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Held des Monats August 2005



Held des Monats: Levi Leipheimer



Küsschen für den Sieger: Levi Leipheimer gewann die Deutschland-Tour.

Der Held des Monats August heißt Levi Leipheimer, der die zum Pro-Tour Rennen aufgewerte Deutschland-Rundfahrt gewann. Für den sympathischen US-Amrikaner vom Team Gerolsteiner, der in der Vergangenheit oft vom Verletzungspech geplagt war, ist dies wohl der wichtigste Sieg seiner Karriere. Mit einem starken Etappensieg auf dem Dach der D-Tour, dem Rettenbachferner, nebenbei die höchste Bergankunft des UCI-Kalenders, bewies Leipheimer seine außerordentliche Klasse. Er ließ nicht nur seinem Teamkollegen Georg Totschnig als Tageszweiten hinter sich, sondern auch seinem größten Rivalen und letzendlich Zweiten der Rundfahrt, Jan Ullrich,schenkte Leipheimer fast eine Minute ein. Mit einem guten dritten Platz beim Zeitfahren am vorletzten Tag der Rundfahrt tütete Leipheimer den Gesamtsieg ein. Mindestens genauso wichtig für den Gesamtsieg war sein vierter Platz am Feldberg, beim dem Leipheimer Ullrich erneut Zeit am Berg abnahm.

Der aufmerksame Betrachter konnte Leipheimers exzellente Form bereits bei der Classica San Sebastian bewundern, bei der er eine rund 20-köpfige Verfolgergruppe nach hartem Rennen fast 10 km lang anführte, um Davide Rebellin an die Spitze des Rennens und der Pro-Tour Gesamtwertung heran zu führen. Dass dieser Versuch scheiterte, war sicher kein Ausdruck von Leipheimers Schwäche. Hut ab für so einen starken Fahrer, der sich voll in den Dienst seines Teams stellt.



Co-Held 1: Filippo Pozzato


Eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer, aber eins und eins sind zwei und zwei und eins drei, behauptet jedenfalls mein Casio. Was diese höchste Kunst der mathematischen Phrasendrescherei nun mit Radsport zu tun hat? Nun, eigentlich nix, es sei denn wir bringen unsere radsportliche Tante Käthe in Spé, Filippo Pozzato, ins Spiel. Dää Rudddi aus Italien hat nach einem, freundlich ausgedrückt, diskreten Frühjahr, im August endlich einmal seine hohe Veranlagung in Form bzw. Ergebnisse umgesetzt. Bei seinen Triumphen hat er sich allerdings der seelischen Grausamkeit gegenüber seinen Konkurrenten verdächtig gemacht, denn welche Niederlage ist bitterer, als jene, bei der man auf dem Zielstrich noch abgefangen wird? Nun ja, unseren Co-Helden wird dies wohl kaum stören, warum auch, wenn ihn bei der Hitze im August nicht einmal die Pudelslocken gestört haben?



Co-Held 2: Ivan Basso



Ivan Basso hatte bei seinem Auftritt in Dänemark guten Grund zu Lachen.

Die Dänen trauten ihren Augen kaum, als sie alltäglich beinahe deckungsgleiche Rennabläufe einer jeden Etappe ihrer Landesrundfahrt beobachten konnten. Wie das Kaninchen vor der Schlange verhielt sich das gesamte Peloton gegenüber TdF-Vize Basso, als ob es ihm die Ehre angesichts seiner großen Leistungen bei Giro und Tour erweisen wollte. Nicht ganz abwegig daher die Meinung so mancher Spötter, die da eine „Kriterien-Rundfahrt" erkannt haben wollten. Kriterien-erfahren ist er ja jetzt reichlich, tingelte er doch oft gemeinsam mit seinem rothaarigen TdF-Podestkollegen durch halb Deutschland. Wie auch immer: Vier Etappen plus Gesamtwertung sprechen eine eindeutig co-heldige Sprache.

 



deutschsprachiger Held: André Greipel



André Greipel absolvierte die Dänemark-Rundfahrt im Tiefflug.

Und litt das dänische Völkchen nicht schon an einer Überdosis Basso, durften sie als Sahnehäubchen auch noch den platzenden Knoten bei André „Gringo" Greipel bewundern. Der mit vielen Vorschusslorbeeren aus der U23 ins Team Wiesenhof aufgestiegene „Gringo" erfüllte die Erwartungen bislang nur in gezügeltem Maße. In Dänemark allerdings machte er auf Phönix aus der Asche. Er verbuchte das komplette Etappenstockerl und somit auch seinen ersten Profisieg. Unkenrufe rufen bereits, T-Mobile hätte angerufen...

 



Neu-Held: Tony Martin



Tony Martin feierte ausgiebig seinen Sieg am Kandel.

