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Saisonbilanz: Lotto-Domo 2004

Beitrag von Steamboat, 22. Januar 2005

 

Lotto-Domo war 2004 das belgischste aller belgischen Teams. Das heißt, es legte seine Interesse auf die Ein-Tages-Rennen, besonders die Frühjahrsklassiker, und auf die Sprintentscheidungen bei den Grand Tours (GT). Von daher rückten in dem Team besonders die Klassikerspezialisten in den Vordergerund – allen voran der Gewinner der Flandern-Rundfahrt und von Paris-Roubaix im Jahre 2003 Peter van Petegem (PVP) – und die Sprinter. Da diesbezüglich endschnelle Talente in Belgien nicht auf Bäumen wachsen, ist der Sprinter des Teams der Australier Robbie McEwen, der aber in Belgien als akzeptiert gilt.

Niemand vom Lotto-Domo Team erwartete für eine der großen Rundfahrten oder auch nur für die Rundfahrten der Ehrenkategorie eine Podiumsplatzierung. Andererseits waren die Ziele nicht gerade bescheiden gewählt, als man McEwen wieder dafür auserkoren hatte, das Grüne Trikot des Punktbesten bei der Tour de France zu ergattern. Auch PVP galt als Favorit für einen der Frühjahrsklassiker. Die Saison 2003 war mit Ausnahme der beiden Siege von PVPP eher bescheiden ausgefallen. Man musste gar darauf hoffen, dass man überhaupt Wild Cards für die Tour und Giro erhalten würde. Die sportliche Qualifikation war nämlich nicht gelungen.

Van Petegem gelang keine Titelverteidigung bei den beiden Monumenten. Bei Paris-Roubaix belegte er Platz 6. Die Bilder seiner Zielüberquerung werden unvergessen bleiben, als er Arm in Arm mit dem „Löwen van Gistel“ Museeuw im Velodrom das Rennen beendete. In Flandern belegte er gar nur den 16. Platz. Ein besseres Abschneiden war auf Grund teamtaktischer Zwänge nicht möglich, da Leif Hoste mit Wesemann und Bruylandts um den Sieg fuhr. Hoste belegte letztlich den Silberrang und erzielte damit das beste Teamergebnis bei einem Weltcuprennen. Außerdem kam Marichal bei diesem Rennen auf den 11. Platz.

Van Petegem punktete aber auch bei Mailand-San Remo (10.), beim Amstel Gold Race (5.), bei Lüttich-Bastogne-Lüttich (25.) und bei Paris-Tours (16.) Insgesamt erzielt er 105 Punkte und belegte im Weltcup den siebten Rang. Damit konnte er den 3. Platz des Vorjahres nicht wiederholen. Auf dem 10. Platz rangiert 2004 der Niederländer Leon Van Bon, der durch einen 4. Platz bei der Flandern-Rundfahrt und den 7. Platz bei Paris-Roubaix 68 Punkte sammelte.

Viele Fahrer fuhren bei den Weltcuprennen in die Punkteränge. Hier sind nachfolgend alle aufgeführt. Hoste schaffte eine Woche nach seinem 2. Platz bei der Flandern-Rundfahrt einen 12. Rang in Roubaix. Hätte nicht ein Fan unvorsichtigerweise seine Flagge zu sehr in die Fahrbahn gehalten, hätte sich diese nicht im Hinterrad des Belgiers verfangen. Daraufhin musste er den aussichtsreichen Fluchtversuch beenden und sein Gefährt wieder instand setzen. Ärgerlich so was.

Axel Merckx fuhr beim Amstel Gold Race einen 13. Platz ein. In Hamburg wurde er 20. Auch Rik Verbrugghe steuerte ein paar Punkte bei, da er 8. in San Sebastian und 12. bei Züri-Metzgete wurde. Serge Baguet belegte den 20. Platz bei Züri-Metzgete. Stefan Van Dijk wurde bei Paris-Tours Elfter. Dort kam auch Gert Steegmans zu zwei Punkten als 24. Somit konnte Lotto-Domo letztlich den 5. Platz in der Teamwertung belegen. Es imponiert, dass Lotto-Domo mehrere - insgesamt neun - Fahrer in seinen Reihen zählte, die sich gut platzieren konnten, aber in der Spitze fehlte es, das muss man auch feststellen.

