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2006 - Der Mai des Grauens

von Perry im Rahmen des Schreibwettbewerb 2006

 

 

 

Alles freut sich auf einen spannenden Giro, der die letzte Austragung sogar noch überbieten könnte. Spannender Beginn in Belgien, große Bergetappen und fast alle Stars, die der Radsport momentan zu bieten hat!  Ullrich, Basso, Boonen, Petacchi und Co wollen sich ein Stelldichein auf höchstem Niveau geben.



Der Prolog in Seraing...

...bietet noch nichts Dramatisches: Der Sieger heißt   Bradley McGee, und Jan Ullrich landet auf dem 96.Platz. Trotz seiner vielen Interviews, in denen er immer wieder ankündigte beim Giro nur „Kilometer  sammeln“ zu wollen, sind die deutschen Fans enttäuscht und auch die Presse (darunter auch die ARD, die wegen Jan Ullrich dieses Jahr den Giro ins Programm aufgenommen hat) fragt „stirnrunzelnd“, was eigentlich los war.

Jan  Ullrich dagegen gibt sich äußerst zufrieden: „ Ich fühle mich so gut wie noch nie zu diesem Zeitpunkt der Saison!“

Dies scheint noch alles im normalen Bereich zu sein, doch am Abend wird Ulle mit einer Flasche Sekt in der Hand, Griechischer Wein- singend und vor allem, ja vor allem, Hand in Hand mit Sheryl Crowe von der führenden deutschen Boulevardzeitung geknipst! Eine Welle der Entrüstung und des Unverständnisses geht daraufhin durch Deutschland.



Vor der ersten Etappe...

...staunen die Journalisten nicht schlecht, als aus dem Teamfahrzeug von T-Mobile der Ausstieg von Jan Ullrich aus dem Giro vermeldet  wird. Wo er sich aufhält, wollen die Verantwortlichen um Olaf Ludwig aber noch nicht sagen.

Die erste Etappe  nach Charleroi endet im Chaos: Viele parkende Fahrzeuge werden von der Organisation nicht beseitigt und eine Ausreißergruppe um Jason McCartney und Bart Dockx wird fehlgeleitet und die Etappe muss am Ende neutralisiert werden.

Am Abend gibt es eine Stellungnahme von Tobias Steinhauser zum Verschwinden von Ullrich, bei dem zu Tage tritt, dass sich der deutsche Superstar wohl in die kanadischen Berge zurückgezogen hätte und man sich keine Sorgen machen bräuchte.



Am nächsten Tag...

...stellt sich nun aber heraus, dass seine Abwesenheit zu seinem Glück werden könnte. Denn bei der größten Razzia in der Geschichte des Radsports, die über Nacht stattfindet, werden nicht weniger als 100 Fahrer von der italienischen Polizei in Gewahrsam genommen. Das gesamte Discovery Channel Team, die Jungs von Euskaltel und ebenso alle Fahrer des Teams CSC sind unter den Opfern bzw. Tätern.

Als besonders spektakulär muss hierbei der Fall Ivan Basso angesehen werden, da er an Verrücktheit kaum zu überbieten scheint. So dopt sich der Italiener nicht mit Eigenblut, sondern mit dem Blut seines Mentors, Bjarne Riis! (Basso gestand in einer ersten Stellungnahme und meinte, dass er dies nur aus psychologischen Gründen tue!?)



Nach diesem Inferno...

...steht der  Giro und eigentlich der gesamte Radsport vor dem Aus. Und als es kein Licht am Ende des Tunnels mehr zu geben scheint, da tritt der Meister selbst auf die Bühne.

Lance „The Big Tex“ Armstrong kündigt auf einer Pressekonferenz sein Comeback an. „ Um für einen sauberen Radsport zu garantieren, möchte ich nochmals die Tour de France in Angriff nehmen!“ 

Die französischen Medien reagieren darauf empört; die L’Equipe titelt sogar: „ Mortez le menteur!“

Dem Giro dagegen hilft diese Pressekonferenz und nach langen Diskussionen mit der UCI entschließt man sich, die Rundfahrt mit noch 86 Fahrern fortzusetzen.



Simoni und Cunego sind die letzten Favoriten,

die noch im Rennen sind; Boonen und Zabel die einzigen Sprinter.

Doch auch auf der nächsten Etappe kann es zu keinem richtigen Rennen kommen, weil es einen Streik gibt. Noch während der  Etappe steigen unter anderem die restlichen Fahrer des T-Mobile Teams und die Jungs von Gerolsteiner aus. Das Ergebnis bei den Sprintetappen ist immer dasselbe: Boonen vor Zabel. Die Tatsache, dass es überhaupt zu einem Massensprint kommt, verdankt Tom Boonen vor allem wütenden Fans, die immer wieder die Ausreißer stoppen.



Die Italienrundfahrt wird allerdings gerettet.

Denn es gibt ein spannendes Duell zwischen Cunego und Simoni, die fast jeden Tag in der letzten Woche das Rosa Trikot wechseln.

Vor dem entscheidenden Bergzeitfahren am letzten Tag trennen die beiden gerade mal winzige zwei Sekunden zu Gunsten Simonis. Aufgrund dieses Zweikampfs ist die Straße dann doch ordentlich mit Zuschauern gefüllt. Und es wird ein Spektakel! Simoni fährt wie entfesselt und alles deutet auf seinen dritten Sieg beim Giro hin. Doch plötzlich, als Simoni kurz davor ist Cunego zu überholen, rennt ein Mann mit Kapuze auf den Saunier-Fahrer zu und schlägt ihn mit der Faust ins Gesicht. Neben dem Schock erleidet Simoni auch noch einen Joch- und Nasenbeinbruch, womit das Rennen für ihn gelaufen ist.

Der Mann wird am Abend noch festgenommen und entpuppt sich als Wladimir Belli. Ein Motiv, so sagt er, habe er nicht. Alles scheint entschieden zu sein, Cunego ist Erster und der Zweite Tom Boonen liegt bereits mehr als eine Stunde zurück.

Doch als der Jungstar mit einem Sektglas (á la Jan Ullrich) durch die neutralisierte Zone fährt und sich feiern lässt, stürzt sich auf einmal ein Mann (ohne  Kapuze) auf Cunego und schreit wie wild: „ Marco! Marco“

Der arme Damiano bricht sich bei dieser Aktion alle Knochen. (Er hätte sich halt einfach keine Glatze schneiden lassen sollen, denn der verwirrte Fan dachte wirklich Cunego sei Pantani)



So ist das Unglaubliche wahr geworden:

Tom Boonen gewinnt den Giro als Erster vor zwanzig „Überlebenden“. Zweiter in der Gesamtwertung wird…… Na wer wohl?

Ja, genau der! Was für ein grausamer Mai!!!         


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