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Discovery Channel 2005

von Steamboat, Dezember  2005 

© Fotos: * velo-photos.com, ** Mani Wollner, *** Capture-The-Peloton, **** cyclingimages

 



>>> C4F-Teamliste Discovery Channel 2005

>>> Siege und Plazierungen

 

Es ist dem Verfasser dieser Texte nicht bekannt, ob Lance Armstrong der Name Hulk Hogan geläufig ist. Wem dieser Fantasiename nicht sagt, dem sei hier kurz auf die Sprünge geholfen: Hulk Hogan war in den 80er und 90er Jahren der Inbegriff des Showwrestlings. Er verkörperte sozusagen den amerikanischen Held, der die Menschheit vor bösen Mächten bewahrte. Ständig besiegte er – immer noch imposanter wirkende – Monster.

 

Es existierte eine Veranstaltung im Wrestling-Kalender, die sich Royal Rumble nannte und die einmal jährlich stattfand. Bei diesem Event nahmen nahezu alle Wrestler der entsprechenden Organisation teil. Es galt die Regel, dass mehrere Männer gleichzeitig im Ring stehen und derjenige ausscheidet, der über das obere Seil aus dem Ring befördert wird. Hogan ließ im Drehbuch festlegen, dass nur er die allerfiesesten Schurken bei diesem Spektakel eliminieren durfte. Die jährliche Wiederholung des Spektakels inbegriffen – allerdings mit neuen Monstern.

 

Nun ist anzunehmen, dass im Radsport vorab keine Absprachen getroffen werden oder vorweg ein Drehbuch formuliert wird, das minutiös festlegt, wann welcher Fahrer während der Tour de France den Kontakt zu Armstrong reißen lassen muss. Aber ein diesem Muster entsprechendes Szenario wiederholte sich auch nahezu Jahr für Jahr bei der Tour de France. Immer, wenn die erste Bergankunft bei der Tour auf dem Programm stand, konnte man sich sicher sein, dass Armstrong und sein Team das Tempo bis zum Schlussanstieg regulierten. Die Kameramänner konnten sich dann hinter der Traube der Favoriten postieren und seelenruhig abwarten, wie ein Protagonist nach dem anderen die Segel strich und der Amerikaner samt schrumpfender Gefolgschaft von dannen zog.

 



Der Kapitän



Lance Armstrong
Tour de France *

Dieses Jahr war diese erste Bergankunft der Tour in Courchevel. Die Geschichte wiederholte sich, und es verlief wie bereits angedeutet. Menchov, Heras, Mayo, Botero, Totschnig und Voigt (Träger des Gelben Trikots) konnten recht früh nicht mehr mithalten. Es folgten weitere Fahrer wie Winokurow, Moreau, Landis, Julich, Evans, Zubeldia und schließlich Ullrich und Klöden. Dann bröckelte Basso ab und Leipheimer ließ auch reißen. Schließlich zollten kurz vor dem Ziel Mancebo und Rasmussen dem Siegeswillen und der Geschwindigkeit des Patrons ihren Tribut. Lediglich Valverde hatte sich nicht abschütteln lassen und entschied diese Etappe für sich. Ob Armstrong ihn gewähren ließ, kann man  im Nachhinein schwer sagen. Einerseits hatte er sein Hauptanliegen – Distanzierung der Konkurrenz – weitestgehend in die Tat umgesetzt; auf der anderen Seite war bekannt, dass Valverde über ein sehr starkes Finish verfügt, so dass eine Kraftprobe dem Texaner durchaus eine Niederlage hätte bescheren können.

 

Spätestens nach dieser Ankunft bestand überhaupt kein Zweifel mehr am Ausgang der diesjährigen Tour. Der siebte Sieg in Folge wartete von diesem Tag an nur noch auf eine Bestätigung. Lediglich ein Hungerast zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt, wild gewordene Fans, die Armstrong vom Rad reißen würden, oder eine gezielte Mobbingaktion von Teilen des Feldes hätten das Unvermeidliche noch unterbinden können.