Bei den anderen prestigeträchtigen belgischen Frühjahresrennen siegten ebenfalls die anderen. Für Lotto-Domo blieb bei Gent-Wevelgem nur ein 11. Platz für Steegmans und beim Wallonischen Pfeil ein 18. Platz (Verbrugghe) und ein 23. Platz (Baguet) übrig. Bemerkenswert dann aber der 2. Platz von Baguet bei dem Klassiker der Ehrenkategorie GP Ouest-Plouay in Frankreich.

Das erste Steckenpferd der Belgier ist damit schon umfassend durchleuchtet worden. Nun war McEwen an der Reihe, es besser zu machen. Wie gehabt trat er zunächst einige Tage beim Giro an, um in den Bergen auszusteigen. Dennoch konnte er eine Etappe gewinnen, als sich der neunfache Etappensieger Petacchi verspekulierte und mit dem Ausgang des 5. Tagesabschnitts nichts zu tun hatte. Drei 2. Plätze komplettierten die Erfolge des Australiers in Italien. Italien nutzte er aber nur, um sich auf die Grand boucle vorzubereiten. Dort gewann McEwen zwei Etappen, wurde je einmal Zweiter und Dritter und konnte zum zweiten Mal in seiner Karriere das Grüne Trikot mit nach Hause nehmen. Allerdings erinnern sich die Gerolsteiner auch daran, dass er Haselbacher unsportlich die Faust zeigte, als sich dieser nach einem schlimmen Sturz am Boden wälzte.

Daneben verblassen natürlich die Ergebnisse der anderen Lotto-Domo-Fahrer beim Giro und bei der Tour. Ein weiterer Etappengewinn konnte nicht mehr gezählt werden. Christophe Brandt erreichte beim Giro einen viel beachteten 14. Platz. Er trat dann auch bei der Tour an, wurde bei einer Dopingprobe positiv getestet und von seinem Team darauf suspendiert. Später konnte er seine Unschuld beweisen und wurde in Ehren wieder aufgenommen. Bleibt noch zu sagen, dass Axel Merckx in der Endabrechnung 21. in Frankreich wurde.

Der Saisonhöhepunkt des Sohnes von Eddy Merckx sollte aber im Niemandsland des Pelotonterrains erfolgen. Beim olympischen Straßenrennen kam er auf den 3. Platz und durfte dafür eine Bronzemedaille entgegen nehmen. Ein in der Tat unerwarteter Erfolg des berühmtesten Sohnes im Fahrerfeld. Und einer der wenigen Erfolge, den sein Vater nicht erzielen konnte. Noch einmal konnte er 2004 auf sich aufmerksam machen, als er als bester seines Teams bei der Tour de Suisse den 18. Gesamtplatz belegte.

Wie gesagt interssieren bei Rundfahrten eher die Sprintankünfte. McEwen konnte somit 2 Etappenerfolge bei der Tour de Suisse verbuchen. Auch Van Bon steuerte einen Sieg bei, als er bei Paris-Nizza letztlich Ziegler von Gerolsteiner bei einer geglückten Flucht bezwingen konnte. Im Gesamtklassement belegte Rik Verbrugghe nur einen 42. Platz. Eine weitere Teilnahme bei einer HC-Rundfahrt steht noch zu Buche. Van Petegem wurde bei Tirreno-Adriatico insgesamt 22. Etappengewinne waren hier aber Fehlanzeige.

Natürlich ist damit die Erfolgsgeschichte der Belgier für 2004 noch nicht zu Ende geschrieben. Bei einigen Rennen in Benelux lassen sich weitere Siege aufführen. Da fällt Eeckhout auf, der bei Delta-Profronde (1,2) gewinnen konnte und auch einen Etappensieg bei der Star Elektrotoer (2,3) beipflichten konnte. Van Dijk schlug bei einer Etappe der Tour de Picardie (2,2) zu. Ferner sicherte er sich Siege bei Dwars door Gendringen (1,3), Internationale Ronde van Noord-Holland (1,3) und bei Omloop van de Vlaamse Scheldeboorden (1,3).