Im schon traditionell stagiaire-geschwängerten August haben uns auch in diesem Jahr wieder ein paar junge Radsportler große Freude bereitet. Ganz besonders ist Tony Martin hervorzuheben, der als Gerolsteiner-Praktikant mal eben bei der Regio-Tour das Bergzeitfahren auf den Kandel hoch einsackte und dabei so manchen gestandenen Profi hinter sich ließ. Und das, obwohl er laut Homepage seines Heimat-Rennstalls Köstritzer mit den Bergen so seine Probleme hat. Nach dem Ergebnis am Kandel haben wir für Tony Martins "Berg-Schwäche" nur noch ein vielsagendes Grinsen übrig und freuen uns einfach mal darüber, dass er bei der Regio-Tour seine achso großen Berg-Probleme anscheinend mit allerhöchster Zeitfahrkunst ausgleichen konnte.



Helden-Team: Gerolsteiner

Der Doppelsieg am Rettenbachferner, dem Dach der Pro-Tour, von Levi Leipheimer und Georg Totschnig ist sinnbildlich für den Erfolg vom Team Gerolsteiner im August. Gerolsteiner siegte im August auf breiter Front und räumte das wichtigste UCI-Rennen des Monats August ab. Besonders erfreulich war für das Team sicher der überraschende Sieg des Stagiaires Tony Martin beim Bergzeitfahren auf den Kandel bei der Regio Tour. Dies war schon der zweite Profisieg eines „Praktikanten“ im Team Gerolsteiner. Bereits Sven Krauss gelang ein solcher Erfolg 2002 bei der Ster Elektro Toer. Lustigerweise war es eben Krauss, der einen Tag nach Martins Erfolg die nächste Etappe der Regio Tour nach Vogtsburg im Kaiserstuhl gewann. Der 4. Gesamtrang von Neuprofi bei der Regio Tour war überdies ein Beleg für die erfolgreiche Arbeit mit jungen Fahren im Team von Sportdirektor Hans Holczer. Besonders eindrucksvoll wurde die Gerolsteiner-typische Breite des Erfolgs waren der 3., 5. und 6. Platz von Davide Rebellin, Paco Wrolich und Beat Zberg beim wichtigen GP Ouest-France in Plouay. Mit dem 2. und 4. Platz von Thomas Ziegler und René Haselbacher bei der Hainleite trugen sich zwei weitere Gerolsteiner in die Ergebnislisten des Monats August ein. Durch die Erfolge im Monat August katapultierten sich Leipheimer und Rebellin in die Top Ten der Pro-Tour Wertung.



Sonderkategorie: Innovative Kamera- und Streckenführung der Benelux-Rundfahrt

Der August 2005 sollte die Premiere für die BeNeLux-Rundfahrt sein, die mit dem ambitionierten Ziel an den Start ging, eines schönen Tages die beste Rundfahrt im Radsport-Kalender zu sein. Praktisch bedeutete dies für die Fahrer Chaos pur: an den ersten Tagen konnte man die jeweiligen Streckenführungen mit Fug und Recht als „gemeingefährlich“ einstufen. Wahrhaftig die Amsel abgeschossen hat man aber bei der Ardennen-Etappe jener Rundfahrt, oder soll man getrennte Streckenführungen für Spitze und Hauptfeld als innovativ huldigen? Jedenfalls führte diese dynamische Streckenführung zu reichlichen absurden Szenen, wie zum Beispiel Spitzengruppen die mitten in der Pampa angehalten wurden bis das Hauptfeld kam, ehe sie dann einen willkürlich festgelegten Vorsprung auf die restliche Strecke mitbekamen.

Die Kameraführung unserer westlichen Freunde wollte der Rennorganistion in keinem Fall nachstehen und entschied sich bei den Zielankünften der Einfachheit halber dafür, dem Sieger auf seinem Post-Victoria-Parcours zu folgen, wodurch wir spannende Szenen zu sehen bekamen: die Beglückwünschung des Siegers durch den Pfleger, die Beglückwünschung des Siegers durch die Konkurrenten, den Cola-trinkenden Sieger etc. Erspart wurden uns dafür Nebensächlichkeiten wie Zeitlupen in denen man mit den weiteren Platzierungen gelangweilt worden wäre, oder den Sprints um den zweiten Platz. Danke lieber BeNeLuxer dafür, dass ihr uns gezeigt habt, wie wenig es bedarf, um ein Pro-Tour-Rennen zu sein.