 

Gerade letztere schien aber nach den Erfahrungen in Bezug auf seine letztjährige Aktion gegenüber Simeoni sehr unwahrscheinlich. Es hatte sich gezeigt, dass Armstrong der Patron und Chef des Peloton ist, mit dem sich selbst seine ärgsten Widersacher lieber zusammen taten, als ihn zu schneiden. Darüber kann man zwar denken, wie man will, aber das sind die Realitäten des Radsports. Und diese Einschätzung soll nicht als Anstiftung zu tätlichen Übergriffen seitens des Pelotons verstanden werden. Er prangert lediglich die gleichgültige Mentalität  und den Opportunimus der Radsportler an. Sportlich faires Verhalten ist vollkommen richtig, aber das Fähnchen sollte man bei derart zwielichtigen Aktionen nicht in den Wind hängen.

 





Lance Armstrong ***


Zurück zu möglichen natürlichen Faktoren, die Armstrongs Siegeszug verhindern könnten. Ein Hungerast schien bei seiner Akribie und Professionalität ausgeschlossen. Zwar lernte er dieses Gefühl auch kennen, aber stets hatte er danach darauf geachtet, solche Fehler später zu vermeiden. Mangelnde Fitness war bei ihm ohnehin unvorstellbar. Eine Übersäuerung der Muskulatur kam auch nicht in Betracht.

 

Blieben noch die Fans, bei denen man sich letztlich aufgrund ihrer Ablehnung nicht sicher sein konnte, aber auch von ihnen ging keine Gefahr aus, was letztlich nur als vernünftig zu bezeichnen ist. Kritische Zuschauer sind okay, aber wenn diese ihre Ansichten durch massive Eingriffe kund tun, wie beim Fußballspiel Türkei-Schweiz geschehen, kann man das nicht gutheißen.

 

Aus sportlicher Sicht gibt es am Erfolg von Armstrong sowieso nichts zu kritisieren.

 

Die Dinge nahmen ihren Lauf. Es wirkte phasenweise so, als täte Armstrong für den Gesamtsieg nur das nötigste. Meistens hielt er sich auf den Folgetappen nach der Courchevel-Ankunft am Hinterrad von Basso auf, weil er diesen für seinen stärksten Herausforderer erachtete. Dieses Verhalten sicherte ihm, dass er von seiner Warte aus das Feld kontrollieren konnte.

 

T-Mobile griff zwar nochmals an, aber der Texaner hielt sich im Verlauf wacker und meist wenig beeindruckt. Der Toursieg wurde letztlich zur Formsache. Beinahe wäre allerdings diese GT zu Ende gegangen, ohne dass der Texaner einen eigenen Etappensieg vorweisen konnte – also entschied er sich dafür, das letzte Zeitfahren in Saint Etienne zu gewinnen. Dieser stellte dann im Verlauf der Tour den vierten Streich seines Teams dar.

 



Der erste war im Mannschaftszeitfahren geglückt. Discovery Channel profitierte allerdings vom Sturz des Trägers des Gelben Trikots, David Zabriskie, der kurz vor dem Ziel damit sein Team CSC aus dem Rhythmus brachte. Deshalb gewann die amerikanische Equipe mit zwei Sekunden Vorsprung. Armstrong musste damit das Gelbe Trikot erstmals während der Rundfahrt übernehmen, was er aufgrund der geschilderten Umstände nur widerwillig tat. 

 





George Hincapie
Driedaagse van De Panne 2005 ****

Einen weiteren Etappensieg feierte George Hincapie. Diese Tatsache sollte nicht zu sehr überraschen, da man über die exzellenten Fähigkeiten des Amerikaners allseitig gut Bescheid weiß. Allerdings war es ungewöhnlich, dass er eine Bergankunft gewinnen konnte, da man ihm diese Stärke im Hochgebirge nicht nachsagte. Man kreidete ihm bei diesem Gewinn an, dass er stets nur am Hinterrad des Konkurrenten Pereiro gelutscht habe.

 

Aber man sollte seine Handlungsweise schon nachvollziehen können, schließlich hatte Hincapie grundsätzlich die Aufgabe, sich für seinen Kapitän zurückfallen zu lassen, falls dieser z.B. angegriffen wird und in Gefahr geriet. Es durfte ihm laut Teamorder nicht in den Sinn kommen, in solchen Situationen Tempoarbeit zu leisten. Da Hincapie für seine Loyalität gegenüber Armstrong bekannt ist, hielt er sich folgerichtig an diese Anweisung. Und wenn andere Fahrer ihn letztlich mitnehmen, ohne sich am mangelnden Engagement seinerseits zu stören, darf man sich eben nicht beschweren, wenn er dann einen Karrierehöhepunkt entsprechend dankend entgegen nimmt.

