in Italien gelandet – im Februar wurde er im Kader des neu gegründeten Amateurteams Tata genannt, für die er aber, wenn überhaupt, keine handvoll Rennen gefahren ist.

 

Rodriguez Stern ging 2005 auf. Nachdem er 2004 die einheimische Konkurrenz planierte, wurde er vorm stärksten venezuelanischen Team Loteria del Tachira verpflichtet. Das eröffnete ihm die Möglichkeit bei nahezu allen großen mittel- und südamerikanischen Rundfahrten an den Start zu gehen. Der erste große Erfolg kam schnell: Bei der einheimischen Vuelta Tachira (2.2) holte er einen Etappensieg und belegte den Zehnten Gesamtrang. Ein Etappenerfolg bei der Kuba-Rundfahrt (2.2) blieb ihm zwar verwehrt, aber mit Platz acht in der Endabrechnung konnte der damals 19-Jährige erneut überzeugen. Sein vielleicht größter Erfolg anno 2005 war aber der vierte Platz bei der Vuelta Venezuela (2.2), bei der er sich nach zwei Wochen im Klassement unmittelbar vor Leuten wie Marlon Perez und Jose Serpa behaupten konnte.

 

2006, wie erwähnt, schon mit einem Bein in Europa, aber irgendwie doch nicht, war für Rodriguez noch mal ein Stückchen erfolgreicher. Das Jahr begann wieder mit Etappensieg bei der Tachira, im Klassement verbesserte er sich auf Platz sieben. In Kuba verbesserte er sich ebenfalls um drei Plätze mit der Krönung durch einen Etappensieg im Massensprint gegen einen Borut Bozic, der bei solchen Angelegenheiten selbst in Europa eine Hausnummer ist.

In dieser Saison bestritt der Allrounder zum ersten mal auch die prestigeträchtigste Rundfahrt Südamerikas: Die Vuelta Colombia (2.2). Und erneut, wie so oft bei Rennen der UCI America Tour, war Rodriguez wieder gut im Bilde. Zweimal rauschte er als Zweiter am Etappensieg vorbei und mit Gesamtplatz zwölf in dem von alten Männern dominierten Rennen, enttäuschte er auch hier seine Fans nicht. Unmittelbar danach stand erneut seine Heimat-Rundfahrt in Venezuela an – sollte auch hier eine Steigerung folgen, möglicherweise sogar der Gesamtsieg? Nein, seine maximal mittelmäßigen Qualitäten im Zeitfahren ließen ihn über einen neunten Platz nicht hinauskommen. Über die für ihn unvorteilhafte Streckenführung konnte er sich aber mit Etappensieg und Bergtrikot hinweg trösten.

 

Natürlich wird Jackson Rodriguez auch die kleine U23-Auswahl seines Landes in Salzburg anführen und wer weiß, vielleicht kann er ja schon vor einem möglichen Wechsel nach Europa eine Duftmarke setzen.

 

nominated by chreezer, presented by chreezer

 



Platz 23: Miha Svab




Miha Svab

20.04.1984

Slowenien

 

Bereits letztes Jahr wurde Miha Svab in die Mock Liste gerufen. Damals belegte er Platz elf, weil er in der Saison durch außergewöhnliche Kletterleistungen und gute Zeitfahrresultate aufgefallen war. Dieses Jahr muss man ihm, wie eigentlich allen Vorjahresmockis ohne Profi Vertrag, ein wenig Stagnation auf hohem Niveau vorwerfen.

 

Nachdem die letzte Saison bei der Weltmeisterschaft mit einem Platz um die 40 im Zeitfahren und einer Aufgabe im Straßenrennen sehr enttäuschend zu Ende ging, startete der Slowene die neue Saison im heimischen Continental Team Adria Mobil, welches in Slowenien dem Perutnina Team eigentlich als Nachwuchsteam ein wenig den rang abgelaufen hat, da Letzteres inzwischen fast durchgehend erfahrene Fahrer im Kader hat.

Die Saison begann viel versprechend. Die Settimana Ciclista Lombarda (2.2) in Italien ist eine schwere Rundfahrt, die für ihren Status immer sehr gut besetzt ist. Gewinner wurde Mit Mock Lister Robert Gesink, aber nach Kuschinsky und Gasparre belegte Svab im Endklassement einen vierten Platz.

