Der Wortlaut:
Es reicht. Seit Jahrzehnten beißen konsequente Doping-Gegner bei Sportorganisationen und nationalen Regierungen auf Granit. Weil es dort um den nationalen Erfolg im internationalen Kräftemessen geht, gilt unausweichlich: Das System duldet Doping, aber keinen Dopingfall. Wir wiederum dulden das nicht mehr. Dem Eindruck, dass sich die Sportverbände aus Ost- und Westdeutschland zusammengefunden haben, auch um das Dopingsystem zu perfektionieren, wollen wir Dopinggegner mit vereinten Kräften entgegen treten. Wir fordern von Politik und Sport ein konsequentes und glaubwürdiges Eintreten für einen sauberen Sport. Die Unterzeichner ZWEITER OFFENER BRIEF 10.04.2012
- an die früheren und amtierenden Aktivensprecher des Deutschen Leichtathletik-Verbandes und die Mannschaft des DLV an der Leichtathletik-Europameisterschaft von 1986 in Stuttgart - an die bis heute Verantwortung tragenden damaligen und amtierenden Funktionäre und Mediziner des DLV - an die Mitglieder des Bundestagssportausschusses - an DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach
ZUM 25. TODESTAG DER LEICHTATHLETIN BIRGIT DRESSEL
Wir erinnern an den qualvollen Tod von Birgit Dressel vor 25 Jahren, dessen Umstände bis heute nicht geklärt sind und für den niemand jemals Verantwortung übernahm. Der Spiegel dokumentiert in seiner Ausgabe 37/1987 ihr grauenvolles Sterben. Staatsanwaltschaft, Sportverband, Trainer und Ärzte sind bis heute eine Antwort schuldig, wie und unter wessen Verantwortung über einhundert Medikamente in den Körper der im Medikamentenschock buchstäblich krepierten Siebenkämpferin gelangten. Wir verwahren uns dagegen, dass Prof. Digel das Gedenken an Birgit Dressels Leiden dazu missbraucht, über das weltweite Kontrollsystem zu lamentieren. Digel war seit 1976 in der Ethik-Kommission des DSB genauestens über die Dopingszene in der BRD informiert. Als DLV-Präsident von 1993 bis 2001 hätte er Doping glaubwürdig bekämpfen können. Unter seinem Präsidium wurden DDR-Trainer eingestellt – auch Thomas Springstein 1999 zum zweiten Mal. Auch in seinen IAAF-Ämtern hätte er die Doping-Bekämpfung vorantreiben können.
Wir rufen die Aktivensprecher und Mannschaftskameraden Birgit Dressels bei der Leichtathletik-EM von 1986 in Stuttgart auf, vom DLV die lückenlose Aufklärung des Todes ihrer Teamkollegin einzufordern. Diese EM waren die letzten internationalen Titelkämpfe, die Birgit Dressel erlebte. Diese Geste kann das EM-Team seiner verstorbenen Athletin nicht verwehren.
Wir bitten die DLV-Athleten jener Jahre, die heute um die 50 Jahre alt sind, sich im gleichen Sinne zu ihrem damaligen Tun zu bekennen, wie es vor genau einem Jahr Joachim Gauck in seiner Laudatio anlässlich der Verleihung des Ethik-Preises der DJK mit Blick auf die DDR-Athleten erbat: „Wir sind traurig über diese Top-Athleten, die nicht aufwachen wollen, die nicht sehen und benennen wollen, was sie gemacht haben.“ Dieser Forderung des heutigen Bundespräsidenten müssen alle Athleten im vereinten Deutschland nachkommen, wenn Leistungssport wieder vorbildlich sein soll.
Wir regen darum an, dass der DLV den 25. Todestag Birgit Dressels zum Anlass nimmt, eine Birgit-Dressel-Stiftung ins Leben zu rufen, die wirksame Dopingprävention unterstützt.
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