Sonderkategorie: Kuschelrock featuring Tobi Stonehousi and MrsFlax

Was zunächst vorsichtig rational mit simplem Fantum begann („Go! Steini! Go!"), ist mittlerweile Kult im cycling4fans-Forum. Mal radsportlich-technologisch („Kuschelkolbenzerreißer"), mal sensibilisiert emotional („Kuschel-Sieger-der-Herzen"): MrsFlax’ artikulierend kuschelige Hingabe zu ihrem Liebling Tobias Steinhauser vom T-Mobile-Team hat in den letzten Wochen für reichlich Adrenalin-Ausstoß und alternierend Lach- und Weinkrämpfe bei den Lesern - und wie wir aus sicherer Quellen wissen gehörte der Umgarnte selbst dazu - gesorgt. Gekuschelt wurde allerorts, denn tagtäglich wartete die neugierige Meute auf neue innovative Kuschelattribute. Die kamen dann auch reichlich - zuletzt rockte Tobi Stonehousi während der Tour of Britain merklich kuschelig. Hiermit also einen kuscheligen Dank an MrsFlax, die uns Entertainment vom feinsten geliefert hat.



Sonderkategorie: Abschied des Monats

Er hat´s getan: Jens Heppner, von dem einige schon vermuteten, er würde noch mit 60 Profi-Rennen fahren, hat sein Rad an den Nagel gehängt. Ende, aus, vorbei. Was bleibt, sind Erinnerungen an Heppners schmerzverzerrtes Gesicht, das er uns bei so mancher Fernsehübertragung in die Kamera hielt. Bei EuroSport werden wir aber hoffentlich auch 2006 nicht auf ihn verzichten müssen. Denn dort kann er sich als Co-Kommentator nun richtig den Hintern platt sitzen. Und für alle, die die Sehnsucht zu sehr plagt: ab 2006 ist Jens Heppner auch noch sportlicher Direktor bei dem neu formierten Team aus Akud und Wiesenhof. Dort werden wir dann endlich sehen, ob der geborene Geraer besser Rad oder Auto fahren kann!



Sonderkategorie: War was? Achja, Bahn-DM....



Wenig beachtet: Die Bahn-DM 2005.

Es war einmal eine Sportart, bei der fuhren durchtrainierte Männer und Frauen in hautengen Trikots auf einem Rad ohne Gangschaltung und Bremse immer linksrum auf einer Bahn. Und weil sie es so toll fanden und gerne herausfinden wollten, wer von ihnen der bzw. die Schnellste ist, veranstalteten sie Welt- und Landesmeisterschaften in dieser Disziplin. Und selbst bei den Olympischen Spielen fand diese Sportart Berücksichtigung. Nun trug es sich Anfang August zu, dass sich auf der Hamburger Radrennbahn Deutschlands beste Bahnfahrer trafen, um neue Meister zu küren. Das taten sie auch, doch leider schien niemand so recht Interesse dafür zu haben. Weder die Medien, noch die Zuschauer. RSN brachte es täglich immerhin noch auf eine Anreihung der Ergebnisse ohne Fotos. Schade eigentlich – sollte so eine Deutsche Meisterschaft gewürdigt werden?



Silberner Ludo: Die ARD-Kommentatoren und die Deutschland-Tour

Gleich eine ganze Kiste voller silberner Ludos werden wir in den nächsten Tagen an das verschlafene Moderatoren-Duo der ARD, Herbert Watterott und Hagen Boßdorf, für ihre Glanzleistungen während der Deutschland-Tour verschicken. Schon auf der ersten Etappe wurde der absolute Nullpunkt erreicht: Ganz mit sich selbst beschäftigt, ignorierten unsere beiden Mikrogötter den Sturz des kurz vor dem Ziel knapp in Führung liegenden Bram Tankink. Von dem sie übrigens noch nichts gehört hatten. Nach einer Reaktionszeit von mindestens 20 Sekunden wurde immerhin ein monumental emotionsloser Vergleich zu Jan Ullrich gezogen, der ja irgendwo auch schon mal gestürzt sei…

Auch in den folgenden Tagen wurden Watterott und Boßdorf ihrem öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag gerecht: Cédric Vasseur verlor 1977 in Andorra das gelbe Trikot an Jan Ullrich, Enrico Poitschke erfreut sich seiner jungen 27 Jahre und Erik Zabel ist seit 1969 jede Deutschland-Tour mitgefahren. Und weil man am Ende der Rundfahrt viel lieber einen Jan Ullrich auf Platz eins gesehen hätte, wurde die Leistung von Levi Leipheimer besonders feinfühlig eingestuft: „Leipheimer hat vielleicht die Deutschland-Tour gewonnen, aber Jan Ullrich ist noch immer der Sieger der Herzen!“.

Kurzum: Fürs nächste Jahr sind wir schlauer. Wenn bei Watterott wieder der Kalk rieselt und Boßdorf gedanklich im Nirvana schwebt, wird einfach mal der Ton ausgemacht!



 

 

Das Held des Monats August-Team bestand aus hasending, Tourmalet, Sven und Hanna.

 

Fotos:
© velo-photos.com
und
© peloton-pictures.com

 

 

 


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