Die enorm bergige Slowenien – Rundfahrt (2.1) im Juni wurde dann zum Showdown zwischen Perutnina und Adria. Perutnina gewann mit Bozic beide Sprintetappen, aber auf den Bergetappen dominierte das Adria Team. Die erste Bergetappe gewann Svabs Teamkollege und ehemaliger Mock List Podist Tomasz Nose. Miha Svab belegte 38 Sekunden später den dritten platz, trotz guter Profikonkurrenz von unter Anderem Lampre mit Tadej Valjavec. Trotz dieses guten Resultats war er auf der zweiten Bergetappe verdammt für Nose zu arbeiten, so dass er seinen dritten Platz nicht wiederholen konnte. Er landete knapp außerhalb der Top Ten und fing sich drei Minuten Rückstand ein. In der Gesamtwertung reichte es trotzdem zu einem siebten Platz.

Dass auch zur Zeit wieder mit dem Kletterer zu rechnen ist bewies er in der Schweiz, beim GP Tell, einer bergigen und wichtigen U23 Rundfahrten im Kalender. Auf der einzigen, echten Bergetappe, belegte der Slowene 13 Sekunden hinter Mit Mockis Peter Velits und Markus Eibegger den dritten Platz. Dieser dritte Platz kam auf den nicht mehr wirklich bergigen Schlussetappen nicht mehr in Gefahr, angreifen konnte Svab allerdings auch nicht mehr.

 

Mit dieser Form sollte er bei der Weltmeisterschaft eine gewichtigere Rolle spielen können als im letzten Jahr. Da der Kurs im Straßburg aber für ihn vermutlich nicht bergig genug ist, wird Svab auf das Zeitfahren bauen müssen.

Da er bisher noch keinen Profivertrag hat, muss er sich in seinem letzten U23 Jahr noch etwas einfallen lassen, um an einen Vertrag zu kommen. Falls er keinen Vertrag bekommen sollte, wird er vermutlich einfach in einem der beiden starken, slowenischen Continental Teams bergige Rennen unsicher machen.

 

nominated by ogkempf, presented by ogkempf

 



Platz 22: Fabio Duarte

Fabio Duarte

11.06.1986

Kolumbien

 

Seit die Kolumbianer in den 80-er Jahren nach Europa kamen, sind Sie geliebt und gerühmt wegen ihrer kleinen Beine und ihrem unberechenbaren, abwechselnden Kletterstil. Als echte Rundfahrer wurden sie trotzdem nie gesehen, weil ihre Kapazitäten auf dem Flachen, vor allem dem Zeitfahren, nicht ausreichten.

Seit kurzem gibt es eine Anzahl junger, talentierter Kolumbianer, die ihre natürlich Kletterstärke mit Kraft für das Flache kombinieren.

So fahren der starke Zeitfahrer Rigoberto Uran (1987, Tenax) und der sprintstarke Jaime Castaneda (1987, Lampre) schon in jungem Alter bei europäischen Profi Mannschaften. Der größte kolumbianische Trumpf fährt allerdings noch in Kolumbien: Fabio Duarte; ein Rundfahrer.

 

Im ersten U23 Jahr gewann der 1,66m kleine und 55 Kilo schwere Fahrer schon die Vuelta de la Juventud, die Nachwuchsrundfahrt Kolumbiens. Außerdem wurde er ordentlicher Zwanzigster bei der U23 WM.

Das war genug um 2006 von der fast - Nationalmannschaft Kolumbiens; EPM Orbitel; aufgenommen zu werden und so mit den großen Namen des kolumbianischen Feldes zusammen zu fahren.

Schon beim Saison start im März gewann Duarte in der Vuelta a Valle das Bergklassement. Außerdem wurde er Vierter der Gesamtwertung. Danach folgten die Vuelta a Anapoima, bei der er nicht nur die Gesamtwertung – die in diesem Fall natürlich auch die Nachwuchswertung beinhaltete – sondern auch das Punkte- sowie Bergklassement und zwei Etappen gewann.

