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Der Alkener Berg

ein Bericht von Glgnfz



Die Anfänge...

Hier ist endlich mein erster, lange versprochener Selberfahrer-Beitrag! Standesgemäß befasst er sich mit einem der mörderischsten Anstiege der Welt, ja ich möchte sogar noch weiter gehen und sagen der Untermosel. Der große Vorteil dieses Giganten ist, dass er direkt vor meiner Haustür liegt - sein großer Nachteil hingegen ist, dass er mir vor etwa 3 Jahren unbezwingbar vorkam.

 

Mein erster Versuch (ich hatte seit etwa 17 Jahren nicht mehr auf einem Fahrrad gesessen und auch außer Volleyball auf Hobby-Niveau seit Jahren kein Sport mehr getrieben) mit dem viel zu kleinen Mountainbike meiner Freundin scheiterte nach der ersten kleinen Serpentine (heutige Messungen mit modernster Computertechnik verraten mir, dass ich damals ca. 270 Meter weit gekommen bin), wo ich nach Atem ringend absteigen und wieder auf`s Sofa rollen lassen musste.

 

Versuch 2 umarmte alle Lehren, die ich aus Versuch 1 gezogen hatte, und ich startete diesmal mit gebremstem Schaum und mit einer Bekannten zusammen, die ähnlich "fit" war. Mit klassischem "Kette links" kamen wir etwa 600 Meter und eine Serpentine weiter (wohlgemerkt - wir sprechen immer noch nicht von Höhenmetern!) bis sie nur noch Sterne vor Augen sah und wir abermals umdrehen mussten. Ich aber hatte noch Reserven und war in der Zwischenzeit etliche flache Kilometer gefahren, so dass ich Blut geleckt hatte und vermutete beim nächsten Mal alleine gegen das unbarmherzige Massiv bestehen zu können.

 

Gesagt getan - eine Woche später startete das "Projekt Erstbesteigung".

Es war (natürlich) ein voller Erfolg und auf dem Gipfel war ich etwas enttäuscht, dass ich meine Fahne im Basislager vergessen hatte - nahm mir also vor hier noch öfter vorbeizukommen, um den Fahnenmoment nachzuholen.



Der Berg...

Soweit die Historie der Bezwingung dieses unbarmherzigen Mosel-Titanen. Kommen wir zu Zählbarem und zu einer kleinen Landschaftsbeschreibung, die das Herz eines Dr. Jürgen E. höher schlagen lassen dürfte.

Insgesamt ist der Alkener Berg etwa 10 km lang, wovon aber auch nur die ersten 3,5 km wirklich fordern und schraubt einen um die 350 Höhenmeter von der Mosel auf den Hunsrück hinauf.

Mit dem Rennrad fahre ich ihn selten, da oben auf dem Hunsrück (bei Pfaffenheck) nur die brandgefährliche Hunsrück-Höhenstraße entlangführt, die man mit dem Rad meiden sollte oder man kann sich nach Rhens oder Boppard an den Rhein hinunterrollen lassen, was aber einen bösartig langen Heimweg einschließt. Mit dem Mountainbike gibt es etliche schöne Abfahrten, die wieder zur Mosel führen - am komfortabelsten ist hier das Aspelbachtal in Niederfell, welches im mitgelieferten Profil zu sehen ist. Donnerloch oder Ehrbachklamm sind zwei weitere eher schon trialmäßige Möglichkeiten wieder an der guten alten Mosel zu landen.



Der Anstieg...

Kommen wir aber zurück zum Thema, dem Anstieg.

Hier hat man direkt zu Beginn zwei Möglichkeiten. Man kann durch das Dorf fahren und eine 700 Meter lange gerade Rampe am Weinberg als Einstieg wählen, oder man fährt die Hauptstraße, welche 300 Meter länger und deutlich weniger steil ist und die beiden ersten Serpentinen aufweist, welche schon im historischen Teil eine Rolle spielten. Wählt man letztere Möglichkeit, so kann man sich auf etwa 1,5 km mit permanenten 5% Steigung einstellen.

