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Saisonbilanz: Quick Step-Davitamon 2004

Beitrag von Steamboat, 9.2.2005

 

Zu Weihnachten 2005 hat der Weihnachtsmann einen Wunschzettel vom Teammanager Lefevre erhalten. Was draufstand ist leider nicht bekannt, aber der von 2004 wurde entdeckt.

Auf ihm waren folgende Wünsche enthalten:

- Bergtrikot bei der Tour de France und ein Etappensieg für Richard Virenque

- Weltcupgesamtsieg, Goldmedaille bei Olympia und Weltcupeinzelerfolg und Weltmeistertitel für Paolo Bettini

- Etappensiege bei der TdF und einen Frühjahrsklassiker für Tom Boonen

- Medaille im olympischen Zeitfahren und bei der WM im Zeitfahren für Michael Rogers

- Frühjahrsklassikersieg für Johan Museeuw

 

Diese keineswegs bescheidenen Wünsche müssen nun einer genauen Betrachtung unterzogen werden. Es ist erstaunlich, wie viele verschiedenartige Ziele das Team hatte. Und nahezu alle dieser Ziele und Wünsche gingen auch in Erfüllung. Und nicht nur das. Betrachtet man die komplette Saison, dann gibt es noch die eine oder andere weitere erfreuliche Begebenheit, die eine Ausnahmestellung rechtfertigt.

 

Aber beginnen wir mit dem Wunschzettel:

Virenque war auf seiner Jagd nach dem Bergtrikot eigentlich konkurrenzlos. Dieses kann verschiedene Gründe haben. Einerseits hatten einige Mannschaften kein Interesse an diesem Trikot. Weshalb sollte ein Armstrong nach dem Bergtrikot lechzen, wenn der doch das Gelbe viel lieber hat? Andererseits war die Teamstrategie von Quick Step-Davitamon so konzipiert, dass diese Wertung die logische Konsequenz der Teamarbeit war. Besonders Bettini stellte sich in den Dienst des Franzosen. Dennoch soll sein siebter Sieg in der Sonderwertung damit nicht herabgewürdigt werden. Das soll ihm mal einer nachmachen. Natürlich gewann er auch eine Etappe. Auf der Etappe von Limoges nach Saint-Flour kam er nach einer überzeugenden Flucht alleine an. Künftig wird aber jemand anderes die Bergwertung gewinnen, weil Virenque nach der Saison die Karriere beendet hat. Zum Abschluss belegte er bei der Tour de France als bester seines Teams den 15. Rang.

 

Jemand anderes hat ebenfalls seine ereignisreiche Laufbahn bereits während 2004 beendet. Der Löwe van Gistel Johan Museeuw hörte nach den Frühjahrsklassikern auf. Ein neuerlicher Sieg bei Paris-Robaix machte eine Reifenpanne im entscheidenden Schlussstück zu nichte. Arm in Arm überquerte er schließlich mit Kontrahent Van Petegem die Ziellinie im Velodrom von Roubaix. Einen großen Sieg gab es zum Abschluss seiner großen Karriere nicht mehr. Und das Ansehen bekam Risse, als ihm wohl nachgewiesen werden konnte, dass er wohl mit Medikamenten in Berührung kam, die zu einer unerlaubten Leistungssteigerung führte. Nach Beendigung seiner Karriere wurde er noch mit einer Sperre für Dopingvergehen versehen. Merkwürdigerweise fiel der Spotlight der Ereignisse nicht auf das Team zurück. Allerdings hat die Ikone Museeuw Kratzer bekommen.

 

Paolo Bettini war DER Fahrer der Saison 2004. Viel hat nicht gefehlt, und er hätte das Triple aus Gold bei Olympia, Weltcup-Gesamtsieg und Weltmeisterschaft geholt. Bei der WM stoppte ihn letztlich eine Verletzung, die er sich bei der Fahrt am Teamwagen zuzog. Dennoch: Bettini setzte Maßstäbe. Der Sieg in Athen war der Verdienst seiner Angriffslust. Es ließ sich vorhersagen, dass er in einem Anstieg attackieren würde und die anderen – u.a. die Deutschen mit einer lausigen Taktik – stehen lassen würde. Zusammen mit dem Portugiesen Paulinho fuhr er dann die Medaille aus. Unterstützt wurde er von Teamkollege Paolini sowie den künftigen Kameraden Moreni und Pozzato sowei Nardello (T-Mobile).

 

Er konnte den Weltcup erneut verteidigen und darf sich vorläufig als letzter Weltcupsieger sehen. Besonders bemerkenswert ist hieran, dass er im Gegensatz zum Vorjahr (Mailand-San Remo, HEW Cyclassics, Klasika San Sebastian) kein einziges Rennen gewinnen konnte. Dafür brachte er das Kunststück fertig, bei den HEW Cyclassics, der Klasika San Sebastian und Züri-Metzgete den jeweils 2. Platz zu belegen. Ferner kam er bei folgenden Weltcuprennen in die Punkteränge: Amstel Gold Race (3.), Paris-Tours (6.), Mailand-San Remo (8.), Flandern-Rundfahrt (9.) und Lüttich-Bastogne-Lüttich (22.). Dieses Ergebnis konnte die meisten Teams für sich nicht beanspruchen. Lediglich in der Lombardei startete er und blieb dort punktlos.