 





Paolo Salvodelli ***

Im weiteren Verlauf der Tour jubelte Paolo Savoldelli über einen Tagessieg. Der Giro-Sieger, der bei der Tour Armstrong helfen sollte, bekam nach geleisteter Arbeit in Alpen und Pyrenäen die Gelegenheit, auf der Etappe zwischen Pau und Revel mit einer Fluchtgruppe mitzufahren. Dieser Tag kennzeichnete übrigens den letzten Versuch des Teams, die Mannschaftswertung noch zu gewinnen. Dieses Vorhaben glückte nicht, aber dafür konnte sich Savoldelli zusammen mit Arvesen (CSC) vor dem Ziel von der Ausreißergruppe absetzen. Im Finish war der Italiener schließlich der Stärkere.

 

Während der Saison war Armstrong sportlich nur selten aufgefallen. Bei Paris-Nizza stieg er aus, bei der Flandern-Rundfahrt wurde er 28. Danach machte er seine Aufwartung der Tour Of Georgia (5.). Am meisten Aufsehen erregte er mit seiner Rücktrittserklärung im Frühjahr.

 

Bei der Dauphiné Libéré wurde insgesamt Vierter. Bei der Generalprobe auf dem Weg zur Tour gelang ihm kein Etappensieg. Zwar gab es Aussagen, die davon berichteten, dass er einige Mühen gehabt haben soll, aber jedem Kenner der Szene war klar, dass er sein Hauptaugenmerk nur auf die Tour gelegt hatte und nur dieses Ziel hatte für ihn Bedeutung.

 

In der Pro Tour begnügte er sich mit dem fünften Platz. Wer weiß, ob er bei weiteren Renneinsätzen und bei entsprechender Konsequenz nicht noch zu mehr in dieser Wertung fähig gewesen wäre.

 



Die anderen Kapitäne

Bereits erwähnt wurde der Erfolg von Savoldelli beim Giro d´Italia. Etwas überraschend konnte der Falke diese Rundfahrt für sich entschieden. Vor Rennbeginn war man auf Seiten der Radsportfans von einem Duell Basso gegen Cunego ausgegangen, während sich am Ende der GT alles auf den Zweikampf Simoni vs. Savoldelli zuspitzte.

 

Savoldelli unterstrich seine Podiumsambitionen erstmals nachhaltig, als er auf der 11. Etappe nach Zoldo Alto als einziger Fahrer dem vermeintlichen Favoriten Basso folgen konnte. Savoldelli gab hernach zu, dass er bewusst Basso habe die Arbeit machen lassen. Sein vorrangiges Ziel auf diesem Abschnitt war zunächst ein Etappensieg, den er dann mit einem Spurt sicherstellte. Durch den gesundheitlich bedingten Einbruchs seines Kontrahenten rückte Savoldelli schließlich zum Topanwärter auf den Gesamtsieg auf. Nach der 13. Etappe wechselte das Trikot endgültig auf seine Schultern.

 





Paolo Savoldelli



Giro d'Italia
13. Etappe *



Fortan war sein größter Gegner Simoni, der sein Heil in den Anstiegen suchte, während der Falke dem gegenüber seine Qualitäten im Kampf gegen die Uhr und seine riskanten Fahrmanöver bergab entgegenhalten konnte. Zur ultimativen Entscheidung kam es im Verlauf der 19. Etappe. Simoni lancierte einen frühen Angriff am Colle Finestre, wobei er tatkräftige Unterstützung von Di Luca (Liquigas) und Rujano (Colombia) erhielt, die zusammen das Ziel einte, Savoldelli in der Gesamtwertung noch abzufangen. Diese Attacke hatte lange Zeit Aussicht auf Erfolg, weil Savoldelli früh von seinen Teamkollegen isoliert war und – die Mannschaft war im Vergleich zur Tour qualitativ bei weitem nicht so stark besetzt – damit rechnen musste, die komplette Nachführarbeit alleine organisieren und umsetzen zu müssen.

