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Saisonbilanz: Chocolade Jacques-Wincor Nixdorf 2004

Beitrag von Steamboat, 24. November 2004

 

Wie erbaue ich mir ein konkurrenzfähiges GS I Team? Man nehme drei ambitionierte Sportliche Leiter (Capiot, Tchmil, Brackevelt) und einen Teammanger (De Meulenaere), addiere einen Sponsor dazu, hole sich Fahrer aus aller Herren Länder, mixe das ein wenig, rühre ordentlich die Werbetrommel und hoffe, dass Einladungen für die Grand Tours, besonders für die Tor de France, dabei herauskommen mögen. So oder so ähnlich klang die Rezeptur, mit der das Team Chocolade Jacques dieses Jahr an den Start ging.

 

Schon bei der Flandern-Rundfahrt trug das Konzept Früchte, als der Belgier Bruylandts nur knapp den Sieg verpasste und schließlich den dritten Platz belegte. Von da an wuchsen die Hoffnungen. Die Organisatoren des Giros entschieden sich tatsächlich für eine Einladung. Nur bei der Tour de France war man noch nicht überzeugt. Auch die Tatsache, dass die „Grand boucle“ in Belgien starten würde, verhalf ihnen nicht zu einer Einladung.

 

Bei den Frühjahrsklassikern konnte das Team sonst auch nicht weiter überzeugen. Bei Gent-Wevelgem belegte Oldie Peers den 29. Platz und das war nach dem 3. Platz bei der Flandern-Rundfahrt schon das beste Ergebnis bei einem großen Rennen. Bei den etwas kleineren Rennen wie Kuurne-Brussels-Kuurne (1,2) schaffte Gerben Löwik einen 3. Platz oder Bruylandts bei Dwars door Vlaanderen Waregem (1,2) den 4. Platz. Bei den 1.3 Rennen findet man immer wieder gute Platzierungen der Fahrer, aber genau das war das Dilemma des Teams: Es reichte nie oder nur selten zur Spitze wie bei dem Niederländer Koerts, der dann noch Tour Beneden-Maas (1,3) gewinnen konnte, aber das war es dann auch schon mit Einzelsiegen. Löwik legte mit einer guten Platzierung bei den HEW-Cyclassics nach, als er den 5. Platz erreichte und der Franzose Brard wurde bei GP Ouest-Plouay (HC-Rennen) 13., beim Weltcuprennen Paris-Tours kam er auf den 27. Platz.

Unter dem Strich waren das aber nicht die Ergebnisse, die man sich beim Team mal erhofft hatte.

 

Beim Giro trat dann eine Delegation an, das auf der ganzen Linie enttäuschte. Die beste Etappenplatzierung erreichte der Ukrainer Maxim Rudenko mit einem 8. Platz auf der 12. Etappe. Dieses war die einzige Top-Ten-Platzierung bei 20 Etappen. Im Gesamtklassement reichte es gerade mal zum 31. Platz für den Kolumbianer Ardila. Das war nun wirklich nicht das, was man sich von dem Team versprochen hatte. Gerade bei den großen Events übernahmen die Belgier immer mehr die Rolle der Statisten. Folglich blieben auch Erfolge bei den HC-Rundfahrten Mangelware. Für Ardila reichte es bei der Baskenland-Rundfahrt (wo er bei der 2. Etappe zumindest mal einen 3. Etappenplatz erreichte) ebenso zum 23. Platz wie bei der Tour de Romandie. Bruylandts schaffte bei Paris-Nizza einen 48. Platz und der Pole Piatek kam nur auf Platz 42 bei der Tour de Suisse.

 

Wenn man schon bei den großen Rundfahrten keine Ausrufezeichen setzen konnte, so war man dann wenigstens bei den kleineren Rundfahrten erfolgreicher. Ardila konnte bei der Tour of Britain (2,3) zwei Etappen und das Klassement gewinnen. Gerben Löwik entschied die Gesamtwertung von Tour de la Region Wallone (2,3) für sich. Bart Voskamp gelang ein 2. Platz bei der Tour Of Belgium (2,2) und bei der Tour Driedaagse van de Panne-Koksijde (2,2) stand Löwik auf dem 3.Podiumsplatz. Zu 2 Etappensiegen reichte es für Brard bei Paris-Correze (2,3) und bei Giro della Provincia di Lucca (2,3).

 

Insgesamt konnte das Jahr den hohen Ansprüchen nicht genügen. Überdies wurde der ambitionierte Bruylandts des Dopings überführt und daraufhin aus dem Team ausgeschlossen. Das Team übernahm gerade in der 2. Hälfte der Saison eine sehr unscheinbare Rolle und vielleicht waren sie zum Schluss auch schon verschwunden. Man weiß es nicht, da man das Team nicht mehr vernahm.

 

In der nächsten Saison wird Chocolade Jacques als Professional Team weitermachen. Zu diesem Zweck hat man sich mit Vlaanderen T-Interim zusammengeschlossen und heißt nun Choclade Jacques-T-Interim. Der Stamm des künftigen Teams wird aber aus Fahrern des T-Interims bestehen. Den eigenen Kader hat man nach der Saison nahezu geschlossen vor die Tür gesetzt. Lediglich Ardila, Koerts und Löwik konnten wirklich überzeugen und man wird von ihnen auch in der Zukunft noch hören. Der Rest muss sich berappeln. Aber das dürfte heute den Verantwortlichen ziemlich egal sein.



Anmerkung zum Kommentar oder zur Saison von Chocolade Jacques:


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