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Saisonbilanz: Alessio-Bianchi 2004

Beitrag von Steamboat, 19. Dezember 2004

 

Welche Erwartungen stellt man an ein Team, das sich aus Italienern und Skandinaviern zusammen setzt? Vorrangig ein erfolgreiches Abschneiden beim Giro. Richtig. Aber wozu Dänen und Schweden? Für den Rest? Ja, so könnte man es ausdrücken.

 

Vor der Saison schlossen sich drei Fahrer (Backstedt, Skelde und Sunderland) des dänischen Teams Fakta, ehemals GS I, dem italienischen Team an. Dazu stießen noch Möller (Milaneza Maia) und Ljungqvist (Crédit Agricole), um die Fraktion der Nordländer zu komplettieren.

 

Der Fokus des Teams richtete sich vor der Saison ganz klar auf ein erfolgreiches Giro-Abschneiden. Das durfte nicht verwundern, fuhren doch der Giro-Vierte von 2003 (Andrea Noé) und der Giro-Dritte von 2002 (Pietro Caucchioli) für das Team. Da durften die Erwartungen ruhig mal etwas höher geschraubt werden - trotz eines recht alten Teams und eines vergleichsweise schmalen Budgets. Sie wurden auch erfüllt- wenngleich anders als erwartet; denn Caucchioli startete verletzungsbedingt erst gar nicht bei der Rundfahrt durch Italien, Noé konnte nicht an die Form des Vorjahres anschließen und Pellizotti verbesserte sich entgegen der Erwartungen nicht und stagnierte in seinem Leistungsvermögen.

 

Dafür zeigt der Schwede Magnus Backstedt, dass Skandinavier in der Hölle des Nordens durchaus zurecht kommen, auch wenn hier der Norden für Roubaix in Frankreich steht. Das raue Klima muss dem Nordlicht gelegen haben, denn der Klassiker Paris-Roubaix ging nicht an einen Belgier, sondern im Finish sicherte sich der Hüne den Pflasterschein. Gleichzeitig konnte Alessio damit den größten Saisonerfolg 2004 wenn nicht gar den größten Sieg in der Teamgeschichte feiern. Dieser Erfolg ist umso höher einzuschätzen, da Backstedt eine halbe Woche zuvor beim schweren Halbklassiker Gent-Wevelgem nur knapp den Sieg als Zweiter verpasste.

 

Das eigentliche Highlight, der Giro, blieb hinter den Erwartungen zurück. Statt Podium kam der beste Fahrer des Teams, Pellizotti, nur auf Rang elf. Keine Etappe wurde gewonnen. Moreni belegte bei der Etappe von Porto Sant-Elpidio nach Cesena den 2. Platz. Von der Etappe von Brunico nach Fondo Sarnonico schaffte Bertolini den gleichen Etappenrang. Pellizotti holte zwei dritte Plätze. Auch Moreni und Furlan steuerten 3. Plätze zum Ergebnis bei. Bei der Teamwertung reichte es nur zu Platz vier.

 

Ebenfalls auf einen 11. Gesamtrang kam der beste Alessio-Fahrer bei der Tour de France. Dem genesenen Caucchioli blieb der Sprung unter die ersten Zehn zwar verwehrt, dennoch rückte er in den Fokus mancher Teams, so dass er 2005 für Crédit Agricole an den Start gehen wird. Auch in Frankreich gelang dem Team kein Etappensieg. Es reichte gar nur zu einem 5. Etappenplatz als bestes Ergebnis, das wiederum der Schwede Backstedt einfuhr.

 

Alessio nahm auch an der Vuelta durch Spanien teil. Erneut gab es keinen Etappensieg. Zwar erreichte der beste des Teams im Gesamtklassement wieder einen Schnapszahl als Platzierung, aber nicht der elfte sondern nur der 77. Rang wurde erreicht. Der Moldawier Ivanov war offensichtlich vorgeschickt worden, um ein wahrlich schwaches Ergebnis zu dokumentieren. Immerhin gelang dem Osteuropäer die beste Etappenplatzierung mit einem 2. Rang auf der 19. Etappe von Avila nach Collado Villalba.