 

Jedoch erhielt er mehr oder weniger offenkundig Hilfe von Fahrern des Davitamon-Lotto Teams. Ob van Huffel und Ardila ihn wirklich bewusst unterstützten oder darauf bedacht waren, selber in der Einzelwertung weiter nach vorne zu gelangen, lässt sich nicht zweifelsfrei klären. Der Verfasser dieser Zeilen kann aber in dem Verhalten der Fahrer nichts Verwerfliches finden, wenn man sich gegenseitig bei der Realisierung der Ziele unterstützt und gleichsam profitiert. Betrugsvorwürfe in die Richtung der genannten Fahrer hält der Autor jedenfalls für völlig verfehlt. Savoldelli entschied den Giro letztlich verdient zu seinen Gunsten. Erwähnenswert ist sicherlich, dass er diesen unter anderem durch einen dritten Platz im ersten Zeitfahren sowie durch jeweils vierte Plätze im Prolog und im anderen Zeitfahren untermauerte.

 

Bei der Tour wurde er übrigens 25. In anderen Rennen der Pro Tour konnte er nicht mehr punkten, wenngleich der zweite Platz im Zeitfahren der Tour de Romandie nicht unerwähnt bleiben soll. Savoldelli belegte in der Pro Tour den 20. Rang.

 





George Hincapie
Amstel Gold Race 2005 **

Armstrong erwähnte nach der Austragung der Tour de France, dass er sich seinen Landsmann George Hincapie bei der nächsten Auflage durchaus als Kapitän der Discovery Channel Equipe vorstellen könne. Diese Aussage überrascht etwas, da der Mann aus Farmingdale/New York bisher seine Akzente an anderen Orten des Radsports setzte. Zwar konnte er bei vorigen Teilnahmen an der Tour durch gute Leistungen auffallen, aber am ehesten brachte er sich bisher durch seine vorzüglichen Ergebnisse im Frühjahr in Erinnerung. Stets zählte er zum Favoritenkreis, wenn die Austragungen der Flandern-Rundfahrt, von Paris-Roubaix sowie Gent-Wevelgem bevor standen.

 



Auch in dieser Saison offenbarte er auf diesem Terrain seine Stärken. In Flandern reichte es zum siebten Platz. Eine Woche später lief es noch besser, als er in Begleitung von Tom Boonen und Juan Antonio Flecha ins Velodrom von Roubaix einbog. Der Belgier galt als Favorit ob seiner Sprintfähigkeiten, während man dem Amerikaner aufgrund seiner Bahnfahrerkenntnisse gute Chancen einräumte. Hincapie pokerte aber zu lange, so dass Boonen problemlos das Heft des Handelns in die Hand nahm und Hincapie keine Chance ließ. Etwas unverständlich war sein passives Verhalten schon, da ihm klar sein musste, dass ein langes Herauszögern einer Attacke die Chancen von Boonen erhöhte. Er muss sich auch vorwerfen lassen, nicht zusammen mit Flecha bereits wenige Kilometer vor dem Velodrom Angriffe probiert zu haben, um Boonen zur aktiven Nachführarbeit zu zwingen.

 




George Hincapie während Paris-Roubaix 2005 **



Später im Jahr sollte Hincapie aber dann beim GP Ouest-Plouay doch einen Klassiker gewinnen.

 

Dass Hincapie über gute Qualitäten im Zeitfahren verfügt, ist kein Geheimnis. In der abgelaufenen Saison siegte er beispielsweise beim Prolog der Dauphiné Libéré. Allerdings hat er sich in den Bergen erheblich verbessert, wie er später durch seinen Etappensieg bei der Tour und den 18. Gesamtplatz nachwies. Bei der Dauphiné Libéré gewann er auf der hügeligen Abschlussetappe im Finish vor seinem ukrainischen Teamkollegen Yaroslav Popovych sowie Lance Armstrong. Zudem bewies er auch bei Tirreno-Adriatico als Sechster seine gute Form und punktete entsprechend.

 

Insgesamt wurde der aus Kolumbien stammende Hincapie 11. der Pro Tour und war damit nur der viertbeste US-Amerikaner hinter Armstrong, Leipheimer und Julich.

 





Yaroslav Popvych ****

Die Chancen eines anderen Fahrers, bei der nächsten Großen Schleife das Team durch  Frankreich anzuführen und Armstrong als Teamleader zu beerben, stehen nicht schlecht. Jener Jaroslav Popovych wurde bei der diesjährigen Tour zu einer der großen Stützen des Texaners. Er beendete seine erste Tour-Teilnahme immerhin als 12.