Ähnliche Leistungen zeigte er in der Vuelta a Tulcan (Etappen- und Gesamtsieg) und der Vuelta de la Juventud (drei Etappen- und Gesamtsieg). Interessanterweise entgeht ausgerechnet die nationale U23 Meisterschaft, denn im Sprint unterlag er unter Anderem Jaime Castaneda. Den Zeitfahrtitel in seiner Altersklasse konnte er sich dann aber doch sichern.

 

Langsam stiegen die Erwartungen in Richtung des wichtigsten Events der Saison; der Kolumbien – Rundfahrt (2.2). Im Sog der Übermacht der EPM-Orbitel Mannschaft wollte der junge Rundfahrer eventuell auch einmal zuschlagen. Und schon zu Beginn der Rundfahrt enterte Duarte eine vordere Platzierung in der Gesamtwertung. Von der achten Etappe an fuhr er fünf Tage lang im Führungstrikot, aber auf der schweren 13. Etappe nach Medellín Pueblito Paisa nahmen die Veteranen, unter der Leitung von Buenahora und Castellblanco, das Heft in die Hände. Dort führen sie den Jünglingen ordentlich um die Ohren. Letztendlich gewann Castelblanco die Rundfahrt, aber mit einem vierten Platz ließ der erst 20 jährige Fabio Duarte durchschimmern, dass die Kolumbianer endlich einen echten Rundfahrer haben.

 

nominated by dijk, presented by dijk

 



Platz 21: Peter Velits




Peter Velits

Slowakei

21.02.1985

 

Peter Velits hat es, vor allem dank eines klasse Giro delle Regioni (2.2 U23), welchen er hinter den mittlerweile ins Profigeschäft gewechselten Sestili und Kreuziger auf Rang Drei abschloss, bereits letztes Jahr in die Mock-List geschafft. Die Vergangenheit des Slowaken dürfte daher schon vielen ein Begriff sein: Bei den Junioren gemeinsam mit Zwillingsbruder Martin absolute Weltspitze, Anlaufschwierigkeiten bei den U23, bis er dann 2005, allerdings ohne Martin, wieder teilweise an die Leistungen aus der U19 anknüpfen konnte. Das was er vergangene Saison gezeigt hat, konnte er in der Aktuellen bestätigen, wenn nicht gar verbessern.

 

Das Radsportjahr des Peter Velits lässt sich in groben Zügen mit „starkes Frühjahr, schwacher Sommer, starker Herbst“ beschreiben. Der bombige Saisonauftakt war geprägt durch den Giro del Capo (2.2) in Südafrika. Für das dort beheimatete Team Konica Minolta fahrend, vernaschte er auf der schweren zweiten Etappe die Konkurrenz von Barloworld und übernahm die Gesamtführung. Diese gab er im Laufe der Rundfahrt nicht wieder ab. Selbst im Bergzeitfahren konnte ihm nur David George ein paar Sekunden abnehmen, aber Leute wie Cox und Cardenas ließ der Slowake hinter sich.

Nachdem er Afrika erobert hatten, folgten auch in Europa beim Ruben Granitier (2.2, vierter Platz) und in Asien bei der Japan-Rundfahrt (2.2, neunter Platz) die erwünschten Resultate. Doch dann schwand die Form allmählich, so dass er weder bei den kleinen Etappenrennen in Europa noch bei der Europameisterschaft glänzen konnte. Erst beim GP Tell (2.2U) Ende August war er wieder da und konnte seine Klasse am Berg mit Etappensieg und Gesamtrang zwei zeigen. Selbstverständlich wird er auch seine x-te WM für die an Radsporttalenten arme Slowakei bestreiten. Als Favorit dürfte Peter Velits zwar nicht gelten, nachdem er mittlerweile regelmäßig alle großen Meisterschaften bei den U23 versiebt, aber in GP Tell-Form könnte er für eine Überraschung sorgen.

 

Vermutlich war es nicht mal das jüngste Resultat in der Schweiz, was Peter und Martin Velits letztendlich zum deutschen Professional Continental-Team Wiesenhof gebracht hat. Vielmehr werden sie noch gute Erinnerungen an den stets von ihnen besuchten Giro del Capo haben. Was auch immer den Ausschlag gegeben hat, Wiesenhof hat sich einen der namhaftesten U23-Fahrer gesichert und kann sich gute Hoffnungen machen, die Bergfahrer-Lücke im Kader zu schließen.