 

Aber damit ja nicht genug, Die Rundfahrt Tirreno-Adriatico gewann er auch noch. Müßig zu sagen, dass auch zwei Etappen noch auf sein Konto gingen. Einen Etappensieg gab es für ihn im Rahmen der Tour de Suisse zu feiern. Dass er die GP Citta di Camaiore (1,2) und noch eine Etappe bei der Circuit Franco-Belge (2,3) für sich entscheiden konnte, soll hier der Vollständigkeit halber aufgeführt werden. Ganz vergessen ist sicherlich auch nicht, dass er das Bergtrikot anstelle von Virenque einige Tage bei der Tour trug.

 

Im Rahmen der Tour de France trumpfte ein weiteres Teammitglied auf. Tom Boonen entschied zwei Etappen für sich – darunter eine auf der Champs Elysee in Paris. Er war zwar nicht ganz so stark wie angekündigt – in der Punktewertung reichte es nur zum 6. Platz – aber mit ihm wird künftig bei der Tour zu rechnen sein. Er möchte in die Fußstapfen seines Vorbildes Museeuw treten. Er konnte im Frühjahr schon mal üben und gewann Gent-Wevelgem. Bei der Flandern-Rundfahrt reichte es hingegen nur zum 25. Platz. Neunter wurde er bei Paris-Roubaix. Beim Grote Scheldeprijs (1,1) war er eben so siegreich wie beim GP E3 – Harelbeke (1,1) oder GP Van Steensbergen (1,2). Auch eine Rundfahrt konnte er zu seinen Gunsten entscheiden, die Tour de Picardie (2,3), bei der er auch zwei Etappen gewann. Die restlichen Etappensiege seien hier aus Platzgründen ohne nähere Erläuterungen kurz aufgeführt: Belgien-Tour (2,2 – eine Etappe), Deutschland-Tour (2,2 – zwei Etappen), Ster Elektrotoer (2,3 – zwei Etappen, davon den Prolog), Circuit Franco-Belge (2,3 – zwei Etappen), Tour de Qatar (2,3 – eine Etappe), Andalusien-Rundfahrt (2,3 – eine Etappe), Tour Of Britain (2,3 – eine Etappe).

 

Der Australier Michael Rogers ist ein guter Zeitfahrer. Er hatte eine Medaille bei Olympia im Visier, verpasste diese als Vierter aber. Besser machte er es bei der WM in Verona, als er seine Konkurrenz dominierte und Gold gewann. Diese Medaille wurde ihm nachträglich auch für das Vorjahr zugestanden, nachdem sein Kontrahent Millar Dopingmissbrauch zugegeben hatte. Es fällt beim Australier auf, dass er lediglich ein Zeitfahren diese Saison gewann – die Weltmeisterschaft. Immerhin konnte er in der Gesamtwertung von Paris-Nizza auf einen 8. Platz verweisen.

 

Auf das Zeitfahren legt man bei Quick Step nicht unbedingt den Fokus. Viel lieber möchte man die Ein-Tages Rennen gewinnen. Neben Boonen machte in diesem Jahr auch der junge Belgier Nick Nuyens auf sich aufmerksam. Er siegte beim prestigeträchtigen Klassiker Paris-Brüssel (1,1) sowie beim GP Wallonie (1,2) und in Italien beim GP Industria & Commercio Prato (1,2). Außerdem sicherte er sich neben einem Etappen- auch den Gesamtsieg bei der Ster Elektrotoer (2,3). Diesen Mann mit den genannten Erfolgen vergisst man schnell, wenn man an die vielen Erfolge des Teams denkt.

 

Auch Luca Paolini trat mit Erfolgen in Erscheinung. Meist sorgte er sich um das Wohl seines Chefs Bettini. Hin und wieder bekam er aber auch die Gelegenheit, mal selbst zu fahren. Ein Sieg beim Brabantse Pijl (1,2) sprang dabei heraus. Ferner versuchte er die Farben der Italiener bei der heimischen WM zu retten, in dem er um den Sieg mitspurtete und die Bronzemedaille erstritt. Hierüber war er aber nicht besonders glücklich. Zu 14 Weltcuppunkten kam er durch einen 12. Platz beim Amstel Gold Race.

 

Zwei Spanier waren vor der Saison in der Absicht verpflichtet worden, bei den Gesamtwertungen großer Rundfahrten ein Wörtchen mitzusprechen. Pecharroman vermochte gar nicht zu überzeugen und belegte nur einen 49. Platz bei der Vuelta. Sein Landsmann Mercado gewann eine Etappe im Rahmen der Tour de France. Allerdings durfte es schon mehr sein, als nur ein 37. Rang bei der Grand boucle. Ein Sieg im Rahmen des Giro del Trentino (2,2) kann nicht verbergen, dass man mit dem Spanier auch nicht zufrieden war. Immerhin gelang ihm ein 5. Platz bei der Dauphine Libere.