 

Die großen Rundfahrten verliefen nicht nach dem Gusto des Teams. Und auch bei den HC-Rundrennen wusste man nicht zu überzeugen. Keine Etappensiege und nur mäßige Platzierungen stimmten die Verantwortlichen nicht sehr glücklich. Möller wurde 32. bei Paris-Nizza, Caucchioli nur 35. bei der Tour de Suisse und 44. bei der Rundfahrt Tirreno-Adriatico wurde Ivanov. Eine kleinere Rundfahrt konnte allerdings gewonnen werden. Bertolini sicherte sich die Gesamtwertung vom Giro della Provincia di Lucca (2,3), bei der er überdies auch eine Etappe für sich entschied.

 

Etappensiege steuerte auch Baldato bei, der zwei Tagesabschnitte bei der Polen-Tour (2,2) gewann. Ebenso trug sich der Kroate Hvastija in die Siegerliste ein, als er bei der Friedensfahrt (2,2) einen Abschnitt holte. Ferner glänzte Moreni mit einem Etappensieg bei der Route du Sud (2,3).

 

Moreni ergänzte die diesjährige Teambilanz durch den zweitgrößten Jahreserfolg, als er die italienische Straßenmeisterschaft gewann. Ferner war ihm ein Ticket zu den Olympischen Spielen vergönnt, bei der er dann seinem Kapitän Bettini zum Gewinn der Goldmedaille verhalf. Evtl. als Dank holt der Moreni in sein Team für 2005.

 

Pellizotti steuerte einen Sieg beim GP Chiasso (1,3) zur Bilanz bei, während Furlan die Coppa Bernocchi (1,3) für sich entschied.

 

Bliebe noch eine Erörterung der Ergebnisse bei den Weltcuprennnen und Halbklassikern. Bei letzteren weist das Team erfolgreiche Ergebnisse vor. Neben Backstedt bei Gent-Wevelgem glänzte Noé mit einem 9. Platz beim Giro del Lazio sowie Pellizotti als 11. beim Fleche Wallone.

 

Im Weltcup sammelte das Team insgesamt 167 Punkte, wobei ja bereits 100 Punkte durch den Sieg von Backstedt erzielt wurden. Die weiteren Punkte steuerten Baldato (16. bei Mailand-San Remo, 24. bei Paris-Roubaix), Moreni (19. bei Mailand-San Remo, 14. bei der Klassika San Sebastian und 15. bei Paris-Tours) sowie Pellizotti und Ivanov (als 9. und 21. bei der Lombardei-Rundfahrt) bei. Insgesamt belegte das Team den 12. Rang im Weltcup. Bester Einzelfahrer wurde Moreni als 19.

 

Im Team wussten Backstedt und Moreni zu überzeugen. Pellizotti fuhr eine ordentliche Saison ohne aber Akzente zu setzen. Bei einigen Herren machte sich das hohe Alter bemerkbar. Die Zukunft schon hinter sich haben: Tafi (38), Baldato (36), Sunderland (38), Hvastija (35), Möller (36) und wohl auch Noé (36). Furlan konnte an die Sprinterfolge 2002 erneut nicht anknüpfen, so dass er auch diese Saison im Schatten anderer blieb.

 

Alessio-Bianchi löst sich nach dieser Saison auf. Neben Caucchioli und Moreni haben auch andere einen neuen Geldgeber gefunden. Backstedt, Ljungqvist, Miholjevic, Noé und Pellizotti schließen sich dem neuen italienischen Team Liquigas-Bianchi an. Baldato geht zu Fassa Bortolo, Tafi möchte noch einmal Paris-Roubaix und wird dieses in den Farben von Saunier Duval tun, um dann die Laufbahn zu beenden. Der Australier Sunderland hat dieses bereits getan. Furlan wechselt mit Ivanov zum neuen Team Domina Vacanze-De Nardi.

 

Unter dem Strich kann das Abschlussjahr für Alessio als Teilerfolg gesehen werden, da der wichtigste Klassiker gewonnen werden konnte. Ansonsten konnte das gesteckte Ziel nicht erreicht werden. Bei manchen Fahrern lohnt es sich, die Entwicklung weiter zu beobachten.

 

Aber die blau-roten Trikots sind nun aus dem Peloton verschwunden.



Anmerkung zum Kommentar oder zur Saison von Alessio:


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