 

Aber er konnte auch eigene Erfolge vorweisen. Die Volta A Catalunya fuhr er als Teamleader. Er kam dort mit den an ihn gestellten Anforderungen gut zu Recht und ist in diesem Jahr der dritte Fahrer des Teams, der eine Pro Tour Rundfahrt – wenn auch nur eine kleine – gewonnen hat. Im Rahmen dieses Rennens blieb er ohne Etappensieg. Seine Punkte für die Pro Tour Wertung rekrutierte er aus den Gesamtplatzierungen bei der Tour und in Katalonien. Leer ging er bei Paris-Nizza sowie bei der Dauphiné Libéré aus. In der Pro Tour wurde er 36. und man wird ihn sich für 2006 bestimmt für größere Aufgaben vormerken müssen.

 



Pro Tour-Einerlei

Eine weitere Platzierung (3.) auf einem Abschlusspodium einer Rundfahrt gelang dem Belgier Leif Hoste bei der Benelux-Tour. Er belegte im Zeitfahren zwar einen starken zweiten Platz, erzielte aber auch keinen Etappensieg. Bei diesem Event platzierte sich ein weiterer Fahrer des Teams in der Top Ten. Jürgen van den Broeck (auch Belgier) wurde Achter. Für die Etappensiege war der Niederländer Max van Heeswijk beim Rennen durch die drei Staaten zuständig. Zwei Rennabschnitte in Belgien gehen auf sein Konto.

 




Jürgen van den Broeck***



Leif Hoste
Benelux-RF 2005 **



Max van Heswijk
***



Ebenso konnte er eine Vuelta-Etappe siegreich beenden. In Spanien hörte das Team allerdings nicht auf sein Kommando. Der dortige Kapitän hieß Tom Danielson. Er konnte die Platzierungen von Armstrong und Savoldelli bei den beiden anderen GTs nicht mehr toppen. Das war auch nicht sein Auftrag, aber nach der Disqualifikation von Heras rückte er auf einen respektablen siebten Gesamtplatz vor.

 

Weitere Pro Tour Punkte gelangen ihm nicht. Dennoch muss man ihm zugestehen, dass er eine ansprechende Saison abgelieferte. 2004 fuhr er noch für Fassa Bortolo, blieb aber den Nachweis seiner Klasse eher schuldig. Auf Platz 81 der Pro Tour Wertung endete für ihn die erste Saison bei Discovery Channel.

 



Die Fraktion der Spanier wurde in den Hintergrund verdrängt. „Triki“ Beltran, „Chechu“ Rubiera und Benjamin Noval leisteten im Rahmen der Tour die erhofften Dienste. Wenn ihnen die Gelegenheit ermöglicht wurde, eigene gute Ergebnisse zu erzielen, taten sie dieses nicht mit der gleichen Effizienz, so dass man sie nicht in einem Atemzug mit Hincapie, Popovych oder auch Danielson nennen kann.

 




José Rubiera ***



Manuel Beltran ***



Banjamin Noval
***



Rubiera rutschte erst auf den letzten Drücker in die Pro Tour-Wertung, als er die Polen-Rundfahrt als Zehnter beendete. Beltran wurde immerhin Achter der Tour de Romandie. Noval ging indes als 14. in Katalonien leer aus. Etappensiege gab es von dem Trio in der abgelaufenen Saison keine. Der vierte Fahrer der iberischen Halbinsel kann sich den Spaniern in punkto Unauffälligkeit anschließen. Der Portugiese Jose Azevedo konnte seinen fünften Platz bei der Tour nicht wiederholen und wurde 30. Sicherlich musste er sich den mannschaftlichen Zwängen fügen, dennoch trauten ihm viele Beobachter gute Resultate zu. Aber auch bei der Vuelta blieb er blass.

 

Discovery Channel zeichnet sich neben starken Rundfahrern auch durch gute Fahrer für Eintagesrennen aus. So nahm man vor der Saison zumindest an, dass Discovery Channel auch bei den Klassikern ein gewichtiges Wörtchen mitreden würde. Vor der Saison hatte die Klassikerfraktion extra noch nominelle Verstärkung erhalten, um noch konkurrenzfähiger zu sein.

 

In Pro Tour Punkte ließ sich diese Absicht aber nicht ummünzen, da Hincapies genannte Resultate auch die einzigen Punkte waren, die ein Fahrer des Teams bei Eintagesrennen erreichte. Hoste z.B. blieb in Flandern (23.) und bei Paris-Roubaix (33.) deutlich im Hintergrund. Dem Briten Roger Hammond erging es nicht anders. Hoste platzierte sich in der Pro Tour zumindest auf dem 61. Platz

 





Stijn Devolder
Lüttich-Bastogne-Lüttich 2005 **

Stijn Devolder war keine Neuerwerbung, errang ebenso wie Hammond keine Punkte, riskierte aber mit seinem Landsmann Gilbert eine Flucht bei Paris-Tours, die fast einen positiven Ausgang gehabt hätte. So blieb ihm nur der 13. Platz beim „Rennen der Windhunde“.