 

An der Stelle, wo diese beiden Wege sich treffen fährt man einerseits in einen relativ dichten Wald ein, was bei Wind und Sonne sehr angenehm sein kann, andererseits ist hier auch linker Hand eine extrem steile asphaltierte Rampe zur Burg Thurant. "Höhenmeterstreber" wie Kalmit oder Niggel könnten sich hier 500 Extra-Meter mit 7-12% geben, bevor sie locker weiter bergan radeln.

 

Weiter im Text - jetzt geht es durch besagten Wald und man sieht das Moseltal zu seiner Rechten langsam verschwinden. Eine weitere Serpentine (die erste "echte" um ehrlich zu sein) läutet etwa 700 etwas steilere Meter ein und dreht die Richtung um 180 Grad (gut - ich geb’s zu! es sind nur etwa 170 Grad), so dass die Mosel erstaunlicherweise jetzt links liegt. Naturfreunden lässt es hier gerade früh am Morgen die Herzen höher schlagen, denn Rehe (von ganz klein bis bedrohlich groß) und Wildschweine (egal wie groß – immer bedrohlich) oder jede Menge Raubvögel (ich nenne alle prophylaktisch "Geier") sieht man hier eigentlich bei jeder Tour.

 

Haben wir diese 700 etwas steileren Meter überlebt kommt die nächste 180 Grad-Serpentine, welche uns wieder in die Ursprungsrichtung dreht und leider auch die Steigung für einige (aber zu viele) Meter fast in den zweistelligen Prozentbereich treibt.

Ab hier geht es dann wieder mit den klassischen 5% weiter. Wie man in der Profilskizze sehen kann, ist der Berg im ersten Teil sehr gleichmäßig, was ihn eigentlich ganz angenehm zu fahren macht.

 

Es geht jetzt vorbei an zwei kleinen Parkbuchten zur Rechten, wo sich sehr gut Reifenpannen simulieren lassen und wenig später kommt man auch schon aus dem Wald heraus und sieht auf beiden Seiten der Straße Weiden – nicht erschrecken, denn die dusselig kauenden Kühe kommen hier sehr nah an einen heran – besonders übel, wenn man gerade halluziniert.

Sollte man gerade nicht halluzinieren kann man sich eigentlich darüber freuen, dass das schlimmste Stück geschafft ist. Der nächste Teil des Berges hat nur noch um die 3%, so dass man hier schön verschnaufen kann selbst bei miserabler Form seine Geschwindigkeit wieder in den zweistelligen Bereich katapultieren kann.

 

Der Hunsrück wäre aber nicht der Hunsrück wenn man irgendwann mal „oben“ wäre, denn einer kleinen Abfahrt folgt ebenso schnell wieder ein kleiner Anstieg, den man aber Aldag-mäßig hochdrücken kann. Einziges Problem – es kommen noch zwei solcher kleinen Abfahrten und Wellen, man knautscht also ganz schön, wenn man das Tempo hoch halten will.

Nach der dritten kleinen Welle kommt das eigentliche Problem der ganzen Geschichte. Man sieht vor sich die „Wand von Nörtershausen“ oder auch "Nürtersch" wie es in der Sprache der Eingeborenen heißt. Hierbei handelt es sich um einen Stich mit Knick. Vor dem Knick geht es mit 4% bergan, nach dem Knick sind es 7-9% - und immer geht es absolut geradeaus und IMMER bläst einem der Wind genau ins Gesicht.

 

Nach gefühlten 10 km (gemessenen 800 Metern) geht dann die "Nürtersch"-Abfahrt nach links ab, was man aber ignoriert und mit brennenden Oberschenkeln der Hauptstraße folgt.

Jetzt geht es noch leicht bergauf, vorbei am Sportplatz, vorbei an einem netten Aussichtspunkt (beides zur Rechten), bevor zwei klassische Hunsrückwellen, die man aber mittlerweile locker beherrscht und kaum mehr spürt, die heldenhafte Ankunft an der Hunsrück-Höhenstraße und in Pfaffenheck einleiten.

 

PROST!

…p.s.: um auf Jürgen E. zurückzukommen – an der ganzen Strecke ist kein einziger Weinberg!

… p.p.s: ich benötige mittlerweile nur noch zwei Drittel der oben angegebenen Zeit.


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