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Saisonbilanz: Illes Balears-Banesto 2004

Beitrag von Steamboat, 1. Februar 2005

 

Nach der Saison 2003 musste das Team von Unzue und Echavarri einen neuen Sponsor finden, der alte Sponsor blieb zwar noch im Namen enthalten, aber Banesto wollte sich allmählich aus dem Radsport zurückziehen. Man hatte die Glanzzeit gehabt, als Indurain seinen Ruhm einfuhr. Danach schaffte es aber kein Fahrer mehr, an die Erfolge des großen Spaniers heranzukommen. Zwar glaubte man immer wieder, den neuen „Indurain“ gefunden zu haben, aber keiner konnte die in ihn gesetzten Erwartungen letztlich erfüllen.

Also, mit einem Wechsel des Sponsors hoffte man, zu neuen Ufern aufzubrechen. Doch schon am Anfang stellte sich ein Problem. Man verfügte zwar über eine Reihe guter Fahrer und auch potentieller Etappensieger, aber der große Name fehlte. Verhandlungen, bei denen z.B. Ullrich geholt werden sollte, schlugen fehl. Man setzte notgedrungen auf die Leute, die man im Kader bereits hatte. Und das waren in erster Linie der Russe Menchov, ein hoffnungsvoller junger Fahrer, und Mancebo, einem guten und bekannten Bergfahrer, dem allerdings der Sprung auf das Podium einer großen Tour nicht zugetraut wurde.

Hernach wissen wir es besser. Illes Balears nahm an zwei großen Rundfahrten teil- Vuelta und Tour. Und wenn man alle Fahrer in einem Gesamtklassement zusammen aufführen würde, die an zwei Rundfahrten teilgenommen haben, dann bot ausgerechnet Mancebo, der 2004 auch spanischer Straßenmeister geworden war, die beständigste und in dem Sinne beste Leistung aller Doppel-GT-Fahrer. Er überraschte, als er lange auf dem Weg nach La Mongie an Armstrong dran bleiben konnte – und zwar zu einem Zeitpunkt, als man von seinen Landsleuten Sevilla, Heras und Mayo nichts mehr sah. Zwischenzeitlich bot er Andreas Klöden Paroli um den 3. Gesamtplatz. Letztlich langte es dann zum 6. Platz.

Noch besser präsentierte er sich dann bei der heimischen Vuelta. Dort überflügelte er seinen künftigen Teamkollegen Valverde im Kampf um Rang 3. Damit stand er erstmals in seiner Karriere auf dem Podium einer GT. Zwar konnte er keinen Tagsabschnitt für sich entscheiden, das erledigte dann sein Teamkollege Menchov für ihn. Es sollte allerdings auch der einzige Etappensieg für das Team vom Ballermann bei einer großen Rundfahrt bleiben. Allerdings sollte bei der Vuelta berücksichtigt werden, dass evtl. Perez von Phonak noch nachträglich disqualifiziert werden könnte. Dann würde Mancebo gar auf den 2. Platz kommen und ihm würde vermutlich nachträglich der Sieg beim abschließenden Zeitfahren in Madrid zusprechen.

Illes Balears wurde in der Teamwertung bei der Vuelta Dritter. Bester Fahrer neben Mancebo war Unai Osa als 21. seines Teams. Bei der Tour de France schlüpfte gar ein Teamkollege Mancebos in ein Trikot. Als bester Jungfahrer der Rundfahrt wurde Vladimir Karpets mit dem Weißen Trikot ausgezeichnet. Dort reichte es für das Team zu einem 4. Platz in der Teamwertung. Die beste Etappenplatzierung gelang von Annemasse nach Lons-le-Saunier Garcia Acosta, der sich bei der Flucht einer Gruppe am Ende von seinem ehemaligen Teamkollegen Mercado austricksen ließ.

Denis Menchov beendete keine der beiden großen Rundfahrten. Dennoch konnte auch er ein positives Fazit für 2004 ziehen. Neben dem Etappengewinn bei der Vuelta strich er den Gesamtsieg bei der Baskenland-Runfahrt ein, bei der auch eine Etappe gewinnen konnte. In der Punktewertung belegte er hinter Valverde den zweiten Rang. Einen Tagessieg feierte er auch bei einer weiteren HC-Rundfahrt. Bei Paris-Nizza bestritt er die 6. Etappe von Rasteau nach Gap siegreich. In der Gesamtwertung sprang allerdings dann nur ein 12. Platz heraus. Bei Paris-Nizza gewann sein Teamkollege Aitor Osa dann noch die Bergwertung.

Wie gesagt, Illes Balears ist vorrangig ein Team für die Rundfahrten – meist in südlichen Gefilden. So überrascht der zweite Gesamtplatz von Karpets bei der Katalonien-Rundfahrt keineswegs. Zusammen mit Galvez, Tauler, Reynes, Arrieta und Lastras schaffte der Russe beim Mannschaftszeitfahren den Tagessieg. Ebenso steuerte im Rahmen der Rundfahrt der Sprinter Galvez einen Sieg bei der Abschlussetappe bei.