 

Van den Broeck fand zusammen mit Beltran Aufnahme in der Pro Tour Rangliste auf Platz 121. Van Heeswijk folgt auf dem 136. Rang, während Rubiera zusammen mit dem Ukrainer Volodymyr Bileka das teaminterne Schlusslicht als 164. bildet. Bileka strich durch einen dritten Platz bei einer Giro-Etappe einen Punkt ein.

 

In der Teamwertung der Pro Tour belegte das Team den achten Platz, der vor allen Dingen durch das recht starke Auftreten bei den Rundfahrten zustande kam, wo Discovery Channel nach der Rechenkunst der Pro Tour zum zweitbesten Team wurde. Die Mannschaftsergebnisse in den Klassikern blieben hingegen deutlich hinter den Erwartungen und sind aufgrund des vorhandenen Potentials an Fahrern als ernüchternd und z.T. als blamabel einzustufen. 

 

Discovery Channel wurde seinem Ruf, das stärkste Team des Pelotons im Kampf gegen die Uhr zu sein, bei der Tour de France in vollem Umfang gerecht. In Katalonien reichte es zum zweiten Platz, beim Teamzeitfahren in Eindhoven nur zum fünften Rang. Allerdings hatte Armstrong vorab kritisiert, dass der Wettbewerb für das Team aufgrund der nur sechs einzusetzenden Fahrer nicht lukrativ in der Vorbereitung zur Tour sei. Deswegen entsandte Discovery Channel eine qualitativ schwächere Truppe zur erstmaligen Austragung des Rennens.






Mannschaftszeitfahren Eindhoven 2005 **



Outside Pro Tour

Neben der Pro Tour richtete sich der Fokus der Equipe insbesondere auf die Tour of Georgia. Bei einem der seltenen Heimspiele hatte Discovery Channel  starkes Interesse, diese Rundfahrt zu gewinnen. Dieses Vorhaben wurde durch Danielson knapp vor Levy Leipheimer (Gerolsteiner) in die Tat umgesetzt. Zudem gewann er auch noch eine Etappe.

 





Vjatcheslav Jekimow
Driedaagse van De Panne ****

Aufgrund der Ansammlung begabter belgischer Radsportler richtete sich ein Augenmerk des Teams auf die dortigen Rennen mit der Intention, gute Ergebnisse zu erreichen. Dieser Erwartungshaltung wurde Hincapie gerecht, als er das Rennen Kuurne-Bruxelles-Kuurne (1.1) gewann. Einen Gesamterfolg bei einer dortigen Rundfahrt sicherte sich Devolder. Er kann in seiner Palmares künftig den Erfolg bei den „Driedaagse van de Panne (2.HC)“ erwähnen. Einen Etappenerfolg schaffte er jedoch nicht.

 

Statt seiner sprang sein Teamkollege Vjatcheslav Jekimow mit einem Etappensieg ein. Er entschied das abschließende Zeitfahren für sich. Der Russe gehörte aus Verletzungsgründen erstmals nicht der Tour-Equipe an. Trotz seiner 39 Jahre zeigte er sich auch in dieser Saison, obwohl der erwähnte Sieg sein einziger in diesem Jahr bleiben sollte.

 



Auch wenn Hammond in der Pro Tour leer ausging, kam er in seiner Heimat bei der Tour of Britain (2.1) zu einem Etappensieg. Knapp verpasste er Erfolge beim „Nationale Sluitingsprijs - Putte – Kapellen“ (1.1) und bei der „Dwaars door Vlanderen Waregem“ (1.1).

 

Und ein Etappensieg muss noch nachgeliefert werden. Der Kanadier Michael Barry schaffte diesen bei der Österreich-Rundfahrt (2.1).

 




Vjatcheslav Jekimow
Paris-Roubaix 2005 **



Roger Hammond
Paris-Roubaix 2005 **



Michael Barry
Vuelta
20. Etappe 2005 **



Es ließen sich noch weitere Ergebnisse anführen, aber aufgrund der Menge an bereits verarbeiteten Informationen endet der Bericht an dieser Stelle und geht zur Feststellung der Gewinner und Verlierer über.