 

Quick Step beschäftigte 2004 noch zwei weitere Iberer, der immerhin zu zwei Etappensiegen kam. Einen erzielte er bei Paris-Nizza, den anderen gab es bei der International UNIQA Classic (2,3). Horrillo ist ein Mann, der die Sprints für Quick Step anzog und sich damit auch verdient machte. Künftig wird er aber sich um seinen Landsmann Freire bei Rabobank kümmern. Der andere weitere Spanier, Garrido, trat aber nicht sonderlich in Erscheinung.

 

Ein junger Deutscher machte in den Farben von Quick Step wieder Furore. Patrik Sinkewitz aus Fulda konnte die Deutschland-Rundfahrt (2,2) gewinnen. Außerdem sprang bei der heimischen Rundfahrt auch ein Tagessieg heraus. Zudem siegte er in Japan beim Japan-Cup (1,3). Sinkewitz hoffte, an der Tour de France teilnehmen zu können. Er wurde wie 2003 auf die Vuelta vertröstet, bei der er sich nicht mehr in Bestform befand. Er verließ letztlich die Vuelta. Besser lief es bei der Tour de Suisse. Dort kam er auf den 7. Platz. Nicht ganz so überzeugend verlief seine Vorstellung im Baskenland bei der entsprechenden Rundfahrt. Es reichte nur zum 36. Platz. Etwas besser schlug er sich als 21. beim Wallonischen Pfeil.

 

Nachdem seine italienischen Landsleute ordentlich Erfolge gesammelt hatten wollte auch Stefano Zanini nicht leer ausgehen. Eine Etappe der Tour of Britain (2,3) sollte es sein, die er gewann und so zum guten Ergebnis des Teams beitrug.

 

Der Schweizer Clerc konnte bei der nicht unbedeutenden Vuelta Ciclista a Burgos (2,1) immerhin einen Etappensieg feiern. Der zweite gute Zeitfahrer im Team, Laszlo Bodrogi, siegte beim Zeitfahren von „Driedaagse van de Panne“ (2,2). Zusätzlich gab es noch das Trikot des ungarischen Zeitfahrmeisters für den Fahrer von Quick Step.

 

Ein Wermutstropfen für QuickStep ist der 7.Platz in der Weltcupwertung. Aber den wird man angesichts der vielen Erfolge wohl verkraften können.

 

Damit sind in Kürze die Erfolge des Teams aufgezählt und erörtert worden. Man kann eine Reihe von Fahrern herausheben, die auf sich aufmerksam gemacht haben. Allen voran Bettini und Boonen. Dann folgen Rogers, Nuyens, Virenque, Paolini und Sinkewitz. Sie haben zusammen das abgeräumt, was sie wollten und was auch sehr medienträchtig war. Bei Quick Step kann man behaupten, dass sie das stärkste Team der Welt sind, da sie eigentlich all das gewinnen, was sie sich vorgenommen haben.

 

Als Enttäuschung im Team muss man die beiden Spanier Pecharroman und Mercado sehen, die nicht das gehalten haben, was man sich von ihnen versprach. Etwas abgetaucht ist der ehemalige Gewinner von Paris-Roubaix, Servais Knaven.

 

2005 sieht das Team wieder anders aus. Virenque und Dufaux beenden ihre Karriere. Horrillo folgt dem Ruf von Freire zu Rabobank. Der Ungar Bodrogi geht zu Crédit Agricole. Dafür kommen – wie schon angedeutet – die Italiener Pozzato und Moreni sowie der Italo-Ami Trenti. Die holländische Fraktion wurde durch Lotz und Engels verstärkt. Aus dem Stall von Lotto stößt Rik Verbrugghe zum Team und ein junger Mann aus dem Relax-Bodysol-Konstrukt wird künftig die Farben von Quick Step tragen, Sebastien Rosseler. Außerdem kommt der Belgier De Weert von Rabobank zum Team. --> Team 2005

 

Quick Step wird 2005 mit der Doppelspitze Bettini/Boonen versuchen, große Ein-Tages-Rennen zu gewinnen. Die großen Rundfahrten wurden etwas vernachlässigt. Es wird schwer sein, dort Fahrer in die Top 10 zu bekommen. Wahrscheinlich soll Boonen im Kampf um das Grüne Trikot eingreifen, so dass der Fokus auch nicht auf die Gesamtwertung gerichtet wird. Die Italiener des Teams wollen bei der heimischen GT starten, so dass beim Giro ein recht italienlästiges Team an den Start geht.

 

Quick Step dürfte ein heißer Kandidat für die Teamwertung der Pro Tour sein, Bettini gilt als Hauptkonkurrent um die Spitze in der Gesamtwertung der Pro Tour. Viel Erfolg.



Anmerkung zum Kommentar oder zur Saison von Quick Step:


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