Der Russe Karpets konnte, nachdem er sich bei der Katalonien-Rundfahrt dem Spanier Perdiguero beugen musste, die Vuelta Ciclista A La Rioja (2,3) gewinnen. Etappensiege bei Rundfahrten erzielten auch der erwähnte Mancebo bei der Deutschland-Tour (2,2) und Menchov bei der Aragon-Rundfahrt (2,2). Mit Menchov, Mancbeo und KArpets sind sicherlich die drei auffälligsten Fahrer des Teams für 2004 angesprochen.

Aber auch Ivan Gutierrez konnte Erfolge feiern. Neben dem Erwerb der Meisterschaft im Zeitfahren entschied er auch die erste Etappe der Vuelta A Castilla y Leon (2,3) sowie das Zeitfahren bei der Murcia-Tour (2,3) für sich. Beim Criterium International (2,1) belegte er in der Gesamtwertung hinter Jens Voigt den 2. Platz. Bei der Vuelta A Castilla y Leon gelang der Mannschaft erneut ein Sieg beim Mannschaftszeitfahren, während die jeweiligen Delegation bei der Tour de France einen respektablen 3. Platz einfuhren – ebenso wie bei der Vuelta.

Galvez gewann noch einen Sprint bei der Katalanischen Woche (2,1), während sein Teamkollege Colom bei der Volta a Comunitat Valenciana (2,3) eine Etappe gewann und in der Endabrechnung dieser Rundfahrt Zweiter wurde. Außerdem wurde bei ihm der inoffizielle Gesamtsieg der Trofeo Mallorca zugesprochen.

Illes Balears beschäftigte auch zwei deutsche Fahrer in ihren Reihen. Freilich mit mäßigerem Erfolg. Daniel Becke, zu Saisonbeginn von Team Bianchi gekommen, schaffte beim Auftaktzeitfahren der Deutschland-Tour einen 4. Platz. Zudem gehörte er zu der Auswahl, die an der Tour de France teilnahm.

Steffen Radochla nahm ebenfalls an der Deutschland-Rundfahrt teil. Dort gelang ihm auf der Etappe von Kelheim nach Kulmbach ein dritter Platz als bestes Saisonergebnis. Auch wenn er bei dieser Etappe Zabel bezwingen konnte, war das kein aussagekräftiges Argument, um ihn weiter zu verpflichten. Radochla gelang es nicht, an den Erfolg von 2002 bei der GP Van Steenbergen anzuknüpfen. Auch im Hinblick auf die Klassiker geholt, enttäuschte er z.B. bei Paris-Roubaix, wo er mit einem 68. Platz keinen begeistern konnte. Platz 26 bei Gent-Wevelgem war auch kein Argument für eine Weiterbeschäftigung. So wechselte Radochla zu Team Wiesenhof. Schade, dass ein großes Talent aus deutschen Landen den Sprung zu einer großen Karriere vorerst nicht geschafft hat.

Bei den Klassikern boten die Spanier jedoch ohnehin keine Galavorstellungen. Dass sie für die Frühjahresklassiker nicht gemacht sind, kann man nachvollziehen, aber auch bei den hügeligeren Klassikern gaben sie keine bessere Figur ab. So kamen lediglich Menchov mit einem 15. Platz bei Lütttich-Bastogne-Lüttich, Lastras wurde 20. bei Paris-Tours und mehr Punkte wurden im Weltcup nicht erzielt.

2005 wird das Team an der Pro Tour teilnehmen. Man muss den aufstrebenden Russen Menchov ersetzen, der künftig bei Rabobank starten wird. Nach der Papierform ist für ihn aber ein besserer Fahrer geholt worden. Valverde kommt von Kelme und bringt seinen Adjutanten Julia mit. Zudem wurde mit Jonathan Gonzalez ein hoffnungsvoller Mann von Paternina verpflichtet. --> Team 2005

Bei Illes Balears besteht die Hoffnung, dass man mit der Doppelzange Mancebo und Valverde zwei starke Männer für große Rundfahrten hat. Ob allerdings Valverde im Ausland, sprich bei der Tour de France, zurecht kommt, muss erst noch die Realität zeigen. Ich denke, es ist völlig vermessen, ihn in eine Favoritenrolle bezüglich des Toursieges zu drängen. Das wurde bereits mit anderen gemacht und ist denen nicht bekommen.

Gespannt sollte man auch sein, ob sich Karpets weiter entwickelt. Mit ihm steht ein Mann bereit, der sich für höhere Aufgaben empfiehlt. 2005 wäre eher als möglicher Kapitän für den Giro ein bedenkenswerte Alternative gewesen, die Teamleitung hat sich aber für den Basken Unai Osa, einst Dritter beim Giro 2001, entschieden. Im Auge sollte man auch Ivan Gutierrez und Lastras, dem allerdings kein Saisonsieg gelang, behalten. Und Daniel Becke wäre es zu wünschen, dass er sich in dem Team etablieren kann und auch mal einen Sieg erringt. Keep biking, Daniel.

 



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