Auch Robbie McEwen gelang ein Erfolg bei einem Ein-Tages Rennen (Memorial Samyn - Fayt-le-Franc (1,3)). Ferner erzielte er noch zwei Etappensiege bei der Tour Down Under (2,3). Er startete für Australien bei Olympia, trat dort allerdings nicht in Erscheinung. Ein weiterer Etappensieg ist dem Team noch zuzuordnen. Den erzielte Van Bon bei der ENECO-Tour (2,19. Es ist auffällig, dass lediglich vier Fahrer die Siege des Jahres einfuhren. Merkwürdig, da das Team bei den Weltcuprennen mit vergleichsweise vielen Fahrern in die Punkteränge fuhr.

Zufrieden ist man sicherlich mit den Leistungen von McEwen. Auch Brandt, Baquet und Merckx haben die Erwartungen eher erfüllt. Hoste fiel besonders bei den beiden Frühjahrsmonumenten positiv auf. Und eigentlich sollte man auch mit Van Dijk zufrieden sein, dessen Erfolge aber deutlich geringere Beachtung finden, obwohl er auch noch mehrere 2. und 3. Plätze 2004 belegte. Van Petegem konnte die in ihn gesetzten Erwartungen nicht ganz erfüllen. Auch bei Rik Verbrugghe kann man mit gezeigtem nicht zufrieden sein.

Zwei der vier genannten Siegfahrer haben das Team mittlerweile verlassen. Eeckhout wechselte zu Chocolade Jacques-T Interim. Van Dijk heuerte bei MrBookmaker an. Ferner haben u.a. Rik Verbrugghe (Quick Step), der immer mehr seine Fähigkeiten als Zeitfahrer einbüßt, und Leif Hoste (Discovery Channel) das Team neben anderen Fahrern verlassen. --> Team 2005

Das Gesicht der Mannschaft, das künftig Davitamon-Lotto heißen wird, verändert sich folglich erheblich. McEwen und Van Petegem bleiben selbstverständlich Eckpunkte des Teams. Das soll neben Brandt auch Neuzugang Evans werden, der als Gesamtklassementfahrer für die Rundfahrten verpflichtet wurde. Er brachte zusätzlich Aerts von T-Mobile mit, der zu seinem alten Team zurückkehrt. Als endschnelle Leute wurden Steels (Landbouwkrediet-Colnago) und der Amerikaner Rodriguez (Acqua & Sapone) dazu gewonnen, die sicherlich auch mal auf eigene Rechnung fahren können. Ihre Kernaufgabe besteht aber darin, zusammen mit Gates und weiteren Fahrern einen Zug zu bilden, um McEwen noch optimalere Aussichten bei Sprintankünften zu garantieren.

Mit Leukemans und Roesems kommen zwei gute belgische Zeitfahrer. Die Klassikerfraktion verstärkt sich mit Vogels (Navigators). Und bei den Rundfahrten hofft man, dass der Kolumbianer Ardila sich als sinnvolle Ergänzung erweist. Zudem stießen De Voght, Dockx, Mattan,Van Hecke und Vansummeren von Relax-Bodysol zum Team, von Vlaanderen T-Interim kommen Kuyckx und Van Huffel. Zu guter letzt heuerte auch Amorison (Quick Step) bei dem belgischen Team an.

Der Ausblick auf 2005: Ein Frühjahrsklassiker steht schon auf dem Wunschzettel. McEwen darf wieder viele Etappen gewinnen und das Grüne Trikot erholen. Bei einer der drei GTs, bei denen wohl u.a. mit Brandt und Evans in Kapitänsfunktionen antreten, sollte auch eine Platzierung im einstelligen Bereich herausspringen. Und vielleicht gelingt ja auch mal ein Erfolg, den man heute für das Team noch nicht auf der Rechnung hat.

 



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