 

nominated by ogkempf, presented by chreezer

 



Platz 20: Simon Clarke



Simon Clarke
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Simon Clarke

18.07.1986

Australien

 

Bei der Weltmeisterschaft der Junioren in Verona 2004 ließ der Australier Simon Clarke seine angriffslustige Fahrweise erkennen. In dem was man als „Abitur des Juniorenradsports“ nennen kann, fuhr Clarke in mehreren Ausreißergruppen, ohne am Ende den Sieg holen zu können. Trotzdem war der dreizehnte Platz eine schöne Visitenkarte für den folgenden Schritt, die U23 Kategorie.

 

Das erste Jahr bei der U23, welches für viele ein Jahr des Anpassens ist, lief für Clarke ausgezeichnet. Er fuhr sofort den U23 Titel Australiens ein, bei wichtigen Rennen des italienischen U23 Zirkus fuhr er immer vorn mit. Er konnte sogar mit den Profis bei der Herald Sun Tour (2.1), der Japan – Rundfahrt (2.2) und der Tour of Qinghai (2.HC) mithalten.

 

Das Jahr 2006 hatte noch kaum begonnen, als auch die europäischen Profis, die sich einmal jährlich nach Australien verirren, mit Simon Clarke Bekanntschaft machen konnten. Bei der Tour Down Under (2.HC) fuhr Clarke wie ein echter Profi. Mit einem achten Platz in der Gesamtwertung konnte er viele renommierte Profis hinter sich lassen.

Danach bereitete er sich gemeinsam mit Mit-Mocki Goss auf die wichtigen Rennen in Europa vor. Den schweren Giro delle Regioni (2.2U) hatter er 2005 als Zehnter beendet, aber dieses Jahr war der Australier mit seinem vierten Platz sogar der allerbeste U21 Fahrer im Gesamtklassement. Auch in der Thüringen – Rundfahrt (2.2U) konnte er in die Top Ten der Gesamtwertung vordringen. Im Anschluss tat Clarke das gleiche in der Vuelta Ciclista Navarra (2.2), dieses Mal als Siebenter. In dieser spanischen Rundfahrt gewann Clarke auch eine Etappe, was ihm trotz seines starken Sprints nicht allzu oft gelingt.

 

Es ist schwer ein Etikett auf diesen vielseitigen Fahrer zu kleben. Er ist in verschiedenen Disziplinen auf der Bahn aktiv, ein schneller Sprinter, ein guter Bergfahrer, er ist eigentlich alles. In vielen Disziplinen gehört er zu den Besten, aber er ist selten der Allerbeste. Clarke muss aufpassen, dass er nicht zu allround wird, er sollte sich vielleicht lieber spezialisieren.

Angebote von Profi Mannschaften hat er noch nicht, aber eine gute Vorstellung bei der WM in Salzburg kann dies natürlich sehr schnell verändern.

 

nominated by dijk, presented by dijk

 



Platz 19: Sergey Kolesnikov

Sergey Kolesnikov

10.03.1986

Russland

 

Allen Radsportfans, die sich auch für die niederen Gefilde ihres Lieblingssportes interessieren, fiel Anfang des Jahres Sergey Kolesnikov ins Auge. Und alle diese Radsportfans fragten sich mehr oder weniger heimlich:

Wo zur Hölle kommt der denn her?

Die Antwort ist so einfach wie überraschend; von der Bahn! In seinen Juniorenjahren war der Russe auf der Bahn ein guter Rennfahrer. 2003 wurde er bei der WM Neunter im Punktefahren. 2004, als Mit-Mock-Lister Matthew Goss den Weltmeister Titel im Madison gewann, wurde Kolesnikov gemeinsam mit Ivan Kovalev Fünfter. Das Punktefahren schloss er als Zehnter ab.

 

2005 wechselte Kolesnikov in die nächste Jugendkategorie; die U23. Dort bekam er einen Vertrag beim russischen CT Team Omnibike, welches viele, junge, russische (Bahn)Fahrer vereint, das aber auch viele Straßenrennen im osteuropäischen Raum und in Frankreich fährt.