Tops und Flops

Gewinner:




• Lance Armstrong: Der siebte Tour-Sieg in Folge ist gelungen. Auf einem Höhepunkt seiner Karriere hängt er das Rad an den Nagel. Kann es was Schöneres geben?




• George Hincapie: Eine sehr starke Saison des möglichen Prinzregenten im Team. Er zeigt seine Stärken im kalten Frühjahr aber auch in den warmen Pyrenäen. Frankreich war 2005 für ihn immer ein gutes Pflaster. Alleine bei fünf Anlässen dieser Saison winkte er dort vom Podium.




• Paolo Savoldelli: Die Wiederauferstehung des Falken. Mit dem Sieg beim Giro konnte man nicht rechnen, und der Etappensieg bei der Tour bildet das i-Tüpfelchen.

 

Auch Popovych ist ein Sieger.

 



Verlierer:




• Lance Armstrong: Gedopt oder nicht? Diese Diskussion begleitete alle seine Leistungen seit Jahren. Nun scheint es Belege zu geben, die ihm nachweisen, dass 1999, im Jahr seines ersten Toursieges, nicht alles mit rechten Dingen zuging. Der Texaner wird damit leben müssen, diese Zweifel nicht restlos beseitigen zu können.




• Gennadi Mikhailov: Seit drei Jahren gehört der Russe zum Team. Hat das jemand bemerkt?




• Jose Azevedo: Der Portugiese war nicht so stark wie die vorige Saison. Er war im Gegensatz zu Teamkollegen nicht in der Lage, Ausrufezeichen zu setzen.

 



Ausblick auf 2006

Das Jahr eins nach Armstrong ist ein ungewisses.

 

Niemand weiß, wer die Rolle des Teamleaders wirklich übernimmt. Ist Popovych schon so weit oder kann Hincapie noch stärker als 2005 fahren? Wird evtl. Savoldelli der Mann der Stunde sein?

 

Das Erbe, das Armstrong hinterlässt, ist für die verbliebenen und neuen Fahrer kein leichtes. Die amerikanische Öffentlichkeit wird z.B. jeden Topfahrer des Teams an den Erfolgen und an der Leistung von Armstrong messen. Von außen konnte kein Fahrer verpflichtet werden, der diese Rolle sofort ausfüllen könnte. Armstrong-Freund Basso lehnte ab und auch andere wollten nicht oder wurden für ungeeignet befunden.

 

Die an Land gezogenen Neuzugänge dienen mehr der Umsetzung der Teamziele denn dass ein Leader gefunden wurde. Egoi Martinez gilt als Teamplayer bei den großen Rundfahrten, während Vladimir Gusev und Jürgen van Goolen Fahrer für die Klassiker des Frühjahres sind, denen überdies Helferdienste zufallen werden.

 

Das Team hat aber dennoch seine Stärken. Es verfügt über eine Reihe guter Rundfahrer, die fast jede kleine Rundfahrt zu ihren Gunsten entscheiden können. Misst man Fahrer wie Danielson, Savoldelli, Popovych und Hincapie weniger an Armstrong sondern an ihrem eigenen Potential, werden gute Ergebnisse möglich und machbar sein.

 

Größere Erfolge sollten aber bei den Klassikerrennen erzielt werden. Es ist zu wenig, wenn nur Hincapie im Rahmen der Klassiker Punkte eintreiben konnte. Hier sollten sich viele Fahrer angesprochen fühlen, mehr zu leisten und vor allen Dingen zu punkten.

 

Ein Beispiel: Wenn Tom Boonen von jemandem am Siegen in Flandern und bei Paris-Roubaix gehindert werden kann und soll, dann hat Discovery Channel eigentlich das richtige Personal an Bord. Fahrer wie Devolder, van Goolen, Hoste, Hammond sowie Jekimow und Gusev sollten in der Lage sein, Hincapie zu helfen bzw. selber in die Bresche springen, um auch für Akzente zu sorgen.

 





Stijn Devolder, Vuelta 2005 **


Vielleicht nicht bei der Tour de France kann das Team künftig ein Drehbuch schreiben, aber bei anderen Veranstaltungen der Pro Tour könnten sie die Regie in die Hand nehmen. Man muss ja niemanden über ein Seil hieven – es reicht, einfach schneller und raffinierter als andere zu sein …

 



Anmerkung und Kommentar


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