Trotzdem kamen die Erfolge zunächst wieder auf der Bahn. Als Mock Lister Alex Rasmussen den EM Titel im Madison gewann, wurde das schon bekannte Doppel Kovalev/Kolesnikov Fünfter. In der Mannschaftsverfolgung gelang dem russischen Quartett A.Khatuntsev, Kolesnikov, Kovalev und Valynin sogar der Titel. Inzwischen fahren alle Vier für Omnibike.

Auf der Straße kamen erste, kleine Lebenszeichen in Russland zu Stande. Bei den UCI Rennen GP Sochi (2.2) und GP Moskau (1.2) errang der Nachwuchsfahrer jeweils Podiumsplätze.

 

2006 war aber plötzlich alles anders. In seinem zweiten U23 Jahr startete er sofort mit einem Sieg auf der Straße. In Frankreich gewann er die Classic Loire Atlantique (1.2) im Zweiersprint vor dem Ex-Profi Noan Lelarge.

Drei Tage später erreichte er wieder mit einem ex - Profi allein das Ziel der La Roue Tourangelle. Mikel Gaztanaka ist eigentlich als Sprinter bekannt, aber Kolesnikov zeigte dem Spanier dessen Grenzen auf. Knapp zwei Wochen später, man möchte es kaum glauben, kam er erneut bei einem französischen 1.2 Rennen mit einem Weggefährten auf die Zielgerade. Dieses Mal war es Teamgefährte Alexander Khatuntsev, der das Rennen Le Boucle de L'Artois gewinnen durfte.

Eine Woche später holte sich Kolesnikov den verloren gegangenen Sieg solo wieder zurück. Er tat dies auf der wohl schwersten Etappe des Circuit des Ardennes (2.2), die er solo gewann. Außerdem gewann er die Gesamtwertung.

Richtig ärgerte er die Franzosen aber erst eine weitere Woche später, als er zum ersten Mal an einem französischen 1.1 Rennen teilnahm, bei dem auch die französischen PT Teams mit ihren Topp Fahrern am Start waren. Und ein solcher Fahrer war dann auch – frei nach Erik Zabel – der erste Verlierer hinter Kolesnikov, der die Tour du Finistere solo gewann. Damit übernahm er auch die Führung in der European Tour. Cyclingnews.com sah sich veranlasst den als absoluten Nobody in die Saison gestarteten Russen wie folgt zu kommentieren:

„Sergey Kolesnikov, 20, from Omnibike-Dynamo Moscow, wins almost every race he takes part in.“

Dabei haben sie natürlich großzügig über die Großzügigkeit gegenüber Khatuntsev und ein paar Etappen beim Circuit des Ardennes hinweggesehen.

 

Großzügig ging es auch in Russland weiter. Beim GP Moskau (1.2) kam er zwei Wochen später mit zwei Teamgefährten ins Ziel, denen er den Sieg überließ. Danach klang die Überform langsam ab. Ende Mai musste Kolesnikov in Estland die ersten Niederlagen hinnehmen, als er beim GP Tallinn (1.1) Achter und bei der/die/das Tartu Tänavasoit (1.1) Sechster wurde. In Lettland konnte der Russe im Dreiersprint eine Woche später noch einmal den GP Riga (1.2) gewinnen; sein bereits Sechster Saisonsieg. Übertroffen wird er in der U23 Kategorie bei den Siegen nur von seinem Landsmann Nikolai Troussov, der sieben Siege auf dem Konto hat. Landsmann und Teamgefährte Alexander Khatuntsev, dem Kolesnikov zwei Siege schenkte, hat ebenfalls sechs Siege auf dem Konto. Genau wie der Norweger und Mit Mocki Edvald Boasson Hagen.

Seinen Killerinstinkt konnte er seitdem nicht mehr beweisen. Im Grand Prix de Beuvry-La-Foret (1.2) wurde er Zweiter, nachdem er den Sprint seiner Gruppe gewann. Bei der Tour de l´Avenir musste er nach einer Dreierflucht auf der fünften Etappe im Sprint in Edvald Boasson Hagen seinen Meister erkennen.

 

Kolesnikov hat weder einen Profi Vertrag für nächste Saison, noch einen Stagiaire Vertrag für diese Saison. Da er aber als Ziel den olympischen Titel im Punktefahren 2008 angibt, wird er mit einem Wechsel zu den Profis eventuell sowieso noch warten wollen. Der Titel allerdings scheint sowieso utopisch, denn um den Titel zu gewinnen, müsste er erstmal nominiert werden. Und da steht der amtierende Weltmeister im Punktefahren – und noch wichtiger, Mit-Mocki – Mikhail Ignatiev im Weg.

Nicht desto Trotz möchte ich diesen Text schlussendlich noch mit Resumée von cyclingnews.com beenden:

 „This isn't just a young gun, but a new rocket coming from Russia.“

 

nominated by ogkempf, presented by ogkempf

 



Platz 18: Francesco Gavazzi



Francesco Gavazzi
© foto-grafik-satz.de

Francesco Gavazzi

Italien

01.08.1984

 

Der italienischen U23-Armada gehen in diesem Jahr ein wenig die Stars ab. Selten wurden die stärksten Sechs der Radsportnation bei “ihrem Rennen”, dem Giro delle Regioni, so abgewatscht wie in diesem Jahr. Bis auf ihren Sprinter Gatto haben Sie keinen Dominator und kaum ein Fahrer ist über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Einer dieser Wenigen ist wohl Francesco Gavazzi.

 

Der Lombarde durfte bereits in der letzten Saison Profiluft schnuppern. Als Stagiaire war er für Lampre bei der Portugal-Rundfahrt im Einsatz, beendete diese allerdings ziemlich unspektakulär im Mittelfeld. Man konnte sich schon fragen, wieso ausgerechnet Gavazzi die Chance bei einem Pro-Tour-Team bekam. Er hatte zwar eine ganze Reihe von Top10-Platzierungen vorzuweisen, aber gerade mal einen Sieg beim kleinen GP Pollami Liliana. Den Vorschußlorbeeren der sportlichen Leitung Lampres folgten erst in diesem Jahr die entsprechenden Ergebnisse.

 

Ein großer Siegfahrer ist Gavazzi aber bis heute nicht geworden. Dabei hätte er alle Anlagen dazu. Er fährt am Berg in der erweiterten Weltspitze und kann im Sprint fast alles schlagen, was über Hügel kommt. Trotzdem fährt er eigentlich regelmäßig am greifbaren Sieg vorbei.

Auf der schwersten Etappe des Giro delle Regioni (2.2U) konnte er nur knapp Gabrovskyy und Vanendert am Berg nicht folgen. Die immer noch mögliche Spitzenplatzierung bei seinem ersten Saisonhöhepunkt machten ihm allerdings seine Zeitfahrdefizite zu Nichte.

Wenig später folgte der Baby Giro (2.2) und mit ihm ein kleiner Wendepunkt in Gavazzis Karriere. Es war die vierte Etappe, mittelmäßig profiliert, mit leicht ansteigender Zielgerade. Er gewann diese Etappe im Sprint des Feldes mit deutlichen Vorsprung vor Ferrari und Bucciero. Der Auftakt einer Reihe von ganz wichtigen Ergebnissen. Den schweren Giro beendete er als Gesamtfünfter und weil er gerade so gut dabei war, tütete er darauf folgend noch den italienischen Meistertitel der U23 ein. Nur zwei Siege bis Ende Juni, aber zwei Big Points die Lampre endgültig überzeugten ihm einen Profivertrag für 2007 zu geben.

 

Als Kapitän bestritt Gavazzi im Juli die Europameisterschaft für die italienische U23-Auswahl. Dort fuhr er auf einem mit Salzburg vergleichbaren Kurs zur Bronzemedaille hinter den endschnelleren Sinner und Mandri. Spätestens ab diesem Zeitpunkt dürfte keine Diskussion mehr darüber geherrscht haben, wer der Kapitän in Österreich sein würde.

Dass der Formaufbau dahingehend stimmt, bewies er unlängst beim gut besetztem Giro della Toscana (2.2), wo ihm seine Konstanz den Gesamtsieg einbrachte. Keine Frage: Gavazzi wird bei der Weltmeisterschaft zu beachten sein.

 

nominated by chreezer, presented by chreezer


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